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Freitag, 12.06.2026 – Radtour um den Plateliai-See mit Museum des Kalten Krieges, Freilichtmuseum in Telsiai
Von Plateliai bis zum See bei Pakumulsiai - 79 km, Radtour 30 km
Wetter: bewölkt, 16 Grad
Als wir morgens aufwachten, war er Regen vorbei und die Sonne schien wieder. Bereits während des Frühstücks bewölkte es sich aber und so sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Ein paarmal fielen ein paar Regentropfen, aber es begann nie richtig zu regnen.
Während dem Frühstück konnten wir unsere holländischen Nachbarn dabei beobachten, wie sie zum Schwimmen in den See gingen. Das war uns zu kalt, aber einen Blick auf den See wollten wir nach dem Frühstück schon auchnoch werfen. Er war wirklich ganz klar und sauber.
Auf dem heutigen Programm stand eine Radtour um den See. Ein Blick in den Himmel ließ allerdings Zweifel aufkommen, ob das eine gute Idee war: immer mehr dunkle Wolken zogen auf. Doch wie heißt es so schön: Nur wer wagt, gewinnt! So wollten wir es wagen und Udo holte die Räder aus der Berta. Das war gar kein so leichtes Unterfangen, denn wir standen nach dem vielen Regen ziemlich im Schlamm.
Nach den Erfahrungen der letzten Tage starteten wir in kurzen Hosen und fuhren zuerst in den Ort zum Besucherzentrum. Xenia ging hinein und holte ein paar Prospekte, Udo wartete draußen. Die paar Kilometer bis zum Besucherzentrum hatten genügt, um uns fühlen zu lassen, dass wir zu leicht angezogen waren. 16 Grad waren einfach zu kalt für kurze Hosen und leichte Jacken! So fuhren wir noch einmal zurück zur Berta, zogen uns wärmer an und starteten den zweiten Versuch einer Seeumrundung, diesmal in die andere Richtung.
Der Radweg um den See ist prima ausgebaut. Zuerst fuhren auf einem unbefestigten Rad- und Wanderweg in Ufernähe, später dann auf geteerten Radwegen. Oft war der Radweg deutlich besser als die Autofahrstraße. Vor allem auf dem Stück vor dem Museum des Kalten Krieges war die Straße unbefestigt und holprig, der Radweg daneben hingegen frisch asphaltiert.
Auch mit wärmerer Bekleidung war es recht frisch und wir waren froh, als wir um 11:30 Uhr das Museum des Kalten Krieges trocken erreichten. Wir kauften Karten, konnten aber leider keine Audioguides bekommen, da sich um 12 Uhr eine große Gruppe angemeldet hatte, die alle Geräte benötigte. Bis 13 Uhr wollten wir nicht warten und so gingen wir ohne deutsche Erklärungen in die Bunkeranlage. Es handelt sich hier um eine der ersten sowjetischen Raketenbasen für Interkontinentalraketen. In den Jahren 1963 – 1978 waren hier vier russische Atomraketen mit den Ziel Deutschland unterirdisch stationiert. Die Abschussrampen waren gut getarnt. Heute kann man die Betonkuppeln von außen sehen und mehrere unterirdische Räume mit Infos, Ausstellungsstücken und kurzen Filmen besichtigen.
Interessant war auch die Propaganda. Im linken Bild heißt der Text: "Wir bieten Handel und Wettbewerb" oder rechts wird dargestellt, wie die USA die NATO-Staaten um ihr Geld bringen.
Links steht: "Die Völker der Welt wollen keine Wiederholung der Kriegskatastrophe. (Nordatlantikpakt)" - Rechts: "Die Kräfte des Friedens sind unbesiegbar."
Wir kamen gerade wieder heraus, als die angemeldete Gruppe vor dem Eingang stand und eine Einführung bekam. Es begann leicht zu tropfen, aber zum Glück kam nicht mehr. Wir aßen einen Riegel und ein paar Nüssle, dann durchradelten wir noch kurz das ehemalige Soldatendorf und setzten dann die Seeumrundung fort.
Auf der Westseite angelangt machten wir einen kleinen Abstecher zum Siberija Aussichtsturm und hatten von oben eine schöne Aussicht auf die Nationalparklandschaft: viel Grün, hügelig und der See im Hintergrund.
Kurz vor Plateliai kamen wir am Herrenhaus Plateliai vorbei und durchradelten den dazugehörigen Herrenhauspark. Dort waren einige Störche, die hinter dem Rasenmäher her spazierten, um Essbares zu finden. Auch im Ort selbst haben wir immer wieder Störche gesehen, entweder in ihren Nestern oder im Tiefflug. Ihre Nester sind teilweise direkt über der Hauptstraße des Dorfes - scheint sie nicht zu stören.
Wir schauten noch kurz in die Peter-und-Paul-Kirche, eine kleinere Holzkirche, und waren überrascht über ihren prunkvollen Innenraum. Ob Xenia wohl auch mal ein Portrait von sich neben der Kanzel bekommt?
Altar - Weihwasserstein - Glockenturm
Jetzt war es nicht mehr weit bis zur Berta. Im Informationszentrum waren wir ja schon gewesen und konnten jetzt daran vorbeiradeln.
An der Berta angekommen entschieden wir uns, doch noch schwimmen zu gehen und danach in der Berta zu duschen. Udo räumte die Räder weg, Xenia bereitete alles fürs Baden und Duschen vor.
Mit unseren Wasserschuhen gingen wir vor ans Wasser und so schön der See auch aussah – er war doch sehr kalt! Aber da wir nun schon mal in Badebekleidung waren, gingen wir auch rein, Udo nur kurz, Xenia ein bisschen länger. Dafür hatte Udo noch kaltes Duschwasser, bei Xenia war es dann warm.
Jetzt hatten wir ziemlich Hunger - kein Wunder, es war schon 15:00 Uhr und wir hatten außer dem Riegel und den Nüssen seit dem Frühstück nichts gegessen. Es gab Spinat-Tortellini mit Tomatensoße, Parmesan und Salat. Während des Essens überlegten wir, wie unsere Reise weitergehen soll, und entschieden uns, noch nach Telsiai zu fahren und das dortige Freilichtmuseum am See zu besuchen.
Um 17 Uhr kamen wir an und hatten noch eine Stunde bis zur Schließung, um die dortigen zemaitischen Bauernhäuser vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts anzuschauen. Wir waren die einzigen Besucher und es hat uns sehr gut gefallen. Die Anlage ist liebevoll und detailgetreu hergerichtet, mit gepflegten Gärten und Tieren (Pferde, Schafe, Hühner) um die Häuser. Auch die alte Windmühle hat uns sehr gefallen und Udo beim Durchkriechen ein paar schmutzige Jeans beschert.
Nun wollten wir eigentlich auf einem Parkplatz in Telsiai die Nacht verbringen und morgen noch ein bisschen durch die Stadt und um den See herum laufen oder radeln. Aber am See war eine Veranstaltung, es war einiges los und alle Parkplätze waren belegt. So fuhren wir weiter in Richtung Siauliai und übernachteten auf der Strecke an einem See bei Pakumulsiai in Autobahnnähe. Auf dem nahegelegenen Sport- und Spielplatz waren noch Jugendliche, aber sie haben uns nicht gestört. Auch die Autobahn haben wir kaum gehört.
Wir machten uns noch ein Vesperbrot und zum Nachtisch einen warmen Vanillepudding mit Pfläumlesmus von zuhause. Mit einem kleinen Spaziergang zum See beendeten wir den Tag.



































