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Dienstag, 07.07.2026 – Regenwanderung Majakivi, Schiffswrack bei Loksa, nördlichster Punkt Estlands
Von Juminda bis Purrekari – 42 km, Bohlenwanderung 6,5 km, Abendrunde 3,5 km
Wetter: vormittags Regen, nachmittags heiter, abends bewölkt – 12 bis 17 Grad
Ob es in der Nacht geregnet hatte, wussten wir nicht. Wir haben gut geschlafen. Am Morgen fing es jedenfalls um 9 Uhr damit an, und der Wetterbericht sagte Regen bis 14 Uhr voraus. Außerdem war es mit 12 Grad so kalt, dass wir heizten.
Wir entschlossen uns, trotzdem eine Wanderung im Lahemaa-Nationalpark zu machen und dabei unsere Regencapes auszuprobieren.
Zuerst versuchten wir, einen Parkplatz anzufahren, von dem aus wir die Runde auf 4,5 Kilometer hätten verkürzen können. Dieses Unterfangen mussten wir allerdings aufgeben, als wir den Weg sahen, der zu diesem Parkplatz führte. Es war nur ein kleiner Waldweg, noch nicht einmal geschottert. So fuhren wir auf den ursprünglich ausgewählten Parkplatz an der Straße und starteten von dort.
Udos Cape war ziemlich eng und ist auch bald eingerissen. Xenia passte ihr Umhang ganz gut. Leider hatten wir keine Ponchos erworben, sondern Mäntel zum Knöpfen. Das bedeutete, dass die Hosen bis zu den Knien trotz Umhang nass wurden. Xenia war trotzdem sehr froh an ihrem Cape.
So starteten wir um 10:45 zu einer wider Erwarten sehr schönen Wanderung. Im Wald, angezogen mit Winteranorak und Plastikmantel, merkten wir vom Regen nicht viel. Der Weg war ein schöner, weicher Waldweg, teilweise lagen auch Bohlen über besonders feuchten Abschnitten. Letztere waren erstaunlich griffig, obwohl sie natürlich nass waren.
Das Highlight der Wanderung war der Majakivi, der drittgrößte Findling Estlands. Auf ihn kann man über eine Leiter hinaufklettern, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Die Aussicht von oben war eher bescheiden: Bäume rings herum. Aber darum ging es ja auch nicht und wir kletterten vorsichtig wieder hinunter.
Nicht weit vom Findling entfernt bog der Bohlenweg ab ins Moor bis zum Aussichtsturm Juminda. Auf dem offenen Moorstück haben wir mehr vom Regen gespürt. Zum Glück wehte nur ein leichter Wind. Dafür war der Aussichtsturm überdacht und von oben hatte man eine schöne Sicht über das Moor, den Wald, vor bis ans Meer und bis nach Tallinn.
Nun ging es wieder zurück, aber auf einem anderen etwas kleineren Weg. Wir gingen bergauf und bergab über die Sanddünen, teilweise über Treppen und Bohlen, dann wieder durchs Moor auf Bohlen, die an manchen Stellen unter Wasser standen.
Wieder im Wald angekommen, war der Weg immer wieder ziemlich zugewachsen. Der hohe Bewuchs machte die Hosen zusätzlich nass. An einer Stelle lagen zwei abgebrochene oder entwurzelte Bäume über dem Weg, die nur schwer zu übersteigen bzw. unter ihnen durchzukriechen war. Immer wieder sahen wir abgebrochene oder entwurzelte Bäume im Wald liegen. Das liegt wohl am sandigen und nassen Boden.
Zum Abschluss führte der Weg an einem kleinen Bach durch den Wald vorbei. Ihn überquerten wir und gingen ein Stück an ihm entlang. Das war regelrecht romantisch.
Nach 2,5 Stunden waren wir zurück an der Berta und froh, diese Tour trotz Regen gemacht zu haben. Sie hatte uns sehr gefallen.
In der Berta gab es Schinkennudeln zum Mittagessen.
Um 14:45 Uhr fuhren wir weiter. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und es kam immer mehr die Sonne heraus.
Wir verließen den Juminda-Finger und fuhren zum nächsten in die Gegend von Loksa, wo an der Küste ein altes Schiffswrack liegt. Wir konnten die Berta nach dem Ortsende von Loksa an der Straße abstellen und über einen kleinen Fußweg durch den Wald an den Strand laufen. Wir hatten genau an der richtigen Stelle geparkt, denn wir kamen exakt am Wrack heraus.
Inzwischen schien die Sonne und wir waren an einem sehr schönen Sandstrand gelandet. So nutzten wir die Gunst der Stunde, zogen Schuhe und Socken aus und gingen barfuß am Strand entlang bis zu einem Campingplatz. Dort holten wir uns an der Rezeption einen Becher Cappuccino und setzten uns damit auf ein paar Steine an den Strand. In der Sonne war das richtig schön, trotz Winterjacke, die Xenia noch gut vertragen konnte.
Ermutigt vom schönen Wetter beschlossen wir, eine Fahrt möglichst weit gen Norden und möglichst nahe zum nördlichsten Punkt Estlands zu wagen. Die Straße wurde immer schmäler, die letzten 3 Kilometer mussten wir auf unbefestigter Straße mit großen, mit Dreckwasser gefüllten Schlaglöchern fahren. Kurz vor dem Ende dieser Straße kamen wir an einen RMK Zeltplatz und entschlossen uns, die Berta hier auf dem Parkplatz stehen zu lassen und den letzten Kilometer zu Fuß zum Ende der Straße zu gehen.
Inzwischen war es etwas wärmer geworden. Ausgestattet mit Wasserschuhen im Rucksack und nur noch einer leichten Regenjacke machten wir einen Spaziergang durch den leeren Zeltplatz hindurch. Ganz in der Nähe unseres Stellplatzes hat eis einen wunderschönen 'Privatstrand', 50 m breit und sehr sauberer Sand und Wasser. Am Ende kamen wir am Umkehrpunkt der Straße heraus. Dort standen schon einige Autos und Wohnmobile. Nun hatten wir zwar das Ende der Straße, aber noch nicht das Ende der Landzunge erreicht. Wir wollten ja zum nördlichsten Punkt des Baltikums, also gingen wir weiter.
Das erste Stück war kein Problem. Dann allerdings kam eine Passage, wo das Meer die Landzunge überspülte. Jetzt kamen die Wasserschuhe zum Einsatz und wir wagten es, über Steine zu balancieren, die entweder noch aus dem Wasser ragten oder nur wenig überspült waren. Es waren auch noch ein paar andere Leute auf der Landzunge, aber wir waren die Einzigen, die sich übers Wasser wagten. Auch mit Wasserschuhen waren wir froh, als wir unbeschadet am anderen Ufer ankamen und jetzt wieder trockenen Fußes bis zum nördlichsten Punkt Estlands gehen konnten.
Auch auf dem Rückweg war die Meerdurchquerung wieder spannend. Um nicht nass zu werden, mussten wir immer eine Welle abwarten und erst nach ihr durchs Wasser bis zum nächsten Stein über Wasser gehen. Das hat meistens, aber nicht immer geklappt, und an einer Stelle haben Xenias Hosen doch einen Schwall Wasser abbekommen.
So hatten wir eine spannende Tour erfolgreich hinter uns gebracht. Schon auf dem Rückweg, den wir noch im Sonnenschein machen konnten, sahen wir eine Wolkenfront von Westen kommen. Als wir wieder in der Berta waren, hatte sich der Himmel zugezogen. Es regnete noch nicht, aber die Sonne war verschwunden.
Wir machten uns Tee und ein Abendvesper, für Udo gab es noch eine Dusche.
Um 22:25 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, staunten wir nicht schlecht: Eine rote Sonne schien durch den Wald, direkt in unser Wohnmobil. Wir zogen die Schuhe an und konnten gerade noch die letzten Minuten eines wunderbaren Sonnenuntergangs erleben.
























