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Sonntag, 28.06.2026 – Hiiumaa Radtour und Leuchttürme
Von Meiuste bis Tahkuna Leuchtturm – 90 km, Radtour 50 km
Wetter: zuerst heiter, dann bewölkt, ab 15 Uhr Schauer und Gewitter, 23 Grad
Heute mussten wir nach dem Aufstehen die Uhr im Blick behalten, da wir die Fährfahrt nach Hiiumaa um 9:30 Uhr gebucht hatten. Eine halbe Stunde früher fuhren wir los, nach 10 Minuten Fahrtzeit waren wir am Hafen von Triigi und die Ersten am Anleger. Das änderte sich aber schnell in den nächsten Minuten.
Wir durften als Erste auf die kleine Fähre fahren und ergatterten dadurch einen schönen Fensterplatz mit Tisch auf dem Passagierdeck. Die 60-minütige Überfahrt verging schnell. Plötzlich klingelte Xenias Telefon. Daniel Dallmann war am Apparat. Er war so krank geworden, dass er heute nicht zum 60-jährigen Jubiläum nach Asch kommen konnte. Da er Kevin nicht erreicht hatte, rief er bei Xenia an. Sie gab ihm die Kontaktdaten von Robin, aber es hat dann wohl doch noch mit einem Telefonat mit Kevin geklappt. Es ist schon blöd, wenn einem der Festprediger so kurzfristig absagt ...
Um 11:30 Uhr legten wir am Hafen von Söru an. Wir hatten uns einen RMK-Stellplatz hinter dem Strand von Luidja ausgesucht, um von dort aus den Ristna-Westzipfel der Insel bis mit dem Fahrrad zu erkunden und danach noch im Meer zu baden. So war zumindest der Plan, den das Wetter dann leider vereitelte.
Der RMK-Camplatz war gut anzufahren, auch wenn die letzten 6 Kilometer Schotterpiste waren. Es stand schon ein anderer Camper dort, aber dieser war am Abreisen. Bevor wir uns zur Radtour richteten, machten wir einen Abstecher vor an den Strand (ca. 200 Meter durch den Wald bis zu den Dünen). Laut Reiseführer ist der Luidja Strand berühmt für seinen „singenden Sand“. Bei trockenem Wetter erzeugt der extrem feine, weiße Quarzsand ein charakteristisches Quietschen oder Summen, wenn man darüber läuft. Wir konnten das allerdings nicht feststellen, obwohl der Sand am Vormittag eigentlich trocken war. Wir hielten uns nicht länger auf, denn wir wollten ja noch 50 Kilometer radeln.
Während Udo die Räder richtete, machte Xenia ein Vesper zum Mitnehmen. Es war wohl schon 12:30 Uhr, aber wir hatten noch keinen Hunger und unterwegs zu vespern gefällt uns gut. Auf Hiiumaa sind die Autostraßen zugleich auch die Radwege. Da kaum Verkehr ist, funktioniert das ganz gut. Die Hauptstraßen sind in gutem geteerten Zustand, die Nebenstraßen oft Schotterpisten. Wir sind beides gefahren.
Wir starteten bei bedecktem Himmel, was aber bei 23 Grad ganz angenehm war. Den ersten Zwischenstopp machten wir nach 15 Kilometern am Leuchtturm Köpu. Wir ketteten die Räder an und bestiegen den Leuchtturm über eine sehr steile Treppe mit sehr hohen Stufen. Das war richtig anstrengend! Oben angekommen bestätigte der Rundumblick den Eindruck, den wir bisher schon von der Insel gewonnen hatten: es gibt hier fast nur Wald. Bäume, Bäume, Bäume ... so weit das Auge reicht, bis zum Meer.
Weiter ging es gen Westen zur Ristna Spitze mit dem Ristna Leuchtturm und dem Paradiisi Strand. Bis zum Leuchtturm kamen wir ohne Probleme, dann allerdings wurde der Weg zum Meer so sandig, dass wir umkehren und uns irgendwie durchschlagen mussten. Wir versuchten es auf mehreren Wegen und insbesondere Xenia war erleichtert, als wir wieder auf eine Fahrstraße trafen und auf dieser bis vor an die Spitze radeln konnten. Das hätten wir auch einfacher haben können!
Von der Spitze aus konnten wir den Sandstrand des Paradiisi-Strandes sehen, aber auch eine dunkle Gewitterfront, die sich uns bedrohlich näherte. Was tun? Wir waren jetzt am von der Berta am weitesten entfernten Punkt und einem schönen Vesperplatz. Xenia hatte Hunger und es hätte einen kleinen Bunker zum Unterstehen gegeben, aber Udo meinte, wir sollten so schnell wie möglich zurückfahren. Das war im Nachhinein die richtige Entscheidung, denn es sollte nicht bei einem kurzen Schauer bleiben. Es regnete bis zum Abend, mal mehr, mal weniger.
Wir kamen noch ein gutes Stück, bevor uns die ersten Tropfen erreichten. Als es etwas stärker wurde, zogen wir Regenjacken an. Es dauerte aber nur ein paar Minuten, dann wurde es wieder trocken. Hinter uns war es rabenschwarz und es donnerte. Wir radelten, was das Zeug hielt, wurden aber noch einmal vom Rand des Schauers eingeholt. Wieder in die Regenjacken und weiter!
Nach 25 Kilometern, die wir in einer Stunde bewältigten, kamen wir an der Berta an. Es hatte wieder aufgehört zu regnen, so dass Udo die Räder im Trockenen einräumen konnte. Während das Duschwasser aufheizte, aßen wir endlich unsere Vesperbrote. Jeder RMK-Zeltplatz ist mit Feuerstellen und Tischgruppen ausgestattet und wir setzten uns an eine dieser Tischgruppen – allerdings nur für wenige Minuten. Erstens waren Tische und Bänke ziemlich dreckig und zweitens wurden wir von Schnaken attackiert. So flohen wir in die Berta, aßen dort fertig und duschten. Was für eine Wohltat ist es immer wieder, den Schweiß abwaschen und frische Wäsche anziehen zu können!
Inzwischen regnete es richtig und wir waren froh, im Trockenen zu sein. An einen Strandbesuch war nicht mehr zu denken und der Schnaken-Platz war mitten im Wald ohne Aussicht. Udo hatte eine gute Idee: Wir fuhren noch an den nördlichsten Punkt der Insel zum Tahkuna Leuchtturm. Als wir dort ankamen, waren noch ein paar Besucher auf dem Parkplatz, aber in einer Regenpause kamen sie vom Leuchtturm zurück, stiegen in ihre Autos und fuhren davon. Ab 20 Uhr waren wir allein auf einem Platz mit Meerblick.
Zum Abendessen gab es Grießbrei mit Pfirsichkompott, während es draußen regnete. Ein Schauer nach dem anderen zog durch, mit wenigen Minuten Regenpause dazwischen. Immer, wenn wir dachten: Jetzt ist es vorbei!, fing es wieder erneut zu regnen an. Erst um 21:45 Uhr wurde der Himmel im Westen heller und die Abendsonne kam zwischen den Wolken hervor. Udo ging mit der Susi vor ans Kap, um den Sonnenuntergang zu filmen.
Vorne an der Spitze steht ein Denkmal für die Opfer der 1994 in der Nähe von Tahkuna gesunkenen Fähre „Estonia“: eine große Bronzeglocke, die an einem kreuzförmigen Pendel aufgehängt ist. Die Neigung der Skulptur symbolisiert die letzten Sekunden des sinkenden Schiffes. Bei starkem Wind gerät das Pendel in Bewegung, sodass die Glocke von selbst zu läuten beginnt – wie eine Nachricht vom Meer. Auf der Glocke befinden sich vier Kindergesichter, die jeweils in eine der Haupthimmelsrichtungen blicken.
Es begann noch einmal leicht zu regnen, aber Udo konnte trotzdem ein paar tolle Bilder vom Leuchtturm, einem Regenbogen und der untergehenden Sonne machen.
Da nicht weit vom Parkplatz entfernt ein Windrad stand, das beim Drehen unangenehm quietschte, fuhren wir noch zwei Kilometer weiter bis zum Parkplatz eines Militärmuseums und übernachteten dort.


















