Berta-Baltikum26-Tag56


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Samstag, 25.07.2026 – Vilnius

Von Traku Voke nach Vilnius und wieder zurück – 36 km; Vilniusrunde zu Fuß und mit E-Scooter – 11 km

Wetter: Heiter bis wolkig, 22 Grad

Noch am gestrigen Abend waren wir zum Entschluss gekommen, heute nochmals einen Tag in Vilnius zu verbringen. Die Stadt hatte uns sehr gut gefallen; wir fanden sie sogar die schönste der drei baltischen Hauptstädte.

So fuhren wir nach dem Frühstück zurück auf den Stadionparkplatz. Udos Idee war, heute Bolt-E-Scooter auszuleihen, die man an verschiedenen Stellen in der Stadt nehmen und an anderen Stellen wieder abgeben kann. Die nächstgelegene Stelle, an der Roller verfügbar waren, war der Bahnhof. So marschierten wir heute dorthin. Die Roller waren da, die App funktionierte auch.

Wir wollten zur Touristen-Information am anderen Ende der Altstadt, um uns dort Audioguides mit einer deutschen Stadtführung, herausgegeben von der Stadt Vilnius, auszuleihen. Zuerst mussten wir allerdings nochmals zurück zur Berta, da Xenia nur ein leeres Brillenfutteral eingesteckt hatte und ihre Sonnenbrille noch im Auto war. So konnten wir die Scooter auf diesem Weg ausprobieren und ein bisschen üben. Überraschend war, dass der Scooter nicht mehr funktionierte, sobald wir die Kernezone der Stadt verlassen hatten. Die Berta stand ca. 50 m außerhalb.

Dann ging es los in die Stadt. Das Blöde war, dass weite Teile der Altstadt weder mit Autos noch mit E-Scootern befahren werden dürfen. Die Roller wissen das und stellen auf verbotenem Terrain ab. So mussten wir einen Umweg um die Altstadt herum fahren, bis wir schließlich am Domplatz ankamen. Dort konnten wir die Roller abstellen und weiter zu Fuß gehen. Das Fahren hat weniger Spaß gemacht als gedacht. An den Rollern fehlte eine Handyhalterung, daher war das Navigieren schwierig. Außerdem waren einige Straßen gepflastert, was sehr holprig und unbequem zu fahren war. Nun gut, es war einen Versuch wert und wir waren um eine Erfahrung reicher.

An der Touristeninformation bekamen wir die Audioguides. Zum Glück hatte Xenia zwei Paar Ohrhörer mit Kabel mitgenommen, denn diese waren der Info ausgegangen. Aber mit den eigenen Ohrhörern konnten wir die Geräte ausleihen. Eine Karte, auf der die Punkte mit Informationen eingezeichnet waren, bekamen wir ebenfalls.

So ausgerüstet gingen wir zurück zum Domplatz, denn dort startete die Tour mit gleich mehreren Infopoints.

Los ging es mit dem Statue des Großfürsten Gediminas. Er gilt als der Gründer der Stadt Vilnius und regierte das Großfürstentum Litauen im 14. Jahrhundert.

Weitere Infos gab es zu den drei Burgen, die hier einmal standen, der Umleitung der Vilnius und natürlich zum Dom und dem angrenzenden Palast des Großfürsten von Litauen.

Wir wollten noch einmal in den Dom und kamen dabei am „Wunschstein“ vorbei, einer in das Pflaster eingelassenen Granitplatte mit der Aufschrift „STEBUKLAS“ (litauisch für Wunder). Eine Traube von Menschen standen um ihn herum und machten “Käsperle”. Die Erklärung dafür gab uns der Audioguide: Damit der Wunsch in Erfüllung geht, muss man folgendes Ritual einhalten: Man stellt sich mitten auf die Wunderkachel "Stebuklas". Dann schließt man die Augen und konzentriert sich fest auf den Wunsch. Anschließend dreht man sich ein paarmal im Uhrzeigersinn um die eigene Achse. Nun macht man einen oder mehrere kleine Hüpfer und spricht den Wunsch dabei gedanklich ins Weltall.

Wir waren wunschlos glücklich, verzichteten auf die Zeremonie und gingen stattdessen lieber noch einmal in den Dom und zur nicht weit entfernten Statue von König Mindaugas am Litauischen Nationalmuseum.

Heute hatten wir genügend Kraft, um den Burgberg zu besteigen und in den Gediminas-Turm zu gehen. Dort ist ein kleines Museum zur Stadtgeschichte und zum “Baltischen Weg” untergebracht. Der Baltische Weg war eine der beeindruckendsten friedlichen Massendemonstrationen der modernen Geschichte. Am 23. August 1989 um genau 19:00 Uhr bildeten rund zwei Millionen Menschen eine ununterbrochene, über 600 Kilometer lange Menschenkette, die sich durch die drei baltischen Staaten von Tallinn über Riga bis nach Vilnius erstreckte. Die Bilder und Filme dazu waren beeindruckend.

Oben vom Turm hatten wir einen sehr schönen Blick auf die Stadt.

Unser Weg ging weiter durch den Bernardiner-Park, vorbei am Musikbrunnen bis nach Uzupis. Diese Künstlerrepublik wollten wir uns noch einmal etwas genauer anschauen. In einer kleinen Pizzeria mit Café, nicht weit von Udos Friseur entfernt, aßen wir zu Mittag. Die Pause und das Sitzen taten uns gut. Weiter ging es zur Engelstatue und wir entdeckten bei dieser Gelegenheit, dass Xenia wohl auch zu dieser Spezies gehört.

Besonders interessierte uns die Grenze, mit einem Grenz-Souvenirladen, dem Grenzfluss Vilnelé und der Brücke mit den vielen Liebesschlössern, der Schaukel über dem Fluss und der bronzenen Nixe. Lokale Legenden besagen, dass die Nixe mit ihren magischen Augen Menschen aus aller Welt nach Užupis lockt. Wer ihrem Blick und ihrem Zauber nicht widerstehen kann, bleibt für immer in diesem Viertel gefangen.

Wir konnten uns zum Glück problemlos losreißen und marschierten wieder zurück zur Touristeninformation, um die Audioguides zurückzugeben. Wir hatten nur einen Teil der Punkte auf der Karte angehört und abgelaufen, aber mehr war uns zu viel.

Neben der Info gab es eine Eisdiele mit hausgemachtem Eis – die einzige echte Eisdiele, die wir in Vilnius gefunden haben. Diese Gelegenheit konnten wir nicht an uns vorbeigehen lassen und kauften uns ein Eis. Es war sehr lecker! Im Straßencafé konnten wir es verzehren und den vorübergehenden Passanten zuschauen.

Gegenüber gab es ein anderes Café, vor dem an einem kleinen Stand litauische Quarkbällchen gebacken und verkauft wurden. Diese "Varškės spurgos" gehören zu den beliebtesten süßen Snacks des Landes. Sie zeichnen sich im Vergleich zu deutschen Quarkbällchen durch eine besonders saftige, dichte Konsistenz im Inneren aus, da traditionell ein vergleichsweise trockener, krümeliger osteuropäischer Quark verwendet wird. Xenia kaufte sich einen davon zum Probieren und er schmeckte ihr sehr gut.

Nun hatten wir genug erkundet für heute und gingen denselben Weg wie gestern durchs Glasviertel und über den Rathausplatz. Dort steht ja das Portal, welches einen in Städte rund um die Welt blicken lässt. Wir schauten eine Weile zu. Die Menschen versuchten mit besonderen Wink- oder Tanzgesten die gegenüberliegende Seite in den USA, Brasilien, Polen, UK, Philippinen zu den gleichen Moves zu bewegen. Ja, six/seven war auch dabei.

Bevor wir weiterfuhren, wollten wir uns noch ein bisschen vom langen Marsch erholen und ausruhen. Udo konnte problemlos schlafen, bei Xenia klappte das leider nicht an der vielbefahrenen lauten Straße. Aber ein bisschen hinlegen tut ja auch schon gut!

Um 18:00 Uhr sagten wir Vilius Lebewohl und fuhren wieder auf den Schlossparkplatz, auf dem wir schon die letzte Nacht verbracht hatten. Er liegt ideal auf halber Strecke nach Trakai, unserem morgigen Ziel.

Zum Abendessen brauchten wir nicht mehr viel. Ein paar Reste und ein Salat genügten.


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