Berta-Griechenland25-Tag62


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Dienstag, 27.05.2025 – Sarajevo

Vom Rafting Camp bis zum Restaurant Vlašićka kuća in Turbe – 203 km

Wetter: morgens Regen, dann zunehmend sonnig, 14 bis 22 Grad

Der neue Tag überraschte uns mit tief hängenden Wolken, aus denen es dann auch ein paarmal kurz regnete. Wir nutzten den Campingplatz für eine morgendliche Dusche. Da wir die einzigen Gäste waren, ging das ganz gut trotz der veralteten Anlage.

Um 9 Uhr starteten wir nach Sarajevo. Die Straße wurde jetzt etwas besser, aber blieb weiterhin sehr kurvig. Es ging ja auch am Fluss entlang. Unterwegs begegneten wir tatsächlich wie vor 40 Jahren einem Pferdefuhrwerk.

Der Himmel machte sich immer mehr auf und als wir in Sarajevo ankamen, schien die Sonne, es war aber nur 20 Grad warm. Wir fuhren auf einen Parkplatz an der Hauptstraße gleich neben der Altstadt, der zwar stolze 10 Euro Parkgebühr kostete, dafür aber optimal gelegen war und vom Restaurant gegenüber überwacht wurde. So konnten wir unser Ränzlein (bzw. den Rucksack) packen und ohne Sorgen um die Berta die Stadt erkunden.

Udo hatte sich im Internet bereits eine Tunneltour ausgesucht. Den Veranstalter “Insinder” dieser Tour suchten wir als erstes auf. Sein Büro liegt am Rand der Altstadt und wir brauchten keine 10 Minuten zu Fuß, um am Rathaus vorbei dorthin zu kommen. Man teilte uns mit, dass um 14 Uhr eine Tour auf Deutsch startet. Es hätten sich bereits drei weitere Personen angemeldet, daher fände die Tour auf jeden Fall statt.

Es war inzwischen 11:30 Uhr, so hatten wir noch viel Zeit für einen Bummel durch die Altstadt und ein Mittagessen. Wir suchten und fanden die Fotomotive unseres Sarajevo-Besuches vor 40 Jahren.

Zuerst ging es durch die Baščaršija, das historische Stadtzentrum mit dem orientalischen Bazar. Wie damals gibt es hier auch heute noch kleine Läden, Handwerksbetriebe, Restaurants und Cafés. Wir kauften uns ein Spritzgebäck mit Zuckersoße und hatten danach klebrige Finger. Da war es gut, als wir kurz danach am Sebilj-Brunnen vorbeikamen und nicht nur ein wichtiges Foto machen, sondern auch die Hände waschen konnten.

Nicht nur den Brunnen, auch das Minarett der Gazi-Husrev-Beg-Moschee war uns noch in Erinnerung und natürlich die kleine “Kupfergasse”, die immer noch so aussieht wie vor 40 Jahren.

1984: Der Platz um den Sebilj-Brunnen ist zentrales Element in der Altstadt, rundherum gibt es die Handwerkerläden und Restaurants - 2025: Der Sebilj-Brunnen ist wieder aufgebaut. Wer nicht weiß, dass diese Gebäude im Krieg zerstört waren, würde dies nicht bemerken.

1984: Jede Gasse war für ein bestimmtes Gewerk, hier die Gasse der Kupferartikel. - 2025: Die Kupfergasse gab es immer noch. In den anderen Gassen dominieren die Restaurants.

Blick vom Sebilj-Brunnen in das Gewusel der Altstadt.

Beispiele aus der Kupfergasse. Skuril sind die Kunstwerke aus Patronen.

So langsam bekamen wir Hunger und aßen in einem von Einheimischen stark frequentierten kleinen Restaurant verschiedene Börek-Rollen (gefüllt mit Spinat, Kartoffeln, Käse, Hackfleisch) und Joghurtsoße. An anderer Stelle der Altstadt sahen wir das Hotel Europa, es ist auf den Ruinen des ersten und damals größten Gästehaus der Region aus dem 4. Jahrhundert erbaut.

Sarajevo ist auch heute noch Bischofssitz des Islam, der orthodoxen und der katholischen Kirche. Weiterhin sind in Sarajevo noch 20 andere Glaubensrichtungen heimisch. Bosnien ist wohl eine freie, offene und vielfälltige Gesellschaft.

Weiter ging es zur Markthalle mit angrenzender kleinen ärchäological Site neben dem großen Hotel Holiday. Dahinter gönnten wir uns noch einen Cappuccino, um vor der Tour noch etwas hinsitzen und ausruhen zu können.

Nun war es auch schon Zeit, zum “Insider” zurückzukehren. Die drei anderen Personen, die außer uns die deutsche Tour gebucht hatten, hatten abgesagt. So bekamen wir eine Privatführung von einem Bosnier, der den ganzen Krieg in Sarajevo blieb und nach dem Krieg 22 Monate lang in Kaiserslautern als Krankenpfleger gearbeitet hatte. Heute lebt er wieder in Sarajevo, ist ein glühender Patriot und versteht es nicht, warum Kroatien in der EU ist und sein Land die Mitgliedschaft noch nicht bekommen hat. Kroatien und Serbien haben Bosnien wohl immer wieder angegriffen und die Serben haben im Jugoslawienkrieg die Stadt Sarajevo fast komplett umzingelt, abgeriegelt, beschossen und zerstört. Alles, was wir heute sehen können, sei wieder aufgebaut und restauriert worden, meinte unser Führer.

Wir durften in sein Auto steigen und wurden eine halbe Stunde lang bis zum Flughafen kutschiert. Während der Fahrt lernten wir einiges über Bosnien und den Krieg. Unser Ziel war der “Tunnel of Hope”, ein Fluchttunnel während der Belagerung von Sarajevo (1992–1995). Er war eine unterirdische Fußweg-Verbindung unter der Start- und Landebahn des Flughafens Sarajevo und diente ab Mitte 1993 sowohl zur Flucht aus als auch zur Versorgung der belagerten Stadt mit Lebensmitteln, Medikamenten, Sprit, Waffen und Munition. Fast wie durch ein Wunder blieb der schmale Tunnel von den Serben unentdeckt. Heute ist hier ein Museum, wo man einen Film mit Originalaufnahmen sehen, mehrere Bilder, Tafeln und Ausstellungsstücke anschauen und auch ein Stück des Tunnels begehen kann. Wir bekamen viel erklärt und waren 90 Minuten auf dem Museumsgelände. Es war wirklich interessant und durch die deutsche Führung haben wir alles verstanden und viel gelernt.

Die Karte zeigt die Länder, in die das ehemalige Jugoslavien zerfiel. Bosnien wurde von 2 Seiten angegriffen, von den Serbien und Kroatien. Die Olympiakarte von 1984 wurde offiziell genommen, um den Belagerungszustand von Sarajevo zu zeigen.

Neben diesem Haus wurde der 'Tunnel of Hope' gegraben. Heute wird hier die Geschichte des Krieges erzählt und einige Originalgeräte des Krieges ausgestellt. Hier ein Fiat-Motor mit Generatort, um ein wenig Strom für die Keller zu erzeugen, wobei das Benzin ein Luxusgut gewesen war.

Wie in den Tunnel-Museen in Berlin, werden die Originalgeräte und ein Modell des Tunnels ausgestellt.

Über Bilder wurden die Geschichten aus Kriegszeiten erzählt, wie die erste Hochzeit in Sarajevo, 3 Monate nach Kriegsbeginn. Die Miss-Sarajevo-Wahl, die in den Kellern durchgeführt wurde oder das Konzert von Iron Maden, der trotz Krieg ein Konzert gegeben hat.

Besonders schwierig waren die Winter, die in Sarajevo auch bis zu -20 Grad kalt sein können. Es musste Nahrung, Brennmaterial und Kleidung beschafft werden. Alle Güter, die nach Sarajevo hinein kamen, wurden durch den Tunnel transportiert. Es waren wohl über 4000 Menschen, die täglich den Tunnel passierten.

Im Deckel zum Tunnel sind noch die Treffer der Granatsplitter zu sehen. Der originale Eingang ist noch zu sehen. Begehen kann man ein Stück restaurierten Tunnel, der einem das Gefühl vermittelt, wie eng das sein kann.

Unser Guide meint, dass das was heute in der Ukraine abläuft, dasselbe ist, wie es zwischen Bosnien und Serbien war. Er warnt vor den rechtsnationalistischen Parteien, die auch heute immer noch tätig sind und immer mehr Einfluss gewinnen. Eigentlich hat er noch immer Angst, dass es wieder los geht. Er wird aber immer in Sarajevo bleiben, es ist seine Heimat, wo soll er hin?

Anschließend wurden wir wieder in die Stadt zurückgefahren und kurz vor 17 Uhr wunschgemäß in der Nähe des Rathauses ausgeladen. Die Tour hat uns 60 Euro gekostet, aber das war sie unbedingt wert.

Auf dem Platz gegenüber des Rathauses aßen wir noch einen echten jugoslawischen Kebab, frisch und mit guten Zutaten zubereitet. Bis zur Berta waren es nur noch ein paar Schritte, so dass wir um 18 Uhr weiterfahren konnten.

Wir wollten noch ein Stück in Richtung Plitvice zurücklegen, damit wir morgen nicht so viel fahren müssen und hoffentlich den Park noch besichtigen können. Nach einigem Suchen fanden wir einen Parkplatz beim Restaurant Vlašićka kuća in Turbe, wo man laut Park4Night umsonst stehen darf. Um 19:45 Uhr kamen wir dort an und Xenia fragte im Restaurant, ob wir hier bis morgen parken dürfen. Sie bekam zur Antwort: “Yes, you can stay over night, no problem!” Wir hätten im Restaurant zu Abend gegessen, wenn wir nicht schon in Sarajevo den Kebab gegessen hätten. So nahmen wir das freundliche Übernachtungsangebot gerne und dankbar an.


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