Berta-Baltikum26-Tag42


< Fr 10.07.26 - Burgruine Rakvere, Wasserfälle Saka und Valaste an der Ontiga Steilküste, Übernachtung in Toila | zurück | So 12.07.26 - Kuremäe Kloster, Vasknarva, Bademittag am Peipus-See >


Samstag, 11.07.2026 – An der russischen Grenze: Narva Jöesuu, Narwa; Kuremäe Nonnenkloster

Nun haben wir den nördlichsten und den östlichsten Punkt unserer Reise hinter uns, auch den entferntesten Punkt von zuhause haben wir überschritten. Jetzt gehts definitiv nach Hause.

Das war unser Standplatz, gleich neben dem schwarzen Fahrzeug.

Von Toila bis Kuremäe – 126 km

Wetter: nachts Regen, vormittags erst bewölkt, dann sonnig, ab 17:15 Uhr Gewitter und anhaltenden Regen – bis 30 Grad

Heute bekamen auch wir einen Sommertag – allerdings mit Regen in der Nacht und Gewitter am frühen Abend. Dazwischen kamen wir ganz schön ins Schwitzen und waren am Abend nicht undankbar für die Abkühlung.

Nach dem Frühstück starteten wir zu unserem von zuhause am weitesten entfernten Punkt: Narva Jöesuu, wo die Narva in die Ostsee mündet. Sie ist der Grenzfluss zwischen Estland und Russland. Am Morgen hatte Xenia noch ein nettes Gespräch mit einem österreichischen Ehepaar, das neben uns in Toila in ihrem Pössel übernachtet hatten. Sie erzählten, dass sie gerne ins Baltikum reisen, schon viermal hier in der Gegend gewesen seien, aber noch nie wären so wenige Touristen unterwegs gewesen wie in diesem Jahr. Sie vermuteten, dass das am Krieg und der Angst vor den Russen liegen könnte.

Der Weg nach Narva Jöesuu führte an der Ostsee entlang. An einer Stelle hielten wir an der Straße an und gingen vor an den Strand, den uns die Esten an der Trinkwasserquelle uns als besonders schön beschrieben hatten. Allerdings lag an der Stelle, wo der Weg von der Straße in den Strand einmündete, einiges an Müll herum.

In Narva Jöessuu fuhren wir so weit wie möglich an die Narvamündung heran und parkten die Berta auf dem letzten möglichen Parkplatz vor der Ostsee. An der Narvamündung, in der Nähe des Leuchtturms, war eine riesige Baustelle. Wir vermuteten, dass hier ein Wohnmobilstellplatz oder Campingplatz entsteht, da bereits Stromsäulen da waren. Ansonsten begegneten wir vielen Verbotsschildern, die wir nicht immer ganz verstanden.

Da die Zone ja nicht unkritisch war, wollten wir schon umkehren, als ein paar Mädels mit Badetaschen unterm Arm fröhlich durch die Baustelle gen Strand marschierten. Ihnen folgten wir und kamen so vor ans Meer.

Der Strand ist dort riesig, frisch aufgeschüttet mit rötlichem Sand. Etwas weiter weg sahen wir mehrere Leute am Strand, hier vorne waren es nur ganz wenige. Am Steg waren Kameras installiert und obwohl die Mädels inzwischen im Wasser plantschten, war uns nicht ganz wohl. So kehrten wir wieder um. Außerdem hatten wir nur 45 Minuten Parkzeit, sonst hätten wir ein Tagesticket lösen müssen. Es war schon relativ viel Polizeipräsenz in der Stadt, aber diese kümmerten sich zum Glück nicht um uns.

Ein paar Angler waren auch am Fluss. Sie ließen sich durch das Patrouilleboot der Polizei nicht aus der Ruhe bringen.

Nun fuhren wir der Narva entlang zur Stadt Narwa, unserem östlichsten Punkt der Reise. Wir bekamen einen Parkplatz direkt unterhalb der Hermannsfestung. Es war fast 12 Uhr, so machten wir uns ein kleines Vesper und aßen dazu eine halbe Babymelone. Inzwischen war es gut warm geworden, da war die Melone eine willkommene Erfrischung.

Die Hermannsfeste liegt direkt am Grenzfluss und ist die am besten erhaltene Burg Estlands. In der Festung kann man frei herumgehen, ohne Eintritt bezahlen zu müssen. Nur für Turm und das Museum muss man ein Ticket lösen, was wir aber nicht getan haben. Was wir von den Mauern und Wehrgängen aus sehen konnten, hat uns genügt.

Direkt gegenüber der Hermannsfeste steht auf russischer Seite die Festung Ivangorod, ebenfalls eine mächtige Burg.

Zwischen den beiden Burgen führt eine Brücke über die Narva, über die wohl früher ein reger Autoverkehr herrschte. Insbesondere viele LKWs sollen diese Brücke benutzt haben. Heute ist sie für den Verkehr gesperrt und besonders auf der estnischer Seite stark mit Bollern und Stacheldraht gesichert. Ein trauriges Bild! Ein paar Fußgänger mit Koffern waren auf dem Fußweg der Brücke unterwegs, aber es waren nur sehr wenige. Bevor sie nach Estland einreisen durften, wurden sie wohl noch besonders überprüft, denn vor dem Grenzgebäude hatte sich eine große Schlange von Menschen gebildet, die hier auf ihre Abfertigung warteten – und das, obwohl nur ganz wenige Menschen über die Brücke kamen.

Wir setzten uns auf eine Bank im Wehrgang und beobachteten eine Zeitlang die Brücke und die gegenüberliegende Burg. Dann kauften wir uns im Burgkaffee ein Eis und drehten noch eine kleine Runde durch die Stadt zurück zur Berta. Dabei kamen wir am estnischen Ende der Grenzbrücke vorbei, wo ein regelrechter Menschenauflauf war. Viele der Leute hatten Koffer, manche schauten angestrengt in Richtung Brücke und Abfertigungsgebäude. Wir blieben lieber etwas auf Abstand und waren froh, einfach zur Berta zurückkehren zu können.

Gleich hinter unserem Parkplatz begann die Uferpromenade und dort war auch eine öffentliche Bademöglichkeit, die beim heutigen Sommerwetter gerne genutzt wurde.

Bevor wir Narwa verließen, fuhren wir noch in den Süden der Stadt zum Hafen Kulgu. Dort in der Nähe befindet sich das “Klein Venedig” Narwas, ein Kanalgebiet mit kleinen Häuschen und Booten. Wir kamen aber gar nicht so richtig ran, das Gelände war eingezäunt.

So mussten wir unser Besichtigungsunterfangen aufgeben und entschlossen uns zur Weiterfahrt nach Kuremäe, wo es eine besonders schöne Klosteranlage gibt. Das Kloster ist das einzige aktive russisch-orthodoxe Nonnenkloster in Estland und die markanten grünen Zwiebeltürme sind schon von weitem sichtbar.

Je näher wir Kuremäe kamen, umso schwärzer wurde der Himmel. Es waren Gewitter angesagt, aber in Narwa hatten wir davon noch nichts bemerkt. Als wir auf dem Klosterparkplatz eintrafen, hörten wir in der Ferne Gewittergrollen. Wir überlegten kurz, ob wir im Auto bleiben, entschieden uns dann aber doch dafür, die 200 Meter zum Kloster zu gehen.

Zunächst kamen wir durch einen Friedhof und bewunderten die Friedhofskirche und die einheitlichen Gräber, alle mit denselben Grabkreuzen.

Das Klostergelände ist frei zugänglich, aber am Eingang war ein Schild aufgestellt, das Frauen das Tragen von kurzen Hosen verbietet. Xenia hatte natürlich kurze Hosen an. Die Frauen, die wir im Gelände sahen, waren mit Röcken und Kopftuch bekleidet. Eine Touristin kam uns ohne Kopfbedeckung entgegen, aber sie trug wenigstens eine lange Hose. Wir gingen trotzdem kurz in den Kosterhof, warfen einen Blick in den wunderschönen Garten, gingen aber nicht in die Kirche hinein.

Jetzt fielen auch die ersten Tropfen vom Himmel und es dauerte nicht lange, bis es stark regnete. Blitze haben wir keine gesehen, aber Donner haben wir einige gehört. Zum Glück hatten wir Regenknirpse mitgenommen, sonst wären wir total durchnässt worden.

So war der Klosterausflug für heute schnell beendet. Wir waren froh, in der Berta vor dem Unwetter geschützt zu sein, und machten aus der Not eine Tugend: es gab ein leckeres Abendessen (gebratene Lachsfilets mit Reis und Kräuter-Zitronensoße, dazu einen gemischten Salat).

Das Kochen im Wohnmobil macht Xenia Spaß, auch wenn sie dabei mit den eingeschränkten Mitteln zurecht kommen muss. Vor dem Abwasch werden Geschirr und Töpfe mit Zewa abgewischt, damit das Spülwasser nicht so schnell dreckig wird. Dann erst wird gespült und Udo trocknet ab.

Anschließend gab es eine Dusche. Wohl gesättigt und nicht mehr schweiß-klebrig konnten wir den Abend in der Berta abschließen, während draußen der Regen aufs Dach prasselte.


Page last modified on 11.07.2026, at 09:14 PM CEST
Powered by PmWiki