Berta-Griechenland25-Tag47


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Montag, 12.05.2025 – Aufstieg zum “Tanz von Zalongo”, Flusswanderung Acheron

Vom Kloster Agios Dimitrios bis nach Glyki - 52 km / Wanderung 6,3 km

Wetter: vormittags wolkig, dann zunehmend sonnig. 15 bis 26 Grad

Heute war der Tag der Pleiten, Glück und Pannen. Unser Schutzengel hatte wirklich Arbeit mit uns!

Der Tag startete ganz harmlos. Nach einer ruhigen Nacht mitten in der Natur starteten wir um 9:30 Uhr zum Kloster Agios Dimitrios, fuhren durch die geöffnete Pforte und stellten die Berta auf den Klosterparkplatz. Außer uns war keiner da. Wir waren jetzt wieder in den Bergen und die Temperatur war mit 15 Grad noch recht frisch.

Die erste Herausforderung des Tages bestand darin, die 409 Stufen zum Monument “Tanz von Zalongo” hinaufzusteigen. Der Weg startete direkt hinter dem Kloster und wir bewältigten ihn ohne Probleme. Je höher wir kamen, umso besser wurde die Aussicht. Oben angekommen konnten wir weit übers Land und bis zum Meer schauen – wirklich grandios! Das einzig Beklemmende war die Geschichte, die mit diesem Ort verbunden ist.

Da wir nun mal schon da waren, gingen wir auch noch die 200 Meter bis zu einer kleinen Kirche, die aber abgesperrt war. Dafür gab es davor einen gelben Mülleimer. Wer den wohl leert? Und es war sogar eine Papiertonne, zumindest stand “Paper” darauf und es war ein Karton abgebildet. Jetzt trennen die auch noch den Müll auf dem Berg!! Zufahrt gibt es keine ...

Wieder unten angekommen, statteten wir dem Kloster und der Klosterkirche einen kurzen Besuch ab.

Dann fuhren wir ein kurzes Stück den Berg hinunter. Eigentlich wollten wir noch zu einer archäologischen Stätte, aber Google zeigte einen falschen Weg und wir fanden den Einstieg dazu nicht. Wir hielten in einer kleinen Bucht an und entschlossen uns bei einem Laugenwecken und einem Cappuccino, in die Acheron-Schlucht weiterzufahren. Xenia hatte dort eine schöne Wanderung in Kombination mit einer Flusswanderung entdeckt. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und so fuhren wir in Richtung Glyki, wo die Wanderung beginnt.

Unterwegs wollten wir uns noch mit neuem Frischwasser versorgen, denn der Füllstand lag nur noch bei 25%. Park4night weist dafür auf unserer Strecke ein paar Möglichkeiten aus. Die erste war eine Wasserquelle, die aber direkt an der Straße war und Udo nicht so behagte. Wir fuhren weiter und Udo stellte ein Klappern fest, das wir bisher so noch nicht gehört hatten. Da erinnerte sich Xenia daran, dass ihr Seitenfester noch offen war. Udo hielt an, Xenia kletterte die Leiter hoch in ihr Schlafgemach und erschrak nicht schlecht: das Fenster war weg! Udo konnte es zuerst gar nicht glauben, aber es war so. Was jetzt?

Wir drehten um, fuhren langsam die Straße zurück und überlegten dabei fieberhaft, wo vielleicht ein Ast das Dach gestreift und das Fenster weggerissen haben könnte. Vielleicht vor einer halben Stunde in der kleinen Bucht, wo wir Streckenplanung gemacht hatten?

Es grenzte schon fast an ein Wunder: Nur wenige Kilometer und Minuten nach dem Umdrehen sah Xenia das Fenster im Gras neben der Fahrbahn liegen. Udo hielt an und holte es. Die Scheibe war noch ganz unbeschädigt, lediglich an der Umrandung war ein Stück weggebrochen. An dieser Stelle muss die Scheibe auf der Straße aufgeschlagen und dann in die Böschung geflogen sein. Die Befestigungen waren auch alle noch in Ordnung und es gelang Udo, die Fensterscheibe wieder so einzusetzen, dass Xenia sie innen verriegeln konnte und das Fenster fest verschlossen war. Öffnen werden wir es lieber nicht mehr, aber dicht ist die Luke wieder.

Ziemlich fertig mit den Nerven fuhren wir ins nächste Ort zu einem Café, wo es laut Park4night eine Möglichkeit zum Wassertanken gibt. Wir konnten eine Erholungspause nach dem Schreck bei einer Tasse griechischem Kaffee (Udo) und einem Cappuccino (Xenia) gut gebrauchen. Die junge Besitzerin war sehr nett, hatte einige Jahre in Mannheim gelebt und sprach daher sehr gut Deutsch. Sie erlaubte uns, unseren Schlauch an ihren Außenwasserhahn anzuschließen und so kamen wir zu neuem Frischwasser.

Nachdem es vormittags noch einige Wolken am Himmel gegeben hatte, wurde es jetzt zunehmend sonnig und auch gut warm.

Wir fuhren weiter an den Acheron bei Glyki. Auf der anderen Seite des Flusses standen schon einige Wohnmobile, aber wir stellten uns auf einen Platz, der auf der von Xenia ausgesuchten Tour lag. Es war inzwischen schon 15 Uhr geworden, aber die Wanderung war nur 6,5 km lang und mit 2,5 Stunden angegeben. Die Sonne schien, uns ging es wieder gut und so packten wir Badeschuhe und Xenia ihren Bikini ein, um auch ein Stück im Fluss gehen bzw. waten zu können. Um 15:30 Uhr starteten wir. Dass es 19 Uhr werden würde, bis wir wieder zurück sind, und was da noch auf uns wartete, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der erste Teil der Wanderung ging zuerst einmal ein Stück den Berg hinauf und dann auf halber Höhe den Fluss entlang. Es war ein schöner kleiner Wanderweg der allerdings die meiste Zeit durch den Wald ohne Sicht auf den Fluss führte. Das hatte sich Xenia eigentlich anders vorgestellt und wir freuten uns auf den Rückweg am bzw. streckenweise im Fluss.

Nach 3 km führte uns der Weg an den Fluss hinunter und bevor wir den Rückweg antraten, machten wir eine kleine Trink- und Müsliriegelpause.

Ab jetzt ging es flussabwärts. Zuerst gab es noch einen Weg auf der anderen Seite des Flusses. Er führte uns aber immer weiter den Berg hinauf und wurde dabei immer kleiner und unwegsamer. Am Ende mussten wir ein ganzes Stück steil den Berg hinunter zum Acheron absteigen und dort war dann endgültig Schluss mit Weg. Das hat uns nicht weiter schockiert, denn darauf waren wir vorbereitet.

Jetzt kamen die Badeschuhe zum Einsatz, Xenia ging gleich in der Bikinihose. Wir haben später in einem Reisebericht gelesen, dass der Acheron das ganze Jahr über 9°C haben soll – das Wasser kam uns aber einiges wärmer vor. Es war ganz klar und streckenweise türkisblau. Die Temperatur war nicht das Problem, mehr die Strömung und vor allem die tiefen Stellen.

Wir kamen durch eine Felsenschlucht, wo wir einer tiefen Stelle, durch die wir nur schwimmend gekommen wären, über ein oaar Felsen sehr abenteuerlich ausgewichen sind. Die letzten 2 Meter sind wir regelrecht über den Fels ins Wasser gerutscht.

Nun ging es ganz gut weiter und wir hofften schon, es geschafft zu haben – da kamen wir zum nächsten Schluchtabschnitt, wo die Felsen wieder ganz eng waren und das Wasser dadurch eine ordentliche Strömung bekam. Xenia ging voraus, um die Tiefe auszuloten. Sie war inzwischen nur noch mit ihrem Bikini bekleidet und konnte schwimmen. Udo dagegen hatte den Rucksack auf dem Rücken mit unserer Wegzehrung, den ausgezogenen Schuhen und Kleidern und allen wichtigen Dingen, die wir nicht im Auto lassen wollten. Alle elektrischen Geräte hatten wir nach der Felsumrundung in Plastiktütchen verpackt, die Udo noch im Rucksack hatte. Wir befürchteten, sie könnten nass werden und umkehren konnten wir eigentlich nicht mehr. Es wäre viel zu weit gewesen und über die Felsen wären wir in die andere Richtung nicht mehr gekommen.

So blieb nur die Flucht nach vorne. Xenia ging voraus, Udo reichte ihr manchmal den Rucksack über einen Felsen, um selbst bauchtief im Wasser darum herumgehen zu können. So kamen wir langsam voran, bis wir an eine Passage kamen, wo es ohne schwimmen nicht mehr weiterging. Für Xenia kein Problem, für Udo mit Rucksack unmöglich. Darauf waren wir nicht vorbereitet und dafür auch nicht ausgerüstet. Was jetzt??

Udo meinte: wir müssen irgendwie den Berg hinauf kommen. Xenia meinte: aber auf der Seite, wo oben der Wanderweg verläuft. Wenn wir es irgendwie bis zu diesem schaffen, dann haben wir es geschafft. Wir suchten und fanden eine Stelle, wo wir das Flussbett verlassen konnten, und kämpften uns durchs Gestrüpp, das teilweise auch noch dornig war, nach oben. An ein paar Stellen meinten wir, einen kleinen Weg erkennen zu können, dann war wieder nichts mehr da. Udo schnitt mit einem Taschenmessen immer wieder dornige Ruten ab, trotzdem zogen er sich einige blutige Kratzer zu. Auch Xenia hatte noch schwer zu kämpfen, aber bei ihr bleib es bei einigen unblutigen Kratzern. Wie groß war die Erleichterung, als wir endlich auf den Wanderweg trafen! Geschafft!! Der Weg bis zur Berta war gar nicht mehr so lang, wir hatten unten im Flussbett schon einen großen Teil zurückgelegt.

Zurück an der Berta fuhren wir ein Stück zurück auf der Straße, die wir anfangs gewandert waren, bis zu einem schönen gepflasterten kleinen Parkplatz. Dort war es nicht so laut wie direkt am Fluss und dort parkten wir für die Nacht.

Nun mussten noch die nassen Sachen versorgt und Udos Hose und T-Shirt, die der Fluss und das Gestrüpp auf dem Rückweg ziemlich mitgenommen hatten, gewaschen werden.

Um 20 Uhr gab es Spaghetti mit Tomatensoße und Salat, dazu ein kaltes Cola. Die Kohlehydrate taten jetzt gut, draußen wurde es langsam dunkel und wir waren froh und dankbar, dass wir unser Fenster wieder hatten und unser Flussabenteuer noch einmal glimpflich ausgegangen ist.


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