Berta-Baltikum26-Tag63


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Samstag, 01.08.2026 – Fahrt nach Polen, Jezioro Biale (Weißer See), Augustow

Von Grutas bis Augustow – 116 km

Wetter: Vormittags Regen, danach bewölkt mit sonnigen Abschnitten, abends Gewitter – 24 Grad

Am Morgen nahm Udo vor dem Frühstück ein Bad im See, dann überraschte uns der Regen. Außerdem hatte es auf 15 Grad abgekühlt - was für ein Unterschied zum Vortag!

Auf Xenias To-do-Liste fürs Baltikum war nur noch ein letzter Punkt offen: der Grutas Skulpturenpark. Er ist ein Freilichtmuseum, das eine Sammlung von Skulpturen, Statuen und Relikten aus der sowjetischen Besatzungszeit zeigt. Nach der Unabhängigkeit Litauens wurden diese ideologischen Denkmäler von öffentlichen Plätzen demontiert und ab 1999 von einem geschäftstüchtigen litauischen Unternehmer auf einem Waldgelände zusammengetragen und werden jetzt der Öffentlichkeit zu saftigen Preisen zum Besichtigen angeboten. Das Ganze muss eine ziemliche Abzocke sein. Nachdem es jetzt auch noch regnete, strichen wir den Park von unserer Liste, obwohl wir nur 1,5 Kilometer von ihm entfernt waren. Stattdessen fuhren wir weiter in Richtung Heimat.

In Druskininkai hielten wir noch einmal bei einem litaurischen Lidl, um die Pfandflaschen abzugeben und uns mit Lebensmittel für die nächsten Tage einzudecken. So mussten wir in Polen nicht gleich zum Einkaufen.

Auf dem Weg zur polnischen Grenze kamen wir kurz vor Veisiejai am relativ kleinen Snaigynas Aussichtsturm vorbei. Da er direkt am Weg und an einem See lag, legten wir bei ihm eine Pause ein. Zuerst machten wir eine Vesperpause mit Lidl-Snacks, dann stiegen wir auf den Turm. Als man ihn gebaut hat, muss man wohl nicht daran gedacht haben, dass Bäume wachsen. Jedenfalls war die Aussichtsplattform nicht hoch genug, um über den Baumwipfeln einen schönen Ausblick auf den See zu haben. Das holten wir anschließend nach, indem wir noch vor zum See gingen. Man hätte hier auch schwimmen können, aber wir fuhren weiter.

An der polnischen Grenze mussten wir die Berta wieder für eine kurze Inspektion eines Grenzbeamten öffnen. Er schaute sich aber nur kurz um und wünschte uns eine gute Reise. Auch die Autos vor uns mussten alle kurz ihren Kofferraum öffnen. Ob sie hier wohl nach illegal Einreisenden suchen?

Nach der Grenze bekamen wir eine Stunde Zeit geschenkt – wir hatten wieder mitteleuropäische Zeit.

In der Nähe von Augustow hatte Xenia eine Radtour um den Jezioro Biale und durch die Stadt geplant. Dieses Unterfangen sollte sich als ziemliches Fiasko erweisen. Es fing schon damit an, dass wir den geplanten Campingplatz am See nicht anfahren konnten. Eine Rezession in Park4night vom Juli 2026 besagte, dass dieser Platz nur noch für Dauercamper geöffnet hätte und Wohnmobilisten abgewiesen würden. So suchten wir notgedrungen nach einer Alternative und fuhren einen Platz auf der anderen Seeseite an.

Am See war richtig viel los, trotzdem fuhren wir weiter auf einer kleinen, unbefestigte Straße bis zum neu ausgesuchten Platz. Auch dieser war gut besucht, aber wir fanden noch einen freien Platz. Auf diesem warteten wir, bis der Eigentümer des Platzes kam. Dieser erklärte uns, dass der Platz, auf dem wir standen, reserviert sei. Eigentlich war der Campplatz voll, aber wir bekamen noch einen Notplatz bei einer Bootsanlegestelle. Dort richteten wir uns ein und hätten uns damit auch zufrieden gegeben, wenn nicht Jetskifahrer mit einem Höllenlärm den See auf- und abgedüst wären. Wir saßen vor der Berta und waren uns einig: das wollten wir uns nicht antun! Der Platz war wirklich zum Abgewöhnen. Voll, umtriebig, laut und Infrastruktur gab es außer Strom und ein paar Dixi-Toiletten auch keine. Sogar das Baden machte hier keinen Spaß. Wir sprangen zwar noch kurz in den sauberen See, trauten uns aber wegen der rücksichtslosen Jetskifahrer nicht, weiter hinauszuschwimmen.

Zum Glück hatten wir noch nicht bezahlt. So packten wir wieder zusammen und Udo schrieb dem Besitzer eine SMS, dass wir weiterfahren wollen. Das ging auch in Ordnung. Wir fuhren ein paar Kilometer bis nach Augustow und stellten uns dort auf einen Stadtparkplatz bei einem Skaterplatzes in der Nähe der Netta. Ein paar Polen in einem schweizer Wohnmobil waren schon dort und erzählten, dass sie schon die dritte Nacht hier übernachten.

Wir machten uns einen Kaffee mit Brezeln und Croissants und schauten dabei den Kids zu, die sich am Skaterplatz vergnügten. Ein kleines Mädel war auch mit ihren Laufrad dabei und wir mussten an Ida denken. Verglichen mit dem Jetski-Lärm waren die Geräusche von den Kindern reinste Erholung.

Im Anschluss spazierten wir noch eine Runde an der Netta entlang und durch die Stadt. Am Fluss war einiges los, es gab verschiedene Restaurants und endlich wieder Eisdielen! Das polnische Eis war günstig und hat lecker geschmeckt!

Über einen Markt kamen wir zur schönen Herz-Jesu-Basilika, die wir uns auch von innen anschauten.

Udo hatte noch Hunger und kaufte sich einen Burger in einem kleinen Restaurant.

Wir waren eine gute halbe Stunde zurück in der Berta, da kam das angekündigte Gewitter mit starkem Regen. Uns machte das jetzt nichts mehr aus.

Was allerdings sehr störend war, war laute Musik, die um 20 Uhr begann und um 23:30 Uhr immer noch nicht vorbei war. Da muss am Fluss ein Fest stattgefunden haben. Während des Starkregens hörte die Musik auf, setzte aber danach wieder ein. Trotz Ohrstöpseln schaffte es Xenia nicht einzuschlafen. So brachen wir kurz vor Mitternacht nochmals auf und suchten uns ein ruhigeres Plätzchen zum Schlafen. Der erste Versuch, fünf Kilometer weiter am Fluss entlang, schlug fehl. Auch hier war die Musik noch laut zu hören. Erst ein gutes Stück weiter in Autobahnnähe fanden wir am Rand eines Industriegebietes einen Platz, wo wir nächtigen konnten.

Damit wären nun die meisten der 300 Punkte, die Xenia so akribisch vorbereitet hatte, abgearbeitet. Ein paar Dinge haben wir ausgelassen, andere kamen spontan noch hinzu. Abgesehen vom heutigen Frust in Polen können wir auf sehr schöne Tage zurückblicken, die wir in diesem Tagebuch festgehalten haben und an die wir uns gerne und dankbar zurück erinnern.

Wir haben bislang ca. 6.200 km zurückgelegt und das Baltikum von unten nach oben und von oben nach unten durchquert. Wir sind erfüllt von tollen Erlebnissen und freuen uns nun sehr auf unsere Lieben zuhause.


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