Berta-Baltikum26-Tag15


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Sonntag, 14.06.2026 – Kreuzhügel, Birzai mit Regionalpark

Von Siauliai über Birzai bis Bauska – 176 km

Wetter: morgens bewölkt mit Schauern, mittags zunehmend aufgelockert mit Schauern und Gewittern. 13 – 19 Grad

Heute waren wir buchstäblich “unter dem Schirm des Höchsten” unterwegs. Der Wetterbericht hatte Regen für den ganzen Tag angesagt, aber uns erwischte er nur, wenn wir in der Berta waren. Wir fuhren trotz schlechtem Wetterbericht nach Birzai, machten aber nicht die ursprünglich geplante Radtour, sondern fuhren ein paar Highlights an und erkundeten von dort aus zu Fuß die Umgebung mit kleineren Wanderungen und Spaziergängen.

Unser erster Anlaufpunkt war noch in der Region Siauliai: der Berg der Kreuze (Kreuzhügel), 10 km nördlich der Stadt. Es handelt sich dabei um einen katholischen Wallfahrtsort, ein Symbol des Leidens und des nationalen Widerstands im Norden Litauens. Auf einem rund 9 Meter hohen Hügel stehen schätzungsweise 200.000 Kreuze, Kruzifixe und Rosenkränze, dicht aneinandergedrängt, in allen Größen und Formen. Im Jahr 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. den Ort, hielt eine Messe vor 100.000 Gläubigen und machte so den Hügel weltweit bekannt. Er schenkte der Stätte ein großes Kruzifix, das bis heute am Fuß des Hügels steht. Für uns war es ein ziemlich skurriler Ort, den wir nach einer halben Stunde wieder verließen. Kaum waren wir in der Berta, setzte Regen ein.

Auf der Strecke bis Birzai fuhren wir durch einige Schauer, die aber nach ein paar Kilometern wieder vorbei waren.

Um 11:30 Uhr kamen wir in Birzai an und fuhren zuerst zur Širvėna-See-Brücke. Sie gilt mit einer Länge von 525 Metern als die längste Holzfußgängerbrücke Litauens. Kurz vor Birzai schüttete es noch einmal kräftig, aber als wir am Parkplatz vor der Brücke ankamen, hatte dort der Regen schon aufgehört und es kam sogar die Sonne heraus. Allerdings war dieser Zustand nicht von langer Dauer. Schon nach wenigen Minuten wurde der Himmel schwarz und es kam der nächste Schauer. Ihn überstanden wir prima in der Berta mit Mittag essen. Es gab Currywurst mit geröstetem Brot. Bis wir gekocht, gegessen und gespült hatten, war auch die Sonne wieder da und verließ uns bis abends nicht mehr. Der Himmel wurde im Gegenteil immer aufgelockerter, allerdings konnten wir erkennen, dass um uns herum noch einige Schauer und Gewitter niedergingen.

Wir packten einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien und Regenschirmen und machten uns auf den Weg über die Brücke zum gegenüberliegenden Tiškevičius-Palast. Er ist umgeben von einem sehr schönen und gepflegten Park im englischen Stil mit Teichen und alten Bäumen. Durch ihn schlenderten wir, bevor wir uns am See auf eine Bank setzten und die Sonne genossen. Dann ging es wieder über die Brücke zurück zur Berta.

Wir fuhren 2 Kilometer weiter und parkten in der Nähe der großen evangelischen Backsteinkirche von Birzai. Von dort aus machten wir einen schönen Spaziergang am See entlang, durchs Burggelände und vorbei an der weißen Johannes-der Täufer-Kirche. Wieder zurück auf dem Parkplatz nutzten wir das dortige WC zur Entleerung unserer Campingtoilette und den Trinkwasserspender, um mit unserer Gießkanne 20 Liter gutes Wasser in unseren Frischwassertank nachzufüllen. Danach war dieser wieder halb voll und wir waren gerüstet für die nächsten Tage.

Der nächste Anlaufpunkt war der Kirkilai Aussichtsturm. Seine besondere Form, die an ein sinkendes Boot oder Kanu erinnert, macht ihn zu einem architektonischen Highlight im Regionalpark. Aus 30 Metern Höhe hat man einen wunderschönen Ausblick über die grüne Landschaft mit 30 kleine Karstseen. Natürlich stiegen wir zuerst auf die Aussichtsplattform, bevor wir die Gegend zu Fuß erkundeten. Direkt am Turm startet ein 800 Meter langer Rundweg durch das Seengebiet, der über mehrere Pontonbrücken führt. Es war ein sehr schöner Spaziergang!

Inzwischen war es 16:45 Uhr geworden und wir entschieden uns, heute noch bis Bauska zu fahren, um zeitig am nächsten Morgen die Kreuzritterburg besichtigen zu können. Auf dem Weg machten wir noch einen kleinen Abstecher zur “Kuhhöhle”, einer Karstdoline. Die Landschaft ist hier ganz hügelig, voller kleinerer und größerer Einbrüche. So wie die Seen beim Turm, die ebenfalls mit Wasser vollgelaufene Dolinen sind.

Weiter ging es über die lettisch-litauische Landesgrenze bis Bauska. Von der Grenze merkt man außer ein paar Schildern, Fahnen und einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h nichts.

Um 18 Uhr kamen wir in Bauska an und wählten einen Parkplatz in Sportplatznähe zum Übernachten. Es gab noch ein paar Spaghetti mit Paprika-Schinken-Pesto zum Abendessen, dann richteten wir uns so langsam für die Nacht ein. Dass noch einmal ein Schauer über uns hinweg zog, machte uns nichts mehr aus.


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