Berta-Baltikum26-Tag20


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Freitag, 19.06.2026 – Radtour durch Riga und zum Jurmala Strand, Führung durchs KGB-Gebäude

Berta 0 km, Radtour 55 km

Wetter: sonnig, nachmittags kurz bewölkt mit ein paar Regentropfen, 22 Grad

Wir hatten uns gestern noch Karten für eine englische Führung “In den Kellern des KGB” um 10 Uhr durchs KGB-Museum der lettischen Besetzung besorgt. Somit war klar, dass das unser erster Programmpunkt für heute sein würde.

Um 9:30 Uhr starteten wir mit den Rädern und waren um 9:45 Uhr am KGB-Gebäude, das während der sowjetischen Besatzung als Zentrum der Repression diente. Hier wurden Regimegegner verhört und inhaftiert. Die Führung war insgesamt schon sehr bedrückend, auch wenn der Führer versuchte, das schwere Thema unterhaltsam zu gestalten.

Wir sahen schmale, unterirdische Arrestzellen, in denen Inhaftierte unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Außerdem zeigte man uns einen Transportaufzug für Verhaftete und eines der Verhörzimmer, in denen Gefangene vom KGB psychisch und physisch gefoltert und verhört wurden. Wir kamen in einen kleinen Innenhof für den Freigang der Häftlinge, in die Küche und zum Abschluss in einen Exekutionsraum. Insgesamt dauerte die Führung 75 Minuten und hat bei uns schon ein sehr beklemmendes Gefühl hinterlassen. Wir waren froh, wieder in die Sonne und Wärme hinausgehen zu dürfen.

Das Haus sieht von außen ganz normal aus, der Empfang wirkt noch recht unverdächtig

Das Aufnahmezimmer - hier wird man all seine persönliche Habe los und im Verhörzimmer soll man all seine Geheimnisse los werden. Unterm Tisch ist ein normaler Nagel, der zur Unterstützung der Erinnerung z.B. unter die Fingernägel gedrückt wird.

Zu Beginn ging es dann für 3 Tage in einen kleinen Raum (kleiner, wie eine Telefonzelle), ohne Essen, Trinken, ohne Licht - gemeinsam mit 7 weiteren Personen.

Dann kam man in den Zellentrackt. In der rechten standen 4 Betten und ein Eimer. Diese war mit bis zu 35 Personen belegt.

Es gab Zellen mit und ohne Licht. Essen wurde geliefert.

In der Küche wurde für die Häftlinge gekocht. Das Geschirr hatte Besonderheiten: z.B. Tassen oder Teller mit einem Loch, welches man zuhalten musste, solange man isst oder trinkt. Dies ist besonders toll, wenn man sehr heiße Speißen bekommt.

Einmal pro Woche hatte man Freigang, für 30 Minuten. Die Bewacher standen oben mit ihren Kalaschnikows.

Zum Schluss wurden wir noch in eine schalldicht gemachte Garage geführt. Hier fanden die Executionen statt, die stets um Mitternacht durchgeführt wurden. Man sieht die Einschusslöcher, die zur Analyse mit Klebern markiert wurden.

Wir setzten die Radtour fort und fuhren zuerst durch das Jugendstilviertel. Die Straßen sind hier ziemlich eng, so dass viele der schönen Jugendstilfassaden gar nicht voll zur Geltung kommen können.

Weiter ging es in die Altstadt. Wir hatten nicht damit gerechnet, wie voll es hier sein würde. Auf vielen Plätzen war Markt oder es wurden Bühnen aufgebaut fürs Mittsommerfest. Der Livu-Platz hat uns sehr gut gefallen mit den kleineren bunten Häusern, den Cafés, Restaurants und Blumenrabatten. Wir überlegten, dort mittagzuessen, aber es war noch etwas früh (12 Uhr) und die Speisekarten haben uns nicht wirklich zugesagt.

So fuhren wir weiter auf kleinen Kopfsteinpflasterstraßen zur Kleinen und Großen Gilde, kamen am Katzenhaus vorbei und damm zum Rigaer Dom und Domplatz. Natürlich durfte auch das Schwarzhäupterhaus auf unserer Tour nicht fehlen. An der Petri-Kirche sind wir nur vorbeigeradelt und nicht auf den Turm gestiegen – es waren einfach zu viele Menschen hier. Die Innenstadt sollte man wirklich nur zu Fuß und nicht mit Rädern besichtigen.

Am Zentralmarkt ketteten wir die Räder an und bummelten über den Markt und durch eine der Markthallen. Dort haben wir auch etwas zu Mittag gegessen, allerdings hat es uns nicht besonders geschmeckt. Xenia nahm noch ein halbes Bauernbrot an einem Stand mit, dann verließen wir die Hallen wieder und radelten 20 Kilometer zum Jurmala-Strand, an dem wir gestern vorbeigefahren waren. Von Riga führt ein schöner Radweg nach Jurmala.

In Jurmala kamen wir zu einem Schwimbad mit wirklich vielen Rutschen und “Jurmalas Tarzans”, einem Kletterpark. Dort befindet sich auch ein frei zugänglicher Aussichtsturm, auf den wir hochstiegen und über die Bäume bis zum Meer schauen konnten.

Leider zogen jetzt ein paar dunkle Wolken auf, aber den Strand wollten wir doch unbedingt noch sehen! So radelten wir vor, setzten uns eine Weile auf eine Bank am Strand und ergötzten uns an der lettischen Bademode.

(Hat Xenia aufgenommen!)

Als wir uns auf den Rückweg machten, spürten wir die ersten Regentropfen. Zum Glück waren wir schneller als der Schauer, so dass wir nur einen ganz leichten Nieselregen abbekamen. Wir zogen nicht einmal Regenjacken an. In Riga schien wieder die Sonne und als wir zurück bei der Berta auf dem Kirchenstellplatz waren, konnten wir nach einer Dusche im Freien vespern.

Morgen wollen wir noch einmal ohne Räder in die Stadt gehen, um etwas mehr von den Sehenswürdigkeiten Rigas entdecken zu können. Für heute haben wir genug.


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