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Donnerstag, 23.07.2026 – Gas und Sprit in Ignalina, “Labanoro dudos duduos”, geographischer Mittelpunkt Europas
Von Paluse bis zum Mittelpunkt Europas – 102 km
Wetter: vormittags bewölkt mit Sprühregenschauern, ab mittags Auflockerungen, immer wieder kurze Schauer – 18 Grad
Obwohl es am Morgen nur 15 Grad hatte, starteten wir den Tag mit einem Bad im See. Es bot ich einfach an und wir hatten den jetzt wieder ganz glatten See für uns allein. Kalt war es schon, aber schön! Umso besser mundete der heiße Kaffee zum Frühstück.
Heute wollten wir um 15 Uhr in Labanoras sein, aber bis dahin blieb uns noch viel Zeit. Auf eine Wanderung im Sprühregen hatten wir keine Lust. So nutzten wir den Vormittag, um vier Kilometer zurück nach Ignalina zu fahren und dort zu versuchen, Gas für unsere leere Flasche zu bekommen. Vielleicht würde die zweite Flasche, die wir seit einer Woche in Gebrauch hatten, bis zuhause reichen – vielleicht aber auch nicht. Wir wollten es lieber nicht darauf ankommen lassen.
Die KI nannte uns zwei Gasversorger in Ignalina, die Flaschen auffüllen. Ein Flaschentausch kam nicht in Frage, da sie hier andere Flaschentypen als in Deutschland haben.
Beide KI-Adressen erwiesen sich als Flop. Wir fanden nicht einmal die Firmengebäude. Aber dafür trafen wir auf eine Tankstelle mit LPG, an der man uns erlaubte, die Flasche selbst zu befüllen. Eigentlich ist das im Baltikum verboten, aber wenn man (wie wir) einen Adapter dabei hat, drücken manche Tankstellenbetreiber ein Auge zu. So war es auch hier. Nachdem Udo bei einer Frau, die Gas in ihr Auto tankte, zugeschaut hatte, konnte er den Automaten bedienen und unsere Flasche befüllen. Damit waren wir jetzt mit Gas ausgestattet für den Rest des Urlaubs und mussten uns darüber keine Gedanken mehr machen. Auch Diesel konnte die Berta gebrauchen, und so war diese Tankstelle ein voller Erfolg.
Wir fuhren zurück nach Paluse und stellten uns auf den Parkplatz des Besucherzentrums. Heute gab es hier Strom! Aber bevor wir uns die Ausstellung anschauten, gingen wir den Hügel hinauf zur Holzkirche St. Joseph. Sie gilt als die älteste erhaltene Holzkirche des Landes. Der markante, im Jahr 1800 separat errichtete Holzturm ist einzigartig in ganz Litauen. Seine Form erinnert stark an die Wachtürme alter litauischer Holzburgen. Über der Haupttür der Kirche steht: „Komm gut, geh besser“. Die Legende und historische Berichte besagen, dass die Kirche nur mit einer Axt und Holzzapfen errichtet wurde, komplett ohne eiserne Nägel oder Sägen. Wir haben allerdings einige Eisenbeschläge an Türen und Fenstern gesehen. Das Innere hat uns sehr gut gefallen. Wir hatten es nicht so prunkvoll erwartet. An einigen Stellen war die Wand ein bisschen abgeschabt und man konnte erkennen, dass sich unter dem Anstrich alte Gemälde befinden.
Nun gingen wir ins Besucherzentrum und schauten uns dort eine ganze Reihe von Filmen über den Aukstaitijos-Nationalpark an: seine Geschichte, seine Flora und Fauna und wie die Menschen sich hier im Winter mit Eisfischen ernährt haben. Die Filme waren auf Litauisch, aber mit englischen Untertiteln.
Nachdem wir uns eine ganze Zeit in der Ausstellung aufgehalten hatten, gingen wir wieder in die Berta und Xenia kochte Hähnchengeschnetzeltes mit Reis. Im Anschluss reichte die Zeit gerade noch für 30 Minuten Mittagspause, dann brachen wir auf nach Labanoras.
Der Labanoro-Regionalpark ist der Nachbarpark des Aukstaitijos Nationalparks. So dauerte es nur eine halbe Stunde, bis wir am dortigen Besucherzentrum ankamen. Es war 14:50 Uhr und alle Parkplätze waren belegt. Udo fand gerade noch einen letzten Platz vor einer Wirtschaft.
Der Raum im Besucherzentrum war nicht groß und schon gut besucht. Jetzt waren wir aber gespannt auf „Labanore Labanoro dūdos dūduoja!“ (auf Deutsch etwa: „In Labanoras ertönen die Labanoras-Dudelsäcke!“). Dieses kulturelle Musikfest findet einmal jährlich statt und wird ausgerichtet von den Ethno-Musikkursen der Region Aukstaitija.
Zuerst lernten wir den Dudelsackspieler und Buchautor Gvidas Kovėra kennen. Nach einem Dudelsack-Vortragsstück stellte er sein Buch „Dūdmaišis Lietuvoje“ („Der Dudelsack in Litauen“) vor. Anschließend folgte das Abschlusskonzert der Kursteilnehmer. Wir hörten neben den Dudelsäcken, die auch von Zimbeln und kleinen Trommeln begleitet wurden, Hackbretter, Geigen und Harmonikas. Manchmal wurde auch dazu gesungen. Die Folkloremusik ließ schnell eine gute Stimmung im Publikum aufkommen. Teilweise wurde geklatscht, mitgesungen oder sogar getanzt. Auch wenn wir die Wortbeiträge nicht verstehen konnten, hat uns das Ganze sehr gut gefallen. Es war ein Stück Litauen, wie es wahrscheinlich die wenigsten Touristen erleben.
Als das Konzert zu Ende war und sich die Musiker zu Gruppenfotos aufstellten, gingen wir wieder und kehrten noch in dem kleinen Restaurant ein, vor dem die Berta stand. Xenia aß Buchweizenküchle mit Steinpilzsoße, Udo gefüllte Teigtaschen in Brennnesselsoße. Alles war frisch zubereitet und wir konnten auf der Terrasse sitzen.
Um 17:30 Uhr verließen wir Labanoras und fuhren eine Stunde in Richtung Vilnius bis zum geographischen Mittelpunkt Europas in der Nähe des Dorfes Purnuskes. Wissenschaftler des Französischen Nationalinstituts für Geografie errechneten diesen Punkt im Jahr 1989 als Flächenschwerpunkt des Kontinents.
Wir spazierten ein kurzes Stück bis zum Mittelpunkts-Denkmal, einer weißen Granitsäule mit einer Krone aus goldenen Sternen, die 2004 anlässlich des EU-Beitritts Litauens errichtet wurde. Vor ihr befindet sich ein großer Kompass auf dem Fußboden und der Flaggenplatz mit 28 Flaggen: eine für die EU, die anderen für die Mitgliedsstaaten.
Das Ganze war schnell angeschaut. Wir gingen zurück zur Berta und konnten den Parkplatz zum Übernachten nutzen.

















