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Mittwoch, 01.07.2026 – Rummu (Lost Place Gefängnis und Baden), Keila (Wasserfall, Wanderung ans Meer)
Unsere Strecke im letzen Monat.
Von Rummu bis zum Keila Wasserfall – 36 km, Abendwanderung 5 km
Wetter: sonnig bis 14 Uhr, dann zunehmend wolkig, abends bewölkt – 23 Grad
Als wir aufwachten, schien die Sonne, und es war gar nicht kalt. Um 9 Uhr machten wir uns auf zum Lost-Place-Gefängnis Murru. Den Eintritt dafür hatten wir gestern schon bezahlg und konnten heute mit dem QR-Code auf unseren Armbändchen die Eingangspforte passieren. Wir waren die ersten Besucher. Erst, als wir das Gelände wieder verließen, kamen uns unsere Wohnmobilnachbarn (eine 4-köpfige Familie mit Hund aus Schweden) entgegen.
Am Eingang kann man einen Audioguide herunterladen (https://rummu.ee/murru/) und mit dessen Hilfe einiges über die verschiedenen Gebäude und ihre früheren Insassen erfahren. Wir waren dankbar für die deutsche Führung und den ausgewiesenen Rundgang, denn in den Gebäuden kann man sich teilweise verlaufen. Alles sieht aus wie auf einer Baustelle – marode, eingefallen, Putz und Tapeten hängen von den Wänden, alles ist voller Staub und Dreck. Aber durch die Erklärungen konnten wir uns vorstellen, wie es früher hier ausgesehen haben musste, und wie es hier zuging. Neben den Zellen gab es Räume fürs Wachpersonal, eine Turnhalle, eine Küche, Werkstätten und Freigänge.
Der Eingangsbereich und die Ausgangsschleuse für die LKW mit Sensoren, die wohl die Bewegung einer Maus feststellen konnten?!
Der Empfangsbereich für Besucher
Manche Zellen wurden einigermaßen eingerichtet. In der rechten saß ein bekannter, besonders gefährlicher Mörder ein.
Der Rundgang war sehr ähnlich einem Lost Place Geocache, aber erlaubt. Durch den Audioguide erfuhr man auch einiges über das Leben im Gefängnis.
Udo fand die alten Fahrzeuge interessant. Ein alter Unimog war auch dabei.
Das Gefängnis wurde im Jahr 1938 eingerichtet. Die Häftlinge wurden jahrzehntelang und besonders unter sowjetischer Herrschaft gezwungen, im angrenzenden Steinbruch Kalkstein und Vasalemma-Marmor abzubauen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit wurde die Zwangsarbeit gestoppt. Das Gefängnis wurde letztendlich komplett aufgegeben und im Jahr 2012 geschlossen. Als die Pumpen, die den Steinbruch trocken hielten, abgeschaltet wurden, füllte das Grundwasser das Areal in rasanter Geschwindigkeit. Das Wasser stieg so schnell, dass Zäune, Gebäude, Bergbau-Ausrüstung und sogar ein kleiner Wald einfach an Ort und Stelle versanken. So entstand ein wunderschöner Badesee mit kristallklarem Wasser, dem wir nach unserer Gefängnis-Runde einen Besuch abstatteten.
Wir hätten nicht gedacht, dass das Wasser so herrlich zum Baden ist! Wir waren um 11 Uhr am See. Um diese Uhrzeit war noch nicht viel los. Auf dem See schwamm ein aufgeblasener Aquapark. Wir turnten kurz darauf herum, bis uns ein Mitarbeiter zurief, dass diese schwimmende Insel eine extra Gebühr koste (12 Euro, wie wir später erfuhren). So verließen wir sie wieder und schwammen dafür im See und um ein daraus herausragendes Gebäude herum. Schade, dass wir keine Schnorchel und Taucherbrillen dabei hatten! Wir hätten die versunkenen Gebäude sicher erkennen können.
Nach zweimal Schwimmen hatten wir genug und gingen in 5 Minuten zurück zur Berta. Xenia duschte, Udo ließ die Susi fliegen. Dann gab es Mittagessen: Bratkartoffeln mit Rührei und Paprika. Mehr gab der Kühlschrank nicht mehr her, aber das hat uns gut geschmeckt. Anschließend wurde die gewaschene Wäsche eingeräumt, alles wieder gut verstaut, das Klo geleert und das Grauwasser abgelassen. Frischwasser tankten wir hier nicht, da es einen üblen Beigeschmack hatte. Es war entweder sehr eisenhaltig oder gechlort.
Um 14:30 Uhr verließen wir Rummu und fuhren weiter nach Keila. Dort tankte Udo an einer Tankstelle, bei der man laut Park4night auch Frischwasser bekommt. Xenia erkundigte sich danach und wir bekamen die Erlaubnis, unseren Schlauch an einen Außenwasserhahn anzuschließen. Auf Nachfrage bestätigte der Chef der Tankstelle, dass es dasselbe Wasser sei, wie sie es auch in ihrem Bistro verwenden. Leitungswasser kann in Estland getrunken werden und das Tankstellenwasser schmeckte neutral.
Wir machten den Frischwassertank ganz voll, um für die nächsten Tage versorgt zu sein, und fuhren 500 Meter weiter zu einem Lidl, um auch den Kühlschrank, die Getränke, Kaffee, Obst und Gemüse wieder aufzufüllen. Auf dem Parkplatz gab es dann auch gleich einen Kaffee, ein süßes Stückle und sehr gute frische Kirschen.
Weiter ging die Fahrt zum Keila Wasserfall. Um 17:30 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz an und entschlossen uns, noch eine kleine Wanderung entlang der Keila bis zu ihrer Mündung ins Meer zu machen. Für den nächsten Tag war Regen angesagt und jetzt war es noch trocken und warm.
Durch den Schlosspark und über zwei schöne Hängebrücken kamen wir zum sechs Meter hohen Keila-Wasserfall, dem drittgrößten Wasserfall Estlands. Direkt daneben befindet sich das Schloss, ein historisches neugotisches Herrenhaus mit schönem Garten, umgeben vom Schlosspark. Im Park darf man umsonst spazierengehen und die Keila über mehrere Brücken überqueren. Das Schloss und der Garten kosten Eintritt. Das haben wir heute nicht mehr gemacht.
Dafür marschierten wir an der Keila entlang zuerst im Park, dann auf einem Wanderweg bis vor ans Meer und wieder zurück. Der Meerblick war schön, aber der Uferbereich war veralgt und es hat hier ziemlich gestunken. So blieben wir nicht lange.
Für die Nacht suchte Udo einen schönen, 5 Minuten entfernten RMK-Platz am Meer aus. Er war gut frequentiert, vor allem von Einheimischen, die die Grillstellen für ihr Abendessen nutzten. Aber wir fanden noch ein Plätzchen, machten uns ein Vesper und einen Salat und gingen anschließend noch kurz vor an den Strand. Hier hat es nicht gestunken, aber das Wasser war ganz grün – nicht sehr einladend zum Baden. Doch das hatten wir heute sowieso nicht mehr vor.





























