Berta-Baltikum26-Tag64


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Sonntag, 02.08.2026 – Warschau

Von Augustow bis Warschau – 307 km

Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags sonnig – 23 Grad

Auf unserem Mitternachtsplatz konnten wir gut und ungestört schlafen.

Heute begannen wir den Home-Run. Nach einem Tankstopp am Ortsende ging es auf die Autobahn S26 in Richtung Warschau. Der Sonntagvormittag ist auch in Polen eine super Reisezeit. Die ersten Stunden war fast nichts los.

Wir hielten an zwei Rastplätzen an, um dort evtl. unser Campingklo zu entleeren, aber es war Udo zu viel los. Xenia recherchierte und fand heraus, dass es bei Warschau an einer Tankstelle eine kostenlose Camper-Versorgungsstation gab – ein super Service! So brauchten wir uns keine weiteren Gedanken mehr zu machen.

Je näher wir Warschau kamen, umso voller wurde die Autobahn. Stau hatten wir keinen, nur in Warschau jede Menge rote Ampeln. Von grüner Welle haben die Polen wohl noch nichts gehört ...

Nachdem es am Vormittag bewölkt gewesen war, hatten wir in Warschau Sonnenschein und 23 Grad – perfektes Wetter für eine Stadtbesichtigung. Xenia hatte einen Parkplatz bei der Oper ausgesucht, den wir anfuhren. Eigentlich ist er kostenpflichtig, aber nicht am Wochenende.

Als wir um 13:30 Uhr dort ankamen, sah es zuerst gar nicht gut aus. Alle Plätze waren belegt. Fuhr ein Auto weg, war schon ein anderes da, das auf den frei gewordenen Platz spekulierte. Udo fuhr ein Stück auf die Seite und wir überlegten, was wir machen. Der Platz war zudem ziemlich eng für große Fahrzeuge. Für uns kam nur ein Seitenplatz in Frage. Und tatsächlich! Vor Udo fuhr ein Auto weg, dessen Platz wir nehmen konnten. Xenia konnte wieder einmal nur staunen, wie Udo die Berta einparken konnte! So standen wir perfekt für unsere Stadtrunde. Wir hatten auf der Fahrt ein Kilo Kirschen verspeist, daher hatten wir keinen Hunger. Udo legte sich noch 20 Minuten aufs Ohr, dann zogen wir los.

Unsere Runde führte uns zuerst zum Sächsischen Garten, wo uns ein Mann begeisterte, der Wolken von Riesenseifenblasen machte. Das hätte unseren Enkeln sicher auch gefallen! Einige Kinder jagten den Blasen hinterher und ließen sie platzen.

Hier trafen wir auch zum ersten Mal auf eine Chopin-Bank, von denen es 15 Stück in der Innenstadt gibt. Auf Knopfdruck spielen sie kurze Klavierstücke von Chopin ab. Frédéric Chopin verbrachte die ersten 20 Jahre seines Lebens in Warschau, entwickelte dort seine musikalische Identität und betrachtete die Stadt bis zu seinem Tod als seine wahre Heimat. Warschau ehrt seinen berühmten Sohn an verschiedenen Stellen und auf verschiedene Weise.

Weiter ging es, vorbei am schönen Brunnen von Marconiego, zum Piłsudski-Platz und zum Grabmal des unbekannten Soldaten. Es wird rund um die Uhr von zwei unbeweglichen Wachen flankiert. Vor dem Grab brannte ein rituelles Feuer.

Es war 14:30 Uhr, die nächste Wachablösung war um 15 Uhr. So lange wollten wir nicht warten und marschierten weiter zum Warschauer Königsweg. Hier steht ein Prachtbau am anderen: die Akademie der Bildenden Künste, die Universität und die Universitätsbibliothek, prächtige Kirchen, Paläste und Nobelhotels. Ein Gebäude schöner und gewaltiger als das andere.

Eine ganz besonders prächtige Kirche ist die Basilika des Heiligen Kreuzes. Im Innern befinden sich mehrere goldene Altäre. Eher schlicht wirkt dagegen eine Säule, in der das Herz von Chopin eingemauert ist. Es wurde gemäß seinem Willen nach Warschau transportiert und hier beerdigt.

Am Kopernikus-Denkmal kehrten wir wieder um, gingen die Krakowskie Przedmiescie wieder zurück und weiter in die Altstadt. Auf dem Weg liegt noch eine besondere Kirche, die Visitantinnen-Kirche (Kirche der Schwestern der Heimsuchung). Vor ihr steht ein großes Denkmal für Kardinal Stefan Wyszynski.

Vorbei am prächtigen Bristol-Hotel, dem Präsidentenpalast, der Karmeliterkirche und der Johanneskathedrale kamen wir zum besonders schönen Marktplatz.

Der quadratische Platz ist von prachtvollen Häuserzeilen im Stil des Barock, der Renaissance und der Gotik umgeben. Er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er nach seiner vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg originalgetreu wiederaufgebaut wurde und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Jedes Haus ist auf seine eigene Art bemalt, aber alles passt zusammen. Im Zentrum des Platzes steht das berühmte Bronzedenkmal der Flussjungfrau mit Schwert und Schild. Sie ist das offizielle Wappen- und Schutzsymbol Warschaus. Auf dem Platz herrschte reges Treiben, die Restaurants und Straßencafés waren gut besucht.

Wir gingen weiter in Richtung Barbakan und kauften uns auf dem Weg ein gutes Eis. Den Softeisangeboten mit riesen Eismengen konnten wir widerstehen, bis wir eine schöne Eisdiele fanden mit sehr leckerem, selbst gemachten Eis.

Der Warschauer Barbakan ist ein halbkreisförmiges Festungstor aus Backstein, das die Warschauer Altstadt (Stare Miasto) von der Neustadt (Nowe Miasto) trennt. Wir passierten ihn, dann machten wir uns entlang der Festungsmauern auf den Rückweg zur Berta.

Dort gab es einen verdienten Kaffee, dann machten wir uns noch einmal auf zum Seifenblasen-Mann im Sächsischen Garten, der tatsächlich noch da war, und zum Grabmal des unbekannten Soldaten. Hier konnten wir jetzt die Wachablösung um 17 Uhr miterleben.

Nun war es Zeit zur Weiterfahrt. Im Westen von Warschau, ganz in der Nähe der Autobahn nach Breslau, fuhren wir zur Camperversorgungsstation einer BP-Tankstelle. Wir konnten wirklich Grau- und Schwarzwasser ablassen und Frischwasser tanken. Außerdem bekam die Berta Diesel von der Tankstelle.

Unser Nachtplatz war nur wenige Kilometer entfernt. Wir nächtigten bei einem Park und einem Spielplatz, auf dem bei unserer Ankunft noch reges Treiben herrschte. Aber im Laufe des Abends wurde der Platz immer leerer.

Nachdem wir mit dem frischen Wasser geduscht hatten, gab es noch ein paar gebratene Würste, warme Käsebrote und einen gemischten Salat zum Abendessen.


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