Berta-Baltikum26-Tag39


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Mittwoch, 08.07.2026 – Käsmu Wanderung, Trinkwasserquelle, Palmse, RMK Oandu

Von Purrekari bis RMK Oandu – 49 km. Wanderung Käsmu 8,5 km

Wetter: Bewölkt mit ein paar Regentropfen, 16 Grad

Der Wetterbericht hatte für den ganzen Tag Regen angesagt, aber so schlimm sollte es nicht kommen. Es blieb bewölkt und kühl, nachmittags regnete es ein paar Tropfen.

Unser erstes Reiseziel war heute der dritte Nordküstenfinger und hier das Ende der Straße nördlich von Käsmu. Von dort aus gibt es zum einen einen Weg auf einer ganz schmalen Landzunge ins Meer hinein bis Karadi Saar, zum anderen eine schöne Nordküstenwanderung. Wir wollten vor Ort sehen, wie das Wetter ist, und uns dann entscheiden, was wir wandern wollten.

Bevor wir losfuhren, ging Udo noch einmal vor zur Landspitze. Xenia duschte in dieser Zeit. Danach war unser Frischwasser ziemlich leer und es war klar, dass wir diesbezüglich heute noch etwas unternehmen mussten.

Um 10:45 Uhr kamen wir in Käsmu auf dem Wanderparkplatz an, verzehrten noch unsere letzten Walnuss-Teilchen (in der Pfanne aufgebacken) mit einem Cappuccino und machten uns dann auf den Weg nach Karadi Saar. Allerdings kamen wir leider nicht weit. Bevor es auf die Landzunge geht, versperrte uns ein großes Schild den Zutritt: Bis 15.07. war hier ein Schutzgebiet ausgewiesen, das man nicht betreten durfte. Wie schade – aber konnten wir nicht ändern.

Da es am Himmel nicht nach Regen aussah, entschlossen wir uns zur Küstenwanderung. Auf Wald-, Sand- und Kieselwegen kann man bis an die nordwestliche Spitze wandern. Das Besondere an diesem Küstenabschnitt sind die Steine und Felsbrocken, die hier im Wasser liegen. Es war wirklich ein sehr schöner Wanderabschnitt und wir genossen den Meerblick.

An der Spitze angekommen, sah der Himmel nicht mehr so gut aus. Ein Blick auf die Wetterapp bestätigte den Verdacht: in 30 Minuten war Regen angesagt. In dieser Zeit war der Rückweg nicht zu schaffen, das war klar. So schauten wir nicht aufs Wetter und gingen noch ein Stück die Küste entlang nach Süden. Kaum hatten wir das Kap umrundet, wurde es plötzlich ganz still: Hier waren kein Wind und keine Wellen mehr. Es war fast gespenstisch ruhig. Dafür war der Weg voller Ameisen, die hier mehrere riesige Ameisenhäufen gebaut hatten und fleißig unterwegs waren.

Bei zwei großen Findlingen verließen wir den Küstenweg und bogen in den Kiefernwald ab. Hier war der Boden saftig grün, moosig-weich und voller Heidelbeeren.

Auf dem Waldweg kamen wir zügig voran, so dass wir eine Stunde nach dem Kap wieder an der Berta waren. Es hatte einmal ein paar Spritzer geregnet, aber so schnell wieder aufgehört, dass wir nicht einmal Regenjacken angezogen hatten.

Es war jetzt 14:45 Uhr und wir entschlossen uns, weiter zum barocken Gutshaus Palmse zu fahren. Dieses hatte bis 18 Uhr geöffnet und die Fahrt dorthin dauerte eine knappe halbe Stunde. Allerdings wollten wir nicht direkt hinfahren, sondern unterwegs an einer Trinkwasserquelle Halt machen, die Xenia im Internet gefunden hatte. Hier sollte es sehr gutes Trinkwasser geben, das sich auch die Einheimischen holen.

Dank Maps fanden wir die Quelle: ein Fass mit Deckel im Boden, gefüllt mit Quellwasser. Trichter und Schöpfgefäße waren praktischerweise gleich daneben bereitgestellt. Als Xenia die Quelle erkundete, hielt ein estnisches Auto ebenfalls an der Straße und ein estnisches Ehepaar kam mit acht 20-Liter-Kanistern, um diese zu füllen. Da waren wir mit unserer 10-Liter-Gießkanne doch sehr bescheiden unterwegs! Die beiden waren sehr nett, füllten uns die Gießkanne acht Mal und gaben uns anschließend noch Tipps, wohin wir in Estland unbedingt noch reisen müssten. Die meisten ihrer Vorschläge waren bereits auf Xenias Liste, ein paar neue kamen aber auch noch mit dazu. Als wir die Quelle verließen, war das Fass nur noch zu einem Viertel gefüllt – aber es wäre schnell wieder voll, meinten die beiden. Sie holen sich das Wasser, weil es zum Trinken, insbesondere für Kaffee und Tee, von besserer Qualität sei als ihr Leitungswasser. So hatten wir noch ein nettes Nachmittags-Schwätzle und fuhren mit einem vollen Frischwassertank und bei leichtem Regen weiter nach Palmse.

Um 16 Uhr waren wir dort und besichtigten das feudale Gutshaus. Der barocke Gutshofkomplex der Adelsfamilie von der Pahlen gilt als das erste Gut des Landes, welches in den 1970er Jahren vollständig restauriert wurde, mitsamt all seiner historischen Nebengebäude, Parks und Gärten. Das Gutshaus kann man auf zwei Etagen besichtigen. Es ist mit authentischen Möbeln, Gemälden und Rokokokachelöfen ausgestattet. Im Musikzimmer steht ein historisches Orchestrion, eine mechanische Musikmaschine aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie erzeugt Musik über austauschbare Walzen. Jede dieser Walzen enthält Stifte und Brücken, welche die mechanischen Komponenten im Inneren ansteuern, um den Klang eines kleinen Orchesters zu imitieren. Eine Mitarbeiterin führte uns das Gerät mit einem Tanzlied vor.

Das Gutshaus war schnell angeschaut. Wir drehten noch eine Runde durch den Park und das Gewächshaus, dann gingen wir zur Berta zurück und fuhren weiter zu unserem Übernachtungsplatz, dem RMK Oandu telkimisala.

Dort kamen wir um 17:45 Uhr an, müde und vor allem auch hungrig. Xenia kochte Vanillepudding und Spaghetti mit Pesto und Salat. Den Pudding aßen wir zum Nachtisch mit Himbeersirup. Danach fühlten wir uns bedeutend besser. Die Berta verließen wir nicht mehr, auch um den Schnaken zu entgehen, die um unser Auto schwirrten.


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