Berta-Baltikum26-Tag27


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Freitag, 26.06.2026 – Kuressaare, Sörve Leuchtturm, Steinmännchenstrand bei Ohessaare

Von Kuressaare bis Ohessaare Steinmännchenstrand – 66 km

Wetter: sonnig, 25 Grad

Heute hatten wir den ganzen Tag Sonne pur. Vormittags benötigten wir einige Zeit, um unsere Versorgung zu machen. Zuerst auf dem Stellplatz: Wasser ablassen und neu tanken, Klo leeren und die gewaschene Wäsche in der Berta aufhängen. Sie war leider am Morgen gefühlt noch genauso nass wie am Vorabend, als Xenia sie aufgehängt hatte. So kamen Udos T-Shirts in die Dusche und die Unterwäsche wurde am Wäschetrockner an der Türe aufgehängt.

Wir verließen unseren Platz und fuhren zuerst zum Gastanken. Das hat prima funktioniert und wir verließen den Händler mit zwei vollen Gasflaschen. Dann kamen die Lebensmittel dran: Beim Lidl kauften wir Milchprodukte, Obst, Gemüse und ein paar Backwaren.

Jetzt waren wir bestens für die nächsten Tage ausgerüstet und fuhren in die Stadt. Ganz in der Nähe des Schlosses, kurz vor der Suur Tõll und Piret Skulptur, gibt es einen Parkplatz mit ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen. Wir bekamen tatsächlich noch einen und starteten von dort aus unsere Runde.

Zunächst schauten wir uns die beeindruckende Skulptur von Suur Tõll und Piret aus der Nähe an. Sie zeigt den mythologischen, gutmütigen Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In der estnischen Mythologie war Suur Tõll der Herrscher und Schutzpatron von Saaremaa. Er verteidigte die Insel gegen Feinde, liebte Kohl und besaß enorme Kräfte. Seine Frau Piret unterstützte ihn stets tatkräftig bei seiner Arbeit. In der Skulptur tragen die beiden ein Boot voller Fische, was den traditionellen Fischfang und den Zusammenhalt der Inselbewohner symbolisiert.

Nach einem kurzen Abstecher zum Stadtstrand von Kuressaare gingen wir aufs Schlossgelände. Man kann auf den Wällen ums Schloss herumgehen. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Windmühle, der wir einen kurzen Besuch abstatteten.

Dann gingen wir ins Schloss, in dem sich heute das Saaremaa-Museum befindet. Schloss Kuressaare, auch als Bischofsburg Arensburg bekannt, ist die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im Baltikum. Das imposante Bauwerk stammt aus dem 14. Jahrhundert und diente einst als Residenz für die Bischöfe von Ösel-Wiek. Der Kern der Anlage besteht aus einem quadratischen Konventshaus im spätgotischen Stil, flankiert von massiven Wehrtürmen.

Das Saaremaa-Museum im Inneren des Konventshaus ist eines der ältesten und größten Museen Estlands. Es zeigt Ausstellungen zur Regionalgeschichte von der Urzeit bis zur jüngeren sowjetischen Vergangenheit der Insel. Ein ziemliches Armutszeugnis ist es, dass es kostenpflichtige Audioguides zu dieser großen Ausstellung nur auf Englisch, Estländisch und Russisch gibt.

Wir liehen uns trotzdem zwei Geräte auf Englisch, was aber ziemlich mühsam und frustrierend auf der Besichtigungstour war. Wir haben vieles nicht verstanden. Dazu kam, dass das Museum heute gut besucht war. Neben einer stattlichen Anzahl von “normalen” Besuchern durchstreiften auch viele Jugendliche in Gruppen die Räume. Keine Ahnung, wer diese Gruppen waren – gerade sind doch Sommerferien in Estland. Die Burgräume waren schon imposant, aber Xenia hat dieser Museumsbesuch gar nicht gefallen und sie war froh, als wir wieder draußen waren.

Die Stimmung war eher mies, trotz dem herrlichen Sommerwetter. Wir machten noch einen Abstecher in die Innenstadt und kauften auf einem kleinen Markt ein Kilo Erdbeeren aus Saarema. In der Berta wurden diese gleich eingezuckert, dann fuhren wir weiter, wieder in die Natur und ans Meer. Wir sind halt doch nicht die Stadtmenschen ...

Unser Ziel war jetzt die südlichste Spitze der Insel. An der Ostküste fuhren wir auf einer asphaltierten Straße die langgezogene südliche Landzunge von Saaremaa hinunter bis zu einem Parkplatz beim Leuchtturm Sörve. Dort waren wir nicht die Einzigen, aber der Besucheransturm hielt sich in Grenzen.

Der Leuchtturm hat eine Höhe von 52 Metern. Um die Aussichtsplattform zu erreichen, müssen 248 Stufen erklommen werden, was uns ganz schön zum Schnaufen gebracht hat. Aber der Rundumblick von oben war die Anstrengung wert.

Wieder unten angekommen machten wir einen Abstecher bis ganz nach vorne zum Kap. Dort konnten wir kleineren Vögeln zusehen, wie sie sich kopfüber wie ein Stein ins Wasser fallen ließen und, wenn sie dabei erfolgreich gewesen waren, mit einem kleinen Fisch im Schnabel wieder auftauchten und davonflogen. Meistens brauchte es aber mehrere Versuche, bis ein Fischfang klappte.

Nach der Rückkehr zur Berta machten wir uns eine Pizzaschnitte in der Pfanne warm und aßen die Erdbeeren mit Joghurt als Nachtisch.

Nun musste wieder die tägliche Frage beantwortet werden: Wo wollen wir die Nacht verbringen? Sollen wir auf dem Leuchtturmparkplatz bleiben oder noch ein Stück weiterfahren? Wir entschieden uns fürs Weiterfahren, aber nur noch ein kurzes Stück. Vor der Ohesaare-Küste gab es neben der Straße einen Platz, wo Leute mit den Steinen, die es dort am Strand gibt, ein Meer von Steinmännchen gebaut haben. Dort stellten wir uns hin. Ein Tübinger Ehepaar war schon hier, aber sie störten uns nicht. Wir unterhielten uns noch ganz nett mit ihnen, dann quartierten wir uns in einer kleinen Nische ein.

Es war inzwischen 18 Uhr geworden, die Sonne war nicht mehr so heiß und es war so schön, im Liegestuhl zu sitzen, aufs Meer zu schauen oder einfach nur mit geschlossenen Augen die Sonne im Gesicht zu genießen. Es wehte ein leichtes Lüftchen, wodurch es nicht zu heiß wurde.

Um 19 Uhr aßen wir noch eine Kleinigkeit, dann wurde es kühl und wir zogen uns in die Berta zurück. Der Himmel war den ganzen Tag über strahlend blau gewesen, aber jetzt zogen am Horizont ein paar Wolken auf, und das ausgerechnet am Sonnenuntergangshimmel! Echt schade! So fiel der grandiose Untergang der Sonne ins Meer, auf den wir uns schon gefreut hatten, heute leider aus. Udo machte trotzdem ein paar Drohnenaufnahmen, es bot sich bei dem Platz einfach an.


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