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Montag, 06.07.2026 – Reifenpanne (Platten), Abschleppen und Reparatur bei Tallinn, Lasnamäe Einkaufszentrum, Viru Moor, Juminda
Vom Jägala Wasserfall bis Juminda – 96 km, Viru-Moorwanderung 6 km
Wetter: Vormittags Regen, nachmittags Aufheiterungen und zunehmend stürmisch, 14 Grad
In der Nacht prasselte der Regen aufs Bertadach wie noch nie. Es schüttete längere Zeit wie aus Kübeln. Zum Morgen wurde es besser. Der Regen hörte immer wieder auf, um dann wieder neu anzufangen. Der Wetterbericht war wenig ermutigend, erst am Nachmittag sollte es besser werden. Außerdem war es ziemlich kalt geworden, 12 Grad am Morgen und nicht mehr als 14 Grad tagsüber. Da waren lange Hosen und Pullis angesagt.
Wir beschlossen, trotz dem schlechten Wetter zum Viru Moor am Rand des Lahemaa Nationalparks zu fahren und dort abzuwarten, ob und wann der Regen aufhört. Auf der Fahrt dorthin wollten wir versuchen, ein paar Plastikfolien-Regencapes zu erwerben, die es in Estland in vielen Geschäften (Supermarkts, Drogerien) und bei Tankstellen geben soll.
Wir waren gerade am Losfahren, als uns unser einziger Nachtkamerad aus Augsburg ein Zeichen gab. Wir hielten an und er sagte, dass wir hinten rechts einen Platten hätten. Wir konnten es zuerst nicht glauben, aber genauso war es. Der rechte Hinterreifen war platt.
Wohl dem, der ADAC Premium Mitglied ist! Es war 10 Uhr und wir riefen bei der Hotline an. Eine freundliche Stimme versprach, eine SMS zu schicken, und wirklich war diese innerhalb Sekunden da. Wir mussten online eine Schadenbeschreibung, die Fahrzeugdaten der Berta und Udos Kontaktdaten weitergeben. Nur wenige Minuten später kam ein Rückruf. Wir mussten noch ein paar Reise- und Fahrzeugdaten ergänzen und bekamen dann das Versprechen, dass sich innerhalb der nächsten 90 bis 120 Minuten ein estnischer Mitarbeiter bei uns melden und uns helfen würde. Bereits 10 Minuten später kam der Anruf: in 25 Minuten sei der Abschlepper da. So war es dann auch. Um 11 Uhr kam der Abschleppdienst und der Fahrer sah den Übeltäter gleich: ein großer Nagel im Reifen. Der Reifen wurde nochmal aufgepumpt, um die Berta auf den Hänger fahren zu können. In wenigen Minuten war sie dort festgezurrt und wir fuhren zu einer Reifenwerkstatt in einem östlichen Vorort von Tallinn. Dort verabschiedete sich der freundliche Abschlepper. Er hatte mit uns deutsch gesprochen, hatte wohl zwei Jahre in Ulm und Neu-Ulm gearbeitet. Er wird direkt vom ADAC bezahlt, damit haben wir nichts mehr zu tun.
In der Reifenwerkstatt mussten wir auch nicht lange warten. Der Reifen konnte geflickt werden und um 12 Uhr war die Berta wieder startklar. Die Werkstatt wollte 40 Euro für die Reparatur, diese hat Udo ihnen gegeben.
Nachdem es auf der Fahrt nach Tallinn noch einmal richtig gegossen hatte, war es jetzt trocken. Wir wollten ja noch Regencapes kaufen, deshalb fuhren wir ins Lasnamäe Einkaufszentrum ganz in der Nähe. Dort bekamen wir in einem Supermarkt die gewünschten Umhänge und nahmen gleich sechs Stück mit – drei für Männer und drei für Frauen. Sie kosteten nur 2,70 Euro und sind sicher nicht sehr haltbar.
Da wir nun schon einmal im Einkaufszentrum waren, nutzten wir die Möglichkeit, in einem estnischen Hesburger einzukehren. Das Sortiment und die Qualität waren wie bei McDonald, mit frischen heißen Pommes.
Danach verließen wir Tallinn – hoffentlich zum letzten Mal auf unserer Reise! Der Himmel war bewölkt, aber es blieb trocken auf der Fahrt zum Viru Moor am östlichen Rand des Laheema-Nationalparks. Gleich neben der A1 liegt der Startparkplatz für eine schöne Runde durchs Moor.
Mit den neuen Capes im Rucksack, die wir aber zum Glück heute nicht mehr brauchten, machten wir uns auf den Weg. Wieder ging es auf einem schönen Bohlenweg durch das Moor. Das Viru Moor ist durchzogen von vielen Seen und war das feuchteste Moor, das wir bisher im Baltikum gesehen und durchwandert haben. Rechts und links der Bohlen stand das Wasser. Als wir unterwegs waren, machte der Himmel auf und die Sonne schien wieder. Wie schön! Es wurde auch gleich ein bisschen wärmer, die Jacke konnte man aber immer noch gut gebrauchen. Wir genossen die besondere Landschaft, den weiten Blick und den schönen Bohlenweg. An einem größeren See war sogar eine Badestelle mit einem Einstieg ins Wasser. Dort durfte die Susi einen kleinen Ausflug machen. Sie musste allerdings ziemlich gegen den mehr und mehr aufkommenden Wind ankämpfen, sodass sie bald wieder zurückgerufen wurde. Der Rückweg verlief durch den Wald am Moor entlang. Hier hat es in den Wäldern überall Heidelbeeren, die langsam reif werden. Einige konnten wir schon pflücken.
Um 17:30 Uhr waren wir zurück an der Berta und entschieden uns, noch in den Norden auf die Juminda-Halbinsel zu fahren. Wo wir dort stehen und nächtigen konnten, war uns noch nicht ganz klar.
Wir fuhren an der Westküste hoch und als wir an einer Parkmöglichkeit in Meernähe vorbeikamen, hielten wir dort an. Es war ein schöner Platz unter ein paar Kiefern mit Meerblick, allerdings war inzwischen ein ordentlicher Wind aufgezogen, der vor allem an der Westküste heftig wehte. Ab und zu wurden wir von Zäpfchen getroffen, die der Wind von den Bäumen riss. Das knallte dann ganz ordentlich. So aufgewühlt hatten wir die Ostsee bislang nicht gesehen.
Wir machten erst einmal ein Abendessen, dann gingen wir vor ans Meer. Der Blick war schon toll, aber durch den starken Wind war das Meererlebnis doch etwas getrübt. Zwei Burschen wollten sich den Spaß nicht engehen lassen und gingen bei ca. 17 Grad Lufttemperatur zum Wellenbaden.
Weil wir nicht weiter von Wurfgeschossen getroffen werden wollten, fuhren wir weiter. Udo wollte gerne noch ganz vorfahren ans Cup. Bis auf die letzten 500 Meter ging das auch prima auf geteerten Straßen, die allerdings immer kleiner wurden. Die letzten Meter bis vor an die Landspitze zu einem RMK Platz schafften wir dann auch noch auf dem Schotter-Waldweg. Mit einem Schweden, der mit einem kleinen Wohnwagen ebenfalls hier angekommen war, teilten wir uns den Platz.
Bevor wir die Luken dicht machten, machten wir noch einen kleinen Erkundungsgang ans Meer. Vorne befinden sich ein großer Gedenkstein und mehrere Marmortafeln am Boden zum Andenken an die Schiffe und Mannschaften, die hier von Minen getroffen wurden und untergingen.
Es stürmte auch hier kräftig, aber wir fanden ein einigermaßen geschütztes Plätzchen, wo wir die Berta hinstellen und die Nacht verbringen konnten.


















