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Sonntag, 21.06.2026 – Versorgungsvormittag in Riga, Sigulda Gutmannshöhle, Mittsommerfest auf Burg Turaida, Schloss Sigulda mit alten Burgruinen
Von Riga bis Sigulda – 54 km, Radrunde 15 km
Wetter: vormittags bewölkt und Regen, dann sonnig, abends gewittrig. Sehr schwül bei 23 Grad.
Heute verabschiedeten wir uns von Riga. Zuerst war es noch nur bewölkt und wir nutzten den Platz für ein paar Putzaktionen (Kühltasche, Kühlschrank, Bad und Boden). Ein Rohr unserer Warmwasserheizung hatte sich auf einer Seite gelöst; Udo kroch unter die Berta und machte es wieder fest, bevor mehr passieren konnte.
Natürlich bekam die Berta auch noch einen Rundum-Versorgungsservice (Wasser, Abwasser, Toilette). Leider war das Wasser in Riga ziemlich eisenhaltig, was erneut zu Problemen mit dem Piepser des Desinfizierers führte. Aber wir benötigten Wasser und wissen ja jetzt, was die Ursache des Piepsens ist. Es verschwindet hoffentlich wieder, wenn wir klareres Wasser nachtanken können.
Um 10:30 Uhr begann es zu regnen, gerade als wir fertig waren und starten wollten. Da Dienstag und Mittwoch hier Mittsommer-Feiertage sind, haben wir uns bei einem Lidl noch einmal mit allem eingedeckt, was wir in den nächsten Tagen benötigen. Sonntags hat hier alles ganz normal geöffnet. Nur an besonderen Feiertagen ist alles geschlossen, auch Museen und andere Sehenswürdigkeiten, für die man ein Eintrittsticket benötigt.
Dann ging es weiter nach Sigulda im Gauja-Nationalpark. Wir bekamen problemlos einen Parkplatz an der Seilbahn über die Gauja, wo wir auch über Nacht stehen bleiben können. Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel. Nur sehr schwül war es, so dass uns die 23 Grad richtig heiß vorkamen.
Für den späten Nachmittag waren vereinzelte Gewitter angesagt, doch wir wollten das schöne Wetter nutzen und entschieden uns für eine Radtour zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Region.
Los ging es auf einem Radweg neben der Straße bis zur Gutmanns-Höhle. Sie ist 18,8 Meter lang, 12 Meter breit und bis zu 10 Meter hoch – also sehr überschaubar. Trotzdem ist sie die größte grottenartige Höhle im gesamten Baltikum und gilt als die älteste touristische Sehenswürdigkeit Lettlands. Natürlich musste sie auch von uns besucht werden! Die Wände der Höhle sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Seit dem 17. Jahrhundert ritzen Besucher ihre Namen, Wappen, Initialen und Jahreszahlen in den weichen roten Sandstein. Diese historischen Inschriften stehen heute unter strengem Denkmalschutz.
Die Höhle ist zudem der Schauplatz einer der berühmtesten und tragischsten Liebesgeschichten Lettlands, der Legende über die “Rose von Turaida”: Im Jahr 1620 wurde das wunderschöne Mädchen Maija (bekannt als die „Rose von Turaida“) von einem abgewiesenen Soldaten mit einem gefälschten Brief ihres Liebsten in die Höhle gelockt. Um ihre Ehre zu verteidigen, täuschte sie vor, ein Zauberhalstuch zu besitzen, das unverwundbar macht. Sie forderte den Soldaten auf, es mit dem Schwert zu testen – und starb bei dem Hieb. So rettete sie mit ihrem Tod ihre Ehe und blieb ihrem Verlobten treu. Ihr Grab befindet sich nahe der Burg Turaida. Es ist bis heute Brauch, dass lettische Hochzeitspaare an ihrem Hochzeitstag dort Blumen niederlegen.
Wir schafften gerade eine kleine Runde durch die Höhle, dann kam eine Reisegruppe an und alles war voller Menschen. Wir stiegen noch zur Viktorhöhle hinauf, die sich direkt neben der Gutmannshöhle befindet und nicht mehr als eine kleine Aushöhlung ist.
Nur wenige Kilometer weiter, die wir wieder auf dem Radweg neben der Straße zurücklegen konnten, befindet sich der Parkplatz zur Burg Turaida. Die markante Festung aus rotem Backstein thront auf einem bewaldeten Hügel hoch über dem Tal des Flusses Gauja und ist eine der bekanntesten und beliebtesten mittelalterlichen Burgen Lettlands. Ihr Bau wurde im Jahr 1214 im Auftrag von Bischof Albert von Riga begonnen. Sie wurde genau an der Stelle errichtet, an der zuvor die hölzerne Festung des Liven-Königs Kaupo gestanden hatte. Über Jahrhunderte diente die Anlage als wichtiger wirtschaftlicher Stützpunkt und als Bischofsresidenz der Rigaer Erzbischöfe. Im Jahr 1776 zerstörte ein verheerender Großbrand fast die gesamte Anlage, woraufhin sie nicht wieder aufgebaut wurde und über die Jahrhunderte verfiel. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Burg durch umfassende archäologische Ausgrabungen und historische Rekonstruktionen wieder zum Leben erweckt.
Heute herrschte im Burgpark reges Treiben – Mittsommerfest! Es gab einen Markt, auf dem verschiedene Handwerker ihre Waren feilboten. Irgendwelchen chinesischen Krimskrams gab es hier nicht. Außerdem konnte man an verschiedenen Stellen Blumen-, Gras- und Laubkränze flechten. Viele Menschen liefen in historischen Gewändern und mit solchen Kränzen geschmückt herum. Auf einer Bühne wurde gesungen und gespielt, davor getanzt. Es gab teilweise Tanzdarbietungen, aber mehr noch Mitmachtänze für jedermann. Xenia hat einmal mitgetanzt, was bei dem schwülen Sommerwetter jedoch sehr anstrengend und schweißtreibend war.
Viele Menschen in Tracht und gemeinsames binden von Midsommerkränzen. Man setzte siche einfach dazu.
Die Familen saßen zusammen und warteten auf den nächsten Auftritt.
Zu kaufen gab es Handgemachtes, wie gewebte Kleider, gestickte Tücher, Holz- und Metallarbeiten, Gebackenes, Käse, Honig und Marmeladen. (Kein einziges Platik-Chinaramsch-Teil)
Die Tänze und Trachten erinnerten uns sehr an unsere Zeit bei den Volkstänzern.
Natürlich besuchten wir auch die Burg, stiegen auf den Burgturm und durchstreiften einige Museumsräume. Vom Museum haben wir nicht allzu viel verstanden, aber die Aussicht vom Turm war klasse.
Auf dem Rückweg verbrachten wir nochmals ein paar Minuten vor der Bühne. Dann stiegen wir wieder auf die Räder und fuhren zum Herrenhaus Krimulda. Inzwischen war der Himmel an manchen Stellen schwarz geworden, und wir schätzten uns glücklich, dass wir an den Schauern und Gewittern vorbeikamen, ohne vom Regen überrascht zu werden. Unweit vom Herrenhaus befindet sich die unserem Parkplatz gegenüberliegende Seilbahnstation der Seilbahn über die Gauja. Wir dachten zuerst, das sei ein Aussichtsturm, aber dann konnten wir das Seil und auch die Bahn erkennen.
Nun ging es wieder in Serpentinen hinunter bis zur Gauja und auf der anderen Flussseite hinauf nach Sigulda. Hier erlebten wir mal mit dem Rad die unendlich geraden Straßen.
Dort machten wir noch einen letzten Abstecher zum Schloss und zur alten Burgruine dahinter. Inzwischen hatte alles geschlossen, was für uns bedeutete, dass wir die Ruine ohne Eintritt durchstreifen konnten. Von dort aus hatten wir einen schönen Ausblick, insbesondere auf die rote Burg Turaida.
Nun war es nur noch ein kurzes Stück zurück zur Berta. Kaum hatte Udo die Räder aufgeräumt und die Tür geschlossen, begann es zu regnen. Nicht viel, aber ziemlich überraschend. Uns machte es nichts mehr aus. Wir duschten uns den Schweiß vom Leib und verbrachten den Abend im Trockenen, während draußen Gewittergrollen zu hören war und immer wieder ein paar Tropfen fielen.





















