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Mittwoch, 15.07.2026 – Tartu, Estnisches Nationalmuseum
In Tartu 5 km, Stadtwanderung 5 km
Wetter: sonnig, 26 Grad
Heute war es sommerlich warm, aber nicht mehr so schwül. Wir starteten den Tag mit einer Runde durch die Stadt. Unser Übernachtungs-Parkplatz lag so zentral, dass wir die Berta dort stehen lassen konnten.
Gleich nebenan war ein Markt, den wir kurz in Augenschein nahmen. Hier gab es Bäcker, Metzger, Obst, Gemüse, Badebekleidung und allerhand Krimskrams – alles in kleinen Läden oder an Ständen.
Wir überquerten den Emajögi (Fluss durch Tartu), gingen ein Stück am Fluss entlang und dann über die nächste Brücke wieder auf die andere Flussseite zurück, um in die Altstadt zu gelangen.
Die Straße führte direkt zum sehr schönen Rathaus mit dem Brunnen der “Küssenden Studenten” davor.
Jetzt kamen wir auf die Rüütli-Straße, die zentrale Fußgängerzone Tartus. Da es erst kurz nach 10 Uhr war, war hier noch nicht viel los.
Eine besondere Sehenswürdigkeit war die St. Johanniskirche, eine der ältesten gotischen Backsteinkirchen Estlands und ein Wahrzeichen der Stadt. Besonders sind die über 1000 erhaltenen Terrakotta-Figuren an ihrer Fassade und im Innern, von denen jeder einzelne Kopf individuell gestaltet wurde. Sie stellen vermutlich historische Einwohner der Stadt dar. Im Innern der Kirche gibt es wenig Schmuck. Die Backsteine sind das bestimmende Element. Auf einer Seite entdeckten wir eine kleine Ausstellung alter Musikinstrumente und den Eichensarkophag der Baroness Anna Elisabeth von Münnich.
Unser nächstes Ziel war das Bürgerhausmuseum Tartu aus dem 19. Jahrhundert. Leider öffnete es erst um 11 Uhr. 40 Minuten wollten wir nicht warten und gingen daher weiter zum Domberg. Auf dem Weg kamen wir am prächtigen großen Universitätsgebäude vorbei.
Der Dom existiert auf der einen Seite nur noch als Ruine, im angrenzenden intakten Teil befindet sich das Universitätsmuseum.
Wir erreichten zuerst die Ruine und freuten uns, dass man auf die beiden noch intakten Türme hinaufsteigen kann. Der Blick von oben war allerdings eher bescheiden. Man sah in erster Linie Bäume. Schön waren an der Ballustrade aufgehängte Fotografien, die die Gebäude erklärten, die man neben den Bäumen noch sehen konnte. Wir waren anfangs die einzigen Dombesteiger. Erst als wir die steilen Stufen wieder hinabstiegen, kam uns eine Familie entgegen.
Das Universitätsmuseum interessierte uns weniger, so nutzten wir nur seine schöne Toilette und gingen ansonsten daran vorbei.
Jetzt ging es wieder hinunter in die belebtere Stadt. Es war 12:30 Uhr geworden, Zeit zum Mittagessen. In der Fußgängerzone kauften wir uns einen Kebab und Udo noch ein Eis.
Unsere Stadtbesichtigungsrunde war beendet und wir gingen zurück zur Berta. Udo parkte sie um auf einen Schattenplatz unter einem Kastanienbaum. Dort machten wir eine halbe Stunde Pause, aßen die zweite Hälfte unserer Wassermelone und fuhren anschließend zum 3,5 Kilometer entfernten Estnischen Nationalmuseum.
Das größte Museum Estlands beeindruckte uns schon von außen. Es ist 350 Meter lang, wurde direkt auf der Startbahn eines ehemaligen sowjetischen Militärflughafens im Stadtteil Raadi errichtet und symbolisiert das Abheben des Landes in die Zukunft.
Auf rund 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche beherbergt das Museum zwei preisgekrönte, interaktive Hauptausstellungen: eine zur Geschichte der Esten und eine über finnisch-ugrische Völker. Beim Einlass erhielten wir jeder ein interaktives „Smart Ticket“, mit dem durch Scannen des Barcodes auf dem Ticket die Sprache auf den digitalen Erklärtafeln in die gewünschte Muttersprache (bei uns natürlich Deutsch) geändert werden konnte.
Wir besuchten zuerst die Esten-Ausstellung mit dem Titel “Begegnungen”. Gezeigt wird hier der Alltag der estnischen Bevölkerung von der Eiszeit bis in die heutige digitale Ära. Für Xenia war das Smart-Ticket sehr praktisch. Udo hatte leider Probleme beim Lesen. Seine Brille passte nicht gut für die Schriftgröße. So ließ er sich einige Texte von Google-Lens übersetzen. Ein toller Service ist außerdem, dass man sich die Geschichten der Tafeln aufs Smart Ticket laden und später seinen persönlichen, auf diese Weise erstellten Museumsführer noch einmal auf einer speziellen Internetseite nachlesen kann. Wir sahen neben viel Geschichte traditionelle Trachten, historisches Handwerk sowie Exponate aus der sowjetischen Besatzungszeit.
| Am 23. August 1989 bildeten rund zwei Millionen Menschen in Estland, Lettland und Litauen eine über 600 Kilometer lange Menschenkette, um für ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. | Gelbe T-Shirts wurden im Frühjahr 1987 zu einem Symbol der estnischen Umwelt- und Unabhängigkeitsbewegung. Anlass waren sowjetische Pläne für einen massiven Phosphorit-Tagebau in Nordestland, der schwere Umweltschäden verursacht hätte. |
| Aber auch traditionelle Trachten aus verschiedenen Regionen wurden gezeigt. |
| Tolle Präsentation der Werkzeuge aus verschiedenen Gewerken. | Tablets zeigten in Filmen, wie die Werkzeuge eingesetzt wurden. |
Nach 1,5 Stunden waren wir grob durch. Der Kopf war voll, die Füße waren müde. So gingen wir zurück zur Berta und machten uns einen kalten Milchkaffee mit zwei süßen Stückle.
Frisch gestärkt und etwas ausgeruht konnten wir nun die zweite Ausstellung mit dem Titel „Echo des Urals“ in Angriff nehmen. Hier wurden wir auf eine ethnologische Reise in die Kultur und Lebenswelt der finno-ugrischen Völker und samojedischen Minderheiten mitgenommen. Leider gab es keine digitalen Tafeln, die Texte waren neben Estnisch und Russisch nur noch auf Englisch. Aber es gab hier viel weniger zu lesen als in der ersten Ausstellung, dafür mehr zu erleben. Der Weg führte durch nachgestellte Szenen, nachgebaute Hütten und vorbei an Figuren in historischen Gewändern und ihren Alltagsgegenständen. Die Szenen wurden immer wieder untermalt durch einheimische Klänge. Das Ganze war wirklich schön gemacht!
| Kleidung und Trachten der inidgenen Nordvölker von Finnland bis zum Ural |
| Blick ins Blockhaus und Jurte. |
Um 17:40 Uhr, 20 Minuten vor Schließung des Museums, hatten wir auch diese Ausstellung beendet und gingen zum Ausgang.
Gegenüber des Estnischen Museums befindet sich ein Haus auf dem Kopf (Tagurpidi Maja), das aber ebenfalls um 18 Uhr schließt. So konnten wir nur kurz daran vorbeigehen und mussten den Besuch auf den nächsten Tag verschieben.
Da man auf dem Museumsparkplatz nicht übernachten darf, fuhren wir auf einen nahegelegenen Parkplatz, wo dies möglich ist. Dort gab es Abendessen: Brokkoli in heller Soße mit Süßkartoffeln und marinierten Hähnchenflügeln. Leider war das Hähnchen so scharf, dass Xenia es nicht essen konnte. Außerdem hatte Xenia beim Einkauf gedacht, es handle sich um Filet-Stücke ohne Knochen. So musste Udo abnagen und Xenia verzichtete ganz aufs Fleisch. Es ist halt manchmal schon blöd, wenn man nicht versteht, was auf der Packung steht ...































