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Montag, 07.04.25 – Keine Aggitis Höhle, Alistrati Höhle, Chaos in Thessaloniki
Von der Aggitis Höhle bis zur Kalochori Lagune bei Thessaloniki - 225 km
Wetter: nachts Regen, vormittags bewölkt, dann sonnig bis wolkig, 5 bis 11 Grad
Heute gönnten wir uns ein längeres Ausschlafen, da die Aggitis River Cave laut google erst um 10:30 Uhr öffnet. Als wir das am gestrigen Abend herausgefunden hatten, waren wir etwas genervt, denn schließlich standen wir schon direkt davor und hätten sonst die Alistrati Höhle zuvor besucht, die auf dem Weg lag und schon früher öffnet.
In der Nacht schüttete es wie aus Kübeln und als wir morgens aus dem Fenster schauten, staunten wir nicht schlecht: Schnee! Nicht direkt bei uns, aber man sah an den uns umgebenden Bergen genau die Schneefallgrenze nicht weit oberhalb von uns, und als wir später den Rückweg nach Thessaloniki antraten, kamen wir an etwas Schnee am Straßenrand und auf den Feldern vorbei.
Nach einem gemütlichen Frühstück gingen wir zum Eingang der Höhle. Das Kartenhäuschen war auch besetzt, allerdings bekamen wir von dem Mann darin die Auskunft, dass die Höhe “unfortunatly closed” sei. Der Fluss Aggitis habe zu viel Wasser, eine Einfuhr mit dem Boot sei wohl erst in ein paar Wochen wieder möglich. Das war natürlich sehr enttäuschend! Waren wir doch 200 km und 3,5 Stunden hierher gefahren, um die größte Flusshöhle der Welt zu besichtigen! Auf unsere Aussage, dass es doch nett gewesen wäre, im Internet zu vermerken, dass die Höhle geschlossen ist, meinte der Mann, dass das Office doch besetzt sei, nur der Höhlenbesuch sei nicht möglich. Das hätte er auch in die “News” auf der Homepage geschrieben, aber halt nur auf Griechisch. Toll!
Was sollten wir machen? Gute Miene zum bösen Spiel, sich die Laune nicht verderben lassen und den langen Weg wieder zurückfahren. Eine Weiterfahrt in die Nestorschlucht, die auf Xenias Plan stand, machte bei 5 Grad und Schnee wirklich keinen Sinn.
Xenia hatte am Tag zuvor auf der Strecke ein braunes Hinweisschild mit einer weiteren Höhle, der Alistrati Höhle entdeckt. Unsere Recherchen hatten ergeben, dass es sich hier um eine sehr schöne und große Tropfsteinhöhle handeln müsse. Sie lag nur 6 km von unserer Route entfernt, daher machten wir einen Abstecher zu ihr. Und dieser hat sich wirklich gelohnt! Allerdings hatten wir das Pech, dass zwei große Reisebusse mit Schulkindern da waren, die in mehreren Gruppen durch die Höhle geschleust wurden. Einer dieser Gruppen schlossen wir uns an. Wir hätten sonst nochmal über eine Stunde warten müssen.
Es war dann aber gar nicht so schlimm. Wir ließen die Kinder vorausgehen und konnten uns hinter ihnen die Tropfsteine und sonstigen Formationen in Ruhe anschauen.
Schon beim Eintreten in die Höhle dachte man, in einer anderen Märchenwelt zu sein. So viele Tropfsteine, große und kleine, von unten und von oben. Wirklich bezaubernd.
Die ersten beiden Stationen wurden von einem Roboter erläutert, der von Station zu Station fuhr und über Lautsprecher erzählte, was es zu sehen gab. Das ging ganz gut, da die Höhle vermeintlich sehr eben ist, allerdings dann auf dem einen Kilometer (insgesamt 1,6 km lang) doch um 50 m ansteigt. Eine Besonderheit der Höhle sind die sogenannten Diskus-Tropfsteine, die als runde Scheibe an der Decke beginnen und dann Schleier-Tropfsteine unter sich bilden.
Außerdem gibt es hier besonders seltene Formen von Tropfsteine, sogenannte Heliktiten. Sie sind wie mit kleinen Stielen, Verästelungen oder Kristallen überzogen. Der Tropfstein wächst hier nicht der Schwerkraft nach, sondern in alle Richtungen, was es nur in Höhlen mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit und ohne Belüftung gibt. Davon gibt es nur ganz wenige auf der Welt, die Alistrati Höhle ist eine von ihnen.
In einem Raum war der Boden ganz schwarz, das waren Exkremente von Fledermäusen, die sich hier über Jahrtausende angesammelt haben. In Griechenland gibt es keine Fledermausschutzzeit, wie bei uns, wo die Höhlen von Oktober bis April zum Schutz der Fledermäuse geschlossen sind. Hier nimmt man es in Kauf, dass man die Fledermäuse mit dem Licht und dem Lärm der Besucher vertrieben hat und diese hoffentlich ein anderes Winterquartier gefunden haben.
Der Besuch der Höhle dauerte fast eine Stunde und es war 13 Uhr, als wir wieder an der Berta waren. Da wir aber beide nicht hungrig waren, fuhren wir weiter in Richtung Thessaloniki.
Wir waren immer noch auf dem Abstecher von der Hauptstraße zur Höhle, als Udo meinte, das Gebiet um uns sähe ganz ähnlich aus wie das, was wir auf einem Bild von vor 40 Jahren haben. Damals saßen wir in der Wildnis vor unserem roten Bus und haben gefrühstückt. Außerdem sind im Hintergrund die mit Schnee bedeckten Berge zu sehen. Wir suchten eine kleine Abfahrt von der Straße, wo wir herausfahren und diese Szene nachstellen konnten. Nach kurzer Zeit fanden wir auch eine. Udo fuhr ab und den kleinen unbefestigten Weg ein Stück entlang. Es war ein Stück zu weit, zumal der Weg auch noch leicht bergab ging.
Udo machte 2 Bilder, aber auch ihm war nicht ganz wohl und er wollte lieber wieder zurückfahren. Dass das nur rückwärts ging, das war klar. Aber der Boden war durch den nächtlichen Dauerregen so durchnässt, dass wir tatsächlich im Dreck hängenblieben. Der Weg hatte zwar einen geschotterten Untergrund, die 2 cm Lehmschicht oben drauf genügte, dass die Räder durchdrehten, der Dreck spritzte und nichts ging mehr. Was jetzt?? Udo hatte den rettenden Einfall. Wir hatten noch leichte Schneeketten dabei, Teile aus Plastik mit Stahlnoppen. Zwei der vier Stück zogen wir auf die Vorderräder auf, dann startete Udo einen Fahrversuch. Tatsächlich, es funktionierte! Kam das Viertel der Räder auf die Straße, das mit den Ketten überzogen war, fuhr das Auto ein paar Zentimeter, dann rutschte es, bis wieder die Ketten fassten. So bewältigte Udo die 30 Meter, die er bis zur Kuppe fahren musste. Der Dreck spritzte rechts und links, eine tiefe Spur wurde durch den Boden gepflügt und die Ketten waren danach futsch – aber wir waren wieder auf festem Untergrund. Gott sei Dank!!
Weiter ging die Fahrt. Wir knabberten ein paar Nüsse und Salzgebäck während der Fahrt, da wir noch zu Geschäftszeiten in Thessaloniki ankommen wollten, um einen Fahrradladen bzw. eine Reparaturwerkstatt aufsuchen konnten.
Unsere Vorräte an Obst, Salat und Milch waren aufgebraucht, deshalb hielten wir unterwegs trotzdem noch an einer Station an, wo Xenia einen Lidl besuchen und Udo nebenan die Berta waschen konnte. Beides war wirklich nötig!
Dann ging es aber endgültig und auf direktem Weg zu einem Fahrradladen in Thessaloniki, den Xenia im Internet ausgesucht hatte. Er lag direkt an der Straße, die wir in die Stadt hineinfuhren. Das erste Problem war schon hier, eine Stelle zu finden, wo Udo anhalten konnte. Das ging nur im Halteverbot, aber Udo war nicht der Einzige und Xenia ging alleine, um den Laden zu suchen. Das Schild war wohl da, so wie im Internet gezeigt, aber den Laden gab es nicht mehr. Er hätte schon vor einiger Zeit dichtgemacht, sagten die Nachbarn. Eine freundliche Frau an der Rezeption einer Autowerkstatt gab mir die Adresse eines naheliegenden Fahrradgeschäftes. Sie rief sogar dort an, damit wir sicher sein können, dass sie geöffnet haben.
Nun war dieses zweite Geschäft aber fast im Zentrum von Thessaloniki und ein Parken dort war so gut wie unmöglich. Xenia sprang vor dem Laden kurz aus der Berta, um nachzufragen. Ja, sie würden sich das Bike anschauen, aber wir müssten es vorbeibringen. An ein Ausladen war an der vielbefahrenen Straße ohne Parkplatz nicht zu denken. Wir mussten also einen Parkplatz in der Nähe finden. Das gestaltete sich äußerst schwierig. Wir kamen durch kleine Straßen, alles wild zugeparkt. Das Navi führte uns Gassen, die selbst für einen kleinen PKW schwierig zu fahren gewesen wären. Nachdem wir einmal fast nicht mehr herausgekommen wären und Udo nur um Haaresbreite an einem anderen Auto vorbeikam, brachen wir das Unternehmen genervt ab. Wir wollten nur noch irgendwo hinstehen, etwas essen und durchschnaufen!
Xenia hatte in Flughafennähe einen Wohnmobilhändler entdeckt, der kostenlose Plätze für Wohnmobile anbietet. Dorthin waren es wohl noch 30 km, aber wir steckten im Berufsverkehr in der Innenstadt und wussten einfach nichts Besseres. Also fuhr Udo dorthin. Auf dem Weg recherchierte Xenia noch einmal und fand einen weiteren E-Bike-Laden an dieser Strecke, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Die Straße dorthin sah fahrbar aus und Udo riskierte es. Tatsächlich, das Geschäft war da und es gab sogar einen geeigneten Kundenparkplatz für uns! Jetzt ging Udo hinein und konnten das Rad bringen. Ein netter Mechaniker baute das Hinterrad aus, überprüfte alles und kam zum Schluss, dass der Leerlauf einen Macken hat, er hierfür kein Ersatzteil habe, aber man so noch damit fahren könne.
Eine Reparatur wäre Xenia lieber gewesen, aber wenigstens waren wir jetzt etwas beruhigter. Wir nutzten den Parkplatz für eine Kombination aus Kaffeetrinken und Abendessen, denn es war inzwischen 18:30 Uhr geworden.
Auf dem Parkplatz sahen wir einen Mikrolino, ein Nachbau der Isetta, aber vollelektrisch. Laut google-Recherche kommt das Fahrzeug aus der Schweiz und kostet derzeit ca. 15.000 Euro.
Jetzt brauchten wir noch einen Schlafplatz und entschieden uns für die Lagune von Kalochori, 8 km von Thessaloniki entfernt in die Richtung, in die wir weiterfahren wollten. Von Thessaloniki haben wir genug gesehen! Die Fahrt zur Lagune gestaltete sich problemlos, da wir die Umgehungsstraße von Thessaloniki nehmen konnten.
Um 19:45 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz an, gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. In diesem Gebiet soll es Flamingos, Silberpelikane und Reiher geben. Wir sahen in der Ferne auch einige große Vögel, aber ob das solche Tiere waren? Egal, Hauptsache angekommen und ein Schlafplatz für die Nacht!
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