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Samstag, 18.07.2026 – Karula Nationalpark Aussichtsturm Mäekonnu und Radtour
Von der Hinni-Schlucht bis zum Besucherzentrum des Karula Nationalparks – 36 km, Radtour 30 km
Wetter: sonnig und windig, 28 Grad
Heute erkundeten wir bei herrlichem Sommerwetter den Karula Nationalpark. Er ist mit 123 km² der kleinste Nationalpark Estlands und wir hatten den Eindruck, hier ist die Welt noch in Ordnung! Nicht mehr ganz so große Felder, grüne Wiesen, Wälder, 38 Seen, Schotterstraßen und kleine Gehöfte mit wunderschön hergerichteten Gärten machen das Landschaftsbild dieser durch die letzte Eiszeit geformte Kuppellandschaft aus. Wären nicht die Mücken und Bremsen, wäre die Idylle perfekt.
Am Morgen standen wir ganz allein auf dem Hinni-Schlucht-Parkplatz. Udo holte eine Flasche Quellwasser von unten. Es schmeckte prima, aber die Berta damit zu betanken war uns doch zu mühsam. Außerdem war der Frischwassertank noch halb voll. Während Xenia spülte, die Läufer ausklopfte und den Boden kehrte, ging Udo nochmals in die Schlucht, um einen Geocache zu suchen und sogar zu finden!
Um 9:30 Uhr kamen wir los und fuhren zum Besucherzentrum des Karula Nationalparks am Ähijärv-See. Dieser ist mit Abstand der größte See im Nationalpark.
Im Park gibt es keine Teerstraßen und wir mussten die letzten 11 Kilometer auf Schotter fahren. Das ging aber erstaunlich gut, die Straße war nur an wenigen Stellen waschbrettartig holprig.
Immer wieder kamen wir an herrlichen Anwesen vorbei: perfekt gemähter Rasen, Blumen- und Gemüsebeete, verschiedene Baumgruppen, ein Teich und ein renoviertes Haus, vor dem oft ein teures Auto stand - aber mitten im Nirgendwo, teilweise ohne Stromanschluss, an Kanalisation nicht zu denken.
Bevor wir zum Besucherzentrum kamen, machten wir einen kleinen Abstecher zum Mäekonnu Aussichtsturm. Die Straße dorthin war auch nicht schlechter als die Schotterstraße zum Besucherzentrum, der Umweg betrug nur 2 Kilometer und wir wurden dadurch ein Auto los, das ziemlich langsam vor uns herfuhr und dennoch eine große Staubwolke hinter sich herzog.
Der Aussichtsturm ist aus Holz gebaut und ziemlich neu. Von oben kann man über die Baumwipfel weit ins Land blicken.
Wieder unten und bei der Berta angekommen, nahmen wir das letzte Stück zum Besucherzentrum in Angriff und kamen um 11:15 Uhr dort an. Es befindet sich nur 50 Meter vom See entfernt und es gibt einen RMK-Platz auf einem Hügel direkt daneben.
Wir bekamen problemlos einen Parkplatz und starteten zu einer kleinen Erkundungstour an den See und durch den RMK-Platz. Es gibt dort auch einen schönen Spielplatz. Xenia hat ganz besonders eine Holzschaukel gefallen. Hier wären wir doch gerne mit unseren Enkelkindern gewesen!
Am See entdeckten wir eine kleine Badestelle mit einem Steg, die aber um 11:30 Uhr schon von einer Familie mit Kindern belegt war.
Wir gingen ins Informationszentrum und schauten uns dort die kleine Ausstellung an. Xenia fragte die Dame an der Information, wo wir unseren Camper hinstellen und die Nacht verbringen könnten. Sie sprach nur sehr schlecht Englisch, aber eine andere Estin half beim Übersetzen. Als Antwort bekam Xenia eine ausladende Handbewegung mit dem Wort: “anywhere”. Hier sieht man alles nicht so eng und Platz gibt es genug. Für einen sonnigen Samstag in der Ferienzeit war wieder einmal erstaunlich wenig los.
So blieben wir stehen, wo wir waren, machten uns ein Mittagsvesper und starteten anschließend zu einer Radtour um den See und durch den Nationalpark. Xenia hatte eine Route ausgesucht, die die Hauptstraßen möglichst mied. Das bedeutete aber im Gegenzug teils abenteuerliche Wege.
Was wir gefahren sind, lässt sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: die Wege, die Xenia gefielen und Udo langweilig fand, und andere Wege, die Udo gefielen und von Xenia einiges an Mut erforderten. Vor allem auf dem zweiten Teil der Tour (dem Rückweg von der gegenüberliegenden Seeseite zum Besucherzentrum) war Kategorie zwei angesagt. Hier fuhren wir teilweise auf Wanderwegen oder Sandstraßen. Gut, dass es in den letzten Tagen nicht geregnet hatte, sonst wären auch noch Matschwege dabei gewesen.
Alles in allem war es eine sehr schöne Tour, auf der wir die Landschaft der “Karula Highlands” entdecken und genießen konnten. Immerhin befanden wir uns auf 300 Metern Höhe und durch das viele Hügel hinauf- und hinabfahren kamen bis zum Ende der Tour 200 Höhenmeter zusammen. Nachdem wir in den letzten Tagen die Räder nicht benutzt hatten, war das heutige Programm eine schöne Abwechslung.
Eine Pause legten wir auf der anderen Seeseite ein. Dort, am Ende der Straße (und am Ende der Welt) trafen wir – auf einen kleinen RMK-Platz mit Feuerstelle, einer überdachten Sitzgruppe, einem Häuschen mit Feuerholz, einer Trockentoilette und einem Mülleimer. Die Standardausrüstung eines RMK-Platzes gab es sogar hier. Außerdem führte ein kleiner Steg in den See.
Wir hatten Badesachen dabei, beließen es aber dabei, auf dem Steg zu sitzen. Wir streckten unsere Füße ins warme, moorbraune Wasser und genossen den schönen Ausflug. Hier konnte man wirklich abschalten und einfach nur “sein”.
Nun kam das schwierigste Stück auf manchmal sehr unwegsamen oder sandigen Pfaden. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert hatten, kamen wir um 16:30 Uhr wieder am Besucherzentrum und bei der Berta an. Trotz ziemlich starkem Wind und Mückengefahr holte Udo die Stühle heraus, Xenia besorgte ein Eis vom Besucherzentrum und wir ließen es uns im Schatten der Berta gut gehen. Udo inspizierte noch einmal den Badeplatz, aber dieser war immer noch sehr voll. So verzichteten wir heute aufs Seebaden und nahmen stattdessen eine Dusche in der Berta.
Unsere Lebensmittelvorräte waren inzwischen ziemlich aufgebraucht, aber für Bratkartoffeln mit Bratwürsten und Salat hat es noch gereicht. Wir werden wieder einkaufen müssen!
Am Abend zogen Wolken herein. Die schöne regenfreie Zeit neigte sich wohl leider ihrem Ende entgegen.


















