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Freitag, 03.07.2026 – Tallinn: Estnisches Seefahrtsmuseum, Hafen für Fähr- und Kreuzfahrtschiffe
In Tallin 6 km
Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags kräftige Schauer und Gewitter, dazwischen sonnige Abschnitte - 22 Grad
Heute war Schiffe-Tag. Nachdem der Wetterbericht Regen vorhergesagt hatte, beschlossen wir, das Estnische Seefahrtsmuseum im Wasserflugzeughafen (Lennusadam) zu besuchen.
Dafür verließen wir unseren Parkplatz und fuhren 15 Minuten bis zum Museumsparkplatz. Dort blieben wir aber nicht, da dieser kostenpflichtig war und sich nur einen Kilometer entfernt ein Parkplatz befand, auf dem wir für 6 Euro 24 Stunden stehen konnten. Diesen hatten wir uns schon als Übernachtungsplatz ausgesucht und ihn fuhren wir an. Wir stellten die Berta dort ab und machten einen schönen Spaziergang am Meer entlang zurück zum Museum, vorbei an der Zarenfestung Patarei. Diese wird gerade renoviert und öffnet erst wieder im Juni 2027.
Das Schifffahrtsmuseum befindet sich in einem Hangar mit einer dreifachen Betonkuppel, was für eine ganz besondere Optik und Akustik sorgt. Erbaut wurde die Kuppel, die als Meilenstein der Ingenieurskunst gilt, zwischen 1916 und 1917. Der große Raum ist dem Publikum auf zwei Ebenen zugänglich und bietet eine interaktive Ausstellung über die estnische Schifffahrtsgeschichte.
Der Eintritt war nicht billig: 22 Euro, keine Seniorenermäßigung und der Audioguide noch einmal 5 Euro obendrauf. Immerhin bekamen wir so ein paar Geschichten und Erklärungen auf Deutsch, was ein echter Gewinn war.
Zuerst konnten wir ein Schiffswrack von oben sehen. Es wurde uns erklärt, dass es sich hierbei um die hölzernen Überresten des Maasilinn-Schiffswracks handelt. Es wurde bei Mittsommerfestivitäten zufällig entdeckt und ist das älteste Schiffswrack in estischen Gewässern aus dem 16. Jahrhundert.
Desweiteren ist der Hangar gefüllt mit zahlreichen historischen Segelbooten, Fischerbooten und Yachten, die die Seefahrtsgeschichte der Region erzählen.
An der Decke hängend befand sich ein lebensgroßer Nachbau des Wasserflugzeugs „Short 184“, einem historischen britischen Aufklärungsflugzeug. Die Flugleistung war schlecht, reichte aber wohl aus, um einmal erfolgreich einen Wassertorpedo abzuwerfen. Wie man im Modell sieht, hatte der Pilot immer den Kühler vor Augen. Eine Sicht nach vorne war nicht möglich.
Das Highlight und Herzstück der Ausstellung ist sicherlich das originale U-Boot „Lembit“ aus dem Jahr 1936. Es ist eines der ganz wenigen erhaltenen Vorkriegs-U-Boote der Welt. Man kann hineingehen und das Innere erkunden, allerdings zusammen mit anderen Museumsbesuchern, was in dem engen Innenraum zu Staus führen kann. Bei unserem Besuch hielt sich der Besucheransturm zum Glück in Grenzen.
Im Torpedoraum schliefen 8 Matrosen. In der Offiziersmesse war es wesentlich geräumiger.
Der Kapitän hatte sein eigenes Bett, gegenüber der Funkkabine.
Das ganze Boot war durchsetzt mit Ventilen, die man manuell auf- und zudrehen musste. Ob es wohl ein Besatzungsmitglied gab, das die Funktionen aller Ventile kannte?
Am Ende des U-Boots waren die Küche und der Mannschaftsraum. Udo fragte sich, wohin die Luft vom Dunstabzug geht?
Auch an große und kleine Kinder wurde in dieser Ausstellung gedacht. Es gab verschiedene Spielmöglichkeiten wie einen Flugsimulator, ein Wasserbecken mit Schiffen, die man selbst steuern konnte, und manches mehr.
Unten auf dem Hangarboden befand sich eine Sammlung historischer Seeminen und Torpedos, an den Wänden standen Flak-Geschütze und Kanonen. Wieder einmal kamen wir zum Schluss, wie viel besser es doch für diese Welt wäre, wenn es all diese Dinge nicht gäbe.
Beeindruckt hat uns auch das Originalboot zweier Esten, die in 75 Tagen über den Altlantik gerudert sind.-]
Alles in allem ist es eine schöne, unterhaltsame und lehrreiche Ausstellung, die uns sehr gut gefallen hat.
Zum Museum gehören im Außenbereich noch zwei Schiffe, die hier vor Anker liegen und die man ebenfalls betreten und besichtigen kann.
Das erste Schiff ist der große, dampfgetriebene, historische Eisbrecher „Suur Tõll“. Auf ihm konnten wir die Mannschaftskajüten, die edle Offiziersmesse und die riesige Dampfmaschine im Bauch des Schiffes besichtigen.
Im Rumpf konnten wir die Dampfmaschine und die Werkstatt besichtigen. An Bord war eine richtig gute Metallwerkstatt.
Das zweite Schiff ist ein ehemaliges Küstenwachschiff, das ursprünglich für die US-amerikanische Küstenwache im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Auch hier gingen wir hindurch, bevor wir uns auf den Rückweg zur Berta machten.
Es war inzwischen 14 Uhr geworden, unsere Füße waren müde und unsere Mägen leer. Da kam uns eine Pizzeria mit Außenterrasse zum Meer hin gerade recht. Die Auswahl an Pizzen war überschaubar, aber wir fanden etwas, das uns schmeckte.
Um 15 Uhr waren wir wieder in der Berta, gerade noch rechtzeitig vor einem heftigen Gewitter. Wie gut, jetzt im Trockenen zu sein! Wir legten uns in unsere Betten und verschliefen den Regen.
Zum Kaffee schien wieder die Sonne und wir entschlossen uns, einen Spaziergang auf die Linnahall, neben der wir parkten, und vor zum Hafen für die Kreuzfahrtschiffe und Fähren zu machen. Für eine Altstadtbesichtigung war es zu spät.
Die Tallinner Linnahall wurde 1980 für die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele in Moskau errichtet und diente jahrzehntelang als riesige Mehrzweckarena für Konzerte und Eissport. Bis zu 5000 Personen fanden hier Platz. Heute ist der Betonbunker für den regulären Publikumsverkehr geschlossen und zu einem Lost Place geworden. Die Architektur erinnert optisch an eine Mischung aus Maya-Pyramide und moderner Festungsanlage. Entworfen wurde sie so flach, damit sie den Blick von der Altstadt auf das Meer nicht versperrt. Was sie heute für Touristen interessant macht, ist ihr begehbares Dach, das über Außentreppen rund um die Uhr frei zugänglich ist.
Wir stiegen hinauf, hatten einen schönen Blick über die Ostsee, aber leider auch auf eine nächste Gewitterfront, die sich bedrohlich näherte. Trotzdem ließen wir uns von dem Vorhaben, zum Hafen zu gehen, nicht abbringen.
Kurz vor dem Schriftzug “Tallinn” erreichte uns der Ausläufer eines ersten Schütters. Er genügte, um nasse Hosen zu bekommen, hörte aber schnell wieder auf. Wir marschierten die Anlegerbrücke entlang und konnten dabei mehrere Kreuzfahrtschiffe und Fähren beobachten, wie sie vor Anker lagen oder auch in den Hafen ein- oder ausfuhren.
In der Ferne war es bedrohlich schwarz geworden und es donnerte. Als wir den am weitesten entfernten Punkt erreicht hatten, fing es zu regnen an. Zuerst noch etwas verhalten, dann immer mehr, bis es regelrecht schüttete. Dazu wehte ein ordentlicher Wind. Wir hatten zwar Schirme dabei, aber Hosen und Schuhe wurden trotzdem komplett durchnässt. Da wir nicht wussten, wie lange das Unwetter anhält, standen wir nicht irgendwo unter, sondern marschierten so schnell wie möglich durch den strömenden Regen zurück zur Berta.
Schnell raus aus den nassen Klamotten, die schwer an uns klebten. Wir waren noch nicht lange im Trockenen, da ließ der Regen nach. Kurze Zeit später hörte er ganz auf und die Sonne kam wieder hervor. Nun ja – hatte uns heute eben auch einmal ein Regenguss erwischt.
Es war inzwischen Abend geworden und selbst der schöne Sonnenschein konnte uns nicht mehr aus unserem mobilen Heim locken. Wir aßen noch ein kleines Vesper und hatten für heute genug erlebt.








































