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Donnerstag, 04.06.2026 – Radtour Liepaja
Berta 5 km, Radtour 36 km
Am Morgen stellten wir fest, dass unser Wasserhahn im Bad jetzt nicht mehr ins Waschbecken tropft, aber dass unten aus dem Holzkasten Wasser herausläuft. Udos Badebeutel war total durchnässt und beim genauen Hinschauen konnte man sehen, wie Wasser aus dem Holz tropfte. Da war wohl nicht nur die Kartusche defekt gewesen, sondern auch die Wasserleitung undicht.
Udo machte den Kasten auf und schaute sich die Sache näher an. Es war schnell klar, dass das eine aufwändige und schwierige Angelegenheit werden würde. Da aber gerade noch die Sonne schien und ab dem Nachmittag Regen angesagt war, beschlossen wir, zuerst die geplante Radtour zu machen und danach nach dem Wasserproblem zu schauen.
Um 10 Uhr starteten wir unsere Runde, zuerst in die Altstadt. Das erste Highlight war die prunkvolle evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitskathedrale. Wir wären glatt an ihr vorbeigeredelt, wenn wir sie nicht als Punkt auf der Tour gehabt hätten. So zugebaut ist sie durch die umliegenden Häuser.
Als wir sie betraten, staunten wir nicht schlecht: der Innenraum ist äußerst aufwändig verziert mit Elementen des Rokokos und frühen Klassizismus. Das Prunkstück ist die wunderschöne Orgel, die größte mit mechanischer Traktur auf der ganzen Welt. Sie verfügt über 131 Register mit 7000 Pfeifen und wir hatten das besondere Vergnügen, sie auch hören zu dürfen. Als wir in die Kirche kamen, war gerade die Kantorin am Spielen. Wahrscheinlich hat sie geübt, aber es war wie ein Konzert. Das Instrument hat einen vollen und weichen Klang - echt berührend.
Nachdem wir uns ausgiebig umgeschaut hatten, bestiegen wir den Glockenturm und hatten von oben einen schönen Blick über die Stadt. Udo faszinierte natürlich die alte Uhrwerkstechnik, an der wir beim Hochsteigen vorbeikamen.
Vom Tum aus hatten wir einen wunderschönen ersten Eindruck von Liepaja, inklusive des an einen Bernstein erinnernden Konzerthauses.
Weiter ging es durch die Altstadt, auf Kopfsteinpflaster und an alten Holzhäusern vorbei bis zur St. Annen-Kirche und dem dahinterliegenden Petermarkt und der Markthalle. Hier war einiges los und die bunten Farben der Blumen, von Obst- und Gemüse und auch der Trödelware ergaben im Sonnenschein ein schönes Bild.
Nicht zu übersehen war die katholische Bischofskathedrale St. Josef mit ihren besonderen Türmen. Wir fuhren aber nur an ihr und an ein paar schönen Holzhäusern vorbei, die allerdings ihre Blütezeit bereits hinter sich hatten.
Unser nächstes Ziel war der kilometerlange Stadtstrand. Der weiße Sand ist hier ganz sauber und so fein, dass er einst im Russischen Reich für Sanduhren verwendet wurde. Wir ketteten die Räder an, zogen die Schuhe aus und machten barfuß einen Spaziergang durch den Sand und am Meer entlang. Das Wasser war schon ziemlich frisch!
Auf einer Bank am Strand machten wir eine kleine Vesperpause und es dauerte nicht lange, da waren wir von Möwen umgeben, die darauf warteten, gefüttert zu werden.
Weiter ging es durch den Stadtpark, vorbei an der Konzerthalle “Großer Bernstein” und über eine eiserne Drehbrücke zum Stadtteil Karosta. Dort besuchten wir das ehemalige sowjetische Gefängnis. Hier kann man sogar in einer Gefängniszelle übernachten, sofern man Gefallen daran hat. Das Gefängnis kann nur mit einer Führung besichtigt werden, die immer zur vollen Stunde beginnt und eine knappe Stunde dauert. Wir hatten Glück, kamen um 12:45 Uhr dort an und konnten um 13 Uhr an einer Führung teilnehmen, sogar auf Deutsch. Besichtigen konnten wir verschiedene Zellen, den Waschraum, die Kommandozentrale aus den 50er Jahren und ein kleines Kriegsmuseum. Auf das Eingeschlossenwerden in der Dunkelzelle haben wir verzichtet, ebenso wie die anderen Teilnehmer auch.
Um 14 Uhr radelten wir weiter gen Norden, vorbei an der prunkvollen orthodoxen Nikolaus-Kathedrale.
Weiter bis zum Holocaust Mahnmal in den Dünen von Skede. Hier soll der vielen tausend Opfer gedacht werden, die in den Dünen von der SS und ihren lettischen Helfern exekutiert wurden. Wir waren die einzigen Besucher an diesem mystischen Ort, der auch unser nördlichster Punkt auf unserer Radtour war.
Auf dem Rückweg fuhren wir zu den Festungsanlagen von Karosta, einem Relikt der russischen Zarenzeit und der sowjetischen Ära. Die massiven Bunker und Forts wurden 1908 gesprengt und aufgegeben. Heute sind die Ruinen frei zugänglich und bieten eine einzigartige, postapokalyptische Kulisse. Vorbei an einzelnen Bunkern im Gelände kamen wir zur Nordfestung direkt am Ostseestrand. Hierbei handelt es sich um mächtige, teils ins Meer gestürzte Betonbunker und unterirdischen Gänge, die sich über Hunderte Meter am Strand entlang ziehen. Wieder wurden die Räder angekettet, um dieses besondere Gelände erkunden zu können.
Auf unserer Tour durch die Stadt, insbesondere durch Karosta, fuhren wir an vielen Plattenbauten vorbei. Sehr viele Menschen leben in den recht heruntergekommenen Gebäuden.
Leider hatte sich inzwischen der Himmel komplett zugezogen und als wir die ersten Tropfen spürten, wussten wir, dass es höchste Zeit war, zur Berta zurück zu radeln. Bis zu ihr waren es immerhin noch gute 10 Kilometer, die wir jetzt in flottem Tempo zurücklegten.
Wir hatten Glück, der starke Regen ließ sich noch etwas Zeit. Um 16 Uhr kamen wir nur leicht durchfeuchtet – ob vom leichten Nieselregen oder vom Schweiß, ließ sich nicht so genau feststellen – an der Berta an. Udo konnte noch die Räder einräumen, bevor es um 16:30 Uhr stark zu regnen anfing.
Wir nahmen eine Dusche und entschieden uns, zu einem nahegelegenen Baumarkt zu fahren. Udo wollte dort versuchen, Werkzeug und Ersatzteile zu bekommen, um den Wasseranschluss reparieren zu können. Xenia wollte in der Zeit etwas zum Abendessen kochen.
Auf der Fahrt zum Baumarkt mussten wir feststellen, dass unser Auto plötzlich ein komisches zusätzliches Brummgeräusch macht. Auch das noch! Was wird da noch auf uns zukommen? Irgendwie macht die Berta auf dieser Reise mächtig Zicken!
Während Udo im Baumarkt war, kochte Xenia Nudeln mit Tomatensoße und eine große Schüssel Salat. Nach dem Essen versuchte Udo, den Wasserhahn auszubauen, aber leider ohne Erfolg. Er konnte lediglich eine Mutter etwas fester anziehen, aber der gewünschte Effekt blieb leider aus. Da werden wir uns noch etwas einfallen lassen müssen ...
Unweit des Baumarkts war der Lidl und auf dessen Parkplatz fuhren wir jetzt. Xenia kaufte für Udo ein Eis, Udo kümmerte sich um das Brummgeräusch und fand heraus, dass es unsere elektrische Einstiegsstufe war, die sich verhakt hatte. Wenigstens das konnte behoben werden!
Wir fuhren zurück auf unseren Parkplatz auf der Pferdeinsel, aßen das Eis und waren ziemlich k.o. nach dem ereignisreichen Tag. Gut, dass wir schon einen Übernachtungsplatz hatten.






































