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Sonntag, 19.07.2026 – Aluksne (Marienburg), Schloss Stomersee
| Wir haben Estland verlassen. Insbesondere der Süd-Osten hat uns sehr gut gefallen. Viel Natur, wenig Menschen, keine touristischen Hotspots. |
Vom Besucherzentrum Karula bis Schloss Stomersee – 100 km; Stadtrunde Aluksne 6 km
Wetter: Am Vormittag Schauer, ab Mittag trocken, nachmittags etwas Sonne – 21 Grad
In der Nacht hatte es ziemlich viel geregnet und auch am Vormittag zogen immer wieder Schauer durch, die wir aber in der Berta auf dem Übernachtungsplatz und während der Fahrt gut überstanden.
Bevor wir losfuhren, tankte Udo an einer Wasserstelle beim Besucherzentrum Frischwasser nach. Xenia hatte schon am Vortag die Dame an der Info gefragt, ob das Trinkwasser sei und wir damit unseren Camper füllen dürfen. Sie hatte beides bejaht. Klasse für uns, denn unser Frischwasservorrat betrug nur noch 25%.
Heute mussten wir schweren Herzens Estland verlassen. Vor der Grenze fuhren wir noch zu einem kleinen Coop in Moniste, der laut KI einen Pfandrückgabeautomat haben sollte. Und tatsächlich, so war es, und wir konnten die leeren estnischen Pfandflaschen dort abgeben. Lettland und Litauen haben eigene Pfandsysteme und nehmen nur die Flaschen aus dem eigenen Land zurück.
Die Grenze erkannten wir nur an einem Schild in Lettland. Auf estnischer Seite war nicht einmal das aufgestellt. Doch wir bemerkten die Grenze an anderer Stelle: die Straße wurde besser, die Häuser wesentlich bauanfälliger als in Estland.
Um 11:30 Uhr kamen wir in Aluksne (Marienburg) an und besuchten als erstes einen Maxima-Supermarkt. Einen Lidl gab es hier leider nicht, aber wir bekamen auch im Maxima, was wir benötigten. Nach dem Einkauf nutzten wir den Parkplatz gleich für eine Mittagessenspause. Wir hatten dafür an der Backwarentheke Pizzaschnitten und ähnliches eingekauft. An einem kleinen Stand hatte Udo noch ein Kilo Erdbeeren erworben, die wir vor der Weiterfahrt einzuckerten.
Unser nächster Halt war nur 4 Minuten entfernt: ein für Wohnmobile erlaubter Parkplatz bei der schönen evangelisch-lutherischen Kirche von Aluksne.
Draußen war es ziemlich frisch, so zogen wir lange Hosen an, nahmen eine Jacke mit und machten uns auf den Weg zu einer Stadtrunde am Aluksne-See.
Durch den Schlosspark kamen wir zum Neuen Schloss. Es wurde von 1859 bis 1863 auf Veranlassung des Barons Alexander von Vietinghoff im neugotischen Stil errichtet und beherbergt heute das Stadtmuseum mit Ausstellungen zum kulturhistorischen Erbe, einer historischen Schau von der Urzeit bis zur Gegenwart sowie einem Gedenkraum für die Opfer des Totalitarismus (Zeit der russischen Besetzung von 1941 bis 1990, insbsondere die Deportationen nach Sibirien).
Die Besichtigung startete mit einer 10-minütigen Multimedia-Projektion im restaurierten Musiksalon. Vorgeführt wurde ein Lied, in dem die letzte Erbin des Gutes, Baronesse Helene, ihre Geschichte und die ihrer Familie von Vietinghoff besingt. Zu hören waren Gesang, Klavier, Cello und Saxophon, begleitet von illusorische Wandmalereien und Lichtinstallationen. Eine besondere Rolle spielte dabei ein roter Fuchs, der sich auch im Familienwappen wiederfindet. Wir waren die einzigen Museumsbesucher und hatten somit den Musiksalon für uns allein.
Danach besichtigten wir die historische Ausstellung im oberen Stock. Hier gab es auch eine schöne Sammlung von Puppen in traditionellen lettischen Volkstrachten. Jede Puppe trägt eine historisch präzise, handgearbeitete Volkstracht aus den verschiedenen kulturhistorischen Regionen Lettlands (Vidzeme, Latgale, Kurzeme, Zemgale und Sēlija).
Bedrückend war der Gedenkraum für die Deportierten im Untergeschoss. Dokumentiert wird hier das Leben und Leiden der Einwohner der Gemeinde Alūksne, die während der sowjetischen Besatzungszeit nach Sibirien und in den Fernen Osten deportiert wurden. Wir sahen persönliche Briefe, Tagebücher, historische Fotografien und Alltagsgegenstände, die den deportierten Familien in der Verbannung gehörten oder dort heimlich gefertigt wurden. Die sowjetische Besatzung war für die baltischen Länder ein großes Übel und die Menschen hier lassen keine Gelegenheit aus, dies zu bezeugen und zum Ausdruck zu geben, wie froh und dankbar sie über ihre neue Freiheit und die Anbindung an die EU sind.
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Als wir das Schloss verließen, kam auch die Sonne ein bisschen hervor und es wurde gleich wärmer. Unser Weg führte uns weiter auf die Schlossinsel, von der aus wir einen schönen Blick auf den See hatten.
Über eine zweite Brücke erreichten wir den Tempelberg. Dort spazierten wir ein Stück am Ufer entlang und gingen dann den Berg hinauf zum Aussichtsturm Aluksne. Dieses mächtige Holzbauwerk ist 37,8 Meter hoch und gehört zu den höchsten Holztürmen Lettlands. Wir mussten 153 Stufen bis zur Aussichtsplattform hinaufsteigen, wurden dafür aber mit einem schönen Ausblick belohnt.
Vorbei ging es noch an der Rotunde, dann folgten der Abstieg und der Rückweg zur Berta.
Dort gab es einen Kaffee mit den gezuckerten Erdbeeren, Sahne und griechischem Joghurt. Xenia aß noch ein süßes Stückle dazu. Die Stadtrunde hatte uns doch mehr geschlaucht, als wir das erwartet hatten, und wir waren froh um die Pause und die Stärkung.
Es war nun 17 Uhr und wir überlegten, was wir noch mit dem restlichen Tag anfangen wollten. Wir kamen zum Entschluss, noch ein Stück weiterzufahren bis zum Schloss Stomersee und dort die Nacht zu verbringen. Wir wussten, dass das Schloss bereits geschlossen hat und erst wieder am Dienstag öffnet, aber der Außenbereich ist frei zugängig und das Gebäude gilt als “architektonische Perle der Region Vidzeme”. Außerdem hatten wir gelesen, dass nach Einbruch der Dunkelheit an die nördlichen Außenwand eine multimediale Lichtshow über die Liebes- und Familiengeschichte der von Wolffs projiziert werden soll. Das wollten wir uns gerne anschauen.
So starteten wir noch einmal und kamen um 18 Uhr am Schloss an. Viel war nicht mehr los auf den Schlossparkplatz, so dass wir die Berta problemlos hier abstellen konnten. Wir machten einen Spaziergang ums Schloss und Udo ließ die Susi fliegen.
Die verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang verbrachten wir in der Berta.
Um 22.30 Uhr gingen wir noch einmal zum Schloss und kamen genau richtig zu einem Durchgang der Multimedia-Show. Diese fanden wir ziemlich konfus. Es ging um die Familie von Volf, verschiedene Hochzeiten, die Zerstörung des Schlosses während der Russischen Revolution von 1905 sowie den anschließenden Wiederaufbau im Jugendstil.
Um 23 Uhr waren wir wieder in der Berta und verbrachten die Nacht auf dem Schlossparkplatz.





























