Berta-Baltikum26-Tag61


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Donnerstag, 30.07.2026 – Merkine, Roduka Hängebrücke, Kastinio-See

Von Prienai bis zum Kastinio-See – 98 km

Wetter: heiter bis wolkig, dann sonnig – 28 Grad

Heute wollten wir in den letzten Nationalpark unserer Baltikum-Tour fahren, den Dzukija Nationalpark. Er ist mit einer Fläche von fast 585 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet des Landes.

Bevor wir starteten, machten wir einen kleinen Morgenspaziergang die Memel entlang und durch den Ort zurück. Das Wetter war herrlich, die Sonne schien und die Temperaturen waren mit 20 Grad sehr angenehm. Auch in Prienai wird viel Wert auf die Gärten gelegt. Das Haus ist nicht so wichtig, Hauptsache der Rasen ist gemäht, die Hecke geschnitten und die Blumenbeete sind in Ordnung.

Um 10 Uhr starteten wir nach Merkine, wo wir uns ein paar Attraktionen zum Besichtigen ausgesucht hatten.

Zuerst ging es zum Beobachtungsturm. Er ist 26 Meter hoch und so gebaut, dass er sich möglichst harmonisch in den ihn umgebenden Kiefernwald integriert. Seine tragende Struktur besteht aus fünf asymmetrisch angeordneten, braunen Metallsäulen, die wie die Stämme der umliegenden Kiefern wirken sollen. Die Aussichtsplattformen sind wie stilisierte Baumkronen angeordnet und befinden sich auf verschiedenen Höhen. Die Treppenkonstruktion windet sich unregelmäßig nach oben. Sie soll an einen verschlungenen Pfad erinnern, der durch das Unterholz führt. Nun ja .... auf jeden Fall ein besonderer Turm. Von oben sahen wir viel Wald und den Zusammenfluss von Nemunas (Memel) und Merkys, den beiden größten Flüssen der Region. Von Merkine konnten wir nur den Kirchturm erkennen, alles andere war vom Wald verdeckt. Udo hatte die Drohne mit dabei und ließ sie von oben fliegen.

Nun fuhren wir in den Ort, parkten im Ortszentrum beim Museum in der Kirche im Schatten und gingen ins Besucherzentrum von Merkine. In einem Raum gab es eine kleine Ausstellung über den Ort und den Nationalpark.

Ein kleines Stück weiter entdeckten wir einen Kebab-Stand mit ein paar Tischen im Freien, an dem einige Einheimische einkehrten. Wir taten es ihnen gleich und bereuten es nicht: der Kebab mit Pommes und Salatbeilage war sehr gut!

Im Besucherzentrum war uns ein Besuch des Burgbergs und des jüdischen Friedhofs empfohlen worden. Da wir Zeit hatten, fuhren wir die zwei Kilometer bis zum Burgbergparkplatz und machten von dort aus einen Spaziergang. Vom Burgberg aus kann man schön auf die Memel schauen, aber eine Burg gibt es da schon lange nicht mehr und der Berg ist auch nicht mehr als ein kleiner Hügel. Wir bestiegen die Anhöhe neben ihm, von der aus wir weiter zum jüdischen Friedhof und zu einem Holocaust-Denkmal gehen konnten.

Zuerst kamen wir beim jüdischen Friedhof vorbei. Durch die Bäume ist er inzwischen Teil des Waldes geworden.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Merkinė ein lebendiges jüdisches Zentrum. Ende des 19. Jahrhunderts stellten Jüdinnen und Juden rund 74 % der Stadtbevölkerung. Diese jahrhundertealte Gemeinschaft wurde im Jahr 1941 nahezu vollständig vernichtet. Anfang September sperrten deutschen Besatzer und lokale Kollaborateure die jüdische Bevölkerung in ein improvisiertes Ghetto im Hof der örtlichen Synagogen und der Schule. Am 10. September wurden die Juden in ein kleines Kiefernwäldchen direkt hinter dem jüdischen Friedhof getrieben. Dort wurden sie gezwungen, sich zu entkleiden, und in vorbereiteten Gräben erschossen. An diesem Tag wurden 854 Menschen, Männer, Frauen und Kinder, brutal ermordet. Unter russischer Besatzung wurden das Massengrab mit einer Betonplatee abgedeckt.

Es war nicht das erste Mal im Baltikum, dass wir Geschichten wie diese gehört oder gelesen und uns dafür geschämt haben. Unfassbar, dass Nationalsozialismus und Antisemitismus in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sind!

Auf dem Rückweg kamen wir an einem Haus vorbei, vor dem Pfifferlinge angeboten wurden. Wir kauften uns einen Becher voll. Wir genossen nochmal die schöne Aussicht und wieder einmal ein total gepflegtes Grundstück. Hat uns an das Hanggrundstück von Marina erinnert.

Weiter ging die Fahrt zur nicht weit entfernten Merkine Pyramide. Sie ist ein spiritueller Ort mitten in den Wäldern des Dzūkija-Nationalparks im kleinen Dorf Česukai. Man soll die Anlage durch das Tor der Dankbarkeit besuchen und als erstes bei den Kreuzen verweilen. Daneben ist das Baldachin der Dankbarkeit (Gartenlaube mit Ikonen).

Herzstück der Anlage ist eine dreieckige Pyramide, die komplett von einer 12,5 Meter hohen Glaskuppel umschlossen ist. Menschen kommen hierher, um innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht oder körperliche Heilung zu suchen. Die spirituelle Wirkung und die „Energie“ der Pyramide von Merkinė basieren laut dem Gründer Povilas Žėkas und den Anhängern des Ortes auf einer Kombination aus göttlicher Offenbarung, kosmischer Bioenergie und Heiliger Geometrie. In der Kuppel soll es eine phantastische Akustik geben, allerdings kann man diese nicht ausprobieren, da man dazu angehalten ist, sich still zu verhalten, nur zu flüstern und sogar das Handy stummgeschaltet zu haben.

Im Außenbereich befinden sich noch ein Brunnenhaus mit als „energetisiert“ und heilend geltendem Quellwasser, das man sich abfüllen darf (haben wir nicht gemacht), eine Statue des Propheten Elia, eine Statue des Erzengels Michael, der “Himmlische Obelisk” und auf einem kleinen Hügel der “Leuchtturm der Hoffnung”.

Wir haben uns nicht lange auf dem Gelände aufgehalten. Da die Temperatur inzwischen 28 Grad erreicht hatte, beschlossen wir, den Abend und die Nacht am kleinen Kastinio-See in der Nähe von Marcinkonys zu verbringen. Xenia hatte nicht weit von dort entfernt eine Radtour durch den Nationalpark geplant, die wir auch von diesem See aus starten konnten.

Auf dem Weg dorthin kamen wir durch den Ort Roduka und erinnerten uns, dass wir im Besucherzentrum in Merkine ein Bild von einer coolen Hängebrücke über den Merkys gesehen hatten, die in der Nähe von Roduka war. Xenia fragte Google und fand die Brücke tatsächlich auf maps. Wir mussten ein paar Meter zurückfahren und 650 Meter zu Fuß gehen, dann waren wir dort. Die Brücke war tatsächlich sehr abenteuerlich: wackelig, ein paar Bohlen beschädigt und an manchen Stellen auch lose. Aber sie war nicht gesperrt und durchaus begehbar. Hier durfte die Susi einen zweiten Ausflug machen.

Weiter ging die Fahrt zum heutigen Ziel, dem Kastinio-See bei Marcinconys. Wir kamen direkt am Puvočiai-Aussichtsturm vorbei, der mit 30 Metern noch höher als der Turm von Merkine ist. Aber da man hier nichts anderes als Wald sehen kann, haben wir auf den mühsamen Aufstieg verzichtet und sind am Turm vorbeigefahren.

Um 17 Uhr kamen wir am See an. Es waren schon einige Badegäste am See und auf dem angrenzenden kleinen Zeltplatz, aber wir bekamen problemlos einen Schattenplatz für die Berta. Wir machten uns zuerst aus kaltem Wasser und Himbeersirup ein erfrischendes Getränk, aßen ein süßes Stückle dazu und gingen anschließend zum Baden. Der See war leider nicht so sauber und klar, wie wir das erwartet hatten. Aber da die Einheimischen hier ohne Probleme im Wasser waren, taten wir es ihnen gleich und schwammen eine Runde. Die Erfrischung tat uns gut, wir waren doch verschwitzt gewesen. In der Berta duschten wir uns mit sauberem Wasser ab, danach fühlten wir uns wieder wohl.

Jetzt wurden die Pfifferlinge geputzt und mit Zwiebeln gebraten. Dazu gab es ein paar Bratkartoffeln. Es hat uns sehr gut geschmeckt!

Auf einem kleinen Hügel beim See waren die Gottheiten der alten litauischen Mythologie aufgestellt. Daneben eine Tafel mit Erklärungen. Für Details müsst ihr halt Google-Übersetzer fragen (machen wir mehrmals täglich).


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