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Freitag, 17.07.2026 – Piusa Sanddüne und Sandhöhlen, Rouge
Von Piusa bis Rouge – 53 km
Wetter: sonnig, 24 Grad
Heute war wieder ein herrlicher Sommertag mit strahlend blauem Himmel. Unsere Führerin in den Piusa-Höhlen meinte, wir sollen das schöne Wetter genießen – es sei nicht immer so! Was ja unserer bisherigen Estland-Erfahrung durchaus entsprach.
Unser Übernachtungsplatz war nur ein Katzensprung von den Sandhöhlen entfernt. Diese sind ein riesiges, von Menschenhand geschaffenes Stollensystem. Entstanden zwischen 1922 und 1966 durch den Abbau von Glassand, beherbergen die bis zu 20 Kilometer langen Gänge heute die größte Fledermaus-Winterkolonie Osteuropas. Aufgrund von Einsturzgefahr sind die Höhlen für freie Entdecker gesperrt, das Besucherzentrum veranstaltet aber Führungen in verschiedenen Sprachen über die Entstehung der Höhlen und die Nutzung des Sandes. Dabei gibt es auch einen Einblick ins Höhlensystem.
Wie wir bereits am Vorabend festgestellt hatten, öffnete das Besucherzentrum leider erst um 11 Uhr. Gut, dass wir das heute wussten und uns darauf einstellen konnten. So blieben wir etwas länger auf unserem Parkplatz. Udo erledigte ein paar Höhlen-Geschäfte, Xenia ging zum Heidelbeeren Sammeln in den Wald. Die Ausbeute war aber sehr gering und das Unterfangen mühsam. Auf dem sandigen Boden gab es nur wenige und sehr kleine Beeren. So war Xenia schnell zurück und machte stattdessen eine kleine Erkundungstour rund um die Berta. Es war schon erstaunlich: mitten in Estland riesige Sanddünen. Besagte Höhlenführerin sprach vom “größten Sandkasten Estlands”.
Kurz nach 10 Uhr fuhren wir um die Ecke zum Besucherzentrum, schauten uns dort ein bisschen um, machten eine Runde durchs Gelände und tranken einen Kaffee im kleinen Restaurant. So ging die Zeit bis 11 Uhr schnell vorbei.
Es wurde uns gesagt, dass um 11:15 Uhr eine englische Tour startet. Die Führung um 11 Uhr war auf Russisch. Es waren einige Menschen da, aber wir waren tatsächlich die Einzigen, die Englisch gewählt hatten . Die Führung begann mit einem 15-minütigen Film über Fledermäuse, Insekten und andere Tiere, die in den von Menschen geschaffenen Sandhöhlen eine Heimat gefunden haben. Fledermäuse sind DAS Thema hier: Sogar das Gebäude wurde in Form einer Fledermaus erbaut. Wir konnten das aber erst erkennen, als wir nach der Tour auf dem Dach desselben standen und die ausgebreiteten Flügel, den Kopf und den Schwanz sehen konnten.
Nach dem Film ging es eine Runde durchs kleine Museum. Die junge Führerin zeigte uns verschiedene Bilder, Tierexponate und Glaswaren. Den Abschluss der Tour bildete ein Besuch der Höhlen, allerdings nur des Eingangsbereiches in das Stollensystem. An einem Modell konnten wir das gesamte Ausmaß der Anlage sehen. Das Ganze war ein riesiges Labyrinth mit Stollen von imponierender Höhe. Weil es in der Höhle nur 10 Grad hatte, gab es Decken für die Besucher. Xenia war dankbar für eine.
Um 12:15 Uhr fuhren wir weiter. Das nächste Ziel war Rouge, genauer gesagt das Dorf Tindi, wo wir um 13:30 Uhr ankamen. Die Fahrt dauerte länger als gedacht, weil Udo viele Kilometer auf einer kleinen, frisch geteerten und gesplitteten Straße fahren musste. Da konnte er nicht schneller als 40 Km/h fahren. Aber schließlich war auch das geschafft und wir erreichten den Parkplatz des Pesapuu-Aussichtsturmes.
Nach einem Mittagsvesper starteten wir zu einer Runde durchs Gelände. Der 30 Meter hohe Pesapuu-Turm sieht aus wie ein Baum mit zwei Vogelnestern und einem „goldenen Ei“ an der Spitze. Die Nester sind Aussichtsplattformen, die man besteigen kann. Udo nahm die Susi mit und ließ sie von oben fliegen.
Was für eine schöne Landschaft! Hier ist es leicht hügelig mit Seen, Flüssen, Wäldern, Feldern und kleinen Ortschaften dazwischen. Das herrliche Sommerwetter trug sicherlich auch dazu bei, dass es uns hier so gut gefiel.
Wir besuchten das Nachtigallental und kamen zu zwei lustigen Hydraulik-Quellen, den “Hydraulischen Widdern von Tindioru”. Dabei handelt es sich nicht um klassische Quellen, sondern um wasserbetriebene Pumpen, die völlig ohne Strom, Treibstoff oder Motoren arbeiten. Sie nutzen ausschließlich die kinetische Energie des herabfließenden Quellwassers, um einen Teil dieses Wassers über ein Ventilsystem Dutzende Meter in die Höhe zu befördern. Im Tindioru-Tal befinden sich zwei dieser seltenen und faszinierenden Apparate: Der erste Widder (1939) wurde vom damaligen Hofbesitzer Friedrich Johanson erbaut. Er wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass diese Technik bereits im Jahr 1796 in Frankreich patentiert worden war. Diese Pumpe arbeitet bis heute zuverlässig und befördert täglich etwa 3 Kubikmeter Wasser rund 30 Meter nach oben. Der zweite Widder (2002), ein moderneres Modell mit zwei Schlagventilen, wurde von seinem Sohn konstruiert, um das technische Erbe des Vaters fortzuführen. Wir fanden sie beide sehr lustig und faszinierend.
Wir gingen ein Stück zurück und dann weiter bis zur Ööbikuorg Hängebrücke. Durch den Gitterrost-Boden der Seilhängebrücke kann man direkt nach unten in die bewaldete Schlucht und auf den Tindi-Bach blicken.
Auf dem Rückweg zur Berta kamen wir an vier historischen Blockbauten und einem traditionellen Tipi-ähnlichen Zelt vorbei. Es handelte sich um das wikingerzeitliche Gehöft Rõuge, das das Leben in Estland vor rund 2000 Jahren veranschaulichen soll. Die Häuser wurden ab 2010 basierend auf echten Ausgrabungsfunden der nahegelegenen Burgberg-Siedlung von Rõuge rekonstruiert.
Auch wenn die Runde eigentlich nicht besonders anstrengend war, waren wir doch froh um eine kleine Pause in der Berta.
Anschließend fuhren wir nach Rouge an den Badestrand des Suurjäv-Sees. Die Abkühlung im See war sehr schön und tat uns richtig gut!
Erfrischt und vom Schweiß befreit fuhren wir weiter zum Parkplatz der Hinni-Schlucht. Die Schlucht ist ganz nett, aber in wenigen Minuten durchquert. Anschließend kann man noch 10 Kilometer einen RMK-Weg am Rouge Jögi entlang wandern. Wir gingen nur vor bis zum Fluss und drehten dann wieder um.
Für heute hatten wir genug und beschlossen, auf dem Hinni-Schlucht-Parkplatz zu übernachten. Zum Abendessen gab es ein paar Schinkennudeln mit Ei und Käse, dazu einen Salat.




























