Berta-Baltikum26-Tag51


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Montag, 20.07.2026 – Luban See, Preili Puppenmuseum (Lellu karalvasts), Daugavpils

Von Schloss Stromersee bis Daugavpils – 204 km

Wetter: vormittags zuerst noch heiter, dann bewölkt mit kräftigen Schauern, abends wieder sonnig - 18 Grad

Am Vormittag schien zuerst noch die Sonne, daher machten wir vor der Weiterfahrt noch einmal einen Besuch beim Schloss, das im Sonnenschein noch schöner aussah als am Abend zuvor.

Der nächste Punkt im Routenplan war der Luban-See. Doch da der Wetterbericht für heute Regen vorhersagte, stellte sich uns die Frage, ob es sich überhaupt lohnte, den See anzufahren. Wir entschieden trotz Wetterprognose dafür und wollten am See weiter entscheiden, wie lange wir dort bleiben und was wir unternehmen. Die von Xenia ursprünglich geplante 50 Kilometer lange Radtour um den See würde wohl eher nicht möglich sein.

So gaben wir das Besucherzentrum am nördlichen Ende des Sees in maps ein und fuhren um 9:15 Uhr los, ohne die Strecke näher in Augenschein zu nehmen. Das sollte sich als Fehler erweisen! Erst als maps uns auf die erste Schotterstraße führte, realisierten wir, dass wir wohl auf dem kürzesten Weg an unser Ziel waren, die Strecke aber quer durchs Land auf kleinen Nebenstraßen ging – und diese sind im Baltikum oft noch Schotterpisten. Zum Umdrehen waren wir schon zu weit gefahren (dachten wir zumindest), daher fuhren wir weiter.

Die Fahrt sollte zum speziellen Lettland-Erlebnis werden. Statt einer Stunde waren wir über zweieinhalb Stunden unterwegs, davon zwei Stunden auf Schotter. Udo konnte streckenweise nur 20 km/h fahren, dann auch wieder etwas schneller, aber nie über 35 km/h. Kam uns ein Auto entgegen, wurden wir komplett eingestaubt, denn geregnet hatte es bisher noch nicht.

So holperten wir durchs weite Land, bis wir endlich am See ankamen. Und was erwartete uns dort? Eine Teerstraße. Sie hörte genau dort auf, wo wir ankamen, nämlich am Besucherzentrum des Luban-Sees. Bis ganz vor an den See konnten wir nicht fahren, da dort eine Baustelle war. Nach ein paar Minuten kam ein junges Mädel um die Ecke und schloss das Besucherzentrum auf, das eigentlich schon seit 9 Uhr hätte offen sein müssen. Sie hatte uns wohl kommen gesehen. Auf Xenias Frage, wo wir uns hinstellen können, verwies sie auf etwas südlichere Rastplätze am See, die wir von Süden kommend auf einer befestigten Straße hätten gut erreichen können. Zumindest mussten wir keinen Weg doppelt fahren, als wir uns dorthin auf den Weg machten.

Der Luban-See ist ziemlich verschilft und zugewachsen. Das Wasser lädt auch nicht gerade zum Baden ein, es ist leicht grünlich-bräunlich. Die Plätze am See waren ganz nett, mit kleinen Häuschen und Toiletten. Trotz des trüben Wetter hätten wir uns gerne ein bisschen an den See gesetzt, aber das war nicht möglich: alles voller Bremen! Wir schafften es kaum, die Autotüre zu öffnen und das Fliegengitter vorzuziehen, ohne dass welche hereinkamen. Wir machten uns einen Kaffee mit einem Stück Kuchen, das wir noch von der Pfandrückgabe hatten. Am Fliegengitter saßen dabei acht Bremen.

Einen kurzen Gang vor zum See machten wir trotzdem, dann fuhren wir etwas frustriert weiter. Das hatte die beschwerliche Anfahrt nicht gelohnt! Froh und dankbar waren wir nur, dass die Berta die Tortur heil überstanden hatte.

Der nächste Punkt auf Xenias Reiseplanung war Daugavpils, aber bis dahin war es noch ein gutes Stück. So recherchierten wir auf der Karte, ob es nicht auf dem Weg noch etwas zu entdecken gäbe, das man auch bei Regen machen kann. Dieser war nämlich nicht mehr weit. Udo wurde in Preili fündig. Dort war als ein Ausflugsziel das “Puppet Kingdom” eingezeichnet. Die Bilder dazu sahen sehr cool aus. Wir befragten die KI nach der Beschaffenheit der Straße dorthin und sie versprach, dass die gesamte P58 befestigt sei. So wagten wir diesen Weg nach Daugavpils und wurden nicht enttäuscht.

Ein paar Kilometer vor Preili begann es zu schütten. Wir waren beide ziemlich müde und beschlossen daher, uns vor der Puppenausstellung noch ein bisschen hinzulegen. Udo fuhr in einem kleinen Ort ein Stück von der Hauptstraße ab und wir fanden gleich einen ebenen Platz, wo wir die Berta parken konnten. Der Regen prasselte aufs Dach, aber uns ging es gut dabei in unseren Betten und wir schliefen fast eine Stunde. Danach war der Regen vorbei und wir fuhren das letzte Stück nach Preili.

Das kleine Städtchen ist schon etwas Besonderes. Viele kleine, nette Häuschen und Läden, eine großartige Kirche und eben besagtes Puppenmuseum.

Die Ausstellung der lettischen Künstlerin Jeļena Mihailova hat uns sehr begeistert und beeindruckt. Zu sehen gab es über 300 kunstvolle, handgefertigte Puppen. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter, einen speziellen Gesichtsausdruck, ein besonderes Kostüm und eine eigene Geschichte – von Fabelwesen, Prinzessinnen, Königen, Zwergen und Kobolden über historische Gestalten bis hin zu Alltagsfiguren. Jede Puppe ist ein Unikat.

Als Einführung in die Ausstellung wurde uns ein Film über die Künstlerin und ihr Werk gezeigt, das internationale Anerkennung genießt. Einige berühmte Persönlichkeiten, unter ihnen auch der lettischen Staatspräsident Valdis Zatlers, haben das Museum schon besucht oder besitzen Puppen der Künstlerin.

Vor der Puppenausstellung gibt es einen Raum, wo man sich in verschiedenen Kulissen fotografieren kann. Das hat uns ebenfalls viel Spaß gemacht. Auf die Möglichkeit, uns zu verkleiden und in verschiedenen Kostümen zu posieren, haben wir verzichtet.

Nach diesem schönen und interessanten Museumsbesuch machten wir einen kleinen Spaziergang durchs Viertel und fuhren anschließend weiter nach Daugavpils.

Dort machten wir einen kurzen Stopp vor der schönen russisch-orthodoxen Kathedrale Boris und Gleb.

Dann steuerten wir den ausgesuchten Übernachtungsparkplatz in der Nähe der Innenstadt an. Direkt beim Parkplatz befindet sich ein kleiner See mit einem Skateplatz und einem Klangpark.

Wir machten noch einen Spaziergang durch die Fußgängerzone und aßen dort in einem Restaurant zu Abend. Der Himmel putzte sich wieder heraus und auf dem Rückweg zur Berta schien die Sonne.


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