Berta-Baltikum26-Gesamt

Urlaub.GroupHeader self=0 basepage=Urlaub.Berta-Baltikum26-Gesamt zurück

Gesamtes Urlaubstagebuch - Baltikum Rundreise - 01.06.2026

Dienstag, 09.06.2026 – Radtour Nida bis Tote Dünen

Berta 0 km, Radtour 53 km

Wetter: tagsüber sonnig, 22 Grad; abends bewölkt, ab 19:30 Uhr Regen

Heute machten wir eine wunderschöne Radtour auf der Kurischen Nehrung bei herrlichstem Wetter. Die Sonne schien, es war nicht schwül und bis 22 Grad warm – einfach perfekt zum Radeln. Erst am Abend, als wir schon eine Weile zurück waren, kam Regen.

Um 10 Uhr waren wir startklar und begannen unsere Runde damit, dass wir kurz hoch zur Parnidis-Düne radelten. Udo wollte sich dort kurz umschauen, bevor wir unsere geplante Tour machten.

Zuerst ging es nach Nida. Das Vorhaben, den Leuchtturm oder Aussichtsturm anzufahren, gaben wir auf – zu viel Sand auf dem Pfad.

So fuhren wir direkt ins Städtchen und machten zuerst einen Abstecher zum Mizgiris Bernsteinmuseum. Es hatte geöffnet, ist aber eine private Sammlung und mehr Verkaufsschau und Abzocke als seriöses Museum. So hatte Xenia es im Vorfeld gelesen und dieser Eindruck bestätigte sich.

Wir fuhren weiter an den Hafen, drehten dort eine Runde und kamen an der Uferpromenade an schönen traditionellen bunten Holzhäusern und Masten mit Kurenwimpeln vorbei.

Die charakteristischen, oft kunstvoll ausgeschnitzten Wimpel wurden früher von Fischern am Masttopp angebracht. Sie dienten als Erkennungszeichen für den Heimathafen am Kurischen Haff und als Windfahne. Die Symbole (wie Elche, Netze oder Vögel) verrieten die Herkunft und den Wohlstand der Fischerfamilie.

Unser nächstes Ziel war das Thomas-Mann-Haus, die einstige Sommerresidenz des Schriftstellers. Von 1930 bis 1932 verbrachte Thomas Mann hier Zeit mit seiner Familie, dann war er gezwungen, Deutschland zu verlassen. Er kehrte nie wieder nach Nida zurück. Heute ist das Haus ein Museum, das wir uns aber nur von außen anschauten und den schönen Ausblick bewunderten, den man von hier aus aufs Haff hat.

Nun ging es weiter in Richtung Norden auf dem gut ausgebauten Fahrradweg, der sich über die ganze Nehrung erstreckt. Wir hatten den Eindruck, dass der Fahrradweg in deutlich besserem Zustand war als die Fahrstraße.

In Preila verließen wir den Radweg, fuhren vor ans Haff und ein Stück die Uferpromenade entlang. Auf einer Bank nach einem Uferrestaurant verzehrten wir unsere Wecken und genossen dabei die Sonne und den Ausblick aufs Haff.

Weiter ging es nach Pervalka. Wieder fuhren wir vor ans Haff, aber es war nicht möglich, weiter bis zum Kap zu kommen. Der Weg dorthin war nur ein kleiner sandiger Wanderweg und für uns nicht befahrbar.

Gemäß der geplanten Tour wäre es jetzt dran gewesen, wieder umzukehren und nach Nida zurückzuradeln. Aber da das Wetter so herrlich war und wir hatten noch Zeit hatten, beschlossen wir zu versuchen, auf die andere Seite der Nerung und an die Ostsee zu gelangen. Udo dachte eigentlich, einen Weg dorthin gefunden zu haben, aber er hatte sich getäuscht. Wir kamen nicht an die Ostsee, sondern wieder ans Haff kurz vor den Toten Dünen. Der Irrtum erwies sich aber als Glücksfall. Wir hatten am Ende der Straße einen schönen Blick auf die Toten Dünen und Xenia konnte auf einer Sandbank ein gutes Stück ins Haff hineinwaten. Der Sand war gut zu begehen und das Süßwasser war gar nicht kalt. Wir wären wahrscheinlich noch etwas länger an diesem Plätzchen geblieben, wenn es nicht voller Ameisen gewesen wäre und ein Hinsitzen daher nicht möglich war.

Da waren wir gestern oben. Bei der Zoom-Aufnahme sieht man die Brücke, auf der wir standen.

So fuhren wir den Schotterweg wieder zurück und anschließend den Radweg ein Stück weiter. Am Parkplatz von den Toten Dünen drehten wir um. Noch weiterzufahren wäre dann doch etwas viel geworden. Dafür kamen wir dann doch noch an die Ostsee, indem wir ein Stück eine Fahrstraße entlang radelten, die vor zum Strand führte. Wir fanden einen Zugang zum Strand, der für Rollstühle geeignet war, so konnten wir bis ganz nach vorne auf die Düne fahren. Und fanden mal wieder endlos, weißen Sandstrand vor. Hätten bis nach Russland dem Strand entlang wandern können ;-)

Nun traten wir endgültig den Rückweg an. In Preila legten wir noch eine Kaffeepause in dem Uferlokal ein, an dem wir vormittags vorbeigeradelt waren. Wir aßen Apfelkuchen mit Vanilleeis und tranken einen Kaffee dazu.

Frisch gestärkt und etwas ausgeruht nahmen wir dann das letzte Stück bis zum Campingplatz in Angriff. Um 16 Uhr waren wir wieder an der Berta und der Himmel machte sich zunehmend zu. Wir saßen noch etwas vor der Berta, dann duschten wir und machten Abendessen. Inzwischen war der Himmel schwarz geworden und um 19:30 Uhr fing es zu regnen an – zuerst noch leicht, dann immer heftiger bis es schüttete wie aus Kübeln. Wie gut, jetzt wohlbehalten im Trockenen zu sitzen!


Mittwoch, 10.06.2026 – Parnidis Düne, Litauisches Meeresmuseum

Von Nida bis Klaipeda – 67 km. Dünenwanderung 5 km

Wetter: heiter, 17 Grad

Es schüttete bis weit in die Nacht hinein, doch am Morgen war der Spuk vorbei und die Sonne schien wieder. Aufgrund des Sandbodens trocknete alles sehr schnell ab, sodass außer dem Wasser auf dem Dach nichts mehr vom starken Regen zu bemerken war.

Heute wollten wir den Vormittag, an dem wir die Berta noch auf dem Campingplatz parken konnten, für eine Wanderung zur und durch die Parnidis-Düne nutzen. Sie ist eine der höchsten Wanderdünen Europas und die Hauptattraktion Nidas.

Um 9:15 Uhr gingen wir los. Zuerst umrundeten wir den Campingplatz durch den Wald und wurden dabei von Schnaken umschwärmt und verfolgt. Erstaunlicherweise wurden wir aber nicht gestochen.

Unser Weg führte an einer Gedenkstätte für die ehemalige Segelfliegerschule Nida vorbei. Zwischen 1933 und 1939 befand sich hier eine der modernsten Segelflugschulen Europas. Dank der bis zu 60 Meter hohen Düne und den konstanten Winden wurden hier zahlreiche Weltrekorde aufgestellt.

Wir verließen den Wald und kamen durch das “Tal des Todes” am unteren Ende der Düne vor an den Strand. Wieder erwartete uns feinster Sand, diesmal mit ein paar Tierspuren. Außer uns war keiner da. Wir gingen ein Stück am Wasser entlang, dann bogen wir ab und gingen einen Weg durch die Düne den Berg hinauf. Oben konnten wir Menschen an der Aussichtsplattform erkennen und vereinzelt kamen uns jetzt auch Leute entgegen.

Oben angekommen waren wir zurück in der Zivilisation. Der Parkplatz für Reisebusse war nur ein paar Meter entfernt und immer wieder wurden Reisegruppen durchgeschleust, die die besondere Sonnenuhr anschauen sollten, die sich hier oben auf der Düne befindet. In der Mitte steht ein Obelisk, dessen Schatten den Uhrzeiger bildet. Darum liegen Granitplatten, die die Uhrzeit markieren. Auf beiden Seiten des Obelisken ist ein Runenkalender eingemeißelt, der auf dem Holzkalender aus dem 17. Jh. basiert. Außerhalb des Rundganges stehen die vier Kalender-Statuen für die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche sowie die Sommer- und Wintersonnenwende.

Die Landzunge am Horizont ist schon Russland, weiter als hier zu gehen, ist nicht ratsam!

So ganz kamen wir mit dieser Sonnenuhr nicht klar, denn die Zeit, die sie anzeigte, passte nicht zu unserer Uhrzeit (auch nicht unter Berücksichtigung der Sommerzeit). Dafür war der Blick von der Aussichtsplattform über die Düne bis nach Russland phantastisch.

Nur ein paar Meter weiter befindet sich die Bronzestatue „Prieš vėją“ (Gegen den Wind). Sie wurde 2018 vom Bildhauer Klaudijus Pūdymas errichtet und erinnert an den Besuch des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre aus dem Jahr 1965, der damals durch die Dünen wanderte und gegen den Wind ankämpfen musste. Die Szene basiert auf historischen Fotografien von Antanas Sutkus, der Sartre damals begleitete.

Vorbei an einigen Souvenirständen führte unser Weg wieder den Berg hinunter zum Campingplatz.

Es war jetzt 11:45 Uhr. Wir machten uns ein kleines Vesper, die Berta bekam einen kompletten Camperservice und dann verabschiedeten wir uns von Nida und fuhren wieder zurück in Richtung Klaipeda. Unterwegs kamen wir wieder an der Bernsteinbucht vorbei und diesmal gab es hier etwas zu sehen. Eine Schilfskulptur war inzwischen fertiggestellt und auf dem Wasser, zwei weitere waren noch in Bearbeitung. Wir parkten die Berta in einem Bootszufahrtsweg und schauten uns das Ganze aus der Nähe an.

Anschließend ging die Fahrt weiter bis an den nördlichsten Zipfel der Nehrung, zum Litauischen Meeresmuseum bei Smiltynes (gegenüber von Klaipeda). Um 14 Uhr waren wir dort und bekamen Karten fürs Museum und die Delphinshow um 15 Uhr.

Zuerst durchstreiften wir das Museum, das ähnlich wie Sea-Life ist: in der Mitte ein großes Becken mit einem Glastunnel darin, durch den man gehen und die Fische von allen Seiten sehen kann. Darum herum viele kleinere Aquarien und Ausstellungsbecken mit Fischen, Meerestieren und anderen Exponaten aus der Ost- und Nordsee.

In extra Zellen im Gelände befinden sich kleinere Ausstellungen zur Schifffahrt. Das war für uns weniger interessant, weil wir die Texte nicht lesen konnten.

Um 14:45 Uhr gingen wir ins Delfinarium. Die Karten waren Platzkarten. Wir hatten Glück und sehr gute Plätze in der Mitte der 4. Reihe bekommen. Die ersten zwei Reihen wurden bei einigen Sprungvorführungen der Delphine und Seehunde ziemlich nass. Die Show dauerte eine gute halbe Stunde und hat uns gut gefallen.

Danach hätten wir noch einmal zurück ins Museum gehen können, aber wir hatten genug.

Die Fähre brachte uns zurück aufs Festland nach Klaipeda. Da wir unsere Brotvorräte komplett aufgefuttert hatten, fuhren wir noch einmal zu einem Lidl, bevor wir uns wieder auf den Skulpturenparkplatz stellten, an dem wir vor 2 Tagen schon einmal waren. Xenia hatte inzwischen herausgefunden, dass er doch kostenpflichtig ist, aber nur 60 Ct in der Stunde und nur wochentags zwischen 8 und 18 Uhr. Da hatten wir am Sonntag Glück gehabt und die eine Stunde am Montag, die wir hätten bezahlen müssen, hat hoffentlich nichts ausgemacht.

Wir verzehrten einen Teil unserer Lidl-Köstlichkeiten und richteten uns ein für die Nacht. Der Wetterbericht sagte Regen für den nächsten Tag an. Mal sehen, was kommt ... Wir waren auf jeden Fall sehr dankbar für die schöne Zeit und das super Wetter, das wir auf der Kurischen Nehrung hatten!


Donnerstag, 11.06.2026 – Regentag: Baumärkte in Klaipeda, Bernsteinmuseum in Palanga, Fahrt zum Plateliai-See (Zemaitija-Nationalpark)

Von Klaipeda bis zum Plateliai-See, 108 km

Wetter: Regen, 13 Grad

Es kam wie vorhergesagt: Regen den ganzen Tag. Um 8 Uhr fing es an, ab 10 Uhr regnete es heftig und dann kam nachmittags auch noch Wind dazu. Dazu war es ziemlich kalt geworden. Kurz gesagt: ein ungemütlicher Tag.

Gestern Abend bekamen wir noch eine kleine Berta-Baustelle dazu: immer, wenn wir irgendwo Wasser herausließen, begann unser Wasserdesinfizierer zu piepsen. Dieses Problem kannten wir schon von Tschechien und die Lösung war damals Entkalken. Nun hatten wir die Berta ja schon vor unserer Abreise komplett entkalkt, aber Udo wollte es trotzdem noch einmal direkt nur beim Desinfizierer versuchen.

Dafür besorgten wir in der Stadt bei einem Maxxima Zitronensäure und Kaffeemaschinenentkalker. Bei der Gelegenheit kauften wir auch noch Lachs, den wir zum Abendessen anbraten wollten. Weiter fuhren wir zu einem Depot-Baumarkt, um dort zwei Schlauchstücke zu erwerben. Auf dem Parkplatz vor dem Depot bastelte Udo in strömendem Regen die Schlauchstücke so an den Desinfizierer, dass die Zitronensäurelösung durchlaufen konnte, ohne dass wir das ganze Wasser ablassen mussten. Das hat auch geklappt, allerdings mussten wir später feststellen, dass es trotzdem noch gepiepst hat.

Wir vesperten auf dem Depot-Parkplatz eine Kleinigkeit und fuhren dann weiter bzw. zurück nach Palanga. Heute hatte das Bernsteinmuseum geöffnet und bei dem Regenwetter war das eine gute Option.

Wir kamen um 14:30 Uhr an dort an, wo wir am Samstag übernachtet hatten, und fanden heute problemlos einen kostenlosen Parkplatz etwas näher am Museum.

Nach einer kleinen Schläfle-Pause für Udo machten wir uns ausgerüstet mit Regenjacke und Regenschirm auf den Weg in den Botanischen Garten und zum Bernstein-Museum.

Obwohl das Museum damit wirbt, Europas größtes Bernsteinmuseum zu sein, war es doch recht überschaubar. Wir bekamen jeder ein Tablet mit einem Audioguide auf Deutsch, was sehr hilfreich für uns war. So bekamen wir ein paar Erklärungen zur Entstehung des Bernsteins und zu den verschiedenen Exponaten und Schmuckstücken, die hier ausgestellt waren. Leider war gerade auch eine Schulklasse im Museum, die ziemlich Unruhe in die vier Ausstellungsräume brachte. Nach dem Museumsbereich kommt man noch durch ein paar Räume des Palais Tiškevičius und einen Bernstein-Shop.

Der größte Bernstein hier - schöner Schmuck - Guckkästen mit Lupen

Vergrößerungen zeigen Einschlüsse von Insekten - Draußen tobt das Unwetter.

Um 16:30 Uhr waren wir wieder an der Berta und entschlossen uns, unseren nächsten Besichtigungspunkt anzufahren: den Plateliai-See im Zemaitija-Nationalpark. Park4night wusste einen Übernachtungsparkplatz direkt am See beim Ort Plateliai, diesen fuhren wir an. Bevor wir die Küstenregion verließen und ins Inland fuhren, tankten wir noch in Palanga. Was man hat, das hat man!

Nach einer guten Stunde Fahrt auf teilweise kilometerlangen geraden Straßen kamen wir um 18 Uhr am Plateliai-See an. Unterwegs hatte es zum Teil heftig gestürmt und es regnete immer noch. Der unbefestigte Parkplatz war voller Pfützen, trotzdem waren schon 2 Wohnmobile und ein Auto mit Wohnwagen da. Wir stellten uns dazu und machten erst einmal Abendessen: Bratkartoffeln mit Lachs und Salat. Es hat uns gut geschmeckt! Um 20 Uhr ließ der Regen nach und hörte schließlich auf.

Jetzt hofften wir halt, dass es am nächsten Tag besser (trockener und wärmer) wird und wir eine Radtour um den See machen können.


Freitag, 12.06.2026 – Radtour um den Plateliai-See mit Museum des Kalten Krieges, Freilichtmuseum in Telsiai

Von Plateliai bis zum See bei Pakumulsiai - 79 km, Radtour 30 km

Wetter: bewölkt, 16 Grad

Als wir morgens aufwachten, war er Regen vorbei und die Sonne schien wieder. Bereits während des Frühstücks bewölkte es sich aber und so sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Ein paarmal fielen ein paar Regentropfen, aber es begann nie richtig zu regnen.

Während dem Frühstück konnten wir unsere holländischen Nachbarn dabei beobachten, wie sie zum Schwimmen in den See gingen. Das war uns zu kalt, aber einen Blick auf den See wollten wir nach dem Frühstück schon auchnoch werfen. Er war wirklich ganz klar und sauber.

Auf dem heutigen Programm stand eine Radtour um den See. Ein Blick in den Himmel ließ allerdings Zweifel aufkommen, ob das eine gute Idee war: immer mehr dunkle Wolken zogen auf. Doch wie heißt es so schön: Nur wer wagt, gewinnt! So wollten wir es wagen und Udo holte die Räder aus der Berta. Das war gar kein so leichtes Unterfangen, denn wir standen nach dem vielen Regen ziemlich im Schlamm.

Nach den Erfahrungen der letzten Tage starteten wir in kurzen Hosen und fuhren zuerst in den Ort zum Besucherzentrum. Xenia ging hinein und holte ein paar Prospekte, Udo wartete draußen. Die paar Kilometer bis zum Besucherzentrum hatten genügt, um uns fühlen zu lassen, dass wir zu leicht angezogen waren. 16 Grad waren einfach zu kalt für kurze Hosen und leichte Jacken! So fuhren wir noch einmal zurück zur Berta, zogen uns wärmer an und starteten den zweiten Versuch einer Seeumrundung, diesmal in die andere Richtung.

Der Radweg um den See ist prima ausgebaut. Zuerst fuhren auf einem unbefestigten Rad- und Wanderweg in Ufernähe, später dann auf geteerten Radwegen. Oft war der Radweg deutlich besser als die Autofahrstraße. Vor allem auf dem Stück vor dem Museum des Kalten Krieges war die Straße unbefestigt und holprig, der Radweg daneben hingegen frisch asphaltiert.

Auch mit wärmerer Bekleidung war es recht frisch und wir waren froh, als wir um 11:30 Uhr das Museum des Kalten Krieges trocken erreichten. Wir kauften Karten, konnten aber leider keine Audioguides bekommen, da sich um 12 Uhr eine große Gruppe angemeldet hatte, die alle Geräte benötigte. Bis 13 Uhr wollten wir nicht warten und so gingen wir ohne deutsche Erklärungen in die Bunkeranlage. Es handelt sich hier um eine der ersten sowjetischen Raketenbasen für Interkontinentalraketen. In den Jahren 1963 – 1978 waren hier vier russische Atomraketen mit den Ziel Deutschland unterirdisch stationiert. Die Abschussrampen waren gut getarnt. Heute kann man die Betonkuppeln von außen sehen und mehrere unterirdische Räume mit Infos, Ausstellungsstücken und kurzen Filmen besichtigen.

Interessant war auch die Propaganda. Im linken Bild heißt der Text: "Wir bieten Handel und Wettbewerb" oder rechts wird dargestellt, wie die USA die NATO-Staaten um ihr Geld bringen.

Links steht: "Die Völker der Welt wollen keine Wiederholung der Kriegskatastrophe. (Nordatlantikpakt)" - Rechts: "Die Kräfte des Friedens sind unbesiegbar."

Wir kamen gerade wieder heraus, als die angemeldete Gruppe vor dem Eingang stand und eine Einführung bekam. Es begann leicht zu tropfen, aber zum Glück kam nicht mehr. Wir aßen einen Riegel und ein paar Nüssle, dann durchradelten wir noch kurz das ehemalige Soldatendorf und setzten dann die Seeumrundung fort.

Auf der Westseite angelangt machten wir einen kleinen Abstecher zum Siberija Aussichtsturm und hatten von oben eine schöne Aussicht auf die Nationalparklandschaft: viel Grün, hügelig und der See im Hintergrund.

Kurz vor Plateliai kamen wir am Herrenhaus Plateliai vorbei und durchradelten den dazugehörigen Herrenhauspark. Dort waren einige Störche, die hinter dem Rasenmäher her spazierten, um Essbares zu finden. Auch im Ort selbst haben wir immer wieder Störche gesehen, entweder in ihren Nestern oder im Tiefflug. Ihre Nester sind teilweise direkt über der Hauptstraße des Dorfes - scheint sie nicht zu stören.

Wir schauten noch kurz in die Peter-und-Paul-Kirche, eine kleinere Holzkirche, und waren überrascht über ihren prunkvollen Innenraum. Ob Xenia wohl auch mal ein Portrait von sich neben der Kanzel bekommt?

Altar - Weihwasserstein - Glockenturm

Jetzt war es nicht mehr weit bis zur Berta. Im Informationszentrum waren wir ja schon gewesen und konnten jetzt daran vorbeiradeln.

An der Berta angekommen entschieden wir uns, doch noch schwimmen zu gehen und danach in der Berta zu duschen. Udo räumte die Räder weg, Xenia bereitete alles fürs Baden und Duschen vor.

Mit unseren Wasserschuhen gingen wir vor ans Wasser und so schön der See auch aussah – er war doch sehr kalt! Aber da wir nun schon mal in Badebekleidung waren, gingen wir auch rein, Udo nur kurz, Xenia ein bisschen länger. Dafür hatte Udo noch kaltes Duschwasser, bei Xenia war es dann warm.

Jetzt hatten wir ziemlich Hunger - kein Wunder, es war schon 15:00 Uhr und wir hatten außer dem Riegel und den Nüssen seit dem Frühstück nichts gegessen. Es gab Spinat-Tortellini mit Tomatensoße, Parmesan und Salat. Während des Essens überlegten wir, wie unsere Reise weitergehen soll, und entschieden uns, noch nach Telsiai zu fahren und das dortige Freilichtmuseum am See zu besuchen.

Um 17 Uhr kamen wir an und hatten noch eine Stunde bis zur Schließung, um die dortigen zemaitischen Bauernhäuser vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts anzuschauen. Wir waren die einzigen Besucher und es hat uns sehr gut gefallen. Die Anlage ist liebevoll und detailgetreu hergerichtet, mit gepflegten Gärten und Tieren (Pferde, Schafe, Hühner) um die Häuser. Auch die alte Windmühle hat uns sehr gefallen und Udo beim Durchkriechen ein paar schmutzige Jeans beschert.

Nun wollten wir eigentlich auf einem Parkplatz in Telsiai die Nacht verbringen und morgen noch ein bisschen durch die Stadt und um den See herum laufen oder radeln. Aber am See war eine Veranstaltung, es war einiges los und alle Parkplätze waren belegt. So fuhren wir weiter in Richtung Siauliai und übernachteten auf der Strecke an einem See bei Pakumulsiai in Autobahnnähe. Auf dem nahegelegenen Sport- und Spielplatz waren noch Jugendliche, aber sie haben uns nicht gestört. Auch die Autobahn haben wir kaum gehört.

Wir machten uns noch ein Vesperbrot und zum Nachtisch einen warmen Vanillepudding mit Pfläumlesmus von zuhause. Mit einem kleinen Spaziergang zum See beendeten wir den Tag.


Samstag, 13.06.2026 – Siauliai

Von Pakumulsiai bis Siauliai - 31 km; Stadtspaziergang 5 km

Wetter: bis 15 Uhr sonnig, dann zunehmend bewölkt, ab 19:45 Uhr Regen

Wir hatten uns keinen Wecker gestellt und haben dadurch tatsächlich bis 8:30 Uhr geschlafen. Heute begrüßte uns die Sonne wieder und blieb uns bis zum späten Nachmittag treu.

Wir hatten für heute Siauliai auf dem Programm. Um 10:30 Uhr waren wir auf dem von Xenia ausgesuchten Wunschparkplatz in der Nähe des Sonnenuhrplatzes und haben dort tatsächlich ein Plätzchen für die Berta bekommen. Unter der Woche ist dieser zentrale und trotzdem relativ ruhige Parkplatz kostenpflichtig, aber am Wochenende frei (wie fast alle öffentlichen Parkplätze in Litauen). Von dort aus konnten wir die Innenstadt und den See gut zu Fuß erreichen.

Wir marschierten zuerst durch die Fußgängerzone und stellten fest, dass die Stadt voller Skulpturen und Wandgemälde ist.

Über den Siauliai Sviecia Platz kamen wir zur Peter-und-Paul Kathedrale. Sie hat in Innern zwei große Kronleuchter. Bei einem wurden gerade defekte Birnen ausgetauscht.

Weiter ging es zum Sonnenuhrplatz. In dessen Mitte steht Litauens höchster Sonnenuhr-Obelisk mit einem goldenen Bogenschützen auf der Spitze. Der Platz war heute mit einer Freiluftbühne belegt, sodass wir leider nicht bis zum Obelisken gehen konnten. Dafür fanden wir heraus, dass hier ab 17 Uhr das kostenlose Big-Band-Festival 2026 stattfindet.

Weiter ging es zum “Eisernen Fuchs” am Ufer des Talksa-Sees. Er wiegt 7 Tonnen, ist ca. 15 Meter lang und 6,6 Meter hoch. Das macht ihn zur größten Tierskulptur des Landes, was auch im litauischen Guinness-Buch der Rekorde festgehalten ist. Noch eine Besonderheit: In der Brust des Fuchses befindet sich ein Stahlherz, das eine Zeitkapsel mit Botschaften für kommende Generationen birgt. Was da wohl drin steht??

Direkt daneben befindet sich ein aus Steinen gebautes energetisches Labyrinth. Es besteht aus 7 Kreisen und soll im Zentrum ein guter Ort zum Meditieren sein. Im Reiseführer steht: “Wenn man durch dieses Labyrinth geht, arbeiten ganz intensiv die beiden Gehirnhälften, deswegen werden die Wahrnehmung, die Gefühle und das Bewusstsein besser. Hier findet man Antworten auf die Fragen, Probleme werden gelöst und man kommt zur Ruhe. Der angenehme Spaziergang kann Körper und Seele geben, was der Verstand noch nicht begreifen kann.” Xenia lief das Labyrinth einmal ab. Ob sich an ihrem Gemütszustand etwas verbessert hat, lässt sich noch nicht genau sagen ...

Nun bummelten wir am Seeufer entlang, kauften uns ein Softeis und sahen auf einer Bank ein paar Wakeboardern bei ihren Surfkünsten zu. Hier gab es auch Schwäne, sogar mit Jungen.

Auf den zuerst angedachten Talska-Ökopfad verzichteten wir, er führte fast nur durch den Wald. Dafür gingen wir noch einmal zurück in die Fußgängerzone und aßen im BOHO sehr gut zu Mittag: Glasierte Entenkeule mit jungen Kartoffeln und einem Rote-Beete-Mischgemüse. Es war ziemlich süß, schmeckte aber sehr gut!

Aus der gegenüberliegenden Konditorei holten wir uns noch ein paar Köstlichkeiten für einen späteren Kaffee.

Um 14:45 Uhr waren wir wieder an der Berta und beschlossen, es uns bis 16:30 Uhr gemütlich zu machen und dann noch einmal zum Sonnenuhrplatz zum Jazz-Festival zu gehen. Auf direktem Weg konnten wir den Platz in nur 5 Gehminuten erreichen.

So gönnten wir uns beide einen Mittagschlaf, machten uns anschließend einen Kaffee und gingen dann zum Sonnenuhrenplatz. Es waren noch kaum Leute da und wir konnten uns einen schönen Sitzplatz aussuchen. Auch als um 17 Uhr die erste Gruppe auftrat, waren noch viele Plätze frei, die sich dann aber zunehmend füllten.

Das Konzert war sehr beeindruckend und hat sich wirklich gelohnt. Die erste Gruppe nannte sich “Mirage Jazz Orchestra”. Die Musiker waren schon etwas älter und echte Profis. Sie spielten eine Stunde. Danach gab es eine kurze Umbaupause und anschließend waren junge Musiker dran. Wenn wir es richtig verstanden haben, handelte es sich bei ihnen um eine Jazz-Band eines Musikgymnasiums, die unter der Leitung ihres Musiklehrers auftrat. Auch sie waren sehr gut! Vielleicht nicht ganz so virtuos wie die ersten, aber mit einem sehr schönen Repertoire und jugendlichem Charme. Wir haben es genossen!

Ihr Auftritt war um 19:30 Uhr beendet. Danach ging Xenia zur Berta, um sich wärmer anzuziehen. Es war inzwischen doch deutlich kühler geworden und Xenia fror ziemlich. Für Udo brachte sie auch noch eine zusätzliche Jacke mit, blieb aber dann nicht mehr lange, weil ihr die dritte Gruppe mit afrikanischen Sängern nicht mehr so gut gefallen hat. Außerdem war es so laut, dass sie Kopfschmerzen bekam. So machte sie sich wieder auf den Rückweg zur Berta. Udo kam 45 Minuten später nach. Jetzt hatte es auch zu regnen angefangen und wir waren froh, auf dem Parkplatz über Nacht stehen bleiben zu können.

Um 21:30 Uhr wurde der Springbrunnen neben unserem Parkplatz bunt, um 22 Uhr begann er dann sogar zu verschiedenen Musikstücken zu tanzen. Leider war es noch nicht ganz dunkel, sonst hätte das Schauspiel bestimmt noch spektakulärer ausgesehen.


Sonntag, 14.06.2026 – Kreuzhügel, Birzai mit Regionalpark

Von Siauliai über Birzai bis Bauska – 176 km

Wetter: morgens bewölkt mit Schauern, mittags zunehmend aufgelockert mit Schauern und Gewittern. 13 – 19 Grad

Heute waren wir buchstäblich “unter dem Schirm des Höchsten” unterwegs. Der Wetterbericht hatte Regen für den ganzen Tag angesagt, aber uns erwischte er nur, wenn wir in der Berta waren. Wir fuhren trotz schlechtem Wetterbericht nach Birzai, machten aber nicht die ursprünglich geplante Radtour, sondern fuhren ein paar Highlights an und erkundeten von dort aus zu Fuß die Umgebung mit kleineren Wanderungen und Spaziergängen.

Unser erster Anlaufpunkt war noch in der Region Siauliai: der Berg der Kreuze (Kreuzhügel), 10 km nördlich der Stadt. Es handelt sich dabei um einen katholischen Wallfahrtsort, ein Symbol des Leidens und des nationalen Widerstands im Norden Litauens. Auf einem rund 9 Meter hohen Hügel stehen schätzungsweise 200.000 Kreuze, Kruzifixe und Rosenkränze, dicht aneinandergedrängt, in allen Größen und Formen. Im Jahr 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. den Ort, hielt eine Messe vor 100.000 Gläubigen und machte so den Hügel weltweit bekannt. Er schenkte der Stätte ein großes Kruzifix, das bis heute am Fuß des Hügels steht. Für uns war es ein ziemlich skurriler Ort, den wir nach einer halben Stunde wieder verließen. Kaum waren wir in der Berta, setzte Regen ein.

Auf der Strecke bis Birzai fuhren wir durch einige Schauer, die aber nach ein paar Kilometern wieder vorbei waren.

Um 11:30 Uhr kamen wir in Birzai an und fuhren zuerst zur Širvėna-See-Brücke. Sie gilt mit einer Länge von 525 Metern als die längste Holzfußgängerbrücke Litauens. Kurz vor Birzai schüttete es noch einmal kräftig, aber als wir am Parkplatz vor der Brücke ankamen, hatte dort der Regen schon aufgehört und es kam sogar die Sonne heraus. Allerdings war dieser Zustand nicht von langer Dauer. Schon nach wenigen Minuten wurde der Himmel schwarz und es kam der nächste Schauer. Ihn überstanden wir prima in der Berta mit Mittag essen. Es gab Currywurst mit geröstetem Brot. Bis wir gekocht, gegessen und gespült hatten, war auch die Sonne wieder da und verließ uns bis abends nicht mehr. Der Himmel wurde im Gegenteil immer aufgelockerter, allerdings konnten wir erkennen, dass um uns herum noch einige Schauer und Gewitter niedergingen.

Wir packten einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien und Regenschirmen und machten uns auf den Weg über die Brücke zum gegenüberliegenden Tiškevičius-Palast. Er ist umgeben von einem sehr schönen und gepflegten Park im englischen Stil mit Teichen und alten Bäumen. Durch ihn schlenderten wir, bevor wir uns am See auf eine Bank setzten und die Sonne genossen. Dann ging es wieder über die Brücke zurück zur Berta.

Wir fuhren 2 Kilometer weiter und parkten in der Nähe der großen evangelischen Backsteinkirche von Birzai. Von dort aus machten wir einen schönen Spaziergang am See entlang, durchs Burggelände und vorbei an der weißen Johannes-der Täufer-Kirche. Wieder zurück auf dem Parkplatz nutzten wir das dortige WC zur Entleerung unserer Campingtoilette und den Trinkwasserspender, um mit unserer Gießkanne 20 Liter gutes Wasser in unseren Frischwassertank nachzufüllen. Danach war dieser wieder halb voll und wir waren gerüstet für die nächsten Tage.

Der nächste Anlaufpunkt war der Kirkilai Aussichtsturm. Seine besondere Form, die an ein sinkendes Boot oder Kanu erinnert, macht ihn zu einem architektonischen Highlight im Regionalpark. Aus 30 Metern Höhe hat man einen wunderschönen Ausblick über die grüne Landschaft mit 30 kleine Karstseen. Natürlich stiegen wir zuerst auf die Aussichtsplattform, bevor wir die Gegend zu Fuß erkundeten. Direkt am Turm startet ein 800 Meter langer Rundweg durch das Seengebiet, der über mehrere Pontonbrücken führt. Es war ein sehr schöner Spaziergang!

Inzwischen war es 16:45 Uhr geworden und wir entschieden uns, heute noch bis Bauska zu fahren, um zeitig am nächsten Morgen die Kreuzritterburg besichtigen zu können. Auf dem Weg machten wir noch einen kleinen Abstecher zur “Kuhhöhle”, einer Karstdoline. Die Landschaft ist hier ganz hügelig, voller kleinerer und größerer Einbrüche. So wie die Seen beim Turm, die ebenfalls mit Wasser vollgelaufene Dolinen sind.

Weiter ging es über die lettisch-litauische Landesgrenze bis Bauska. Von der Grenze merkt man außer ein paar Schildern, Fahnen und einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h nichts.

Um 18 Uhr kamen wir in Bauska an und wählten einen Parkplatz in Sportplatznähe zum Übernachten. Es gab noch ein paar Spaghetti mit Paprika-Schinken-Pesto zum Abendessen, dann richteten wir uns so langsam für die Nacht ein. Dass noch einmal ein Schauer über uns hinweg zog, machte uns nichts mehr aus.


Montag, 15.06.2026 – Bauska Kreuzritterburg, Schloss Rundale, Jelgava

Von Bauska bis Jelgava – 65 km

Wetter: regnerisch mit sonnigen Abschnitten

Heute hatten wir einige Besichtigungen auf dem Programm – genau das Richtige für das regnerische Wetter.

Um kurz nach 9 Uhr waren wir auf dem Parkplatz der Deutschordensburg Bauska und es schüttete kräftig. Diesen Schauer warteten wir noch ab und machten uns dann auf zur Burg. Wir waren die ersten und anfangs auch einzigen Gäste. Es kam dann noch ein weiterer Besucher dazu und als wir die Burg wieder verließen, stand eine weitere Familie an der Kasse. So hatten wir die Burg ziemlich für uns allein und durchstreiften die verschiedenen Räume. Einen Audioguide gab es nicht, aber Udo ließ Google Lens ein paar Tafeln übersetzen.

Das Personal hatte historische Trachten an, was der Burg noch ein besonderes Flair verlieh. Sie besteht aus einem neueren, in den letzten Jahrzehnten renovierten Renaissance-Schloss und Resten der alten Ordensburg aus dem 15. Jahrhundert. Im neuen Teil ist das Burgmuseum untergebracht. Dort muss man sich Plastiktüten über die Schuhe ziehen, um die Böden nicht zu beschädigen.

Zu sehen gibt es historische Ausstellungen, Interieur aus der Herzogszeit und die größte Sammlung gusseiserner Kanonen aus dem 17. Jahrhundert in Lettland. Im älteren Teil ist eigentlich nur der Turm interessant, den man besteigen kann und von oben eine schöne Aussicht hat. Die Anlage liegt auf einer Landzunge, wo die Flüsse Mūsa und Mēmele zusammenfließen und die Lielupe bilden.

Weiter ging es zum nur wenige Kilometer entfernten Schloss Rundale, einem touristischen Hotspot. Schloss Rundale ist das bedeutendste Barockschloss in Lettland und wird oft als das "Versailles des Baltikums" bezeichnet. Es wurde vom berühmten italienisch-russischen Architekten Francesco Bartolomeo Rastrelli entworfen, der auch die Eremitage in St. Petersburg gestaltete.

Schon unterwegs und auch als wir ankamen, hat es wieder geregnet. Diesmal zogen wir Regenjacken an und gingen zum Schloss, das wirklich sehr schön und beeindruckend aussieht. Hier waren mehr Leute und auch ein paar Reisegruppen da, aber nicht so viele, wie der Reiseführer hatte erwarten lassen. Man kann sich eine App in mehreren Sprachen auf sein Handy herunterladen und so Erklärungen zu den vielen Räumen des Palastes bekommen.

Wir kamen durch eine stattliche Anzahl von Alltags- und Prunkräumen der Herzöge mit beeindruckenden Deckenmalereien, Stuckaturen, Bildern (v.a. Portraitmalereien, aber auch Stil- und Landschaftsbilder) und Einrichtungen. Es war sehr schön, aber auch sehr viel, so dass wir die zwei Ausstellungen zu Blumen und Alltagsgegenständen nur noch oberflächlich durchstreiften. Hier hätte man noch viel mehr Zeit verbringen können, aber unsere Köpfe waren voll und die Füße müde. Außerdem hatten wir Hunger, es war schließlich schon 14 Uhr!

Zunächst die Küche, im Erdgeschoss. Hier wurden auf 4 Brennstellen täglich über 100 Personen versorgt. Im rechten Bild sieht man einen Spießdrehautomaten.

Schlafzimmer des Herzogs. Sein Zubettgehen war wohl ein größeres Ereignis. Und sein Badezimmer.

Der Festsaal und das Schlafgemach der Herzogin

Und jede Menge sonstiger Stücke, aus der Sonderausstellung.

In der Blumenausstellung gab es noch die Möglichkeit ein besonderes Bild zu machen

So gingen wir nach 2,5 Stunden Schlossbesichtigung zurück zur Berta und machten uns ein spätes Mittagessen: Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und Speck. Anschließend gönnten wir uns ein Mittagschläfle, das aber durch einen Gartenarbeiter und den Regen, der aufs Dach prasselte, gestört wurde.

Wir genehmigten uns noch eine Tasse Kaffee – und siehe da, der Himmel machte sich auf und es schien vorübergehend einmal die Sonne. Das nutzte Udo für ein paar Drohnenaufnahmen vom Schloss und dem barocken Französischen Garten. Letzterem statten wir noch einen Besuch ab, bevor wir weiterfuhren.

Unser Ziel für heute war Jelgava. Dort wollten wir auf einem Parkplatz am Fluss die Nacht verbringen. Um 17:45 Uhr kamen wir dort an und da es gerade nicht regnete, entschlossen wir uns zu einem Abendspaziergang auf die andere Flussseite auf die Pasta Insel.

Von unserem Parkplatz aus konnten wir dort schon den Sandskulpturenpark erkennen. Er hatte noch bis 20 Uhr geöffnet und war nicht groß, also noch gut am Abend zu schaffen. Jedes Jahr werden hier von verschiedenen Künstlern neue Sandskulpturen zu einem Jahresmotto erschaffen und prämiert. In diesem Jahr lautete das Thema „Mesozoikum / Juras-Zeitalter“ und wir konnten verschiedene Dinosaurier und prähistorische Kreaturen aus Sand bestaunen.

Gerade hatten wir ein Selfie gemacht, als Udos Handy klingelte und Marina anrief. Wie schön, mit ihr und dem kleinen Lars zu telefonieren! Unsere Familie fehlt uns schon ...

Nun ging es wieder zurück zur Berta. Von der Brücke aus sahen wir den Palast von Jelgava, das größte Barockschloss im Baltikum. Es beherbergt heute die Lettische Universität für Biowissenschaften und Technologie. Inzwischen waren wieder schwarze Wolken aufgezogen und es fing zu tröpfeln an. Zum Glück kam aber diesmal nicht mehr, dieser Schauer hat uns nur gestreift.

In der Berta gab es noch ein paar Reste zum Abendessen. Es war wieder Zeit, die Vorräte und den Kühlschrank aufzufüllen - ein Programmpunkt für den morgigen Tag.


Dienstag, 16.06.2026 – Kuldiga Sandhöhlen, Ventspils

Von Jelgava bis Ventspils – 205 km

Wetter: viel Regen, abends an der Küste trocken

Wir begannen unseren Tag mit Tanken und einem Lidl-Einkauf in Jelgava. Heute wollten wir eine größere Strecke zurück an die Ostseeküste nach Ventspils fahren mit einem längeren Zwischenstopp in der Weltkulturerbe-Stadt Kuldiga.

Kurz nach Jelgava begann es zu regnen, aber noch dachten wir uns nicht viel dabei. Schließlich hatten wir noch fast 2 Stunden Fahrt bis Kuldiga vor uns. Während der Fahrt las Xenia aus dem Reiseführer die Seiten über Kuldiga und die sich in der Nachbarschaft befindenden Riežuper Sandhöhlen vor. Da die Straße meist wieder geradeaus ging, war das möglich, ohne dass es ihr schlecht dabei wurde. Auch heute fuhren wir wieder an mehreren Störchen vorbei, die teilweise ganz nah an die Straße herankamen.

In Kuldiga angekommen regnete es immer noch. So fuhren wir 10 Kilometer weiter in nördliche Richtung zu den Sandhöhlen. Als wir dort ankamen, standen ein Reisebus und ein PKW auf dem Parkplatz. Ausgerüstet mit Schirmen und Regenjacken machten wir uns auf den Weg durch den Wald zur 400 Meter entfernten Höhle. Unterwegs kamen uns die Leute aus dem Reisebus entgegen – wie schön! Auf dem Weg zu den Sandhöhlen gab es rechts und links einige, wohl selbstgebaute, Spielgeräte.

An der Höhle waren wir dann tatsächlich die einzigen Besucher und bekamen eine Privatführer auf Englisch von einem jungen Höhlenführer.

Die Riežuper Sandhöhlen sind ein ehemaliges Bergwerk und das längste unterirdische Höhlenlabyrinth Lettlands. Das künstlich von Menschenhand geschaffene Höhlensystem erstreckt sich über eine Gesamtlänge von rund zwei Kilometern, wovon ein Teilabschnitt von 450 Metern für Besucher im Rahmen von Führungen zugänglich ist. Vor über 100 Jahren gruben Menschen über drei Generationen hinweg dieses Labyrinth. Der gewonnene weiße Sand wurde in ein nahegelegenes Dorf gebracht und von dort aus über die Venta nach Riga transportiert. Der Sand ist so rein und fein, dass er zur Herstellung von Glas verwendet wurde. Heute wird hier nichts mehr abgebaut. Mit den Führungen für Touristen ist wahrscheinlich mehr und leichter Geld verdient.

Im Licht unserer Taschenlampen gingen wir durch das stockdunkle Höhlenlabyrinth und waren froh um unseren Führer und seine Begleitung, ein vielleicht 6 Jahre altes Mädchen. Teilweise waren die Gänge niedrig und sehr eng, aber mit Bücken kam man überall durch.

Wieder über Tage hatte es aufgehört zu regnen, doch dieser Zustand sollte leider nicht lange anhalten. Wir fuhren zurück nach Kuldiga und parkten am Ortseingang in der Nähe des Aussichtsturmes. Er ist 25 Meter hoch und schief. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf die Altstadt von Kuldīga, den Venta-Wasserfall und die historische Backsteinbrücke. Oben angekommen, sahen wir auch schon die nächste Regenfront auf uns zukommen.

Es dauerte keine 5 Minuten, da fing es zu regnen an. Wir flüchteten in die Berta und machten Mittagessen mit einem Salat und Brezeln vom Lidl. Da es danach immer noch regnete, parkten wir die Berta etwas mehr ins Zentrum und entschlossen uns, den Regen für einen Mittagsschlaf zu nutzen. Nur leider hörte er nicht mehr auf. Immer, wenn wir dachten, jetzt wird es besser, kam wieder ein neuer Schütter. Bis 16:30 Uhr bleiben wir in der Berta und machten ein paar Reiseplanungen. Dann wagten wir es mit Schirm und Regenjacke nach draußen. Wir kamen aber nicht weit. Zum Regen war jetzt auch noch Wind aufgekommen und dieser war auf der alten Backsteinbrücke über die Venta so stark, dass es uns die Schirme umdrehte. Das hatte so wirklich keinen Sinn. Wir kehrten um und gaben die Stadtbesichtigung von Kuldiga auf. Dabei hatten wir uns schon so auf das “Venedig Lettlands” mit seinen historischen Holzhäusern und Gassen, den Alekšupīte-Wasserfall und vor allem den Venta Wasserfall (Ventas Rumba) gefreut. Letzterer ist zwar nur knapp zwei Meter hoch, aber mit einer Breite von bis zu 249 Metern ein imposanter Anblick und der breiteste Wasserfall Europas. Wenigstens einen kurzen Blick im Regen konnten wir auf ihn werfen, bevor wir wieder umdrehten.

Wir hatten nun endgültig genug vom Regen, verließen Kuldiga und fuhren nach Ventspils an die Ostsee. Hier war das Wetter besser. Der Regen war durchgezogen und wir fanden am Kanal einen Nachtplatz für die Berta. Nach dem Abendessen (Hähnchengeschnetzeltes mit Reis) drehten wir noch eine kleine Runde entlang des Kanals und durchs Ortszentrum. Was wir gesehen haben, hat uns nicht wirklich begeistert. Mal sehen, ob wir morgen hier noch irgendwo Wasser tanken können, bevor wir bei hoffentlich besserem Wetter zum Kap Kolka weiter fahren.


Mittwoch, 17.06.2026 – Kap Kolka, Weiße Düne, Engures See (Naturreservat), Pfannenkuchenrestaurant

Von Ventspils bis Engure – 186 km

Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags sonnig, sehr windig – 18 Grad

Der Tag startete mit einer dichten Bewölkung, aber es war zumindest trocken. Im Tagesverlauf lockerte es immer mehr auf und nachmittags hatten wir viel Sonne. Es wehte den ganzen Tag eine steife Brise.

Wir begannen den Tag mit einer überfälligen Dusche. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die Suche nach Trinkwasser. Wir fuhren verschiedene Wasserstellen an und füllten schließlich unser Wasser an einem Trinkbrunnen auf, den wir gestern schon gefunden hatten. Der Wasserdruck war hier richtig gut und so dauerte es nicht lange, bis wir 5 Gießkannen frisches Wasser (50 Liter) im Tank hatten.

So waren wir gut gerüstet für die Fahrt zum Kap Kolka. Diese gestaltete sich recht eintönig: rechts Wald, links Wald und dazwischen eine schnurgerade Straße. Und das über 80 Kilometer! Die wenigen Kurven hätte man sicher an den Fingern abzählen können.

Um 11 Uhr waren wir auf dem gebührenfreien Parkplatz beim Aussichtsturm angekommen. Wir machten uns einen schnellen Kaffee und marschierten dann zum Turm und vor ans Meer. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück bis vor ans Kap. Dieses umrundeten wir, machten einen Abstecher zum kostenpflichtigen Parkplatz mit Infobude und anschließend zu ein paar aufgestellten Fässern am Strand, in denen man übernachten kann. Die Ausstattung bestand aus einem schmales Doppelbett, 2 Kleiderhaken und zwei kleinen Ankleidebänken davor. Mehr gab es nicht. Dafür war aber die Wand in Richtung Meer aus Spiegelglas, so dass man von innen nach außen abe rnicht hinein sehen konnte. Die Aussicht auf´s Meer war schon klasse.

Nun kämpften wir uns gegen den Wind zurück zur Berta und fuhren auf der anderen Seite der Landzunge weiter in Richtung Riga. Nach einer halben Stunde Fahrt machten wir Halt, um die Weiße Düne bei Purciems zu erkunden. Wir staunten nicht schlecht, was uns hier erwartete: ein wunderschöner Bohlenrundweg. Wir erweiterten die Runde noch mit einem Abstecher durch den Wald bis zum Meer. Udo hatte die Drohne dabei, aber bei dem Wind wurde es nur ein kurzer Flug.

Weiter ging die Fahrt auf der Küstenstraße in Richtung Riga. Kurz vor Berzciems machten wir einen Abstecher ins Inland zum Endures See, einem Naturparkgebiet. Die Straße war offiziell ausgeschildert, war aber eine üble waschbrettartige ausgewaschene Schotterstraße. Obwohl Udo nur ganz langsam fuhr, rumpelte es ordentlich. Die Straße endete an einem Waldparkplatz und wir waren nicht die Einzigen dort.

Ein schöner Wanderpfad führte zwei Kilometer durch den Wald und am See entlang bis zu einem Aussichtsturm. Unterwegs kamen wir an einem Spielplatz mit einem Kaffeeautomaten vorbei. Dort ließen wir uns einen Cappuccino heraus und tranken diesen genüsslich beim Weitergehen. In diesem Gebiet leben auch Pferde und Kühe, an denen wir ziemlich dicht vorbeikamen. Im Führer stand, dass dies wilde Tiere seien, aber zwischen ihnen und dem Wanderpfad war ein Zaun.

Wir bestiegen den Aussichtsturm und mussten oben aufpassen, nicht weggeblasen zu werden. Im Dach des Turmes befanden sich mehrere Schwalbennester und die kleinen Vögel flogen hier ein und aus.

Um 16:30 Uhr waren wir wieder an der Berta und machten uns auf den Weg zum letzten Ziel für heute: “Rideli Dzirnavas Cope”, einem sehr netten Lokal an einem kleinen See, das berühmt ist für seine Pfannenkuchen. Da wir nichts zu Mittag gegessen hatten, waren wir jetzt hungrig genug für gleich zwei Pfannenkuchen: einen mit gezupftem Rindfleisch und honigglasierten Zwiebeln, einen mit Banane, Nutella, ein paar Erdbeeren und Vanilleeis. Beide Pfannenkuchen haben uns sehr gut geschmeckt, wobei der süße fast noch besser war als der salzige.

Nun war noch die Frage offen, wo wir die Nacht verbringen wollten. Wir entschieden uns für die nähere Variante auf einem nur 10 Minuten entfernten kleinen Parkplatz vor Engure ganz in Meeresnähe. Das war eine gute Wahl!

Wir spazierten noch einmal vor ans Meer und Udo setzte sich anschließend noch ein bisschen vor die Berta, bevor wir die Luken dicht machten.


Donnerstag, 18.06.2026 – Kemeri Nationalpark, Fahrt nach Riga

Von Engure bis Riga – 94 km. Wanderung 5 km

Wetter: bis nachmittags sonnig, dann bewölkt und etwas Nieselregen, 20 Grad

Nach einer ruhigen Nacht starteten wir im Sonnenschein zum Kemeri Nationapark, um den Kemeri Bog Trail (ein Bohlenrundweg durchs Moor) zu laufen.

Um 10 Uhr waren wir auf dem dazugehörigen Parkplatz. Udo leerte unsere Campingtoilette in einen dafür bereitgestellten Behälter, Xenia lud eine ParkApp auf ihr Handy, um die Parkgebühr bezahlen zu können. Dann starteten wir zur Wanderung und teilten uns das Moor mit einem weiteren Spaziergänger und einem Ehepaar.

Xenia liebt Bohlenwege und kam heute so richtig auf ihre Kosten! Wir hatten eigentlich mehr Leben im Moor erwartet, aber wahrscheinlich ist es das schwefelhaltige Wasser, das den Wasservögeln nicht so gefällt. Auch Insekten gab es nur wenige, gesehen haben wir lediglich ein paar Libellen. Im Sonnenschein war der Weg sehr schön zu gehen und als wir auf einer Bank eine Pause einlegten, durfte auch die Susi einen kleinen “Ausflug” machen.

Um 12:30 Uhr waren wir zurück an der Berta, machten uns ein Mittagsvesper und fuhren weiter in den Ort Kemeri zur “Kemeru Annina (Ännchen von Kemeri)”. Die 3,5 Meter große Skulptur ist der legendären Heldin eines bekannten lettischen Schützenliedes gewidmet und aus vielschichtigen, lasergeschnittenen Aluminiumplatten hergestellt. Diese geschichtete Struktur lässt die Silhouette je nach Blickwinkel unterschiedlich erscheinen.

Jetzt wäre eigentlich Jurmela, der Stadtstrand vor Riga, auf dem Programm gestanden, aber wir mussten feststellen, dass das Parken dort sehr schwierig ist und für das Gebiet eine City-Maut bezahlt werden muss. Strand hatten wir ja schon viel gesehen, daher fuhren wir weiter nach Riga mit der Absicht, uns auf dem privaten Stellplatz einer Kirche in einem grünen Innenhof in Zentrumsnähe einzumieten. Als wir um 15:30 Uhr dort ankamen, gab es noch einige freie Plätze, die sich aber bis abends zunehmend füllten.

Wir konnten noch einen Kaffee vor der Berta trinken, uns mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt beschäftigen und Karten für eine Führung durchs KGB-Gebäude (KGB-Museum der lettischen Besetzung) für den nächsten Tag buchen, bevor sich der Himmel zuzog und es zu nieseln begann.

So zogen wir uns ins Auto zurück, luden unsere Fahrrad-Akkus und Xenia kochte noch ein Abendessen (Gefüllte Gnocchi mit 2 restlichen roten Würsten, Soße und Salat). Zeit hatten wir ja genug dafür.


Freitag, 19.06.2026 – Radtour durch Riga und zum Jurmala Strand, Führung durchs KGB-Gebäude

Berta 0 km, Radtour 55 km

Wetter: sonnig, nachmittags kurz bewölkt mit ein paar Regentropfen, 22 Grad

Wir hatten uns gestern noch Karten für eine englische Führung “In den Kellern des KGB” um 10 Uhr durchs KGB-Museum der lettischen Besetzung besorgt. Somit war klar, dass das unser erster Programmpunkt für heute sein würde.

Um 9:30 Uhr starteten wir mit den Rädern und waren um 9:45 Uhr am KGB-Gebäude, das während der sowjetischen Besatzung als Zentrum der Repression diente. Hier wurden Regimegegner verhört und inhaftiert. Die Führung war insgesamt schon sehr bedrückend, auch wenn der Führer versuchte, das schwere Thema unterhaltsam zu gestalten.

Wir sahen schmale, unterirdische Arrestzellen, in denen Inhaftierte unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Außerdem zeigte man uns einen Transportaufzug für Verhaftete und eines der Verhörzimmer, in denen Gefangene vom KGB psychisch und physisch gefoltert und verhört wurden. Wir kamen in einen kleinen Innenhof für den Freigang der Häftlinge, in die Küche und zum Abschluss in einen Exekutionsraum. Insgesamt dauerte die Führung 75 Minuten und hat bei uns schon ein sehr beklemmendes Gefühl hinterlassen. Wir waren froh, wieder in die Sonne und Wärme hinausgehen zu dürfen.

Das Haus sieht von außen ganz normal aus, der Empfang wirkt noch recht unverdächtig

Das Aufnahmezimmer - hier wird man all seine persönliche Habe los und im Verhörzimmer soll man all seine Geheimnisse los werden. Unterm Tisch ist ein normaler Nagel, der zur Unterstützung der Erinnerung z.B. unter die Fingernägel gedrückt wird.

Zu Beginn ging es dann für 3 Tage in einen kleinen Raum (kleiner, wie eine Telefonzelle), ohne Essen, Trinken, ohne Licht - gemeinsam mit 7 weiteren Personen.

Dann kam man in den Zellentrackt. In der rechten standen 4 Betten und ein Eimer. Diese war mit bis zu 35 Personen belegt.

Es gab Zellen mit und ohne Licht. Essen wurde geliefert.

In der Küche wurde für die Häftlinge gekocht. Das Geschirr hatte Besonderheiten: z.B. Tassen oder Teller mit einem Loch, welches man zuhalten musste, solange man isst oder trinkt. Dies ist besonders toll, wenn man sehr heiße Speißen bekommt.

Einmal pro Woche hatte man Freigang, für 30 Minuten. Die Bewacher standen oben mit ihren Kalaschnikows.

Zum Schluss wurden wir noch in eine schalldicht gemachte Garage geführt. Hier fanden die Executionen statt, die stets um Mitternacht durchgeführt wurden. Man sieht die Einschusslöcher, die zur Analyse mit Klebern markiert wurden.

Wir setzten die Radtour fort und fuhren zuerst durch das Jugendstilviertel. Die Straßen sind hier ziemlich eng, so dass viele der schönen Jugendstilfassaden gar nicht voll zur Geltung kommen können.

Weiter ging es in die Altstadt. Wir hatten nicht damit gerechnet, wie voll es hier sein würde. Auf vielen Plätzen war Markt oder es wurden Bühnen aufgebaut fürs Mittsommerfest. Der Livu-Platz hat uns sehr gut gefallen mit den kleineren bunten Häusern, den Cafés, Restaurants und Blumenrabatten. Wir überlegten, dort mittagzuessen, aber es war noch etwas früh (12 Uhr) und die Speisekarten haben uns nicht wirklich zugesagt.

So fuhren wir weiter auf kleinen Kopfsteinpflasterstraßen zur Kleinen und Großen Gilde, kamen am Katzenhaus vorbei und damm zum Rigaer Dom und Domplatz. Natürlich durfte auch das Schwarzhäupterhaus auf unserer Tour nicht fehlen. An der Petri-Kirche sind wir nur vorbeigeradelt und nicht auf den Turm gestiegen – es waren einfach zu viele Menschen hier. Die Innenstadt sollte man wirklich nur zu Fuß und nicht mit Rädern besichtigen.

Am Zentralmarkt ketteten wir die Räder an und bummelten über den Markt und durch eine der Markthallen. Dort haben wir auch etwas zu Mittag gegessen, allerdings hat es uns nicht besonders geschmeckt. Xenia nahm noch ein halbes Bauernbrot an einem Stand mit, dann verließen wir die Hallen wieder und radelten 20 Kilometer zum Jurmala-Strand, an dem wir gestern vorbeigefahren waren. Von Riga führt ein schöner Radweg nach Jurmala.

In Jurmala kamen wir zu einem Schwimbad mit wirklich vielen Rutschen und “Jurmalas Tarzans”, einem Kletterpark. Dort befindet sich auch ein frei zugänglicher Aussichtsturm, auf den wir hochstiegen und über die Bäume bis zum Meer schauen konnten.

Leider zogen jetzt ein paar dunkle Wolken auf, aber den Strand wollten wir doch unbedingt noch sehen! So radelten wir vor, setzten uns eine Weile auf eine Bank am Strand und ergötzten uns an der lettischen Bademode.

(Hat Xenia aufgenommen!)

Als wir uns auf den Rückweg machten, spürten wir die ersten Regentropfen. Zum Glück waren wir schneller als der Schauer, so dass wir nur einen ganz leichten Nieselregen abbekamen. Wir zogen nicht einmal Regenjacken an. In Riga schien wieder die Sonne und als wir zurück bei der Berta auf dem Kirchenstellplatz waren, konnten wir nach einer Dusche im Freien vespern.

Morgen wollen wir noch einmal ohne Räder in die Stadt gehen, um etwas mehr von den Sehenswürdigkeiten Rigas entdecken zu können. Für heute haben wir genug.


Samstag, 20.06.2026 – Riga Altstadt und Mittsommerfest im Victory-Park

Berta 0 km, Stadtrunde 5 km, 25 km zu Fuß und mit Bussen

Wetter: Sonne pur, 26 Grad

Heute gingen wir zu Fuß durch die Altstadt. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir den Öffentlichen Nahverkehr. Ein Tagesticket kostete 5 Euro, da kann man nicht meckern.

Um 10 Uhr kamen wir los und nahmen den Bus bis zum Brivibas Platz, wo die große Freiheitsstatue steht. Gestern hatten wir ja schon gesehen, wie hier eine Tribüne und mehrere Bühnen aufgebaut wurden. Als wir heute dort ankamen, waren verschiedene Gruppen am Üben – fürs morgige große Festival, wie man uns erklärte.

Wir gingen weiter in die Altstadt, vorbei an der Lama-Uhr und über den Livu-Platz zur Petri-Kirche. Heute gingen wir hinein, schauten uns das Kirchenschiff an und fuhren mit einem Aufzug hinauf auf den Turm. Von oben hatten wir einen tollen Blick auf Riga und entdeckten einiges wieder, an dem wir gestern vorbeigeradelt waren.

Als Nächstes kamen wir zum Mentzendorff-Haus. Das historische Wohn- und Geschäftshaus aus dem 17. Jahrhundert gehörte einst einem reichen Rigaer Bürger. Es wurde so hergerichtet, wie das wohlhabende Rigaer Bürgertum damals gelebt hat. Decken, Wände und Böden sowie das Mobiliar und einige Alltagsgegenstände sollten an diese Zeit erinnern. Wir waren die einzigen Besucher und konnten uns die Räume ungestört anschauen.

Nun gingen wir weiter auf den Rathausplatz und zum Schwarzhäupterhaus. Auch dieses prächtige Gebäude besichtigten wir von innen, diesmal mit deutschem Audio-Guide. Es diente über Jahrhunderte als zentraler Versammlungsort für Kaufleute und das gesellschaftliche Leben der Hansestadt. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde, erstrahlt es seit seiner Rekonstruktion im Jahr 1999 wieder im alten Glanz auf dem Rathausplatz.

Zunächst besichtigten wir den mittelalterlichen Keller, der als einziger Teil des Hauses die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden hat. Im Erdgeschoss können neben den schönen Räumen eine bedeutende Silbersammlung bewundert werden, die zu den größten und wertvollsten des Baltikums zählt. Im Obergeschoss erwartete uns der Prunksaal mit seinen beeindruckenden Deckenmalereien, Kristallleuchtern und Herrscherporträts. Hier wurden einst rauschende Feste gefeiert und viele berühmte Persönlichkeiten waren zu Gast: Könige, Staatsmänner und Komponisten wie Liszt oder Schumann.

Wir bummelten noch etwas über den Rathausplatz und machten uns dann auf die Suche nach einem guten Restaurant für das Mittagessen. Diesmal überließen wir nichts dem Zufall, sondern Udo suchte nach den Google-Bewertungen in Maps etwas für uns heraus. Unsere erste Wahl hatte leider geschlossen, aber in der Nähe war ein schnuckliges kleines Lokal, in dem wir den „Fisch des Tages“, Lachs mit gegrilltem Gemüse und einer fruchtigen Soße, aßen. Es war wirklich sehr gut!

Nachdem wir uns gestärkt und etwas ausgeruht hatten, gingen wir noch einmal zum Rathausplatz zurück, da sich dort die Touristeninformation befindet und wir uns über das heutige Programm zur Mittsommerfeier erkundigen wollten. Wir bekamen ein Infoblatt, aus dem wir erfuhren, dass bis 16 Uhr im Vermanes Park und den ganzen Nachmittag und Abend auf der anderen Flussseite auf dem Victory-Platz ein Markt und verschiedene Veranstaltungen stattfinden.

Wir spazierten noch eine Runde über den Domplatz, vorbei am Katzenhaus und der Kleinen Gilde, und begaben uns dann auf den Weg zum Verkanes Park. Dort spielten auf einer Bühne verschiedene Musikgruppen der umliegenden Universitäten. Zwei davon konnten wir noch hören, wobei die zweite und letzte des Nachmittagsprogramms richtig gut war. Wir suchten uns einen schattigen Platz, sodass wir das Konzert genießen konnten. In der prallen Sonne wäre es wirklich zu heiß gewesen.

Nun wollten wir zur Berta zurück, um uns dort noch etwas auszuruhen, bevor wir abends noch einmal loszogen, um das Mittsommerfest auf der anderen Flussseite mitzufeiern. Jetzt den richtigen Bus zu erwischen, gestaltete sich schwieriger als gedacht – trotz Maps. Es gibt nämlich jede Menge Haltestellen nacheinander an einem Platz oder einer Straße, und die Busse halten nur an einer von ihnen. Aber schließlich hatten wir es geschafft und waren um 16:45 Uhr wieder an der Berta.

Um 18 Uhr brachen wir erneut auf und erreichten den Victory-Park um 18:45 Uhr. Dort war einiges los, aber trotz des schönen Wetters war es nicht zu voll. Der Skater-Parcours war gut frequentiert, einige Kinder drehten auf Scootern ihre Runden über verschiedene Hindernisse hinweg. Wir gingen zum Markt, schlenderten hindurch und aßen an einer Bude gegrilltes Fleisch (Udo) sowie herzhafte, dunkle lettische Würste (Xenia) mit Sauerkraut, Bratkartoffeln und Pilzen. Dazu gab es eine Knoblauchsoße. Wir wählten den Stand mit dem größten Ansturm, und das Essen war auch recht gut.

Bevor das Abendprogramm losging, schauten wir noch einigen traditionellen Handwerkern und Handwerkerinnen bei ihrer Arbeit zu. Es gab viel zu bestaunen: Weben, Flechten, Klöppeln, Korbflechten, Schnitzen, das Herstellen kleiner Tiere aus Ton, Lederarbeiten ... An manchen Tischen konnten die Besucher auch selbst Hand anlegen.

Das Abendprogramm startete um 19:30 Uhr. Zunächst trat eine Gruppe von fünf Sängerinnen auf, die für unsere Ohren eine ziemlich schrille und schräge Vorstellung mit traditionellen nordischen Volksliedern gaben. Schade, dass wir nichts verstehen konnten, denn zu den Liedern gab es immer eine Erklärung. Danach kam eine etwas größere Folkloregruppe mit Instrumenten und Gesang auf die Bühne. Zunächst präsentierten sie Lieder im ähnlichen Stil wie die Gruppe zuvor. Dann spielten sie Volkstanzmusik und ermutigten die Zuschauer zum Mittanzen. Wenn wir unsere Rucksäcke mit den wichtigsten Utensilien, auf die wir gut aufpassen mussten, nicht dabei gehabt hätten, hätten wir auch mitgemacht. So blieb es beim Zuhören und Zuschauen.

Um 21 Uhr waren diese Darbietungen beendet und das Programm ging auf einer anderen Bühne weiter, wo eine Musikgruppe spielte. Wir gingen noch einmal zum Markt und kauften uns ein sehr gutes Eis. Anschließend hörten wir der Musikgruppe zu, aber ihre Musik gefiel uns nicht so gut.

Es waren verschiedene Feuerkörbe und ein großes Pagodenfeuer vorbereitet. Wann diese entzündet werden würden, wussten wir jedoch nicht. Die Veranstaltung sollte bis 2 Uhr dauern. Um 22 Uhr beschlossen wir, dass wir genug vom Mittsommerfest gesehen hatten, und machten uns auf den Heimweg.

Zuhause gab es noch eine Dusche, dann beendeten wir den Tag.


Sonntag, 21.06.2026 – Versorgungsvormittag in Riga, Sigulda Gutmannshöhle, Mittsommerfest auf Burg Turaida, Schloss Sigulda mit alten Burgruinen

Von Riga bis Sigulda – 54 km, Radrunde 15 km

Wetter: vormittags bewölkt und Regen, dann sonnig, abends gewittrig. Sehr schwül bei 23 Grad.

Heute verabschiedeten wir uns von Riga. Zuerst war es noch nur bewölkt und wir nutzten den Platz für ein paar Putzaktionen (Kühltasche, Kühlschrank, Bad und Boden). Ein Rohr unserer Warmwasserheizung hatte sich auf einer Seite gelöst; Udo kroch unter die Berta und machte es wieder fest, bevor mehr passieren konnte.

Natürlich bekam die Berta auch noch einen Rundum-Versorgungsservice (Wasser, Abwasser, Toilette). Leider war das Wasser in Riga ziemlich eisenhaltig, was erneut zu Problemen mit dem Piepser des Desinfizierers führte. Aber wir benötigten Wasser und wissen ja jetzt, was die Ursache des Piepsens ist. Es verschwindet hoffentlich wieder, wenn wir klareres Wasser nachtanken können.

Um 10:30 Uhr begann es zu regnen, gerade als wir fertig waren und starten wollten. Da Dienstag und Mittwoch hier Mittsommer-Feiertage sind, haben wir uns bei einem Lidl noch einmal mit allem eingedeckt, was wir in den nächsten Tagen benötigen. Sonntags hat hier alles ganz normal geöffnet. Nur an besonderen Feiertagen ist alles geschlossen, auch Museen und andere Sehenswürdigkeiten, für die man ein Eintrittsticket benötigt.

Dann ging es weiter nach Sigulda im Gauja-Nationalpark. Wir bekamen problemlos einen Parkplatz an der Seilbahn über die Gauja, wo wir auch über Nacht stehen bleiben können. Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel. Nur sehr schwül war es, so dass uns die 23 Grad richtig heiß vorkamen.

Für den späten Nachmittag waren vereinzelte Gewitter angesagt, doch wir wollten das schöne Wetter nutzen und entschieden uns für eine Radtour zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Region.

Los ging es auf einem Radweg neben der Straße bis zur Gutmanns-Höhle. Sie ist 18,8 Meter lang, 12 Meter breit und bis zu 10 Meter hoch – also sehr überschaubar. Trotzdem ist sie die größte grottenartige Höhle im gesamten Baltikum und gilt als die älteste touristische Sehenswürdigkeit Lettlands. Natürlich musste sie auch von uns besucht werden! Die Wände der Höhle sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Seit dem 17. Jahrhundert ritzen Besucher ihre Namen, Wappen, Initialen und Jahreszahlen in den weichen roten Sandstein. Diese historischen Inschriften stehen heute unter strengem Denkmalschutz.

Die Höhle ist zudem der Schauplatz einer der berühmtesten und tragischsten Liebesgeschichten Lettlands, der Legende über die “Rose von Turaida”: Im Jahr 1620 wurde das wunderschöne Mädchen Maija (bekannt als die „Rose von Turaida“) von einem abgewiesenen Soldaten mit einem gefälschten Brief ihres Liebsten in die Höhle gelockt. Um ihre Ehre zu verteidigen, täuschte sie vor, ein Zauberhalstuch zu besitzen, das unverwundbar macht. Sie forderte den Soldaten auf, es mit dem Schwert zu testen – und starb bei dem Hieb. So rettete sie mit ihrem Tod ihre Ehe und blieb ihrem Verlobten treu. Ihr Grab befindet sich nahe der Burg Turaida. Es ist bis heute Brauch, dass lettische Hochzeitspaare an ihrem Hochzeitstag dort Blumen niederlegen.

Wir schafften gerade eine kleine Runde durch die Höhle, dann kam eine Reisegruppe an und alles war voller Menschen. Wir stiegen noch zur Viktorhöhle hinauf, die sich direkt neben der Gutmannshöhle befindet und nicht mehr als eine kleine Aushöhlung ist.

Nur wenige Kilometer weiter, die wir wieder auf dem Radweg neben der Straße zurücklegen konnten, befindet sich der Parkplatz zur Burg Turaida. Die markante Festung aus rotem Backstein thront auf einem bewaldeten Hügel hoch über dem Tal des Flusses Gauja und ist eine der bekanntesten und beliebtesten mittelalterlichen Burgen Lettlands. Ihr Bau wurde im Jahr 1214 im Auftrag von Bischof Albert von Riga begonnen. Sie wurde genau an der Stelle errichtet, an der zuvor die hölzerne Festung des Liven-Königs Kaupo gestanden hatte. Über Jahrhunderte diente die Anlage als wichtiger wirtschaftlicher Stützpunkt und als Bischofsresidenz der Rigaer Erzbischöfe. Im Jahr 1776 zerstörte ein verheerender Großbrand fast die gesamte Anlage, woraufhin sie nicht wieder aufgebaut wurde und über die Jahrhunderte verfiel. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Burg durch umfassende archäologische Ausgrabungen und historische Rekonstruktionen wieder zum Leben erweckt.

Heute herrschte im Burgpark reges Treiben – Mittsommerfest! Es gab einen Markt, auf dem verschiedene Handwerker ihre Waren feilboten. Irgendwelchen chinesischen Krimskrams gab es hier nicht. Außerdem konnte man an verschiedenen Stellen Blumen-, Gras- und Laubkränze flechten. Viele Menschen liefen in historischen Gewändern und mit solchen Kränzen geschmückt herum. Auf einer Bühne wurde gesungen und gespielt, davor getanzt. Es gab teilweise Tanzdarbietungen, aber mehr noch Mitmachtänze für jedermann. Xenia hat einmal mitgetanzt, was bei dem schwülen Sommerwetter jedoch sehr anstrengend und schweißtreibend war.

Viele Menschen in Tracht und gemeinsames binden von Midsommerkränzen. Man setzte siche einfach dazu.

Die Familen saßen zusammen und warteten auf den nächsten Auftritt.

Zu kaufen gab es Handgemachtes, wie gewebte Kleider, gestickte Tücher, Holz- und Metallarbeiten, Gebackenes, Käse, Honig und Marmeladen. (Kein einziges Platik-Chinaramsch-Teil)

Die Tänze und Trachten erinnerten uns sehr an unsere Zeit bei den Volkstänzern.

Natürlich besuchten wir auch die Burg, stiegen auf den Burgturm und durchstreiften einige Museumsräume. Vom Museum haben wir nicht allzu viel verstanden, aber die Aussicht vom Turm war klasse.

Auf dem Rückweg verbrachten wir nochmals ein paar Minuten vor der Bühne. Dann stiegen wir wieder auf die Räder und fuhren zum Herrenhaus Krimulda. Inzwischen war der Himmel an manchen Stellen schwarz geworden, und wir schätzten uns glücklich, dass wir an den Schauern und Gewittern vorbeikamen, ohne vom Regen überrascht zu werden. Unweit vom Herrenhaus befindet sich die unserem Parkplatz gegenüberliegende Seilbahnstation der Seilbahn über die Gauja. Wir dachten zuerst, das sei ein Aussichtsturm, aber dann konnten wir das Seil und auch die Bahn erkennen.

Nun ging es wieder in Serpentinen hinunter bis zur Gauja und auf der anderen Flussseite hinauf nach Sigulda. Hier erlebten wir mal mit dem Rad die unendlich geraden Straßen.

Dort machten wir noch einen letzten Abstecher zum Schloss und zur alten Burgruine dahinter. Inzwischen hatte alles geschlossen, was für uns bedeutete, dass wir die Ruine ohne Eintritt durchstreifen konnten. Von dort aus hatten wir einen schönen Ausblick, insbesondere auf die rote Burg Turaida.

Nun war es nur noch ein kurzes Stück zurück zur Berta. Kaum hatte Udo die Räder aufgeräumt und die Tür geschlossen, begann es zu regnen. Nicht viel, aber ziemlich überraschend. Uns machte es nichts mehr aus. Wir duschten uns den Schweiß vom Leib und verbrachten den Abend im Trockenen, während draußen Gewittergrollen zu hören war und immer wieder ein paar Tropfen fielen.


Montag, 22.06.2026 – Archäologischer Park Āraiši, Höhle Liela Ellite, Licu-Langu Felswand, Fahrt zurück ans Meer

Von Sigulda über Liepa bis Tuja – 141 km, Wanderung 6,5 km

Wetter: sonnig, 24 Grad

Schon am gestrigen Nachmittag hatte Xenia Probleme mit dem Magen bekommen. Immer wieder stach es, aber da es auch gleich wieder vorbei war, beachtete sie es wenig. Abends nahmen die Beschwerden aber leider zu und die Magenkrämpfe hielten Xenia bis 3 Uhr wach. Morgens war es etwas besser, aber noch nicht gut. So war für Xenia heute Diät angesagt.

Da wir direkt auf dem Parkplatz der Seilbahn standen, die die beiden Seiten des Gauja-Tales verbindet, schauten wir uns noch die Seilbahnstation von der Nähe an und waren dabei als gerade die Gondel ihren Weg auf die andere Seite startete. Der Imbis hatte so nette Sitzplätze, die sollte man direkt nachbauen.

Bei schönstem Wetter fuhren wir zum Archäologischen Park Āraiši, einem der wenigen Orte, die montags geöffnet haben. Als wir dort ankamen, waren wir die Einzigen und das Kassenhäuschen war nicht besetzt. Die Tore waren aber alle offen, sodass wir das Gelände durchstreifen konnten.

In der Mitte des Freilichtmuseums befindet sich ein See mit Rekonstruktionen einer befestigten Inselsiedlung aus dem 9./10. Jahrhundert. Daneben, am Seeufer, stehen noch ein paar Überreste einer Burg aus der Zeit des 14. bis 17. Jahrhunderts.

Als wir wieder zurück an der Berta waren, waren noch ein paar weitere Autos auf dem Parkplatz angekommen, aber immer noch war die Kasse unbesetzt. So bekamen sie heute kein Geld von uns.

Unser nächstes Ziel war Liepa mit der Höhle Liela Ellite (Teufelsofen) und den Langu-Licu Felswänden. An Cesis fuhren wir nur vorbei, da die Burg montags geschlossen hat. Ansonsten hat Cesis wohl nicht viel zu bieten. Da wollten wir das herrliche Wetter doch lieber für eine Wanderung in der Natur nutzen.

Zuerst fuhren wir direkt zur Liela Ellite. Bei der Höhle gibt es einen Parkplatz, und so konnten wir uns ein paar Kilometer Wanderung einsparen.

Die Sandsteinhöhle ist eine historische Kultstätte und ein beliebtes Ausflugsziel. An den Wänden befinden sich eingekratzte Inschriften, von denen die ältesten aus dem Jahr 1500 stammen. Aus dem Inneren der Höhle entspringt eine ganzjährig fließende Quelle, die als heilig galt. Vor der Höhle befindet sich Lettlands einzige natürliche Sandstein-Arkade: eine dreifache Bogenstruktur, die durch unterirdische Quellen ausgewaschen wurde.

Nachdem wir die Höhle ausgiebig erkundet hatten, fuhren wir 2 Kilometer zurück an den Start des Langu-Licu-Trails. Es handelt sich hierbei um eine 6-km-Rundwanderung, die vorbei an den Langu-Licu Felswänden bis zur Gauja führt. Über einen Kilometer führt der Weg an der bis zu 30 Metern hohen steilen Sandsteinwand vorbei. Am Fuß der Felswände entspringen rund 20 natürliche Quellen. Durch deren Auswaschungen sind mehrere Höhlen und Nischen entstanden. Der Weg war schön, aber nicht mit den Felsenlabyrinthen in Tschechien oder Luxemburg vergleichbar. Da sind wir inzwischen wohl schon etwas verwöhnt.

Xenias Magen machte noch ziemlich Zicken, als wir loswanderten, beruhigte sich dann aber mehr und mehr. Die 2 Stunden Laufen waren trotzdem Anstrengung genug und als wir um 16:45 Uhr wieder an der Berta waren, gab es eine Stunde Schlafen und eine Dusche. Danach waren wir wieder fit und Xenia ging es viel besser.

Nach einigem Überlegen entschieden wir, wieder an die Küste zu fahren. Einen Eindruck vom Gauja Nationalpark hatten wir gewonnen und wir vermuteten, dass bei noch mehr Wanderungen nicht allzuviel Neues dazukäme.

So fuhren wir am Abend noch nach Tuja und übernachteten auf einem kleinen Parkplatz für Strandbesucher.

Nach einem Vesper für Udo und Nudelsuppe für Xenia machten wir einen kleinen Abendspaziergang an den Strand und zum Meer. Inzwischen hatte es deutlich abgekühlt und es wehte ein frisches Lüftchen. Es wurde uns schnell kalt, daher gingen wir schon nach wenigen Minuten wieder zurück zur Berta.


Dienstag, 23.06.2026 – Veczemju Klippen, Pärnu

Von Tuja über Pärnu bis Tori - 193 km, Stadtspaziergang 5 km

Wetter: sonnig, 20 Grad

Nachdem alle Strandbesucher abgefahren waren, war es total ruhig auf unserem Platz und wir schliefen bis 8:45 Uhr – eine Stunde länger als üblich.

Wir entschieden uns, heute nach Pärnu zu fahren und dort zu schauen, ob wir noch einmal an einer Mittsommerfeier teilnehmen können. Google-Recherchen hatten ergeben, dass in Valgeranna, gleich neben Pärnu, ein großes Festival stattfindet.

So machten wir uns um 10 Uhr auf gen Norden. Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp bei den Veczemju Klippen ein. Überrascht waren wir, als wir vorne am Meer am Parkplatz ankamen. Hier gab es einen Waldcampingplatz, auf dem eine Menge los war. Eine große Anzahl an Zelten war im Wald aufgebaut. Auf dem Parkplatz durfte man nur bis 19 Uhr parken, danach war hier Fest.

Wir gingen vor an den Strand, drehten aber nochmals um, um uns eine Jacke zu holen. Nur im T-Shirt war es zu frisch. Außerdem hatten wir keine Klippen gesehen. Wir fragten eine Frau, die mit ihren Freundinnen beim Parkplatz saß und gut Deutsch konnte, nach dem Weg. Sie schickte uns 200 Meter weiter und da wurden wir dann auch fündig.

Die Wellen der Ostsee haben hier ein bis zu 6 Meter hohes Steilufer geformt, an dem auf einer Länge von mehreren hundert Metern rote Sandsteinfelsen freiliegen. Die Klippen sind durchzogen von Nischen, Grotten und anderen Auswaschungen. Xenia hatte tolle Bilder im Internet gesehen, in der Realität war es nicht ganz so spektakulär und leider lagen die Klippen auch im Schatten.

So waren wir recht schnell mit unserer Besichtigungsrunde fertig und fuhren weiter über die Grenze nach Estland. An Pärnu, Estlands Sommerhauptstadt, fuhren wir erst einmal vorbei, um nach Valgeralla, westlich der Stadt, zu gelangen. Eigentlich wollten wir hier nur auf einen Parkplatz, aber Udo hatte aus Versehen einen Campingplatz ins Navi eingegeben. Als wir den Irrtum vor Ort bemerkten, machte Udo aus der Not eine Tugend, ging zur Rezeption und fragte ein nettes junges Mädel, wo denn die Mittsommerveranstaltung sei. Sie antwortete, dass es hier in Valgeralla ein Rock- und Popfestival geben wird. Das war jetzt nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Sie zeigte Udo aber auf der Karte einen Platz in Paikuse, einem Vorort genau auf der anderen Seite von Pärnu, wo eine traditionelles Folkloreveranstaltung stattfinden sollte.

Also fuhren wir zurück, wieder um Pärnu herum, und fanden den Platz auch. Allerdings hatte das Fest schon gestern stattgefunden, heute stieg nur noch etwas Rauch aus der Feuerstelle. Wir erkundigten uns wieder bei einer Frau, die neben uns einparkte, und sie fand für uns heraus, dass im Weiterbildungszentrum Nooruse Maja in Pärnu ab 19 Uhr ein Mittsommer-Brauchtumsabend stattfinde.

Wir fanden in Park4night einen Parkplatz bei einer Brücke über den Pärnu-Kanal, von dem aus das Zentrum zu Fuß erreichbar ist. Dorthin fuhren wir – wieder die A4 zurück. Inzwischen kannten wir uns ganz gut aus auf dieser Strecke. An der Brücke angekommen, war es 14:30 Uhr und Xenia machte erst einmal etwas zum Essen. Udo führte in dieser Zeit eine kleine Reparatur am Router durch, der wohl einen Wackelkontakt hatte und immer wieder ausfiel.

Um 15:30 Uhr brachen wir auf zu einem Stadtspaziergang durch Pärnu, zuerst vor an den Strand und dann durch die Altstadt zurück. Immer wieder begegneten wir Elefanten. Sie sind die Maskottchen von Pärnu und man findet sie zuhauf in der Stadt. Der Legende nach soll der berühmte Heilschlamm der Region durch Elefanten entstanden sein, die über Jahrzehnte im Meer gestampft haben.

Um 17 Uhr waren wir wieder an der Berta und machten uns einen Kaffee. Anschließend gab es eine Erholungspause bis kurz vor 19 Uhr – Zeit für den Mittsommerabend.

Im Innenhof des Kulturzentrums war eine Bühne aufgebaut. Als wir ankamen waren schon viele Besucher da, aber wir bekamen sogar noch einen Platz in der ersten Reihe. Wenn wir schon nichts verstehen konnten, dann wollten wir doch wenigstens etwas sehen! Von den einführenden Worten haben wir natürlich nichts verstanden, aber dann trat eine Volkstanzgruppe auf, die etwa das Niveau von den Sontheimer Volkstänzern hatte. Sie tanzten zu nationalen und internationalen Hits in zwei Blöcken mit unterschiedlichen Trachten. Nach einer Stunde waren sie fertig. Jetzt kamen 2 Gitarristen auf die Bühne, die mit Playback-Unterstützung zum Tanz aufspielten. Schnell füllte sich die Tanzfläche und es deutete alles darauf hin, dass das bis zum Ende des Abends so weitergehen würde. Wir schauten noch eine halbe Stunde zu, dann verließen wir die Veranstaltung und gingen zurück zur Berta.

Der Platz an der Brücke war vor allem Xenia zu laut zum Übernachten, deshalb fuhren wir noch eine halbe Stunde in Richtung Soomaa-Nationalpark und übernachteten auf einem Friedhofsparkplatz in Tori. In Tori gab es auch ein öffentliches WC-Haus mit Wasserspülung, das wir zur Toilettenentleerung nutzen konnten. Das war nämlich auch dringend wieder nötig.

Xenias Bauch hatte den ganzen Tag Ruhe gegeben, aber jetzt am Abend kamen die Krämpfe wieder. Hoffentlich geht das nicht wieder die halbe Nacht so weiter ...


Mittwoch, 24.06.2026 – Tori Pörgu, Soomaa Nationalpark, Fähre nach Muhu, Üügu Klippen

Von Tori in den Soomaa Nationalpark, weiter bis zu den Üügu Klippen - 164 km, Wanderung Ingatsi Trail 4 km

Wetter: vormittags Regen, nachmittags bewölkt, abends sonnig

Xenia hatte leider bis 2:30 Uhr Magenkrämpfe, aber dann konnte sie schlafen. Am Morgen war es vorbei und es blieb auch den ganzen Tag über gut.

Der Regen war nicht zu überhören, der beim Aufwachen aufs Bertadach trommelte. Nun ja, so war es angesagt gewesen.

Als der Regen nach dem Frühstück etwas nachließ, zogen wir Regenjacken an, schnappten unsere Regenschirme und machten uns auf in die “Tori-Hölle” (Tori Pörgu). Direkt hinter unserem Parkplatz führten Stufen hinunter ans Flussufer.

Tori Põrgu (deutsch: die „Tori-Hölle“) ist eine bekannte Höhle und Sandsteinklippe in der Gemeinde Tori am linken Ufer des Flusses Pärnu. Man kann auf aufgestellten Tafeln mancherlei Sagen, Mythen, Geschichten und Gedichte über einen schelmischen, guten Teufel lesen, der hier gelebt und Menschen und Tieren geholfen haben soll. Seine Höhle ist heute aber eingestürzt und kann nur noch von außen besichtigt werden, zusammen mit den Sandsteinklippen am Flussufer. Diese liefen wir unten am Flussufer einmal ab und kehrten oben wieder zur Berta zurück.

Im Regen fuhren wir in den Soomaa Nationalpark zum Startparkplatz für den Ingatsi-Trail. Die letzten drei Kilometer mussten wir auf einer unbefestigten Straße fahren, die heute matschig und voller Regenlöcher war. Außerdem war die Straße so eng, dass wir einmal ein Stück rückwärts zurück fahren mussten, als ein Auto entgegenkam.

Um 11:30 Uhr waren wir am Ziel und es regnete immer noch. Wir hofften, dass der Wetterbericht stimmte und es ab 13 Uhr wieder trocken war. Xenia kochte Nudelsuppe mit Karotten, danach gab es eine Lese- und Ruhepause.

Tatsächlich, um 12:30 wurde der Regen weniger und hörte kurze Zeit später auf. Auch wenn kein weiterer Regen mehr angesagt war, trauten wir dem Wetter nicht so ganz und nahmen Regenschirme auf die kleine Wanderung mit. Wir haben sie nicht gebraucht.

Der Ingatsi-Trail führte uns durch einen richtigen Urwald zu einem Moor. Alles war satt grün und die Nässe und die klare, kühle Luft hatten durchaus auch ihren Reiz. Die Vögel zwitscherten schon wieder und auf dem kleinen Waldwegchen zu gehen, das ab und zu über eine kleine Brücke oder einen Damm im Wald führte, war sehr schön.

Dann bog der Weg ab in ein Moor und wurde zu einem Bohlenweg. Am Anfang des Moorgebiets befand sich ein Aussichtsturm, den wir natürlich besteigen mussten. Außer dem Bohlenweg war nur unberührte Natur um uns herum.

Ein Stück kann man ins Moor hineingehen bis zu ein paar Mooraugen, in denen man auch baden darf. Heute war es mit 15 Grad aber etwas zu frisch dafür, auch wenn das Moorwasser gar nicht kalt, sondern angenehm temperiert war.

Nun hieß es wieder umkehren und die Runde im Wald zurück zur Berta fortzusetzen. Wie schön, dass wir diese Wanderung noch unternehmen konnten und so den Soomaa Nationalpark mit seiner üppigen Natur ein bisschen kennenlernen durften.

Wir entschlossen uns zur Weiterfahrt auf die Inseln vor der Westküste Estlands. Die Wege zu den anderen Trails im Nationalpark waren auch schlammig und Xenia wollte sich heute nicht zu viel zumuten. So fuhren wir um 15 Uhr wieder zurück nach Pärnu und weiter an die Westküste Estlands nach Virtsu. Von dort setzten wir mit der Fähre über nach Kuivastu auf der Insel Muhu. Wir hatten Pech: die Fähre fuhr uns direkt vor der Nase davon. Das Auto vor uns erwischte die Fähre noch, wir wurden nicht mehr durchgelassen. So mussten wir 30 Minuten auf die nächste Fähre warten, was im Wohnmobil auch nicht schlimm war. Xenia aß noch einen Rest Nudelsuppe von Mittag. Sie hatte da nur eine kleine Portion zu sich genommen, da sie nicht sicher war, wie ihr Magen aufs Essen reagiert. Aber es war alles gut gegangen und jetzt hatte sie Hunger.

Um 17:30 Uhr waren wir auf Muhu und fuhren in den Norden der kleinen Insel zu den Üügu Klippen. Diese Steilküste ist ein Kalkstein- und Dolomitkliff. Da das Meer über Jahrtausende direkt an das Gestein schlug, hat die Brandung den weichen Stein unterhöhlt und teils höhlenartige Nischen geformt. Wir gingen zuerst einen schmalen Pfad auf dem Kliff entlang mit Blick über die Ostsee. Zurück wählten wir einen Pfad am Fuß des Kliffs und konnten so die Höhlungen aus der Nähe begutachten.

Als Übernachtungsplatz hatten wir uns den nördlichsten Zipfel von Muhu ausgesucht, wo wir die Berta mit Meerblick abstellen konnten. Ein Hamburger Wohnmobil war schon dort, als wir ankamen, aber sie haben den schönsten Platz uns überlassen.

Nach einem kleinen Gang zum Meer gab es Abendessen mit Meerblick – allerdings in der Berta. Draußen sitzen war trotz Sonnenschein wegen dem kalten Wind, der hier wehte, nicht angesagt.

Der Himmel blaute immer mehr aus und unser Stellplatz war der ideale Sonnenuntergangsplatz. Wie schön!


Donnerstag, 25.06.2026 – Muhu: Liiva Bäckerei, Freilichtmuseum; Saaremaa: Koigi Hochmoor Bog Trail, Kaali Krater

Von Üügu bis Kuressare - 102 km, Bog Trail 6 km

Wetter: heiter bis wolkig, nachmittags ein kurzer Schauer, 23 Grad

Wir erwachten mit herrlichem Ausblick aufs Meer, Vogelgezwitscher und Sonnenschein. Wir hatten uns wirklich einen wunderschönen Platz zum Übernachten ausgesucht und genossen die Aussicht und die Ruhe um uns herum zum Frühstück.

Unser erster Anlaufpunkt war die in allen Reiseführern aufgelistete Bäckerei Pagarid in der zentralen Stadt Liiva. Hier wollten wir das berühmte Schwarzbrot von Muhu kaufen, das direkt aus dem Ofen kommt und noch warm in einer Papiertüte verkauft wird. Wir nahmen auch noch ein Bananebrot mit und freuten uns schon aufs Probieren. Das musste allerdings noch etwas warten, da wir gerade erst gefrühstückt hatten.

Nachdem wir uns noch ein bisschen auf dem Platz umgeschaut hatten, fuhren wir weiter zum Muhu Museum, einem sehr schönen Freilichtmuseum mit Häusern, wie sie früher auf den estnischen Inseln gebaut und bewohnt wurden. Das Museum öffnete um 10 Uhr. Fünf Minuten vorher waren wir auf dem Parkplatz und die ersten und vorerst einzigen Besucher. Die strohgedeckten Häuser waren schnucklig anzusehen, aber wenn man sich vorstellt, darin leben zu müssen, dann ist man doch wieder froh ums eigene Heim. Die Räume waren schon sehr klein und niedrig. Auch eine Schule wurde von Saaremaa hierher transportiert und wieder aufgebaut. Neben dem Inventar waren noch originale Schulbücher zu sehen. Eines für den Deutschunterricht fanden wir besonders spannend, ebenso wie die originalen handgeschriebenen Schülerhefte. In einem weiteren Gebäude waren Kleider und Trachten ausgestellt und man konnte sehen, wie sie sich in den letzten 150 Jahren bis heute entwickelt haben. Es war wirklich ein sehr schönes Freilichtmuseum! Als wir es verließen, kam gerade ein Bus auf dem Parkplatz an und spuckte eine größere Reisegruppe aus. Wie gut, dass wir vor ihnen da gewesen waren!

Jetzt verließen wir Muhu und fuhren über einen Steg auf die größere Nachbarinsel Saameraa. Das Wetter war ideal zum Wandern und so fuhren wir zum Koigi Hochmoor, um dort durchs Moor und um einen kleinen See herum zu laufen. Am Parkplatz angekommen, testeten wir das Bananenbrot mit einer Tasse Kaffee. Sehr lecker! Es hat uns etwas an unseren “Hermann”-Kuchen erinnert.

Inzwischen hatte sich der Himmel bewölkt, was aber zum Wandern sehr angenehm war. Der Weg führte zuerst durch einen Wald, dann hinaus aufs Moor. Wir hatten wohl Hüte dabei, aber der himmlische Sonnenschirm war trotzdem willkommen. Die Temperatur war mit 23 Grad ideal, aber es war etwas schwül. Wieder ging es auf einem Bohlenweg durchs Moor und um den See herum. Udo hatte die Susi dabei und übte, sie hinter uns herfliegen zu lassen. Auf dem letzten Stück zurück durch den Wald wurden wir von Mücken regelrecht umschwärmt. Zum Glück hatten wir uns mit Mückenschutz eingesprüht, sonst wären wir übel zugerichtet worden. Auf dem Hinweg war uns das gar nicht so aufgefallen, aber da waren wir auch noch nicht so verschwitzt wie auf dem Rückweg.

Auf dem Parkplatz retteten wir uns in die Berta und machten, dass wir davon kamen. Es war erst kurz nach 15 Uhr, so fuhren wir noch nach Kaali, wo es einen Meteoritenkrater und ein dazugehöriges Meteoritenmuseum gibt. Um 15:45 Uhr kamen wir dort an. Heute war es Xenia, die sich gerne noch ein bisschen ausruhen wollte, bevor wir zum Krater gingen. Udo hatte nichts dagegen und so legten wir uns eine halbe Stunde in unsere Betten.

Das Meteoritenmuseum war ein Witz. Wir waren gerade mal 10 Minuten drin, hatten aber auch nur 1,50 € Eintritt bezahlen müssen. Zum Krater waren es nur 200 Meter. Wir waren noch am Weg suchen, als ein Reisebus ankam und die Reisegruppe regelrecht zum Krater stürmte. Sie hatten wohl nur 10 Minuten Zeit und waren schnell wieder verschwunden. Als wir am Krater waren, fing es leicht zu tröpfeln an. Wir umrundeten den Kratersee ohne große Eile und aßen ein Eis dabei.

Nun hatten wir genug für heute und entschieden uns, auf einen privaten Wohnmobilplatz in Kuressaare, der Hauptstadt von Saaremaa, zu fahren. Seit Riga hatten wir kein frisches Wasser mehr getankt und alles wieder aufzutanken und frisch zu machen, bot sich an vor der Weiterfahrt in Gegenden ohne Infrastruktur.

Wir waren keine fünf Minuten gefahren, da kamen wir durch einen Regenguss. In Kuressaare schien wieder die Sonne. Wir tankten Sprit und AdBlue und fuhren weiter zu einer Station, wo man Gas nachfüllen kann (eine Gasflasche war leer). Leider hatte diese schon geschlossen. Sie war aber nur 500 Meter vom Wohnmobilstellplatz entfernt, da können wir morgen nochmals vorbeifahren.

Der Stellplatz war in einem privaten Garten und von den zehn zur Verfügung stehenden Plätzen waren nur zwei belegt. So konnten wir uns ein schönes Plätzchen aussuchen, Tisch und Stühle rausstellen und gemütlich zu Abend essen. Jetzt probierten wir das Brot aus Muhu und fanden auch dieses sehr lecker. Es war sehr saftig und leicht süß – wir vermuteten Feigen oder Ähnliches darin, denn wir bissen auf kleine Kernchen, die im Mund krachten.

Zum Tagesabschluss nutzten wir die Dusche des Platzes und wuschen ein paar T-Shirts und etwas Unterwäsche.


Freitag, 26.06.2026 – Kuressaare, Sörve Leuchtturm, Steinmännchenstrand bei Ohessaare

Von Kuressaare bis Ohessaare Steinmännchenstrand – 66 km

Wetter: sonnig, 25 Grad

Heute hatten wir den ganzen Tag Sonne pur. Vormittags benötigten wir einige Zeit, um unsere Versorgung zu machen. Zuerst auf dem Stellplatz: Wasser ablassen und neu tanken, Klo leeren und die gewaschene Wäsche in der Berta aufhängen. Sie war leider am Morgen gefühlt noch genauso nass wie am Vorabend, als Xenia sie aufgehängt hatte. So kamen Udos T-Shirts in die Dusche und die Unterwäsche wurde am Wäschetrockner an der Türe aufgehängt.

Wir verließen unseren Platz und fuhren zuerst zum Gastanken. Das hat prima funktioniert und wir verließen den Händler mit zwei vollen Gasflaschen. Dann kamen die Lebensmittel dran: Beim Lidl kauften wir Milchprodukte, Obst, Gemüse und ein paar Backwaren.

Jetzt waren wir bestens für die nächsten Tage ausgerüstet und fuhren in die Stadt. Ganz in der Nähe des Schlosses, kurz vor der Suur Tõll und Piret Skulptur, gibt es einen Parkplatz mit ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen. Wir bekamen tatsächlich noch einen und starteten von dort aus unsere Runde.

Zunächst schauten wir uns die beeindruckende Skulptur von Suur Tõll und Piret aus der Nähe an. Sie zeigt den mythologischen, gutmütigen Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In der estnischen Mythologie war Suur Tõll der Herrscher und Schutzpatron von Saaremaa. Er verteidigte die Insel gegen Feinde, liebte Kohl und besaß enorme Kräfte. Seine Frau Piret unterstützte ihn stets tatkräftig bei seiner Arbeit. In der Skulptur tragen die beiden ein Boot voller Fische, was den traditionellen Fischfang und den Zusammenhalt der Inselbewohner symbolisiert.

Nach einem kurzen Abstecher zum Stadtstrand von Kuressaare gingen wir aufs Schlossgelände. Man kann auf den Wällen ums Schloss herumgehen. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Windmühle, der wir einen kurzen Besuch abstatteten.

Dann gingen wir ins Schloss, in dem sich heute das Saaremaa-Museum befindet. Schloss Kuressaare, auch als Bischofsburg Arensburg bekannt, ist die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im Baltikum. Das imposante Bauwerk stammt aus dem 14. Jahrhundert und diente einst als Residenz für die Bischöfe von Ösel-Wiek. Der Kern der Anlage besteht aus einem quadratischen Konventshaus im spätgotischen Stil, flankiert von massiven Wehrtürmen.

Das Saaremaa-Museum im Inneren des Konventshaus ist eines der ältesten und größten Museen Estlands. Es zeigt Ausstellungen zur Regionalgeschichte von der Urzeit bis zur jüngeren sowjetischen Vergangenheit der Insel. Ein ziemliches Armutszeugnis ist es, dass es kostenpflichtige Audioguides zu dieser großen Ausstellung nur auf Englisch, Estländisch und Russisch gibt.

Wir liehen uns trotzdem zwei Geräte auf Englisch, was aber ziemlich mühsam und frustrierend auf der Besichtigungstour war. Wir haben vieles nicht verstanden. Dazu kam, dass das Museum heute gut besucht war. Neben einer stattlichen Anzahl von “normalen” Besuchern durchstreiften auch viele Jugendliche in Gruppen die Räume. Keine Ahnung, wer diese Gruppen waren – gerade sind doch Sommerferien in Estland. Die Burgräume waren schon imposant, aber Xenia hat dieser Museumsbesuch gar nicht gefallen und sie war froh, als wir wieder draußen waren.

Die Stimmung war eher mies, trotz dem herrlichen Sommerwetter. Wir machten noch einen Abstecher in die Innenstadt und kauften auf einem kleinen Markt ein Kilo Erdbeeren aus Saarema. In der Berta wurden diese gleich eingezuckert, dann fuhren wir weiter, wieder in die Natur und ans Meer. Wir sind halt doch nicht die Stadtmenschen ...

Unser Ziel war jetzt die südlichste Spitze der Insel. An der Ostküste fuhren wir auf einer asphaltierten Straße die langgezogene südliche Landzunge von Saaremaa hinunter bis zu einem Parkplatz beim Leuchtturm Sörve. Dort waren wir nicht die Einzigen, aber der Besucheransturm hielt sich in Grenzen.

Der Leuchtturm hat eine Höhe von 52 Metern. Um die Aussichtsplattform zu erreichen, müssen 248 Stufen erklommen werden, was uns ganz schön zum Schnaufen gebracht hat. Aber der Rundumblick von oben war die Anstrengung wert.

Wieder unten angekommen machten wir einen Abstecher bis ganz nach vorne zum Kap. Dort konnten wir kleineren Vögeln zusehen, wie sie sich kopfüber wie ein Stein ins Wasser fallen ließen und, wenn sie dabei erfolgreich gewesen waren, mit einem kleinen Fisch im Schnabel wieder auftauchten und davonflogen. Meistens brauchte es aber mehrere Versuche, bis ein Fischfang klappte.

Nach der Rückkehr zur Berta machten wir uns eine Pizzaschnitte in der Pfanne warm und aßen die Erdbeeren mit Joghurt als Nachtisch.

Nun musste wieder die tägliche Frage beantwortet werden: Wo wollen wir die Nacht verbringen? Sollen wir auf dem Leuchtturmparkplatz bleiben oder noch ein Stück weiterfahren? Wir entschieden uns fürs Weiterfahren, aber nur noch ein kurzes Stück. Vor der Ohesaare-Küste gab es neben der Straße einen Platz, wo Leute mit den Steinen, die es dort am Strand gibt, ein Meer von Steinmännchen gebaut haben. Dort stellten wir uns hin. Ein Tübinger Ehepaar war schon hier, aber sie störten uns nicht. Wir unterhielten uns noch ganz nett mit ihnen, dann quartierten wir uns in einer kleinen Nische ein.

Es war inzwischen 18 Uhr geworden, die Sonne war nicht mehr so heiß und es war so schön, im Liegestuhl zu sitzen, aufs Meer zu schauen oder einfach nur mit geschlossenen Augen die Sonne im Gesicht zu genießen. Es wehte ein leichtes Lüftchen, wodurch es nicht zu heiß wurde.

Um 19 Uhr aßen wir noch eine Kleinigkeit, dann wurde es kühl und wir zogen uns in die Berta zurück. Der Himmel war den ganzen Tag über strahlend blau gewesen, aber jetzt zogen am Horizont ein paar Wolken auf, und das ausgerechnet am Sonnenuntergangshimmel! Echt schade! So fiel der grandiose Untergang der Sonne ins Meer, auf den wir uns schon gefreut hatten, heute leider aus. Udo machte trotzdem ein paar Drohnenaufnahmen, es bot sich bei dem Platz einfach an.


Samstag, 27.06.2026 – Panga Steilküste, Meerbaden am Tuhkana Strand

Vom Steinmännchenplatz in Ohessaare bis Meiuste – 118 km

Wetter: Vormittags Schauer, dann sonnig und etwas schwül – 25 Grad

Wir erwachten bei Sonnenschein, aber schon während des Frühstücks zogen Wolken auf, und als wir um 10 Uhr losfuhren, hatte es angefangen zu regnen. Vor der Abfahrt hatten wir uns noch um die Fähre zur nächsten Insel Hiiumaa gekümmert und herausgefunden, dass für heute keine Tickets mehr für Fahrzeuge online zu buchen waren. Da wir uns nicht darauf verlassen wollten, direkt vor Ort noch ein Ticket zu bekommen, buchten wir die erste Fähre für den nächsten Tag (Sonntag 9:30 Uhr).

Heute wollten wir zur Panga Steilküste und mussten dafür die Saaremaa einmal von Süden nach Norden durchqueren. Während der Fahrt regnete es, erst 15 Minuten vor dem Ziel hörte es auf.

Um 11:30 Uhr kamen wir am Panga Cliff an und machten uns zuerst einen Kaffee mit einem süßen Stückle, um gestärkt für die anstehende Wanderung zu sein. In dieser Zeit füllte sich der Parkplatz mehr und mehr. Als wir losmarschierten schien bereits die Sonne, aber es war durch die Nässe des Regens ziemlich schwül – trotz leichter Brise. Wir gingen vor zur Küste und tatsächlich! Heute konnte man von einer Steilklippe sprechen. Nicht gigantisch, aber immerhin bis zu einer Höhe von 21 Metern ragt die Kalksteinwand direkt am Ostseestrand über eine Länge von 2,5 Kilometern empor.

Der Wanderweg führt oben an der Klippe entlang, allerdings meistens im Wald, so dass man auf dem Weg wenig Aussicht hat. Es gibt aber immer wieder kleine Abstecher vor an den Abhang.

Am Ende eines diesen Abstechers gab es eine marode, wacklige, mehrteilige Holzleiter und ein an einen Baum gebundenes Seil. Wer mutig war, konnte sich hier zum steinigen Strand abseilen. Wir waren mutig und kamen auch heil unten an.

Der schmale Strand war zwar steinig und nicht so bequem zu begehen wie der Wanderweg oben, aber dafür konnten wir jetzt die Steilwand sehen und an ihr entlanggehen. Das taten wir fast zwei Kilometer, bis wir an einem kleinen Bootsanleger zu einer schönen privaten Holztreppe kamen. Bevor wir diese hochstiegen machten wir unten eine Pause. Udo ließ die Susi fliegen und baute ein Steinmännchen.

Da uns die Steinekraxelei ziemlich Zeit gekostet hatte, gingen wir den Waldweg nicht mehr weiter, sondern kehrten auf ihm zur Berta zurück. Kurz vor dem Parkplatz bekam die Susi einen zweiten Ausflug und Udo einen Hotdog.

Da sich der Tag inzwischen zu einem herrlichen Sommertag entwickelt hatte, entschieden wir uns, den ursprünglich geplanten Abstecher zum Angla Windmühlenpark gegen einen Strandbesuch einzutauschen. Windmühlen hatten wir ja schon einige gesehen.

Vom Tuhkana-Strand heißt es, er sei einer der besten Badestrände im nördlichen Teil der Insel. Wir parkten vor einem RMK-Platz, packten Badesachen in den Rucksack und gingen durch den Kiefernwald zum Strand. Die Entscheidung, schon vor dem RMK-Platz zu parken, erwies sich als goldrichtig. Der Fahrweg durch den Wald war sehr uneben und die Plätze vorne waren alle belegt. Hier gehen die Einheimischen zum Baden. Wir haben nur ganz wenige deutsche Autos gesehen, der Rest waren Esten.

Der Strand war wirklich schön und weniger überlaufen als gedacht. Was allerdings störend war, waren die Ameisen, die über die ganze Strandlänge entlang krabbelten. Es waren nicht sehr viele, aber sie waren einfach überall.

Da wir sowieso keine Chance hatten, ihnen zu entkommen, breiteten wir unsere Handtücher aus, zogen Badebekleidung an und sprangen in die Ostsee. Sie ist hier ziemlich flach und gar nicht kalt. Das Wasser war nur leicht salzig, sauber aber nicht klar, sondern eher grünlich. Wir haben die Abkühlung trotzdem genossen und mussten ein ganzes Stück ins Meer hineinlaufen, bis wir schwimmen konnten.

Danach gab es einen Sonnenpause, bis die Ameisen nervten und wir nochmals eine Runde ins Wasser gingen.

Zurück an der Berta genossen wir es, duschen zu können, und fuhren dann 10 Kilometer weiter bis zu einem anderen RMK-Zeltplatz am Meer, der keinen so schönen Strand hat und deshalb weniger besucht war. Hier stellten wir uns auf den Parkplatz und machten Abendessen: Gebratener Lachs mit Süßkartoffel-Karotten-Zucchini-Gemüse und grünem Salat. Es war sehr lecker und ein wunderbares Sommeressen.

Am Abend kamen noch ein paar Strandbesucher, aber sie störten uns nicht weiter und wir verbrachten hier die Nacht, nicht weit von der Fähre nach Hiiumaa entfernt.


Sonntag, 28.06.2026 – Hiiumaa Radtour und Leuchttürme

Von Meiuste bis Tahkuna Leuchtturm – 90 km, Radtour 50 km

Wetter: zuerst heiter, dann bewölkt, ab 15 Uhr Schauer und Gewitter, 23 Grad

Heute mussten wir nach dem Aufstehen die Uhr im Blick behalten, da wir die Fährfahrt nach Hiiumaa um 9:30 Uhr gebucht hatten. Eine halbe Stunde früher fuhren wir los, nach 10 Minuten Fahrtzeit waren wir am Hafen von Triigi und die Ersten am Anleger. Das änderte sich aber schnell in den nächsten Minuten.

Wir durften als Erste auf die kleine Fähre fahren und ergatterten dadurch einen schönen Fensterplatz mit Tisch auf dem Passagierdeck. Die 60-minütige Überfahrt verging schnell. Plötzlich klingelte Xenias Telefon. Daniel Dallmann war am Apparat. Er war so krank geworden, dass er heute nicht zum 60-jährigen Jubiläum nach Asch kommen konnte. Da er Kevin nicht erreicht hatte, rief er bei Xenia an. Sie gab ihm die Kontaktdaten von Robin, aber es hat dann wohl doch noch mit einem Telefonat mit Kevin geklappt. Es ist schon blöd, wenn einem der Festprediger so kurzfristig absagt ...

Um 11:30 Uhr legten wir am Hafen von Söru an. Wir hatten uns einen RMK-Stellplatz hinter dem Strand von Luidja ausgesucht, um von dort aus den Ristna-Westzipfel der Insel bis mit dem Fahrrad zu erkunden und danach noch im Meer zu baden. So war zumindest der Plan, den das Wetter dann leider vereitelte.

Der RMK-Camplatz war gut anzufahren, auch wenn die letzten 6 Kilometer Schotterpiste waren. Es stand schon ein anderer Camper dort, aber dieser war am Abreisen. Bevor wir uns zur Radtour richteten, machten wir einen Abstecher vor an den Strand (ca. 200 Meter durch den Wald bis zu den Dünen). Laut Reiseführer ist der Luidja Strand berühmt für seinen „singenden Sand“. Bei trockenem Wetter erzeugt der extrem feine, weiße Quarzsand ein charakteristisches Quietschen oder Summen, wenn man darüber läuft. Wir konnten das allerdings nicht feststellen, obwohl der Sand am Vormittag eigentlich trocken war. Wir hielten uns nicht länger auf, denn wir wollten ja noch 50 Kilometer radeln.

Während Udo die Räder richtete, machte Xenia ein Vesper zum Mitnehmen. Es war wohl schon 12:30 Uhr, aber wir hatten noch keinen Hunger und unterwegs zu vespern gefällt uns gut. Auf Hiiumaa sind die Autostraßen zugleich auch die Radwege. Da kaum Verkehr ist, funktioniert das ganz gut. Die Hauptstraßen sind in gutem geteerten Zustand, die Nebenstraßen oft Schotterpisten. Wir sind beides gefahren.

Wir starteten bei bedecktem Himmel, was aber bei 23 Grad ganz angenehm war. Den ersten Zwischenstopp machten wir nach 15 Kilometern am Leuchtturm Köpu. Wir ketteten die Räder an und bestiegen den Leuchtturm über eine sehr steile Treppe mit sehr hohen Stufen. Das war richtig anstrengend! Oben angekommen bestätigte der Rundumblick den Eindruck, den wir bisher schon von der Insel gewonnen hatten: es gibt hier fast nur Wald. Bäume, Bäume, Bäume ... so weit das Auge reicht, bis zum Meer.

Weiter ging es gen Westen zur Ristna Spitze mit dem Ristna Leuchtturm und dem Paradiisi Strand. Bis zum Leuchtturm kamen wir ohne Probleme, dann allerdings wurde der Weg zum Meer so sandig, dass wir umkehren und uns irgendwie durchschlagen mussten. Wir versuchten es auf mehreren Wegen und insbesondere Xenia war erleichtert, als wir wieder auf eine Fahrstraße trafen und auf dieser bis vor an die Spitze radeln konnten. Das hätten wir auch einfacher haben können!

Von der Spitze aus konnten wir den Sandstrand des Paradiisi-Strandes sehen, aber auch eine dunkle Gewitterfront, die sich uns bedrohlich näherte. Was tun? Wir waren jetzt am von der Berta am weitesten entfernten Punkt und einem schönen Vesperplatz. Xenia hatte Hunger und es hätte einen kleinen Bunker zum Unterstehen gegeben, aber Udo meinte, wir sollten so schnell wie möglich zurückfahren. Das war im Nachhinein die richtige Entscheidung, denn es sollte nicht bei einem kurzen Schauer bleiben. Es regnete bis zum Abend, mal mehr, mal weniger.

Wir kamen noch ein gutes Stück, bevor uns die ersten Tropfen erreichten. Als es etwas stärker wurde, zogen wir Regenjacken an. Es dauerte aber nur ein paar Minuten, dann wurde es wieder trocken. Hinter uns war es rabenschwarz und es donnerte. Wir radelten, was das Zeug hielt, wurden aber noch einmal vom Rand des Schauers eingeholt. Wieder in die Regenjacken und weiter!

Nach 25 Kilometern, die wir in einer Stunde bewältigten, kamen wir an der Berta an. Es hatte wieder aufgehört zu regnen, so dass Udo die Räder im Trockenen einräumen konnte. Während das Duschwasser aufheizte, aßen wir endlich unsere Vesperbrote. Jeder RMK-Zeltplatz ist mit Feuerstellen und Tischgruppen ausgestattet und wir setzten uns an eine dieser Tischgruppen – allerdings nur für wenige Minuten. Erstens waren Tische und Bänke ziemlich dreckig und zweitens wurden wir von Schnaken attackiert. So flohen wir in die Berta, aßen dort fertig und duschten. Was für eine Wohltat ist es immer wieder, den Schweiß abwaschen und frische Wäsche anziehen zu können!

Inzwischen regnete es richtig und wir waren froh, im Trockenen zu sein. An einen Strandbesuch war nicht mehr zu denken und der Schnaken-Platz war mitten im Wald ohne Aussicht. Udo hatte eine gute Idee: Wir fuhren noch an den nördlichsten Punkt der Insel zum Tahkuna Leuchtturm. Als wir dort ankamen, waren noch ein paar Besucher auf dem Parkplatz, aber in einer Regenpause kamen sie vom Leuchtturm zurück, stiegen in ihre Autos und fuhren davon. Ab 20 Uhr waren wir allein auf einem Platz mit Meerblick.

Zum Abendessen gab es Grießbrei mit Pfirsichkompott, während es draußen regnete. Ein Schauer nach dem anderen zog durch, mit wenigen Minuten Regenpause dazwischen. Immer, wenn wir dachten: Jetzt ist es vorbei!, fing es wieder erneut zu regnen an. Erst um 21:45 Uhr wurde der Himmel im Westen heller und die Abendsonne kam zwischen den Wolken hervor. Udo ging mit der Susi vor ans Kap, um den Sonnenuntergang zu filmen.

Vorne an der Spitze steht ein Denkmal für die Opfer der 1994 in der Nähe von Tahkuna gesunkenen Fähre „Estonia“: eine große Bronzeglocke, die an einem kreuzförmigen Pendel aufgehängt ist. Die Neigung der Skulptur symbolisiert die letzten Sekunden des sinkenden Schiffes. Bei starkem Wind gerät das Pendel in Bewegung, sodass die Glocke von selbst zu läuten beginnt – wie eine Nachricht vom Meer. Auf der Glocke befinden sich vier Kindergesichter, die jeweils in eine der Haupthimmelsrichtungen blicken.

Es begann noch einmal leicht zu regnen, aber Udo konnte trotzdem ein paar tolle Bilder vom Leuchtturm, einem Regenbogen und der untergehenden Sonne machen.

Da nicht weit vom Parkplatz entfernt ein Windrad stand, das beim Drehen unangenehm quietschte, fuhren wir noch zwei Kilometer weiter bis zum Parkplatz eines Militärmuseums und übernachteten dort.


Montag, 29.06.2026 – Hiiumaa Militärmuseum, Vaemla Wollefabrik, Wanderung Sääre Tirp (Kassari-Landzunge ins Meer), Baden Kassari und Sarve, Fährfahrt aufs Festland (Heltermaa – Rohuküla)

Vom Hiiumaa Militärmuseum bis kurz vor Haapsalu – Wanderung 5,5 km

Wetter: sonnig, bis 28 Grad

Wir erwachten im Sonnenschein und schauten uns nach dem Frühstück erst einmal um, wo wir gestern gelandet waren. Wir hatten direkt am Museumseingang des Militärmuseums neben dem “großen Steinkopf” geparkt, der größten Granitbüste Estlands, die jahrzehntelang als markantes Wahrzeichen am Stadtrand von Kärdla stand. Im Zuge der Entfernung sowjetischer Denkmäler aus dem öffentlichen Raum wurde die kolossale Skulptur im Jahr 2022 demontiert und auf das Gelände des Hiiumaa Militärmuseums in Tahkuna umgesiedelt.

Um uns herum standen einige alte Mercedes-LKWs und Unimogs, außerdem ein alter Beobachtungsturm, den man nicht besteigen durfte. Die Bunker haben wir nicht gefunden. Das Museum hatte heute geschlossen, aber ein Nebentor stand wagenweit offen. So gingen wir in den Hof und schauten uns dort ein bisschen um, bis uns ein erboster und sehr unfreundlicher Museumswärter vertrieb. Um 10 Uhr seien wir willkommen, da hätte das Museum geöffnet. Wir waren etwas erstaunt, denn sowohl an der Türe wie im Internet stand, dass das Museum montags geschlossen hat. Nun gut, wir wollten nicht warten und was wir bisher gesehen hatten, hatte uns auch nicht vom Hocker gerissen.

So fuhren wir weiter nach Kassari im Süden der Insel. Auf dem Weg kamen wir in Vaemla an einer alten Traditionswollefabrik vorbei, die heute noch mit alten Maschinen und Werkzeugen Wolleartikel herstellt. Man kann die Maschinen besichtigen und im Laden verschiedene Wolleprodukte kaufen. Udo erstand sich eine Mütze.

Um 11 Uhr waren wir auf dem Parkplatz für den Sääre Tirp angekommen. Es handelt sich um eine langgezogene, immer schmäler werdende kleine Landzunge, die man bis ins Meer entlanglaufen kann. Nach einem Kaffee mit ein paar Keksen ging es los.

Wir waren nicht allein auf dem Weg zur Spitze, aber die Menge der Wanderer hielt sich in Grenzen. Wir waren froh um unsere Sonnenhüte und das Lüftchen, das wehte, denn in der prallen Sonne war es gut warm. Vorne zogen wir unsere Sandalen aus, Wasserschuhe an und wateten noch ein gutes Stück ins Meer hinein auf dem schmalen Grat, der unter Wasser weiterging.

Als wir umdrehten sahen wir, dass ein kleines Boot mit einer größeren Gruppe plus Hund an der Spitze angelegt hatte und die Bootsinsassen beim Baden waren. Das Wasser war hier ganz klar und wir hätten es ihnen gerne gleich getan, hatten aber keine Badebekleidung dabei. So kehrten wir wieder um und marschierten die 2,5 km zurück. Udo ließ noch die Drohne fliegen, was den Hund aufregte. Kläffend sprang er an uns vorbei, immer hin und her, bis ihn sein Herrchen endlich unter Kontrolle hatte und die Susi wieder landen konnte.

Der Rückweg wurde zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Wir gingen auf einem Seitenpfad, wo kaum ein Lüftchen wehte. Die Sonne brannte unbarmherzig auf uns herab. Wie wir später im Auto sehen konnten, war das Thermometer auf 28 Grad geklettert. Schweißgebadet kamen wir an der Berta an und sehnten uns nach einer Abkühlung. Wir waren doch am Meer!

So fuhren wir 10 Minuten weiter zu einer Stelle, wo man ins Wasser konnte. Der Platz war eigentlich ganz nett, nur die Ostsee war hier sehr schlickig. Xenia badete trotzdem, Udo drehte wieder um.

Wir schauten auf die Karte, ob es nicht noch eine andere Möglichkeit vor der Fähre gibt, und fanden eine Stelle etwas südlich von Heltermaa beim RMK-Platz Sarve. Ein Dortmunder Wohnmobil war schon dort. Wir stellten uns auf die andere Seite und nach einem Schwätzchen mit dem Ehepaar gingen wir in die Ostsee. Auch hier waren Algen auf den Steinen, aber es war nicht so matschig wie am Ort zuvor und das Schwimmen tat uns gut.

Jetzt waren es noch zwei Stunden bis zur Abfahrt unserer Fähre. Wir verbrachten sie mit Duschen, Spaghetti kochen und Essen. Bis gespült war, verblieben noch 45 Minuten. Wir fuhren vor an den Fähranleger und waren heute nicht die Ersten.

Auf der letzten Fähre hatten wir ein Ehepaar kennengelernt, die die Fährfahrt dafür nutzten, ihre Fahrradakkus zu laden. So machten wir es heute auch. Die Zeit hat leider nicht ausgereicht, die Akkus ganz voll zu bekommen, aber eine Stunde haben wir immerhin aufgeladen.

Um 18:45 Uhr fuhren wir von Bord und noch 10 Minuten weiter bis zu einem Parkplatz bei einem Strand und einer Spa-Anlage kurz vor Haapsalu.

Wir schauten uns den Strand an und aßen anschließend noch ein Joghurt und den Rest Grießbrei von gestern. Wir machten dann noch einen Spaziergang rund um den öffentlichen Strand mit Kinderspielplatz und sahen noch ein wenig den Vätern mit ihren Kindern auf der Seilbahn zu. Mehr brauchten wir heute nicht mehr.


Dienstag, 30.06.2026 – Haapsalu, Rummu

Von Haapsalu bis Rummu – 59 km, Radrunde 15 km

Wetter: sonnig, 22 Grad

Die Sonne begrüßte uns am Morgen – wie schön! – und sollte uns den ganzen Tag über treu bleiben. Die erste Entscheidung des Tages mussten wir schon nach dem Frühstück treffen: Wollten wir Haapsalu zu Fuß oder mit dem Rad erkunden? Wir entschieden uns für Fahrrad und damit für den größeren Aktionsradius.

Es sollte eine sehr schöne und gemütliche Stadtbesichtigung werden. Zuerst kamen wir am besonderen Bahnhof von Haapsalu vorbei. Weil der russische Zar hier gerne zu Besuch kam, wurde der Bahnhof 1905 mit Unterstützung der Zarenfamilie prunkvoll im Kurortstil errichtet. Er besitzt einen 216 Meter langen, überdachten Bahnsteig, der seinerzeit der längste in ganz Europa war. Uns hat das Gebäude sehr gut gefallen.

Als nächstes umfuhren wir die zwei nördlichen “Hörner” der Stadt. Haapsalu hat wirklich eine privilegierte Lage, wo auch neue Appartementwohnungen entstehen.

Eine sehr schöne Strandpromenade. Wir vermuteten, dass eine besonders schöne Villa direkt am Wasser der Aufenthaltsort der Zarenfamilie gewesen sein könnte? Vielleicht sollte der Eisbär im Wasser dazu dienen, dass er sich heimisch fühlt?

Wir kamen an einem Denkmal für Anna Hedwig Büll vorbei, einer deutsch-baltische Missionarin, die während des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich das Leben von mehreren tausend armenischen Waisenkindern rettete. In der armenischen Kultur wird sie bis heute ehrfurchtsvoll als „Mutter der Armenier“ bezeichnet. Ihr Lebenslauf, den man auf einer Tafel bei dem Steindenkmal lesen kann, hat uns sehr beeindruckt.

Nun ging es in die Innenstadt. Kurz vor der Burg befindet sich “Ilons Wunderland”. In diesem Familienmuseum geht es um Leben und Werk der Zeichnerin und Illustratorin Ilon Wikland, die einen Großteil ihrer Kindheit in dieser Stadt verbrachte und später die Kinderbücher von Astrid Lindgren (wie Karlsson vom Dach, Die Brüder Löwenherz oder Madita) illustrierte. Ein Raum ist Ronja Räubertochter, ein anderer Karlsson vom Dach gewidmet. Aber auch viele andere Originalzeichnungen – bekannte und weniger bekannte – kann man dort bewundern und einiges über ihr Leben und ihre Freundschaft zu Astrid Lindgren erfahren: Da ihre Eltern sich durch die Verfolgung im 2. Weltkrieg früh trennten, wuchs Ilon größtenteils bei ihren Großeltern in Haapsalu auf. Die bunten Holzhäuser, der Bahnhof oder die Burg von Haapsalu finden sich später in Illustrationen Wiklands zu Astrid Lindgren Geschichten wieder. Im September 1944 besetzte die Rote Armee Estland. Um sie vor Deportationen zu schützen, schickten die Großeltern die 14-jährige Ilon allein auf einem überfüllten Fischerboot nach Schweden. Sie kam traumatisiert in Stockholm an, verlor auf der Flucht ihren geliebten Hund und wurde von einer Tante aufgenommen. Das Zeichnen war ihr Zufluchtsort. Sie studierte an Kunstschulen in Stockholm und London. 1953 suchte Wikland mit einer Mappe voller Zeichnungen Arbeit beim Verlag Rabén & Sjögren. Dort traf sie auf die Lektorin Astrid Lindgren, die gerade “Mio, mein Mio” geschrieben hatte und nach jemanden Ausschau hielt, der „Märchen zeichnen“ konnte. Ilon konnte es und so arbeiteten die beiden zusammen und wurden Freundinnen.

Eingangsbereich mit der Lebensgeschichte - erster Entwurf von Ronja - Titelbild des Buches

Viele Bereiche laden zum Lesen und Spielen ein, auch mit deutschen Büchern.

Bilder, bei denen wohl unbewusst die Erfahrungen aus der Kindheit in Haapsalu Vorlage waren

Wir verließen das Museum und besuchten gleich um die Ecke die Burg von Haapsalu. Die Domuhr schlug gerade 12, als wir am Burgeingang eintrafen. Die Bischofsburg Haapsalu mit ihrer integrierten Domkirche diente vom 13. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts als Residenz für die lokalen Herrscher des Bistums Ösel-Wiek. Während Teile der Hauptburg nach einem verheerenden Brand im späten 17. Jahrhundert als Ruine erhalten blieben, wurden andere Bereiche restauriert.

Wir besuchten das Museum in der Hauptburg. Es zeigt die mittelalterliche Geschichte der Region, Geheimgänge sowie alte Waffen und Werkzeuge. Die Burg ist in ganz Estland für ihre Spuklegende von der Weißen Dame bekannt. Der Sage nach verliebte sich einst ein Domherr in ein junges Mädchen und schmuggelte sie als Chorknabe verkleidet in die Burg. Als der Betrug aufflog, wurde das Mädchen zur Strafe lebendig in die Kirchenmauer eingemauert. Seither soll ihr Geist in klaren Augustnächten bei Vollmond als Silhouette im zentralen Fenster des Baptisteriums erscheinen. Wir haben sie nicht gesehen – es war aber auch weder August noch Nacht oder Vollmond.

Nachdem wir die Festungsmauern erklommen und von oben über die Stadt geschaut hatten, verließen wir das Burggelände mit hungrigen Mägen. Da kam uns ein Lokal in der Altstadt gerade recht, wo wir einkehrten, ein bisschen ausruhten und unseren Hunger stillten.

Um 15 Uhr waren wir zurück an der Berta und entschlossen uns, noch eine Stunde weiter bis nach Rummu zu fahren und dort auf einem Wohnmobilstellplatz zu nächtigen. Der Platz warb u.a. mit einer Waschmaschine und einem Wäschetrockner, was wir jetzt auch einmal brauchen konnten.

Rummu ist bekannt für seinen gefluteten Steinbruch und das versunkene sowjetische Gefängnis Murru. Hier findet man eine Mischung aus Lost-Place-Gefängnis und Badevergnügen in einem See mit kristallklaren, hellgrün-blauen Wasser. Ein bisschen skurril, aber ein Platz mit beeindruckender Kulisse. Wir machten heute nur einen kurzen Rundgang zum See und durchs Gelände. Das Museum haben wir uns für morgen aufgehoben. Dafür war Xenia noch mit zwei Maschinen Wäschewaschen beschäftigt. Der Trockner hatte leider nur mäßig gut funktioniert, so dass wir noch einiges in der Berta aufhängen mussten.

Vorschau auf morgen.

Zum Abendessen gab es ein paar aufgebackene alte Wecken und Rohkost. Es war wieder Zeit zum Einkaufen!


Mittwoch, 01.07.2026 – Rummu (Lost Place Gefängnis und Baden), Keila (Wasserfall, Wanderung ans Meer)

Unsere Strecke im letzen Monat.

Von Rummu bis zum Keila Wasserfall – 36 km, Abendwanderung 5 km

Wetter: sonnig bis 14 Uhr, dann zunehmend wolkig, abends bewölkt – 23 Grad

Als wir aufwachten, schien die Sonne, und es war gar nicht kalt. Um 9 Uhr machten wir uns auf zum Lost-Place-Gefängnis Murru. Den Eintritt dafür hatten wir gestern schon bezahlg und konnten heute mit dem QR-Code auf unseren Armbändchen die Eingangspforte passieren. Wir waren die ersten Besucher. Erst, als wir das Gelände wieder verließen, kamen uns unsere Wohnmobilnachbarn (eine 4-köpfige Familie mit Hund aus Schweden) entgegen.

Am Eingang kann man einen Audioguide herunterladen (https://rummu.ee/murru/) und mit dessen Hilfe einiges über die verschiedenen Gebäude und ihre früheren Insassen erfahren. Wir waren dankbar für die deutsche Führung und den ausgewiesenen Rundgang, denn in den Gebäuden kann man sich teilweise verlaufen. Alles sieht aus wie auf einer Baustelle – marode, eingefallen, Putz und Tapeten hängen von den Wänden, alles ist voller Staub und Dreck. Aber durch die Erklärungen konnten wir uns vorstellen, wie es früher hier ausgesehen haben musste, und wie es hier zuging. Neben den Zellen gab es Räume fürs Wachpersonal, eine Turnhalle, eine Küche, Werkstätten und Freigänge.

Der Eingangsbereich und die Ausgangsschleuse für die LKW mit Sensoren, die wohl die Bewegung einer Maus feststellen konnten?!

Der Empfangsbereich für Besucher

Manche Zellen wurden einigermaßen eingerichtet. In der rechten saß ein bekannter, besonders gefährlicher Mörder ein.

Der Rundgang war sehr ähnlich einem Lost Place Geocache, aber erlaubt. Durch den Audioguide erfuhr man auch einiges über das Leben im Gefängnis.

Udo fand die alten Fahrzeuge interessant. Ein alter Unimog war auch dabei.

Das Gefängnis wurde im Jahr 1938 eingerichtet. Die Häftlinge wurden jahrzehntelang und besonders unter sowjetischer Herrschaft gezwungen, im angrenzenden Steinbruch Kalkstein und Vasalemma-Marmor abzubauen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit wurde die Zwangsarbeit gestoppt. Das Gefängnis wurde letztendlich komplett aufgegeben und im Jahr 2012 geschlossen. Als die Pumpen, die den Steinbruch trocken hielten, abgeschaltet wurden, füllte das Grundwasser das Areal in rasanter Geschwindigkeit. Das Wasser stieg so schnell, dass Zäune, Gebäude, Bergbau-Ausrüstung und sogar ein kleiner Wald einfach an Ort und Stelle versanken. So entstand ein wunderschöner Badesee mit kristallklarem Wasser, dem wir nach unserer Gefängnis-Runde einen Besuch abstatteten.

Wir hätten nicht gedacht, dass das Wasser so herrlich zum Baden ist! Wir waren um 11 Uhr am See. Um diese Uhrzeit war noch nicht viel los. Auf dem See schwamm ein aufgeblasener Aquapark. Wir turnten kurz darauf herum, bis uns ein Mitarbeiter zurief, dass diese schwimmende Insel eine extra Gebühr koste (12 Euro, wie wir später erfuhren). So verließen wir sie wieder und schwammen dafür im See und um ein daraus herausragendes Gebäude herum. Schade, dass wir keine Schnorchel und Taucherbrillen dabei hatten! Wir hätten die versunkenen Gebäude sicher erkennen können.

Nach zweimal Schwimmen hatten wir genug und gingen in 5 Minuten zurück zur Berta. Xenia duschte, Udo ließ die Susi fliegen. Dann gab es Mittagessen: Bratkartoffeln mit Rührei und Paprika. Mehr gab der Kühlschrank nicht mehr her, aber das hat uns gut geschmeckt. Anschließend wurde die gewaschene Wäsche eingeräumt, alles wieder gut verstaut, das Klo geleert und das Grauwasser abgelassen. Frischwasser tankten wir hier nicht, da es einen üblen Beigeschmack hatte. Es war entweder sehr eisenhaltig oder gechlort.

Um 14:30 Uhr verließen wir Rummu und fuhren weiter nach Keila. Dort tankte Udo an einer Tankstelle, bei der man laut Park4night auch Frischwasser bekommt. Xenia erkundigte sich danach und wir bekamen die Erlaubnis, unseren Schlauch an einen Außenwasserhahn anzuschließen. Auf Nachfrage bestätigte der Chef der Tankstelle, dass es dasselbe Wasser sei, wie sie es auch in ihrem Bistro verwenden. Leitungswasser kann in Estland getrunken werden und das Tankstellenwasser schmeckte neutral.

Wir machten den Frischwassertank ganz voll, um für die nächsten Tage versorgt zu sein, und fuhren 500 Meter weiter zu einem Lidl, um auch den Kühlschrank, die Getränke, Kaffee, Obst und Gemüse wieder aufzufüllen. Auf dem Parkplatz gab es dann auch gleich einen Kaffee, ein süßes Stückle und sehr gute frische Kirschen.

Weiter ging die Fahrt zum Keila Wasserfall. Um 17:30 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz an und entschlossen uns, noch eine kleine Wanderung entlang der Keila bis zu ihrer Mündung ins Meer zu machen. Für den nächsten Tag war Regen angesagt und jetzt war es noch trocken und warm.

Durch den Schlosspark und über zwei schöne Hängebrücken kamen wir zum sechs Meter hohen Keila-Wasserfall, dem drittgrößten Wasserfall Estlands. Direkt daneben befindet sich das Schloss, ein historisches neugotisches Herrenhaus mit schönem Garten, umgeben vom Schlosspark. Im Park darf man umsonst spazierengehen und die Keila über mehrere Brücken überqueren. Das Schloss und der Garten kosten Eintritt. Das haben wir heute nicht mehr gemacht.

Dafür marschierten wir an der Keila entlang zuerst im Park, dann auf einem Wanderweg bis vor ans Meer und wieder zurück. Der Meerblick war schön, aber der Uferbereich war veralgt und es hat hier ziemlich gestunken. So blieben wir nicht lange.

Für die Nacht suchte Udo einen schönen, 5 Minuten entfernten RMK-Platz am Meer aus. Er war gut frequentiert, vor allem von Einheimischen, die die Grillstellen für ihr Abendessen nutzten. Aber wir fanden noch ein Plätzchen, machten uns ein Vesper und einen Salat und gingen anschließend noch kurz vor an den Strand. Hier hat es nicht gestunken, aber das Wasser war ganz grün – nicht sehr einladend zum Baden. Doch das hatten wir heute sowieso nicht mehr vor.


Donnerstag, 02.07.2026 – Rocca al Mare (Estnisches Freilichtmuseum), Tallinn Pikakari

Vom RMK Meremoisa bis Tallinn Pikakari – 42 km

Wetter: Am Morgen ein paar Regentropfen, dann zunehmend auflockernd und sonnig, 21 Grad

Der für heute angesagte Regen zog an uns vorbei. Wir bekamen nur kurz nach dem Aufstehen ein paar Spritzer ab.

Heute wollten wir uns das Estnische Freilichtmuseum Rocca al Mare anschauen. Um 10:30 Uhr waren wir auf dem Parkplatz, aber es dauerte noch 1 Stunde und 45 Minuten, bis wir hineingingen. Grund dafür war, dass wir am Vorabend auf dem RMK Platz nur eine ganz schlechte und langsame Internetverbindung hatten. WhatsApp und den Text fürs Tagebuch hochladen war möglich, aber für die Bilder hat das Netz nicht ausgereicht. So holte Udo das heute auf dem Parkplatz vor dem Freilichtmuseum nach. Xenia verbrachte die Zeit mit Lesen und damit, einen Stadtrundgang durch Tallinn zu aktualisieren.

Um 12:15 Uhr war alles fertig und wir konnten ins Museum. Wir hätten nicht gedacht, dass wir uns über vier Stunden dort aufhalten würden. Aber das Freilichtmuseum ist so toll gemacht, dass wir uns alles anschauen wollten. Unser bisheriges Fazit: Wer nur ein baltisches Freiluftmuseum sehen möchte, der sollte Rocca al Mare bei Tallinn besuchen! Wer einen virtuellen Rundgang machen möchte, kann die App herunterladen und so die Erklärtexte in deutsch anhören: 'NUMUnutimuuseum'

Das erste Haus war ein modernes Holzhaus aus estnischer Serienproduktion, welches einen Preis gewann und jetzt im Museum aufgebaut ist.

Auf dem 79 Hektar großen Museum-Parkgelände befinden sich über 70 historische Gebäude aus verschiedenen Regionen Estlands. 14 voll ausgestattete Höfe, die jeweils aus mehreren Gebäuden (Wohnhaus, Schuppen, Vorratshaus, Stall ...) bestehen, zeigen das Alltagsleben von reichen Großbauern bis hin zu einfachen Fischern.

Alle Höfe waren aufgeteilt in einen 'sauberen' Bereich (rechter Teil des Wohnhauses und Lagerräume) und in einen 'dreckigen' Bereich (linker Teil des Wohnhauses und Ställe, in dem das Vieh war und die Geräte für den Ackerbau). Die Wohnhäuser hatten einen Eingangsbereich (sehr grob, mit Steinboden), wo man den Ofen heizte und sich aufwärmen konnte. Von da aus ging es in die Wohn- und Schlafräume zur einen Seite und in die Scheune (ggf. Ställe) zur anderen Seite.

Auf der sauberen Seite waren auch die Lagerhäuser für Getreide, Milchverarbeitung, Stoffe, Kleidung und sonstige Vorräte.

Kleine Höfe bestanden nur aus einem einzigen, sehr niederen und düsteren Haus. Die armen Familien mussten damit zurecht kommen.

Gebäude, in denen ein Feuer brannte (wie z.B.Saune oder Backhaus) wurden aus Stein und weit weg vom Haupthaus gebaut. In der Sauna wurde auch das Fleisch geräuchert. Auf den einfachen Höfen wurde der Eingangsbereich zur Sauna, indem man kräftig einschürte und Wasser über den Ofen goss.

Auch für Kinder ist das Gelände klasse. Es gibt verschiedene Spieleangebote, Mitmachaktionen und sehr schöne Spielplätze.

Neben den Höfen kamen wir auch an zwei Windmühlen und einer Wassermühle vorbei.

In einem voll funktionsfähigen Dorfladen kauften wir eine Tüte mit Gelee-Konfekt.

Auch an einem Spritzenhaus kamen wir vorbei und lernten, dass die freiwilligen Feuerwehren, mit Unterstützung des Zaren, seit 1930 eingerichtet wurden.

Sehr informativ war die Ausstellung über die Kolchosivierung der estnischen Landwirtschaft um 1949. Ca. 20.000 Bauern, die nicht mitmachten, wurden nach Sibirien deportiert. Danach standen viele Höfe leer. Auch durch den Krieg fehlten die jungen Männer als Arbeitskräfte. Hinzu kamen noch Ungerechtigkeiten und Betrug.

Eine kleine Rast machten wir in einem kleinen Café mit Außenbereich, wo wir uns mit einem Cappuccino und einem Stück frisch gebackenem Kuchen stärkten. Bezahlt haben wir allerdings nicht in alter Währung, sondern mit Kreditkarte.

Beim Weitergehen erfuhren wir, dass die Herrnhuter Brüdergemeine eine fundamentale Rolle in der Geschichte Estlands spielte und den christlichen Glauben, die Alphabetisierung und die Kultur der estnischen Bevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert tiefgreifend prägte. Bis heute gilt die Bewegung als ein wichtiger Grundstein der estnischen Identität und man kann auf dem Gelände eine ihrer Kirchen, eine Schule und einen typischen Hof dieser Bewegung erkunden.

Der Versammlungsraum der Herrnhuter.

Eine Kapelle ist heute noch aktiv und wird von einem Tallinner Priester betreut.

In einem besonders bemalten und großen Hof wurde eine Hochzeit dargestellt.

So waren die Höfe und Häuser sehr unterschiedlich - je nach Zeit und Gegend, aus der sie stammten, und ob sie einem Bauern oder einem Fischer gehörten. Alle waren sie schön hergerichtet und erzählten (dank Audio-Guide) ihre Geschichte.

Eine weiter Sache gab uns schon zu denken und bestätigt alle Vorurteile: Ein Hof aus dem Südwesten, aus einer Gegend, in der auch Russen leben, war ein sogenannter Wehrhof. Im Gegensatz zu dem sonst sehr offenen Arrangement der einzelnen Gebäude, war dieser Hof ringsrum geschlossen und wehrte sich so mit dicken Balken gegen ungebetene Gäste.

Eine letzte Attraktion war ein sowjetisches Kolchosen-Wohnhaus, das den ländlichen Alltag in vier Apartments von den 1960er Jahren bis in die 2010er Jahre veranschaulichte. Es war ein aus Kalksteinen gebautes Mehrfamilienhaus, wie man sie hier überall sieht. Darin hatte man vier Wohnungen eingerichtet und die Geschichten dazu erzählt:
1. Die Wohnung einer jungen Melkerin von 1950, die auf der Kolchose gut verdiente und in der Wohnung alleine lebte.
2. Eine Familie mit zwei Kindern aus den 1970ern, die einen gewissen Luxus hatten, die Wohnung aber sehr klein für sie war.
3. Die Wohnung eines Traktorfahrers aus den 1990ern, der mit dem Ende der sowietischen Zeit nicht zurecht kam und seine Sorgen im Alkohol ertränkte. Die Wohnung war heruntergekommen und unordentlich.
4. Die Wohnung eines jungen Paares Anfang 2000er, die die Wohnung renovierten, modern einrichteten und nach und nach andere Wohnungen dazu kauften, um für die Familie einen gemeinsamen Platz zu haben. Die Wohnung wurde stilvoll, modern und mit Möbeln aus dem Internet eingerichtet.

Nachdem wir uns auch dieses Haus noch angeschaut hatten, waren wir ziemlich platt und nicht böse, dass der Ausgang nicht mehr weit war. Um 16:30 Uhr waren wir wieder in der Berta. Obwohl wir neben einer stark befahrenen Straße standen, legten wir uns eine Stunde aufs Ohr.

Wieder erholt nahmen wir das letzte Stück bis Tallinn in Angriff und fuhren durch den Berufsverkehr ans Nordende der Stadt an den Pikakari-Strand, wo wir gegenüber dem Fährhafen einen Parkplatz mit Meerblick bekamen.

Jetzt hatten wir aber Hunger! Xenia kochte Gnocchi mit deftigen Würstchen, Barbecue-Bratensoße und Salat. Wir hatten die Berta neben einen Landsmann aus der Berliner Gegend gestellt. Dieser kam uns besuchen, als wir gerade fertig mit Essen waren. Er erzählte, dass er schon vier Jahre unterwegs sei und nur hin und wieder kurze Besuche zuhause macht, um wieder einmal Motorrad zu fahren und die Kinder zu besuchen.

Zum Abschluss des Tages gingen wir noch vor an den Strand und schauten uns ein bisschen die Umgebung an, in der wir standen.

Gegenüber lag eine Kreuzfahrtschiff, das kurz vor Mitternacht den Hafen verließ.


Freitag, 03.07.2026 – Tallinn: Estnisches Seefahrtsmuseum, Hafen für Fähr- und Kreuzfahrtschiffe

In Tallin 6 km

Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags kräftige Schauer und Gewitter, dazwischen sonnige Abschnitte - 22 Grad

Heute war Schiffe-Tag. Nachdem der Wetterbericht Regen vorhergesagt hatte, beschlossen wir, das Estnische Seefahrtsmuseum im Wasserflugzeughafen (Lennusadam) zu besuchen.

Dafür verließen wir unseren Parkplatz und fuhren 15 Minuten bis zum Museumsparkplatz. Dort blieben wir aber nicht, da dieser kostenpflichtig war und sich nur einen Kilometer entfernt ein Parkplatz befand, auf dem wir für 6 Euro 24 Stunden stehen konnten. Diesen hatten wir uns schon als Übernachtungsplatz ausgesucht und ihn fuhren wir an. Wir stellten die Berta dort ab und machten einen schönen Spaziergang am Meer entlang zurück zum Museum, vorbei an der Zarenfestung Patarei. Diese wird gerade renoviert und öffnet erst wieder im Juni 2027.

Das Schifffahrtsmuseum befindet sich in einem Hangar mit einer dreifachen Betonkuppel, was für eine ganz besondere Optik und Akustik sorgt. Erbaut wurde die Kuppel, die als Meilenstein der Ingenieurskunst gilt, zwischen 1916 und 1917. Der große Raum ist dem Publikum auf zwei Ebenen zugänglich und bietet eine interaktive Ausstellung über die estnische Schifffahrtsgeschichte.

Der Eintritt war nicht billig: 22 Euro, keine Seniorenermäßigung und der Audioguide noch einmal 5 Euro obendrauf. Immerhin bekamen wir so ein paar Geschichten und Erklärungen auf Deutsch, was ein echter Gewinn war.

Zuerst konnten wir ein Schiffswrack von oben sehen. Es wurde uns erklärt, dass es sich hierbei um die hölzernen Überresten des Maasilinn-Schiffswracks handelt. Es wurde bei Mittsommerfestivitäten zufällig entdeckt und ist das älteste Schiffswrack in estischen Gewässern aus dem 16. Jahrhundert.

Desweiteren ist der Hangar gefüllt mit zahlreichen historischen Segelbooten, Fischerbooten und Yachten, die die Seefahrtsgeschichte der Region erzählen.

An der Decke hängend befand sich ein lebensgroßer Nachbau des Wasserflugzeugs „Short 184“, einem historischen britischen Aufklärungsflugzeug. Die Flugleistung war schlecht, reichte aber wohl aus, um einmal erfolgreich einen Wassertorpedo abzuwerfen. Wie man im Modell sieht, hatte der Pilot immer den Kühler vor Augen. Eine Sicht nach vorne war nicht möglich.

Das Highlight und Herzstück der Ausstellung ist sicherlich das originale U-Boot „Lembit“ aus dem Jahr 1936. Es ist eines der ganz wenigen erhaltenen Vorkriegs-U-Boote der Welt. Man kann hineingehen und das Innere erkunden, allerdings zusammen mit anderen Museumsbesuchern, was in dem engen Innenraum zu Staus führen kann. Bei unserem Besuch hielt sich der Besucheransturm zum Glück in Grenzen.

Im Torpedoraum schliefen 8 Matrosen. In der Offiziersmesse war es wesentlich geräumiger.

Der Kapitän hatte sein eigenes Bett, gegenüber der Funkkabine.

Das ganze Boot war durchsetzt mit Ventilen, die man manuell auf- und zudrehen musste. Ob es wohl ein Besatzungsmitglied gab, das die Funktionen aller Ventile kannte?

Am Ende des U-Boots waren die Küche und der Mannschaftsraum. Udo fragte sich, wohin die Luft vom Dunstabzug geht?

Auch an große und kleine Kinder wurde in dieser Ausstellung gedacht. Es gab verschiedene Spielmöglichkeiten wie einen Flugsimulator, ein Wasserbecken mit Schiffen, die man selbst steuern konnte, und manches mehr.

Unten auf dem Hangarboden befand sich eine Sammlung historischer Seeminen und Torpedos, an den Wänden standen Flak-Geschütze und Kanonen. Wieder einmal kamen wir zum Schluss, wie viel besser es doch für diese Welt wäre, wenn es all diese Dinge nicht gäbe.

Beeindruckt hat uns auch das Originalboot zweier Esten, die in 75 Tagen über den Altlantik gerudert sind.-]

Alles in allem ist es eine schöne, unterhaltsame und lehrreiche Ausstellung, die uns sehr gut gefallen hat.

Zum Museum gehören im Außenbereich noch zwei Schiffe, die hier vor Anker liegen und die man ebenfalls betreten und besichtigen kann.

Das erste Schiff ist der große, dampfgetriebene, historische Eisbrecher „Suur Tõll“. Auf ihm konnten wir die Mannschaftskajüten, die edle Offiziersmesse und die riesige Dampfmaschine im Bauch des Schiffes besichtigen.

Im Rumpf konnten wir die Dampfmaschine und die Werkstatt besichtigen. An Bord war eine richtig gute Metallwerkstatt.

Das zweite Schiff ist ein ehemaliges Küstenwachschiff, das ursprünglich für die US-amerikanische Küstenwache im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Auch hier gingen wir hindurch, bevor wir uns auf den Rückweg zur Berta machten.

Es war inzwischen 14 Uhr geworden, unsere Füße waren müde und unsere Mägen leer. Da kam uns eine Pizzeria mit Außenterrasse zum Meer hin gerade recht. Die Auswahl an Pizzen war überschaubar, aber wir fanden etwas, das uns schmeckte.

Um 15 Uhr waren wir wieder in der Berta, gerade noch rechtzeitig vor einem heftigen Gewitter. Wie gut, jetzt im Trockenen zu sein! Wir legten uns in unsere Betten und verschliefen den Regen.

Zum Kaffee schien wieder die Sonne und wir entschlossen uns, einen Spaziergang auf die Linnahall, neben der wir parkten, und vor zum Hafen für die Kreuzfahrtschiffe und Fähren zu machen. Für eine Altstadtbesichtigung war es zu spät.

Die Tallinner Linnahall wurde 1980 für die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele in Moskau errichtet und diente jahrzehntelang als riesige Mehrzweckarena für Konzerte und Eissport. Bis zu 5000 Personen fanden hier Platz. Heute ist der Betonbunker für den regulären Publikumsverkehr geschlossen und zu einem Lost Place geworden. Die Architektur erinnert optisch an eine Mischung aus Maya-Pyramide und moderner Festungsanlage. Entworfen wurde sie so flach, damit sie den Blick von der Altstadt auf das Meer nicht versperrt. Was sie heute für Touristen interessant macht, ist ihr begehbares Dach, das über Außentreppen rund um die Uhr frei zugänglich ist.

Wir stiegen hinauf, hatten einen schönen Blick über die Ostsee, aber leider auch auf eine nächste Gewitterfront, die sich bedrohlich näherte. Trotzdem ließen wir uns von dem Vorhaben, zum Hafen zu gehen, nicht abbringen.

Kurz vor dem Schriftzug “Tallinn” erreichte uns der Ausläufer eines ersten Schütters. Er genügte, um nasse Hosen zu bekommen, hörte aber schnell wieder auf. Wir marschierten die Anlegerbrücke entlang und konnten dabei mehrere Kreuzfahrtschiffe und Fähren beobachten, wie sie vor Anker lagen oder auch in den Hafen ein- oder ausfuhren.

In der Ferne war es bedrohlich schwarz geworden und es donnerte. Als wir den am weitesten entfernten Punkt erreicht hatten, fing es zu regnen an. Zuerst noch etwas verhalten, dann immer mehr, bis es regelrecht schüttete. Dazu wehte ein ordentlicher Wind. Wir hatten zwar Schirme dabei, aber Hosen und Schuhe wurden trotzdem komplett durchnässt. Da wir nicht wussten, wie lange das Unwetter anhält, standen wir nicht irgendwo unter, sondern marschierten so schnell wie möglich durch den strömenden Regen zurück zur Berta.

Schnell raus aus den nassen Klamotten, die schwer an uns klebten. Wir waren noch nicht lange im Trockenen, da ließ der Regen nach. Kurze Zeit später hörte er ganz auf und die Sonne kam wieder hervor. Nun ja – hatte uns heute eben auch einmal ein Regenguss erwischt.

Es war inzwischen Abend geworden und selbst der schöne Sonnenschein konnte uns nicht mehr aus unserem mobilen Heim locken. Wir aßen noch ein kleines Vesper und hatten für heute genug erlebt.


Samstag, 04.07.2026 – Tallinn: Altstadt, Schloss Katharinental; Tuhala

Unsere Route im Baltikum, bis Tallinn.

Von Tallinn bis Tuhala Hexenbrunnen – 43 km

Wetter: am Morgen Regen, dann zunehmend auflockernde Bewölkung und sonnig – 20 Grad

Heute wollten wir unseren Altstadtspaziergang machen. Weil aber am Morgen noch etwas Regen fiel, blieben wir etwas länger im Bett. Nach dem Frühstück musste Udo noch ein paar Rechnungen für die Höhle überweisen, dann konnte es losgehen. Inzwischen schien die Sonne. Wir trauten dem Wetter aber nicht so ganz und nahmen noch zwei Regenschirmknirpse mit. Wir haben sie nicht gebraucht 😊.

Die Altstadtrunde hatte Xenia so angepasst, dass sie an unserem Parkplatz losging. Schon nach wenigen Minuten waren wir an der Dicken Margarethe angekommen, einem der Stadtmauertürme. Vorbei an den Drei Schwestern, einem Ensemble aus drei spätgotischen Kaufmannshäusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert, in denen heute Luxushotels untergebracht sind, kamen wir St. Olai-Kirche.

Hier bestiegen wir den Glockenturm und hatten von oben eine phantastische Aussicht über die Altstadt und den Hafen. Diese mussten wir uns allerdings redlich verdienen, indem wir 232 sehr enge und steile Stufen bis zur Aussichtsplattform erklommen.

Als Nächstes kamen wir am KGB-Gefängniszellen-Museum vorbei. Xenia hatte keine Lust hineinzugehen, denn das hatten wir leider schon in Riga in ähnlicher Form gesehen. Vor dem Gebäude waren Tafeln aufgestellt, auf denen die besonderen Häuser der Pagari-Straße vorgestellt wurden. Die Drei Schwestern und das Haus, in dem die KGB-Gefängniszellen waren, gehörten auch dazu.

Kurz darauf legten wir unsere erste Kaffeepause ein, und zwar im ältesten Caféhaus von Tallinn, dem Café Maiasmokk. Es wurde im Jahr 1864 vom deutsch-baltischen Zuckerbäcker Georg Stude gegründet und ist eine der bekanntesten kulinarischen Institutionen in der Altstadt von Tallinn. Das Erdgeschoss besticht durch seine edle, über 100 Jahre alte Originaleinrichtung mit kunstvollen Holzarbeiten und einer bemalten Buntglasdecke. Es erinnert stark an den gemütlichen Charme klassischer Wiener Kaffeehäuser. Wir genehmigten uns hier einen Cappuccino und zwei salzige Gebäckstücke.

Gegenüber des Cafés befindet sich die Russische Botschaft mit einigen Protesttafeln gegen den Ukraine-Krieg davor.

Jetzt befanden wir uns im Herzen der Altstadt. Nachdem wir in die Heilig-Geist-Kirche geschaut hatten, bummelten wir durch kleine Gassen und schauten in die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale, wo die Kirchenglocken zu Mittag läuteten.

Auf dem weiteren Weg zum Rathausplatz kamen wir durch die Katharinenpassage, bogen noch in den Handwerkerhof ein und schauten uns die Chocolaterie Pierre an. Einkehren wollten wir hier aber nicht.

Vorbei am Restaurant Olde Hansa und der Tourist-Info kamen wir schließlich auf den Rathausplatz. Hier schauten wir uns die alte Ratsapotheke etwas näher an und gönnten uns anschließend auf dem Rathausplatz im Restaurant Kehrwieder einen Eiskaffee und eine Eisschokolade.

Jetzt ging es über den Pikk Jalk zur Oberstadt und zur prächtigen orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale. Hier begegneten wir erstmals vielen Japanern, die fleißig Fotos machten. Sie machten das nicht nur von der Kirche, sondern auch auf den Aussichtspunkten, von denen aus man eine schöne Sicht über die Stadt hat.

Es waren nur wenige hundert Meter hinunter zum Schloss. Dort war eine Menge los und der zum Schloss gehörende Präsidentenpalast war für die Öffentlichkeit gesperrt. Viele festlich gekleidete Menschen, vor allem junge Leute, waren hier zu sehen. Wir erkundigten uns bei der Polizei, die hier für Ordnung sorgte, und erfuhren so, dass heute hier eine Schulabschlussfeier sei. Der Rosengarten und das Schloss selbst waren aber frei zugänglich. So drehten wir in der Abendsonne noch eine Runde ums Schloss herum und durch den Park.

Nachdem auch wir die obligatorischen Fotos geschossen hatten, ging es über Treppen wieder hinunter in die Stadt und zur Markthalle. Dort erwarben wir ein Kilo Erdbeeren, dann ging es zurück zur Berta.

Die Erdbeeren wurden gleich eingezuckert, dann machten wir ein Mittagspäuschen. Frisch ausgeruht ließen wir uns die süßen Beeren mit Joghurt gut schmecken.

Es war 16:30 Uhr geworden und wir entschlossen uns, unseren Parkplatz zu verlassen und noch zum Schloss Katharinental zu fahren. Die Bilder, die wir von diesem barocken Schloss im Versailles-Stil und dem dazugehörigen Garten und Park gesehen hatten, waren zu schön gewesen.

Die Fahrt dauerte nur 15 Minunten, aber der zum Schloss und Kunstmuseum gehörige Parkplatz war voll. Udo ergatterte den letzten freien Platz und Xenia konnte wieder nur staunen, wie Udo unser großes Gefährt beherrscht.

Wieder zurück auf unseren Stadtparkplatz fahren, das wollten wir nicht. So fuhren wir noch 40 Kilometer gen Süden bis zum Parkplatz für den Tuhala Hexenbrunnen. Dort war kein Mensch und wir hatten den Parkplatz ganz für uns allein.

Bevor wir Abendessen machten, gingen wir die 150 Meter zum Hexenbrunnen, einer Karstquelle. Das Besondere an diesem Brunnen ist das „Überkochen“: Zu Zeiten von starkem Hochwasser, meist während der Schneeschmelze im Frühjahr oder nach heftigen Regenfällen, schwillt der unterirdisch verlaufende Fluss Tuhala massiv an. Der hydrostatische Druck presst dann bis zu 100 Liter Wasser pro Sekunde aus der Brunnenöffnung an die Oberfläche, sodass das Wasser schäumend über den Brunnenrand sprudelt. Zum Glück hatten wir kein Hochwasser, aber leider daher auch kein Hexenkochen. Wir sahen nur einen tiefen Brunnen mit einem Deckel oben drauf. Das Gebiet hier ist aber sehr schön und wir wollen es morgen noch ein bisschen erkunden.

Für heute beendeten wir den Tag mit ein paar Nudeln mit Gemüsesoße, Käse, Salat und den restlichen Erdbeeren.


Sonntag, 05.07.2026 – Tallinn Einkaufszentren, Jägala Wasserfall

Von Tuhala bis Jägala – 79 km

Wetter: Regen - 18 Grad

Wir erwachten mit dem Geräusch prasselnden Regens auf unserem Dach. Zuerst machten wir uns noch nicht viel daraus. Erst als es auch nach dem Frühstück noch regnete und der Wetterbericht nichts als Regen für diesen Tag ansagte, mussten wir überlegen, wie wir mir dieser Situation umgehen.

Wir wollten eigentlich eine kleine Wanderung in der Region machen, aber das machte bei diesem Wetter keinen Sinn. So entschlossen wir uns, 35 Kilometer nach Tallinn zurückzufahren und dort zwei nebeneinanderliegende große Einkaufszentren zu besuchen. Im Baltikum haben am Sonntag die Geschäfte und Läden ganz normal geöffnet.

Um 10:30 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz des Ülemiste Keskus an. Es ist mit über 230 Geschäften, Gastronomiebetrieben und Dienstleistern das größte Einkaufszentrum in Tallinn und ganz Estland. Für uns wichtig: Es hat nicht nur ein Parkhaus, sondern einen großen Parkplatz, auf dem man 5 Stunden umsonst parken darf. Am Sonntagvormittag gab es hier noch reichlich Platz.

Wir hatten vier Dinge auf unserer Einkaufsliste: Ein Reinigungsmittel für den Grauwassertank der Berta, Regenponchos für uns beide, eine kurze Hose und Schuhe für Udo. Auch wenn das Zentrum riesig war, haben wir keinen Laden mit Reinigungsmittel für Wohnmobile gefunden. Auch bei den Regenponchos wurden wir nicht wirklich fündig. Für Udo hätte es etwas gegeben, aber mit 85 Euro doch recht teuer. Xenia hat überhaupt nichts Passendes gefunden. Die Auswahl war auch sehr gering. Mit der kurzen Hose und den Schuhen hatten wir mehr Glück und konnten für Udo etwas erwerben – die Hose von Tom Bilfinger und die Schuhe vom Deichmann. Wie zuhause, auch was das Preisniveau angeht. Wir bummelten noch etwas durch die Etagen und Geschäfte. Hier gab es nicht nur Einkaufsläden, sondern auch Sportzentren (Fitnessstudio, Bowling, ...), Spielemöglichkeiten für Groß und Klein und verschiedene Restaurants.

Wir ließen die Berta auf dem Parkplatz stehen, überquerten eine Hauptstraße zu Fuß und waren schon beim nächsten Einkaufszentrum, dem modernen T1 Tallinn. In dieser Mall liegt der Fokus weniger auf der reinen Anzahl an Geschäften, sondern stark auf Entertainment, Gastronomie und Freizeitaktivitäten. Das Markenzeichen ist ein Riesenrad auf dem Dach des Gebäudes. Außerdem gibt es ein großes Indoor-Unterhaltungszentrum mit Europas größtem Trampolinbereich, Kletterwänden, Autoscooter, einem interaktiven SkyLab Wissenschaftszentrum, Bowling und einem Kino.

Im obersten Stockwerk befinden sich Restaurants und Cafés mit Panoramablick über die Stadt. Dort aßen wir zu Mittag: Udo Spare Rips, Xenia einen Pulled-Pork-Burger. Nicht billig, aber sehr gut.

Eine weitere Etage ist verschiedenen Outlets vorbehalten. Wir stellten allerdings fest, dass die Grundpreise hier meistens so hoch waren, dass auch Preisnachlässe von 50% nicht zu Schnäppchen führten. Wir schauten uns ein bisschen um, kauften aber nichts.

Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Lidl. Da wir wieder Lebensmittel brauchen konnten, hätten wir hier gerne eingekauft. Leider gab es keine Möglichkeit, mit der Berta in die Nähe zu kommen. In die Tiefgarage passte sie nicht rein. Als wir das Einkaufszentrum verließen, war der riesige Parkplatz bis auf den letzten Platz gefüllt. Autos warteten in den Reihen, bis Plätze frei wurden.

So fuhren wir um 15 Uhr weiter zum Jägala Wasserfall und hielten auf der Strecke bei einem anderen Lidl. Es regnete immer noch, da war Einkaufen eine sinnvolle Beschäftigung. Natürlich gab es auch gleich einen Kaffee und mit einer frischen Butterbrezel.

Als wir um 17:30 Uhr am Jägala Wasserfall ankamen, hatte es endlich aufgehört zu regnen. Es gibt hier ein kleines Café mit einem Parkplatz, auf dem man auch übernachten kann. Wir machten noch einen Spaziergang vor zum Wasserfall, ein Stück den Fluss entlang, über eine Brücke auf die andere Flussseite, wieder zum Wasserfall, den wir nun von der anderen Seite bewundern konnten, und zu zwei kleinen Höhlen am Flussufer. Bis wir das alles wieder zurückgelaufen waren, war auch eine gute Stunde vergangen.

Wieder an der Berta angekommen, machte Udo noch ein paar Drohnenaufnahmen und Xenia duschte. Zum Abendessen gab es eine gebratene rote Wurst mit einem frischen Wecken.


Montag, 06.07.2026 – Reifenpanne (Platten), Abschleppen und Reparatur bei Tallinn, Lasnamäe Einkaufszentrum, Viru Moor, Juminda

Vom Jägala Wasserfall bis Juminda – 96 km, Viru-Moorwanderung 6 km

Wetter: Vormittags Regen, nachmittags Aufheiterungen und zunehmend stürmisch, 14 Grad

In der Nacht prasselte der Regen aufs Bertadach wie noch nie. Es schüttete längere Zeit wie aus Kübeln. Zum Morgen wurde es besser. Der Regen hörte immer wieder auf, um dann wieder neu anzufangen. Der Wetterbericht war wenig ermutigend, erst am Nachmittag sollte es besser werden. Außerdem war es ziemlich kalt geworden, 12 Grad am Morgen und nicht mehr als 14 Grad tagsüber. Da waren lange Hosen und Pullis angesagt.

Wir beschlossen, trotz dem schlechten Wetter zum Viru Moor am Rand des Lahemaa Nationalparks zu fahren und dort abzuwarten, ob und wann der Regen aufhört. Auf der Fahrt dorthin wollten wir versuchen, ein paar Plastikfolien-Regencapes zu erwerben, die es in Estland in vielen Geschäften (Supermarkts, Drogerien) und bei Tankstellen geben soll.

Wir waren gerade am Losfahren, als uns unser einziger Nachtkamerad aus Augsburg ein Zeichen gab. Wir hielten an und er sagte, dass wir hinten rechts einen Platten hätten. Wir konnten es zuerst nicht glauben, aber genauso war es. Der rechte Hinterreifen war platt.

Wohl dem, der ADAC Premium Mitglied ist! Es war 10 Uhr und wir riefen bei der Hotline an. Eine freundliche Stimme versprach, eine SMS zu schicken, und wirklich war diese innerhalb Sekunden da. Wir mussten online eine Schadenbeschreibung, die Fahrzeugdaten der Berta und Udos Kontaktdaten weitergeben. Nur wenige Minuten später kam ein Rückruf. Wir mussten noch ein paar Reise- und Fahrzeugdaten ergänzen und bekamen dann das Versprechen, dass sich innerhalb der nächsten 90 bis 120 Minuten ein estnischer Mitarbeiter bei uns melden und uns helfen würde. Bereits 10 Minuten später kam der Anruf: in 25 Minuten sei der Abschlepper da. So war es dann auch. Um 11 Uhr kam der Abschleppdienst und der Fahrer sah den Übeltäter gleich: ein großer Nagel im Reifen. Der Reifen wurde nochmal aufgepumpt, um die Berta auf den Hänger fahren zu können. In wenigen Minuten war sie dort festgezurrt und wir fuhren zu einer Reifenwerkstatt in einem östlichen Vorort von Tallinn. Dort verabschiedete sich der freundliche Abschlepper. Er hatte mit uns deutsch gesprochen, hatte wohl zwei Jahre in Ulm und Neu-Ulm gearbeitet. Er wird direkt vom ADAC bezahlt, damit haben wir nichts mehr zu tun.

In der Reifenwerkstatt mussten wir auch nicht lange warten. Der Reifen konnte geflickt werden und um 12 Uhr war die Berta wieder startklar. Die Werkstatt wollte 40 Euro für die Reparatur, diese hat Udo ihnen gegeben.

Nachdem es auf der Fahrt nach Tallinn noch einmal richtig gegossen hatte, war es jetzt trocken. Wir wollten ja noch Regencapes kaufen, deshalb fuhren wir ins Lasnamäe Einkaufszentrum ganz in der Nähe. Dort bekamen wir in einem Supermarkt die gewünschten Umhänge und nahmen gleich sechs Stück mit – drei für Männer und drei für Frauen. Sie kosteten nur 2,70 Euro und sind sicher nicht sehr haltbar.

Da wir nun schon einmal im Einkaufszentrum waren, nutzten wir die Möglichkeit, in einem estnischen Hesburger einzukehren. Das Sortiment und die Qualität waren wie bei McDonald, mit frischen heißen Pommes.

Danach verließen wir Tallinn – hoffentlich zum letzten Mal auf unserer Reise! Der Himmel war bewölkt, aber es blieb trocken auf der Fahrt zum Viru Moor am östlichen Rand des Laheema-Nationalparks. Gleich neben der A1 liegt der Startparkplatz für eine schöne Runde durchs Moor.

Mit den neuen Capes im Rucksack, die wir aber zum Glück heute nicht mehr brauchten, machten wir uns auf den Weg. Wieder ging es auf einem schönen Bohlenweg durch das Moor. Das Viru Moor ist durchzogen von vielen Seen und war das feuchteste Moor, das wir bisher im Baltikum gesehen und durchwandert haben. Rechts und links der Bohlen stand das Wasser. Als wir unterwegs waren, machte der Himmel auf und die Sonne schien wieder. Wie schön! Es wurde auch gleich ein bisschen wärmer, die Jacke konnte man aber immer noch gut gebrauchen. Wir genossen die besondere Landschaft, den weiten Blick und den schönen Bohlenweg. An einem größeren See war sogar eine Badestelle mit einem Einstieg ins Wasser. Dort durfte die Susi einen kleinen Ausflug machen. Sie musste allerdings ziemlich gegen den mehr und mehr aufkommenden Wind ankämpfen, sodass sie bald wieder zurückgerufen wurde. Der Rückweg verlief durch den Wald am Moor entlang. Hier hat es in den Wäldern überall Heidelbeeren, die langsam reif werden. Einige konnten wir schon pflücken.

Um 17:30 Uhr waren wir zurück an der Berta und entschieden uns, noch in den Norden auf die Juminda-Halbinsel zu fahren. Wo wir dort stehen und nächtigen konnten, war uns noch nicht ganz klar.

Wir fuhren an der Westküste hoch und als wir an einer Parkmöglichkeit in Meernähe vorbeikamen, hielten wir dort an. Es war ein schöner Platz unter ein paar Kiefern mit Meerblick, allerdings war inzwischen ein ordentlicher Wind aufgezogen, der vor allem an der Westküste heftig wehte. Ab und zu wurden wir von Zäpfchen getroffen, die der Wind von den Bäumen riss. Das knallte dann ganz ordentlich. So aufgewühlt hatten wir die Ostsee bislang nicht gesehen.

Wir machten erst einmal ein Abendessen, dann gingen wir vor ans Meer. Der Blick war schon toll, aber durch den starken Wind war das Meererlebnis doch etwas getrübt. Zwei Burschen wollten sich den Spaß nicht engehen lassen und gingen bei ca. 17 Grad Lufttemperatur zum Wellenbaden.

Weil wir nicht weiter von Wurfgeschossen getroffen werden wollten, fuhren wir weiter. Udo wollte gerne noch ganz vorfahren ans Cup. Bis auf die letzten 500 Meter ging das auch prima auf geteerten Straßen, die allerdings immer kleiner wurden. Die letzten Meter bis vor an die Landspitze zu einem RMK Platz schafften wir dann auch noch auf dem Schotter-Waldweg. Mit einem Schweden, der mit einem kleinen Wohnwagen ebenfalls hier angekommen war, teilten wir uns den Platz.

Bevor wir die Luken dicht machten, machten wir noch einen kleinen Erkundungsgang ans Meer. Vorne befinden sich ein großer Gedenkstein und mehrere Marmortafeln am Boden zum Andenken an die Schiffe und Mannschaften, die hier von Minen getroffen wurden und untergingen.

Es stürmte auch hier kräftig, aber wir fanden ein einigermaßen geschütztes Plätzchen, wo wir die Berta hinstellen und die Nacht verbringen konnten.


Dienstag, 07.07.2026 – Regenwanderung Majakivi, Schiffswrack bei Loksa, nördlichster Punkt Estlands

Von Juminda bis Purrekari – 42 km, Bohlenwanderung 6,5 km, Abendrunde 3,5 km

Wetter: vormittags Regen, nachmittags heiter, abends bewölkt – 12 bis 17 Grad

Ob es in der Nacht geregnet hatte, wussten wir nicht. Wir haben gut geschlafen. Am Morgen fing es jedenfalls um 9 Uhr damit an, und der Wetterbericht sagte Regen bis 14 Uhr voraus. Außerdem war es mit 12 Grad so kalt, dass wir heizten.

Wir entschlossen uns, trotzdem eine Wanderung im Lahemaa-Nationalpark zu machen und dabei unsere Regencapes auszuprobieren.

Zuerst versuchten wir, einen Parkplatz anzufahren, von dem aus wir die Runde auf 4,5 Kilometer hätten verkürzen können. Dieses Unterfangen mussten wir allerdings aufgeben, als wir den Weg sahen, der zu diesem Parkplatz führte. Es war nur ein kleiner Waldweg, noch nicht einmal geschottert. So fuhren wir auf den ursprünglich ausgewählten Parkplatz an der Straße und starteten von dort.

Udos Cape war ziemlich eng und ist auch bald eingerissen. Xenia passte ihr Umhang ganz gut. Leider hatten wir keine Ponchos erworben, sondern Mäntel zum Knöpfen. Das bedeutete, dass die Hosen bis zu den Knien trotz Umhang nass wurden. Xenia war trotzdem sehr froh an ihrem Cape.

So starteten wir um 10:45 zu einer wider Erwarten sehr schönen Wanderung. Im Wald, angezogen mit Winteranorak und Plastikmantel, merkten wir vom Regen nicht viel. Der Weg war ein schöner, weicher Waldweg, teilweise lagen auch Bohlen über besonders feuchten Abschnitten. Letztere waren erstaunlich griffig, obwohl sie natürlich nass waren.

Das Highlight der Wanderung war der Majakivi, der drittgrößte Findling Estlands. Auf ihn kann man über eine Leiter hinaufklettern, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Die Aussicht von oben war eher bescheiden: Bäume rings herum. Aber darum ging es ja auch nicht und wir kletterten vorsichtig wieder hinunter.

Nicht weit vom Findling entfernt bog der Bohlenweg ab ins Moor bis zum Aussichtsturm Juminda. Auf dem offenen Moorstück haben wir mehr vom Regen gespürt. Zum Glück wehte nur ein leichter Wind. Dafür war der Aussichtsturm überdacht und von oben hatte man eine schöne Sicht über das Moor, den Wald, vor bis ans Meer und bis nach Tallinn.

Nun ging es wieder zurück, aber auf einem anderen etwas kleineren Weg. Wir gingen bergauf und bergab über die Sanddünen, teilweise über Treppen und Bohlen, dann wieder durchs Moor auf Bohlen, die an manchen Stellen unter Wasser standen.

Wieder im Wald angekommen, war der Weg immer wieder ziemlich zugewachsen. Der hohe Bewuchs machte die Hosen zusätzlich nass. An einer Stelle lagen zwei abgebrochene oder entwurzelte Bäume über dem Weg, die nur schwer zu übersteigen bzw. unter ihnen durchzukriechen war. Immer wieder sahen wir abgebrochene oder entwurzelte Bäume im Wald liegen. Das liegt wohl am sandigen und nassen Boden.

Zum Abschluss führte der Weg an einem kleinen Bach durch den Wald vorbei. Ihn überquerten wir und gingen ein Stück an ihm entlang. Das war regelrecht romantisch.

Nach 2,5 Stunden waren wir zurück an der Berta und froh, diese Tour trotz Regen gemacht zu haben. Sie hatte uns sehr gefallen.

In der Berta gab es Schinkennudeln zum Mittagessen.

Um 14:45 Uhr fuhren wir weiter. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und es kam immer mehr die Sonne heraus.

Wir verließen den Juminda-Finger und fuhren zum nächsten in die Gegend von Loksa, wo an der Küste ein altes Schiffswrack liegt. Wir konnten die Berta nach dem Ortsende von Loksa an der Straße abstellen und über einen kleinen Fußweg durch den Wald an den Strand laufen. Wir hatten genau an der richtigen Stelle geparkt, denn wir kamen exakt am Wrack heraus.

Inzwischen schien die Sonne und wir waren an einem sehr schönen Sandstrand gelandet. So nutzten wir die Gunst der Stunde, zogen Schuhe und Socken aus und gingen barfuß am Strand entlang bis zu einem Campingplatz. Dort holten wir uns an der Rezeption einen Becher Cappuccino und setzten uns damit auf ein paar Steine an den Strand. In der Sonne war das richtig schön, trotz Winterjacke, die Xenia noch gut vertragen konnte.

Ermutigt vom schönen Wetter beschlossen wir, eine Fahrt möglichst weit gen Norden und möglichst nahe zum nördlichsten Punkt Estlands zu wagen. Die Straße wurde immer schmäler, die letzten 3 Kilometer mussten wir auf unbefestigter Straße mit großen, mit Dreckwasser gefüllten Schlaglöchern fahren. Kurz vor dem Ende dieser Straße kamen wir an einen RMK Zeltplatz und entschlossen uns, die Berta hier auf dem Parkplatz stehen zu lassen und den letzten Kilometer zu Fuß zum Ende der Straße zu gehen.

Inzwischen war es etwas wärmer geworden. Ausgestattet mit Wasserschuhen im Rucksack und nur noch einer leichten Regenjacke machten wir einen Spaziergang durch den leeren Zeltplatz hindurch. Ganz in der Nähe unseres Stellplatzes hat eis einen wunderschönen 'Privatstrand', 50 m breit und sehr sauberer Sand und Wasser. Am Ende kamen wir am Umkehrpunkt der Straße heraus. Dort standen schon einige Autos und Wohnmobile. Nun hatten wir zwar das Ende der Straße, aber noch nicht das Ende der Landzunge erreicht. Wir wollten ja zum nördlichsten Punkt des Baltikums, also gingen wir weiter.

Das erste Stück war kein Problem. Dann allerdings kam eine Passage, wo das Meer die Landzunge überspülte. Jetzt kamen die Wasserschuhe zum Einsatz und wir wagten es, über Steine zu balancieren, die entweder noch aus dem Wasser ragten oder nur wenig überspült waren. Es waren auch noch ein paar andere Leute auf der Landzunge, aber wir waren die Einzigen, die sich übers Wasser wagten. Auch mit Wasserschuhen waren wir froh, als wir unbeschadet am anderen Ufer ankamen und jetzt wieder trockenen Fußes bis zum nördlichsten Punkt Estlands gehen konnten.

Auch auf dem Rückweg war die Meerdurchquerung wieder spannend. Um nicht nass zu werden, mussten wir immer eine Welle abwarten und erst nach ihr durchs Wasser bis zum nächsten Stein über Wasser gehen. Das hat meistens, aber nicht immer geklappt, und an einer Stelle haben Xenias Hosen doch einen Schwall Wasser abbekommen.

So hatten wir eine spannende Tour erfolgreich hinter uns gebracht. Schon auf dem Rückweg, den wir noch im Sonnenschein machen konnten, sahen wir eine Wolkenfront von Westen kommen. Als wir wieder in der Berta waren, hatte sich der Himmel zugezogen. Es regnete noch nicht, aber die Sonne war verschwunden.

Wir machten uns Tee und ein Abendvesper, für Udo gab es noch eine Dusche.

Um 22:25 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, staunten wir nicht schlecht: Eine rote Sonne schien durch den Wald, direkt in unser Wohnmobil. Wir zogen die Schuhe an und konnten gerade noch die letzten Minuten eines wunderbaren Sonnenuntergangs erleben.


Mittwoch, 08.07.2026 – Käsmu Wanderung, Trinkwasserquelle, Palmse, RMK Oandu

Von Purrekari bis RMK Oandu – 49 km. Wanderung Käsmu 8,5 km

Wetter: Bewölkt mit ein paar Regentropfen, 16 Grad

Der Wetterbericht hatte für den ganzen Tag Regen angesagt, aber so schlimm sollte es nicht kommen. Es blieb bewölkt und kühl, nachmittags regnete es ein paar Tropfen.

Unser erstes Reiseziel war heute der dritte Nordküstenfinger und hier das Ende der Straße nördlich von Käsmu. Von dort aus gibt es zum einen einen Weg auf einer ganz schmalen Landzunge ins Meer hinein bis Karadi Saar, zum anderen eine schöne Nordküstenwanderung. Wir wollten vor Ort sehen, wie das Wetter ist, und uns dann entscheiden, was wir wandern wollten.

Bevor wir losfuhren, ging Udo noch einmal vor zur Landspitze. Xenia duschte in dieser Zeit. Danach war unser Frischwasser ziemlich leer und es war klar, dass wir diesbezüglich heute noch etwas unternehmen mussten.

Um 10:45 Uhr kamen wir in Käsmu auf dem Wanderparkplatz an, verzehrten noch unsere letzten Walnuss-Teilchen (in der Pfanne aufgebacken) mit einem Cappuccino und machten uns dann auf den Weg nach Karadi Saar. Allerdings kamen wir leider nicht weit. Bevor es auf die Landzunge geht, versperrte uns ein großes Schild den Zutritt: Bis 15.07. war hier ein Schutzgebiet ausgewiesen, das man nicht betreten durfte. Wie schade – aber konnten wir nicht ändern.

Da es am Himmel nicht nach Regen aussah, entschlossen wir uns zur Küstenwanderung. Auf Wald-, Sand- und Kieselwegen kann man bis an die nordwestliche Spitze wandern. Das Besondere an diesem Küstenabschnitt sind die Steine und Felsbrocken, die hier im Wasser liegen. Es war wirklich ein sehr schöner Wanderabschnitt und wir genossen den Meerblick.

An der Spitze angekommen, sah der Himmel nicht mehr so gut aus. Ein Blick auf die Wetterapp bestätigte den Verdacht: in 30 Minuten war Regen angesagt. In dieser Zeit war der Rückweg nicht zu schaffen, das war klar. So schauten wir nicht aufs Wetter und gingen noch ein Stück die Küste entlang nach Süden. Kaum hatten wir das Kap umrundet, wurde es plötzlich ganz still: Hier waren kein Wind und keine Wellen mehr. Es war fast gespenstisch ruhig. Dafür war der Weg voller Ameisen, die hier mehrere riesige Ameisenhäufen gebaut hatten und fleißig unterwegs waren.

Bei zwei großen Findlingen verließen wir den Küstenweg und bogen in den Kiefernwald ab. Hier war der Boden saftig grün, moosig-weich und voller Heidelbeeren.

Auf dem Waldweg kamen wir zügig voran, so dass wir eine Stunde nach dem Kap wieder an der Berta waren. Es hatte einmal ein paar Spritzer geregnet, aber so schnell wieder aufgehört, dass wir nicht einmal Regenjacken angezogen hatten.

Es war jetzt 14:45 Uhr und wir entschlossen uns, weiter zum barocken Gutshaus Palmse zu fahren. Dieses hatte bis 18 Uhr geöffnet und die Fahrt dorthin dauerte eine knappe halbe Stunde. Allerdings wollten wir nicht direkt hinfahren, sondern unterwegs an einer Trinkwasserquelle Halt machen, die Xenia im Internet gefunden hatte. Hier sollte es sehr gutes Trinkwasser geben, das sich auch die Einheimischen holen.

Dank Maps fanden wir die Quelle: ein Fass mit Deckel im Boden, gefüllt mit Quellwasser. Trichter und Schöpfgefäße waren praktischerweise gleich daneben bereitgestellt. Als Xenia die Quelle erkundete, hielt ein estnisches Auto ebenfalls an der Straße und ein estnisches Ehepaar kam mit acht 20-Liter-Kanistern, um diese zu füllen. Da waren wir mit unserer 10-Liter-Gießkanne doch sehr bescheiden unterwegs! Die beiden waren sehr nett, füllten uns die Gießkanne acht Mal und gaben uns anschließend noch Tipps, wohin wir in Estland unbedingt noch reisen müssten. Die meisten ihrer Vorschläge waren bereits auf Xenias Liste, ein paar neue kamen aber auch noch mit dazu. Als wir die Quelle verließen, war das Fass nur noch zu einem Viertel gefüllt – aber es wäre schnell wieder voll, meinten die beiden. Sie holen sich das Wasser, weil es zum Trinken, insbesondere für Kaffee und Tee, von besserer Qualität sei als ihr Leitungswasser. So hatten wir noch ein nettes Nachmittags-Schwätzle und fuhren mit einem vollen Frischwassertank und bei leichtem Regen weiter nach Palmse.

Um 16 Uhr waren wir dort und besichtigten das feudale Gutshaus. Der barocke Gutshofkomplex der Adelsfamilie von der Pahlen gilt als das erste Gut des Landes, welches in den 1970er Jahren vollständig restauriert wurde, mitsamt all seiner historischen Nebengebäude, Parks und Gärten. Das Gutshaus kann man auf zwei Etagen besichtigen. Es ist mit authentischen Möbeln, Gemälden und Rokokokachelöfen ausgestattet. Im Musikzimmer steht ein historisches Orchestrion, eine mechanische Musikmaschine aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie erzeugt Musik über austauschbare Walzen. Jede dieser Walzen enthält Stifte und Brücken, welche die mechanischen Komponenten im Inneren ansteuern, um den Klang eines kleinen Orchesters zu imitieren. Eine Mitarbeiterin führte uns das Gerät mit einem Tanzlied vor.

Das Gutshaus war schnell angeschaut. Wir drehten noch eine Runde durch den Park und das Gewächshaus, dann gingen wir zur Berta zurück und fuhren weiter zu unserem Übernachtungsplatz, dem RMK Oandu telkimisala.

Dort kamen wir um 17:45 Uhr an, müde und vor allem auch hungrig. Xenia kochte Vanillepudding und Spaghetti mit Pesto und Salat. Den Pudding aßen wir zum Nachtisch mit Himbeersirup. Danach fühlten wir uns bedeutend besser. Die Berta verließen wir nicht mehr, auch um den Schnaken zu entgehen, die um unser Auto schwirrten.


Donnerstag, 09.07.2026 – Oandu Besucherzentrum und Wanderung, Altja, Übernachtung bei Rakvere Burgruine

Von Oandu bis Rakvere - Wanderungen Oandu 8 km und Altja 3 km

Wetter: heiter bis wolkig, 18 Grad

Endlich schien wieder einmal die Sonne aufs Wohnmobil, als wir aufwachten. Sie sollte uns den ganzen Tag über mehr oder weniger treu bleiben, allerdings blieb es frisch mit maximal 18 Grad.

Bevor wir zu unserer eigentlichen Wanderung aufbrachen, erkundeten wir den Platz, auf dem wir standen. Wir gingen vor an den Oandu-Fluss, zum kleinen See und dann weiter zum Besucherzentrum, bei dem sich auch ein kleines Freiluftmuseum befindet.

An einem hier aufgestellten Kaffeeautomaten holten wir uns zwei Cappuccinos, dann schauten wir uns die beiden Scheunen an, die liebevoll als Museen hergerichtet waren. Wir waren wieder ganz allein und überrascht, was hier alles über das Leben, Werkzeuge und Alltagsgegenstände der früheren Waldarbeiterfamilien erzählt und gezeigt wurde. In der zweiten Scheune ging es um den Wald an sich und um seine Bewirtschaftung. Hier gab es auch einiges für Kinder zum Spielen und Entdecken.

Zum Schluss machten wir einen Besuch im Besucherzentrumshaus. Auch hier war niemand außer einer Dame, die hier arbeitete und mit der wir uns sehr nett unterhielten. Sie erklärte uns, dass Schulklassen hierher kommen, um im Umgang mit der Natur unterrichtet werden. Zur Zeit sind allerdings Schulferien. Für den nächsten Tag erwartete sie eine ukrainische Kindergruppe und hatte einen Raum für sie zum Experimentieren vorbereitet. Sie fragte uns, ob wir keine Angst vor den Russen hätten. Sie selbst seien diese bedrohliche Nachbarschaft schon seit Jahrhunderten gewöhnt. Sprachlich sei Estnisch dem Finnischen sehr ähnlich, während vor allem in Litauen die Nähe und der Einfluss von Polen zu bemerken sei.

So hatten wir einen sehr interessanten und unterhaltsamen Vormittag – hatten wir so gar nicht erwartet! Beim Nationalparkzentrum starten mehrere RMK-Wandertrails. Aus zwei von ihnen hatte Xenia eine etwas größere Tour zusammengestellt, die wir jetzt abliefen.

Wir starteten mit dem “Biberpfad” in der Nähe des Oandu-Flusses. Von Bibern haben wir allerdings außer auf einer Schautafel nichts gesehen. Es war trotzdem ein netter Pfad, meistens oberhalb des Flusses, ab und zu mit einem Abstecher zum Fluss.

Danach nahmen wir eine nicht in komoot gelistete Abkürzung durch den Kiefernwald mit vielen reifen Heidelbeeren am Boden zum zweiten Trail, der auf Wald-, Bohlen- und Hackschnitzelwegen durch den Urwald des Laheema-Nationalparks führte. Am beeindruckendsten war die Stille, die hier herrschte. Nur ein bisschen Wind, ein paar wenige Vogelstimmen und ansonsten – Ruhe!

Da es sich beim Laheema-Nationalpark um eine Dünenlandschaft handelt, war der Weg zwischendrin immer wieder sandig und hügelig. Auch durch einige Feuchtgebiete mit entwurzelten Bäumen und großen Farnpflanzen sind wir gekommen, hier dann meistens auf Bohlenwegen. Einmal meinten wir, eine Tierstimme zu hören. Hier soll es auch Wildschweine, Rentiere und Bären geben. Gesehen haben wir aber nichts von ihnen.

Hier in der Wildniss leben auch Bären. Es gab einen Baum, an dem die Reibspuren deutlich zu sehen sind. Den Spuren nach, ist der wohl mindestens so groß, wie Xenia.

Um 14:30 Uhr waren wir wieder an der Berta, machten uns ein Mittagsvesper und gönnten uns eine Mittagspause.

Um 16 Uhr fuhren wir weiter nach Altja. Hier machten wir einen Spaziergang durch das kleine alte Fischerdorf, am Strand entlang und durch den Wald wieder zurück.

Wir hatten neben einer urigen Wirtschaft geparkt, vor der wir uns jetzt noch ein Abendessen auf der Wiese im Sonnenschein gönnten. Wir wählten estnische Speisen: gebratenes, schwarzes Brot mit Knoblauchsoße, und Mulgi-Brei (eine Art Kartoffelbrei) mit gebratenem Hering und süßsaurem Gemüse. Als estnisches Getränk ohne Alkohol ließen wir uns “Kama” empfehlen – Kefir mit geröstetem Getreideschrot und etwas Zucker. Dieses Nationalgetränk war selbst hergestellt und allein schon sehr habhaft, aber lecker.

Wir genossen es sehr, in der Sonne mit Blick ins Grüne zu sitzen und zu essen. Am Ende des Gartens stand eine große Schaukel, ähnlich einer Schiffsschaukel, die wir nach dem Essen noch erfolgreich ausprobierten.

Es war nun 18 Uhr geworden und wir entschieden uns, weiter nach Rakvere zur Burgruine zu fahren. Sie hatte natürlich geschlossen, als wir ankamen, aber wir konnten auf einem ruhigen Parkplatz davor die Nacht verbringen.


Freitag, 10.07.2026 – Burgruine Rakvere, Wasserfälle Saka und Valaste an der Ontiga Steilküste, Übernachtung in Toila

Von Rakvere nach Toila – 76 km

Wetter: heiter bis wolkig, 20 Grad

Auf unserem Burgparkplatz schliefen wir tief und fest bis 8:30 Uhr. Dann weckten uns die Sonne und ein paar Schafe und Ziegen, die um unser Wohnmobil liefen.

Die Burg öffnete erst um 10 Uhr, daher hatten wir noch genügend Zeit zum Frühstücken. Kurz nach 10 Uhr waren wir die ersten Burgbesucher. Im Eintritt inbegriffen waren verschiedene mittelalterliche Workshops und Vorführungen. Einen Plan, welche Aktion wann stattfindet, konnten wir an der Kasse abfotografieren.

Die Burg wirbt mit ihrer besonderen Familienfreundlichkeit und Workshops für Kinder. Auf dem Programm standen aber: Folterkammer, Todeskammer, Barbervorführung (mittelalterliche Heilpraktiken), mittelalterliches Bordell und Heilungsmethoden für Verliebte. Schon interessant, was in Estland als familienfreundlich gilt ... Natürlich gab es auch Bogenschießen, Töpfern, Kerzen herstellen, ein Spielplatz, Holzpferde, ein großes Schachspiel und jede Menge Haustiere wie Hühner, Schafe und Ziegen, die hier frei herumliefen.

Wir kamen zuerst an einen Stand für Kerzen, Töpfern und Filzen. Hier drehten wir zwei kleine Honigwachskerzen. Xenia probierte die Töpferscheibe aus und filzte eine kleine Maus.

Die Alchemisten-Vorstellung verließen wir nach wenigen Minuten, da sie auf Estnisch war und wir nichts verstanden.

Dafür bekamen wir auf Englisch eine mittelalterliche Heil- und Liebes-Unterweisung. Udo musste bei ersterem als Demonstrationsobjekt dienen - war schon witzig.

Das Personal der Burg war in mittelalterlichen Kostümen unterwegs und ihre Anzahl war größer als die an Besuchern. Für Hochsaison war wirklich wenig los!

Um 12 Uhr marschierte die Garde auf und es gab einen ohrenbetäubenden Kanonenschuss.

Im Gemäuer selbst gab es noch verschiedene geschichtliche Infos in einem kleinen Museum, eine moderne Kunstausstellung und man konnte auf den Wehrgang hinaufsteigen.

Wir waren sehr angetan von dieser Burg und hielten uns über drei Stunden dort auf.

Bevor wir sie verließen, aßen wir in der Burgschenke einen Wrap. Dieser war ganz okay, aber natürlich kein komplettes Mittagessen. So führte uns die Weiterfahrt zuerst zu einem Lidl, um unsere Vorräte wieder aufzufüllen und einen Nachtisch zu kaufen.

Obwohl sich Xenia inzwischen recht gut im baltischen Lidl auskannte, benötigte sie fast eine Stunde für den Einkauf. Heute gab es Probleme bei der Rückgabe der Pfandflaschen, der Automat hat gesponnen. Aber nach einer halben Stunde ging er wieder, nachdem Xenia das Personal darauf aufmerksam gemacht hatte. Nachdem alles in der Berta verstaut war, gab es einen Kaffee mit Donuts und Butterbrezeln. Anschließend fuhren wir weiter gen Nordosten an die Ontiga-Steilküste.

Den ersten Halt machten wir in Saka, einem sehr schönen Anwesen mit Hotel, Park und einem Campingplatz. Wir stellten uns auf den Parkplatz und gingen zuerst zu einem Turm mit einer Aussichtsplattform aufs Meer. Wir sahen ganz viel Wasser und am Horizont ein bisschen Finnland.

Unser eigentliches Ziel war der Saka-Wasserfall. Auf dem Weg vom Aussichtsturm zu ihm kamen wir an zwei Denkmälern vorbei: einer Skulptur mit Vögeln für die Vertriebenen und einer angedeuteten Landebahn für Mathias Rust, der im Mai 1987 als 18-Jähriger mit einer Cessna nach Moskau flog und auf dem Roten Platz landete.

Beim Saka-Wasserfall führte eine sehr steile Treppe mit 98 Stufen bis fast hinunter an den Strand. Das letzte Stück mussten wir über einen Naturpfad abgestiegen, der teilweise noch matschig und rutschig war.

Herausgekommen sind wir an einem sehr schönen Strand – fast wie in der Karibik. Lustig war, dass sich hier jemand eine Liege, Feuerstelle, Tisch und Schaukel aus Naturmaterialien gebastetlt hat. Wir gingen ihn ein Stück entlang in der Hoffnung, an einer anderen Stelle wieder hinaufsteigen zu können, mussten aber wieder umkehren. Zu viele umgefallene Bäume lagen im Weg.

Wieder oben angekommen, fuhren wir weiter zum größten Wasserfall des Baltikums, dem Valaste-Wasserfall. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einer Stelle kurz an, um die Steilküste zu sehen. Der Blick war aber ziemlich enttäuschend und wir fuhren weiter.

Etwa einen Kilometer vor dem Valaste-Wasserfall gab es einen Parkplatz. Von dort aus hätte man eigentlich hinunter zum Strand steigen können. An einem hohen Felsen lehnte aber nur eine marode, wackelige Leiter. Das war uns zu gefährlich.

So kehrten wir wieder um und fuhren mit der Berta bis vor zum Wasserfall. Dort parkten schon Autos und Wohnmobile und es waren einige Menschen unterwegs.

Neben dem Valaste-Wasserfall wurde eine Art offenes Treppenhaus gebaut, das zum Strand hinunterführt. Zunächst kamen ein paar Stufen aus Stein, dann begannen die Metallstufen. An diese 202 Treppenstufen schlossen sich noch einmal 142 Holzstufen an, sodass wir insgesamt 344 Stufen hinunter- und anschließend wieder hinaufstiegen. Der Strand unten war ähnlich wie der bei Saka, aber nicht ganz so schön und vor allem nicht so einsam.

Da wir den Wasserfall nicht richtig fotografieren konnten, ließ Udo die Susi fliegen und sie machte das für uns.

Nun war es 18:30 Uhr geworden und wir hatten genug für heute. Wir fuhren weitere 15 Minuten bis Toila, stellten uns auf einen großen Wiesenparkplatz beim Oru-Park und verbrachten dort die Nacht.

Zum Abendessen gab es Grillwürste mit Brezeln, frischem Brot und Salat, und zum Tagesabschluss einen tollen Sonnenuntergang im urbanen Umfeld.


Samstag, 11.07.2026 – An der russischen Grenze: Narva Jöesuu, Narwa; Kuremäe Nonnenkloster

Nun haben wir den nördlichsten und den östlichsten Punkt unserer Reise hinter uns, auch den entferntesten Punkt von zuhause haben wir überschritten. Jetzt gehts definitiv nach Hause.

Das war unser Standplatz, gleich neben dem schwarzen Fahrzeug.

Von Toila bis Kuremäe – 126 km

Wetter: nachts Regen, vormittags erst bewölkt, dann sonnig, ab 17:15 Uhr Gewitter und anhaltenden Regen – bis 30 Grad

Heute bekamen auch wir einen Sommertag – allerdings mit Regen in der Nacht und Gewitter am frühen Abend. Dazwischen kamen wir ganz schön ins Schwitzen und waren am Abend nicht undankbar für die Abkühlung.

Nach dem Frühstück starteten wir zu unserem von zuhause am weitesten entfernten Punkt: Narva Jöesuu, wo die Narva in die Ostsee mündet. Sie ist der Grenzfluss zwischen Estland und Russland. Am Morgen hatte Xenia noch ein nettes Gespräch mit einem österreichischen Ehepaar, das neben uns in Toila in ihrem Pössel übernachtet hatten. Sie erzählten, dass sie gerne ins Baltikum reisen, schon viermal hier in der Gegend gewesen seien, aber noch nie wären so wenige Touristen unterwegs gewesen wie in diesem Jahr. Sie vermuteten, dass das am Krieg und der Angst vor den Russen liegen könnte.

Der Weg nach Narva Jöesuu führte an der Ostsee entlang. An einer Stelle hielten wir an der Straße an und gingen vor an den Strand, den uns die Esten an der Trinkwasserquelle uns als besonders schön beschrieben hatten. Allerdings lag an der Stelle, wo der Weg von der Straße in den Strand einmündete, einiges an Müll herum.

In Narva Jöessuu fuhren wir so weit wie möglich an die Narvamündung heran und parkten die Berta auf dem letzten möglichen Parkplatz vor der Ostsee. An der Narvamündung, in der Nähe des Leuchtturms, war eine riesige Baustelle. Wir vermuteten, dass hier ein Wohnmobilstellplatz oder Campingplatz entsteht, da bereits Stromsäulen da waren. Ansonsten begegneten wir vielen Verbotsschildern, die wir nicht immer ganz verstanden.

Da die Zone ja nicht unkritisch war, wollten wir schon umkehren, als ein paar Mädels mit Badetaschen unterm Arm fröhlich durch die Baustelle gen Strand marschierten. Ihnen folgten wir und kamen so vor ans Meer.

Der Strand ist dort riesig, frisch aufgeschüttet mit rötlichem Sand. Etwas weiter weg sahen wir mehrere Leute am Strand, hier vorne waren es nur ganz wenige. Am Steg waren Kameras installiert und obwohl die Mädels inzwischen im Wasser plantschten, war uns nicht ganz wohl. So kehrten wir wieder um. Außerdem hatten wir nur 45 Minuten Parkzeit, sonst hätten wir ein Tagesticket lösen müssen. Es war schon relativ viel Polizeipräsenz in der Stadt, aber diese kümmerten sich zum Glück nicht um uns.

Ein paar Angler waren auch am Fluss. Sie ließen sich durch das Patrouilleboot der Polizei nicht aus der Ruhe bringen.

Nun fuhren wir der Narva entlang zur Stadt Narwa, unserem östlichsten Punkt der Reise. Wir bekamen einen Parkplatz direkt unterhalb der Hermannsfestung. Es war fast 12 Uhr, so machten wir uns ein kleines Vesper und aßen dazu eine halbe Babymelone. Inzwischen war es gut warm geworden, da war die Melone eine willkommene Erfrischung.

Die Hermannsfeste liegt direkt am Grenzfluss und ist die am besten erhaltene Burg Estlands. In der Festung kann man frei herumgehen, ohne Eintritt bezahlen zu müssen. Nur für Turm und das Museum muss man ein Ticket lösen, was wir aber nicht getan haben. Was wir von den Mauern und Wehrgängen aus sehen konnten, hat uns genügt.

Direkt gegenüber der Hermannsfeste steht auf russischer Seite die Festung Ivangorod, ebenfalls eine mächtige Burg.

Zwischen den beiden Burgen führt eine Brücke über die Narva, über die wohl früher ein reger Autoverkehr herrschte. Insbesondere viele LKWs sollen diese Brücke benutzt haben. Heute ist sie für den Verkehr gesperrt und besonders auf der estnischer Seite stark mit Bollern und Stacheldraht gesichert. Ein trauriges Bild! Ein paar Fußgänger mit Koffern waren auf dem Fußweg der Brücke unterwegs, aber es waren nur sehr wenige. Bevor sie nach Estland einreisen durften, wurden sie wohl noch besonders überprüft, denn vor dem Grenzgebäude hatte sich eine große Schlange von Menschen gebildet, die hier auf ihre Abfertigung warteten – und das, obwohl nur ganz wenige Menschen über die Brücke kamen.

Wir setzten uns auf eine Bank im Wehrgang und beobachteten eine Zeitlang die Brücke und die gegenüberliegende Burg. Dann kauften wir uns im Burgkaffee ein Eis und drehten noch eine kleine Runde durch die Stadt zurück zur Berta. Dabei kamen wir am estnischen Ende der Grenzbrücke vorbei, wo ein regelrechter Menschenauflauf war. Viele der Leute hatten Koffer, manche schauten angestrengt in Richtung Brücke und Abfertigungsgebäude. Wir blieben lieber etwas auf Abstand und waren froh, einfach zur Berta zurückkehren zu können.

Gleich hinter unserem Parkplatz begann die Uferpromenade und dort war auch eine öffentliche Bademöglichkeit, die beim heutigen Sommerwetter gerne genutzt wurde.

Bevor wir Narwa verließen, fuhren wir noch in den Süden der Stadt zum Hafen Kulgu. Dort in der Nähe befindet sich das “Klein Venedig” Narwas, ein Kanalgebiet mit kleinen Häuschen und Booten. Wir kamen aber gar nicht so richtig ran, das Gelände war eingezäunt.

So mussten wir unser Besichtigungsunterfangen aufgeben und entschlossen uns zur Weiterfahrt nach Kuremäe, wo es eine besonders schöne Klosteranlage gibt. Das Kloster ist das einzige aktive russisch-orthodoxe Nonnenkloster in Estland und die markanten grünen Zwiebeltürme sind schon von weitem sichtbar.

Je näher wir Kuremäe kamen, umso schwärzer wurde der Himmel. Es waren Gewitter angesagt, aber in Narwa hatten wir davon noch nichts bemerkt. Als wir auf dem Klosterparkplatz eintrafen, hörten wir in der Ferne Gewittergrollen. Wir überlegten kurz, ob wir im Auto bleiben, entschieden uns dann aber doch dafür, die 200 Meter zum Kloster zu gehen.

Zunächst kamen wir durch einen Friedhof und bewunderten die Friedhofskirche und die einheitlichen Gräber, alle mit denselben Grabkreuzen.

Das Klostergelände ist frei zugänglich, aber am Eingang war ein Schild aufgestellt, das Frauen das Tragen von kurzen Hosen verbietet. Xenia hatte natürlich kurze Hosen an. Die Frauen, die wir im Gelände sahen, waren mit Röcken und Kopftuch bekleidet. Eine Touristin kam uns ohne Kopfbedeckung entgegen, aber sie trug wenigstens eine lange Hose. Wir gingen trotzdem kurz in den Kosterhof, warfen einen Blick in den wunderschönen Garten, gingen aber nicht in die Kirche hinein.

Jetzt fielen auch die ersten Tropfen vom Himmel und es dauerte nicht lange, bis es stark regnete. Blitze haben wir keine gesehen, aber Donner haben wir einige gehört. Zum Glück hatten wir Regenknirpse mitgenommen, sonst wären wir total durchnässt worden.

So war der Klosterausflug für heute schnell beendet. Wir waren froh, in der Berta vor dem Unwetter geschützt zu sein, und machten aus der Not eine Tugend: es gab ein leckeres Abendessen (gebratene Lachsfilets mit Reis und Kräuter-Zitronensoße, dazu einen gemischten Salat).

Das Kochen im Wohnmobil macht Xenia Spaß, auch wenn sie dabei mit den eingeschränkten Mitteln zurecht kommen muss. Vor dem Abwasch werden Geschirr und Töpfe mit Zewa abgewischt, damit das Spülwasser nicht so schnell dreckig wird. Dann erst wird gespült und Udo trocknet ab.

Anschließend gab es eine Dusche. Wohl gesättigt und nicht mehr schweiß-klebrig konnten wir den Abend in der Berta abschließen, während draußen der Regen aufs Dach prasselte.


Sonntag, 12.07.2026 – Kuremäe Kloster, Vasknarva, Bademittag am Peipus-See

Von Kuremäe bis RMK Karjamaa telkimisala – 47 km

Wetter: sonnig, 26 Grad

Am Morgen war der Regenspuk vorbei. Die Sonne schien, und das sollte heute auch den ganzen Tag so bleiben.

Xenia erkundete das Klostergelände nach dem Frühstück allein. Udo wollte seinen Fuß schonen. Er war beim Absprung von der Schaukel am Donnerstag blöd auf dem harten Sandboden aufgekommen und hatte sich den Fuß verstaucht. Seither hat er Probleme beim Auftreten. Außerdem interessierte in das Kloster nicht so, dass er nochmals hingehen wollte.

Xenias Problem war die Kloster-Kleiderordnung. Einen Rock hatte sie ebensowenig dabei wie ein Kopftuch. So zog sie wenigstens eine lange Hose an und im Gelände noch eine Jacke darüber. So machten es die Männer. Es wollte niemand etwas von ihr, aber sie hielt sich von der Kirche und dem Gottesdienst, der hier gerade stattfand, fern. Der Garten war sehr gepflegt, alles grünte und blühte vor den schönen Gebäuden.

Als Xenia wieder zurück war, fuhren wir weiter durch den Alutaguse Nationalpark zum nordöstlichen Ende des Peipus-See. Hier trafen wir wieder auf die Narva und die russische Grenze.

Es war sehr warm – zumindest kam uns das so vor, obwohl das Thermometer nicht mehr als 26 Grad anzeigte. Vormittags war es recht schwül, wahrscheinlich durch den starken Regen am Tag zuvor.

Bevor wir Vasknarva erreichten, machten wir einen kurzen Stopp auf einem Parkplatz für einen Badestrand am See. Es war ein schöner Strand und es war nur eine Familie mit einem Kind dort. Wir entschieden uns trotzdem zur Weiterfahrt.

In Vasknarva fuhren wir zuerst zu den Resten einer Ruine an der Narva. Direkt an diese Ruine war ein Wohnhaus angebaut und gegenüber, auf der anderen Flussseite, wehte eine russische Fahne.

Wir fuhren vor zum Hafen und machten noch eine Runde ums dortige Kloster, einem Ableger von Kuremäe. Das Kloster ist komplett von einer Mauer umgeben und die Tore waren verschlossen. So konnten wir das schöne weiße Gebäude nicht näher erkunden.

Nun wollten wir aber an den See und fuhren zum RMK-Platz Karjamaa telkimisala, den wir über die RMK-App gefunden hatten. Ein paar Kilometer weiter, in der Gegend von Kauksi, ist in den Sommermonaten das Parken gebührenpflichtig. Dieser Platz liegt ebenfalls direkt am See und war noch umsonst. Die RMK-Plätze befinden sich fast immer in Kiefernwäldern, was Schatten bedeutet. Dieser war uns heute sehr willkommen. Die Laptops hatten wir während der Fahrt geladen, so benötigten wir für sie keinen Solarstrom mehr.

Der RMK-Platz war gut belegt, aber wir fanden noch ein Plätzchen für die Berta. Udo war zufrieden, Xenia gefiel es nicht so gut, weil es direkt neben einer Mülltonne war. Wir waren erst einmal froh, einen ebenen Schattenplatz zu haben, machten dann allerdings einen Fehler: Xenia kochte ein warmes Mittagessen (zuerst Pudding, dann Tortellini mit Gemüsesoße). Das Feuer des Herdes erhitzte nicht nur die Töpfe, sondern auch das ganze Wohnmobil noch zusätzlich. Xenia lief der Schweiß in Strömen herunter, aber jetzt abzubrechen, ging ja auch nicht. Wir hatten die Türe, das Dach und alle Fenster mit Fliegengitter geöffnet, um ein bisschen Durchzug zu bekommen. Ein kleiner Ventilator unterstützte das noch zusätzlich. Als wir gegessen und abgespült hatten, war uns klar: künftig gibt es in der Berta nur noch kalte Mittagsmahlzeiten an Sommertagen!

Udo legte sich ein bisschen hin, Xenia war es zu warm und zu laut dafür. Es fuhren immer wieder Autos direkt an uns vorbei oder Leute kamen, um ihren Müll in die Mülltonne zu werfen. So erkundete Xenia den Platz, während Udo sein Mittagschläfchen machte.

Um 14:30 Uhr zogen wir Bikini und Badehose an, packten eine Strandtasche und gingen über die Düne zum schönen Sandstrand. Es waren ein paar Leute da, aber es war noch genug Platz vorhanden. Wenn man bedenkt, dass es Sonntagnachmittag war! Das hätte in Deutschland anders ausgesehen!

Der Peipus-See ist mit einer Fläche von 3.555 km² der fünftgrößte See Europas, etwa sieben- bis achtmal so groß wie der Bodensee. Ein Großteil der Staatsgrenze zwischen Estland und Russland läuft durch ihn. Am estnischen Nordufer, wo sich ein herrlicher langer Sandstrand befindet, ist er ganz flach. Man kann sicher hundert Meter hineinlaufen und immer noch stehen – ein Paradies für Kinder! Wir hatten gelesen, dass es hier Anfang Juli zur Algenblüte komme und tote Fische am Strand lägen. Dem war aber nicht so. Das Wasser war sehr sauber und das Baden ein echtes Vergnügen. Das Oberflächenwasser war etwas temperiert, an den Füßen war es aber ordentlich kalt. So verschwitzt, wie wir waren, war die Abkühlung sehr willkommen!

Wir gönnten uns zwei Badedurchgänge mit Sonnenbaden dazwischen.

Um 16:30 Uhr kehrten wir zur Berta zurück und konnten sie jetzt auf einen schöneren Platz umparken, der inzwischen frei geworden war. Nun wurden Tisch und Stühle herausgeräumt und Kaffee mit Pudding und Keksen gemacht. Den Rest des Tages verbrachten wir auf dem Platz vor der Berta mit Relaxen, Lesen und Reisepläne machen.

So wurde Udos Knöchel heute sehr angenehm und erfolgreich geschont.


Montag, 13.07.2026 – Kauksi, Burgruine Laiuse, Endla Moor

Von RMK Karjama telkimisala über Endla Moor bis Burgruine Laiues – 122 km

Wetter: vormittags sonnig, nachmittags bewölkt, 22 Grad

Wir nutzten den Sonnenschein am Morgen auf dem schönen RMK-Platz für ein Frühstück im Freien. Kurz überlegten wir, heute noch hier zu bleiben, entschieden uns aber dann doch für die Weiterfahrt ins Endla-Moor.

Einen kurzen Halt machten wir in Kauski, dem touristischen Zentrum am Nordufers des Peipas-Sees. Udo blieb in der Berta, Xenia inspizierte den Strand. Der See war ähnlich wie an unserem letzten Übernachtungsplatz, sehr flach und mit einem langen Sandstrand. Hier soll es laut Reiseführer “singenden Sand” geben: Durch die Reibung sauberer, runder Quarzkörner entsteht beim Darüberlaufen ein quietschendes Geräusch. Der Sand war wirklich sehr fein und etwas körnig, aber Xenia wäre jetzt nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Vielleicht war es nicht trocken genug? Um besser zum Strand gelangen zu können, wurden hier Bohlen gelegt und es gab immer wieder Aussichtsbänke auf der Düne. Die Anlage war schön gemacht, aber länger bleiben wollten wir hier nicht.

So fuhren wir weiter, ein Stück um den See und dann gen Westen ins Land hinein. Auf halber Strecke zum Endla Moor tauchte plötzlich eine imposante Ruine am Wegesrand auf. Es gab einen Parkplatz, daher hielten wir an und schauten uns die alten Gemäuer an.

Der Weg zur Burg führte über eine Brücke über einen Bach. Die Brücke war gesperrt, doch da wir nicht einen größeren Umweg über die Landstraße gehen wollten, stiegen wir über die Absperrung. Die Brücke hatte sich auf einer Seite gesenkt, war aber noch sehr stabil und nur kurz. So war das Überqueren kein Problem. Es gab nicht allzu viel zu sehen, so war unsere Visite schnell beendet und wir fuhren weiter.

Um 12:30 Uhr kamen wir beim Parkplatz des RMK-Zeltplatzes Tooma an, der zugleich der Startplatz für unsere Moorwanderung war. Vor dem Abmarsch aßen wir noch ein Vesper. Der Himmel hatte sich inzwischen leider zugemacht. Es war kein Regen angesagt, aber wir nahmen zur Sicherheit doch unsere Knirpse mit. Wir haben sie nicht gebraucht.

Wir wanderten einen RMK Trail, den Männikjärve bog study trail, durchs Endla Moor und um den Männikjärve-See herum. Der Bohlenweg durchs Moor war sehr schön, auch wenn er fast nur geradeaus ging. Von einem Aussichtsturm hatten wir eine schöne Sicht auf die Moorlandschaft mit ihren vielen kleinen Seen. Heute hatten wir Badebekleidung dabei, um in einem der Moorseen baden zu können, aber es schien keine Sonne und es ging ein frischer Wind. Das war ums zum Baden zu kalt.

Im Anschluss ans Moor mussten wir ein gutes Stück an einem Entwässerungsflüsschen entlanggehen. Das Problem hier war, dass der Weg sehr moorig-matschig war. Wir kamen immer durch, aber es war teilweise mühsam, die matschigen Stellen zu umlaufen.

So waren wir froh, als dieser Weg zu Ende war und wir auf Hackschnitzeln und später auch auf Bohlen weiter durch den Wald bis zum Männikjärve See gehen konnten. Wir hätten gerne eine Pause eingelegt, aber es gab auf der ganzen Strecke, außer auf dem Aussichtsturm, kein Bänkle – und das auf dem Aussichtsturm war von einem anderen Paar belegt gewesen, das dort gevespert hatte. So liefen wir die ganzen 8,5 Kilometer ohne Pause. Die Wegstrecke um den See verlief im Heidelbeer-Wald, aber so dicht am See, dass wir schöne Ausblicke hatten. Wie schön wäre da ein Bänkle gewesen!

Um 16:30 Uhr waren wir wieder an der Berta, trotz bedecktem Himmel ziemlich verschwitzt und k.o. Udos Fuß hatte die große Wanderung gut mitgemacht, aber nun war auch genug. Wir legten uns 45 Minuten in unsere Betten, duschten anschließend und fuhren dann wieder zurück. Auf dem Parkplatz wollten wir nicht bleiben, da war inzwischen zu viel los. Einen riesen Krach machte ein Aufsitzmäher, der die RMK-Platz-Wiese mähte. Unser Eindruck: In Estland wird immer gemäht, wenn es nicht regnet.

Da es inzwischen schon 18 Uhr geworden war, fuhren wir nur die halbe Strecke zurück an den See und übernachteten auf dem Parkplatz bei der Burg Laiuse. Der lag zwar an der Straße, aber der Verkehr hielt sich in Grenzen und wir wollten nicht mehr weiter suchen.

Zum Abendessen gab es Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und Salat, zum Nachtisch ein Kirschenjoghurt.


Dienstag, 14.07.2026 – Rote Felsen am Ufer von Kallaste, Schloss Alatskivi, Fahrt nach Tartu

Von Ruine Laiuse bis Tartu – 100 km

Wetter: vormittags heiter, nachmittags bewölkt – 21 Grad

Heute mussten wir wieder einmal Ver- und Entsorgen. Auf unserem Übernachtungsparkplatz war ein Klo, auf dem wir gut unser Campingklo ausleeren konnten. In Mustvee am Peipus-See gab es eine Tankstelle, an der wir tanken, unser Frischwasser auffüllen, die Scheiben reinigen und den Reifendruck überprüfen konnten.

So versorgt fuhren wir weiter nach Kallaste. Der Este von der Trinkwasserbrunnen hatte uns diesen Ort und auch das Schloss Alatskivi ans Herz gelegt.

Wir parkten die Berta ganz in der Nähe der Roten Felsen und gingen vor an den Strand. Der Sand war rötlich und sauber, das Wasser des Sees aber nicht mehr ganz so klar wie am Nordufer. Es war irgendein Grünzeug darin. Dafür war der Strand voller Muscheln und die hintere Kulisse bestand aus einer 900 Meter langen Felswand aus rotem Sandstein mit einigen Auswaschungen darin. Wir gingen ein Stück den Strand und an den Felsen entlang, so weit das möglich war.

Dann stiegen wir die Böschung hinauf und schlenderten weiter durchs Dorf, vorbei an kleinen, schönen Häusern, bis zum eigentlichen Badestrand von Kallaste. Das Wetter war schön, es waren Schulferien und Hauptsaison. Trotzdem waren nur wenige Leute am Strand.

Auf dem Rückweg zur Berta kamen wir an einem kleinen Fischrestaurant vorbei. Es war mehr eine Fischräucherei mit ein paar Tischen und Stühlen an der kleinen Straße. Der Besitzer sprach uns an und lud uns ein, Platz zu nehmen. Es war 12 Uhr, so nahmen wir sein Angebot an und bestellten Fischfilet. Am Nachbartisch verzehrten drei ältere Frauen geräucherte kleinere Fische, die sie in die Hand nahmen und abnagten. Wir hatten keine Lust, mit den Gräten zu kämpfen, deshalb wählten wir das Filet. Es dauerte nicht lange, da waren alle Tische belegt. Einen Innenraum gab es hier nicht und die Küche war eine kleine Zeile vor dem Wohnhaus mit Herd und Fritteuse. Wer auf die Toilette wollte, wurde auf ein Dixi verwiesen. Wir warteten eine gute halbe Stunde auf unser Essen, dafür wurde der Fisch frisch zubereitet. Der Besitzer lud uns nach dem Essen ein, einen Blick auf seine Räucherofen zu werfen. Seit 35 Jahre würde er jeden Tag räuchern, erzählte er uns. Es klang ein bisschen frustriert.

Wieder an der Berta gab es eine kurze Mittagspause vor der Weiterfahrt zum Schloss Alatskivi. Das weiße neugotische Gebäude wurde von der Adelsfamilie von Nolcken Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der königlichen Residenz Balmoral in Schottland erbaut. Das Anwesen war einmal ziemlich heruntergekommen, wurde aber wieder komplett renoviert und teilweise mit originalen Möbelstücken eingerichtet.

Man kann das ganze dreistöckige Gebäude besichtigen. Im Erdgeschoss zeigt eine Ausstellung das Leben der von Nolckens. Im Obergeschoss befindet sich ein Museum, das dem estnischen Komponisten Eduard Tubin gewidmet ist. Im Untergeschoss gibt es eine Keramikwerkstatt und eine Ausstellung von Wachsfiguren, die die einstigen Schlossbediensteten darstellen.

Außerdem kann man die Stallungen besichtigen, in denen wir noch einiges zur Geschichte des Schlosses und über das Leben in dieser Zeit erfuhren.

Das Schloss liegt an einem kleinen See, den man mit einem Spaziergang umrunden kann. Wir verzichteten darauf, da der Weg sehr uneben war und das Udos Fuß Probleme bereitete.

Jetzt hatten wir Lust auf einen schönen Kaffee. Im Coop nebenan gab es aber leider keine Backstube. So mussten wir uns mit einem Tüteneis begnügen. Vor dem Coop verkaufte ein Mädel Tomaten und Gurken. Bei ihr holten wir uns etwas und fuhren weiter zum Lidl in Tartu. Unser Kühlschrank, das Getränkefach und die Kühltasche für Obst und Gemüse konnten wieder Nachschub vertragen.

Als Nachtplatz hatten wir uns einen Parkplatz am Fluss Emajögi hinter dem AHHAA Science Center ausgesucht. Zum Abendessen gab es Tomaten-Gurken Salat mit Zwiebeln, Olivenöl und Balsamico-Essig. Dazu eine frische Brezel und einen frischen Wecken vom Lidl – wir haben es genossen! Vor uns fuhren ein paar Boote den Fluss entlang.

Am Abend machte sich der Himmel noch einmal auf und die Sonne kam wieder hervor.


Mittwoch, 15.07.2026 – Tartu, Estnisches Nationalmuseum

In Tartu 5 km, Stadtwanderung 5 km

Wetter: sonnig, 26 Grad

Heute war es sommerlich warm, aber nicht mehr so schwül. Wir starteten den Tag mit einer Runde durch die Stadt. Unser Übernachtungs-Parkplatz lag so zentral, dass wir die Berta dort stehen lassen konnten.

Gleich nebenan war ein Markt, den wir kurz in Augenschein nahmen. Hier gab es Bäcker, Metzger, Obst, Gemüse, Badebekleidung und allerhand Krimskrams – alles in kleinen Läden oder an Ständen.

Wir überquerten den Emajögi (Fluss durch Tartu), gingen ein Stück am Fluss entlang und dann über die nächste Brücke wieder auf die andere Flussseite zurück, um in die Altstadt zu gelangen.

Die Straße führte direkt zum sehr schönen Rathaus mit dem Brunnen der “Küssenden Studenten” davor.

Jetzt kamen wir auf die Rüütli-Straße, die zentrale Fußgängerzone Tartus. Da es erst kurz nach 10 Uhr war, war hier noch nicht viel los.

Eine besondere Sehenswürdigkeit war die St. Johanniskirche, eine der ältesten gotischen Backsteinkirchen Estlands und ein Wahrzeichen der Stadt. Besonders sind die über 1000 erhaltenen Terrakotta-Figuren an ihrer Fassade und im Innern, von denen jeder einzelne Kopf individuell gestaltet wurde. Sie stellen vermutlich historische Einwohner der Stadt dar. Im Innern der Kirche gibt es wenig Schmuck. Die Backsteine sind das bestimmende Element. Auf einer Seite entdeckten wir eine kleine Ausstellung alter Musikinstrumente und den Eichensarkophag der Baroness Anna Elisabeth von Münnich.

Unser nächstes Ziel war das Bürgerhausmuseum Tartu aus dem 19. Jahrhundert. Leider öffnete es erst um 11 Uhr. 40 Minuten wollten wir nicht warten und gingen daher weiter zum Domberg. Auf dem Weg kamen wir am prächtigen großen Universitätsgebäude vorbei.

Der Dom existiert auf der einen Seite nur noch als Ruine, im angrenzenden intakten Teil befindet sich das Universitätsmuseum.

Wir erreichten zuerst die Ruine und freuten uns, dass man auf die beiden noch intakten Türme hinaufsteigen kann. Der Blick von oben war allerdings eher bescheiden. Man sah in erster Linie Bäume. Schön waren an der Ballustrade aufgehängte Fotografien, die die Gebäude erklärten, die man neben den Bäumen noch sehen konnte. Wir waren anfangs die einzigen Dombesteiger. Erst als wir die steilen Stufen wieder hinabstiegen, kam uns eine Familie entgegen.

Das Universitätsmuseum interessierte uns weniger, so nutzten wir nur seine schöne Toilette und gingen ansonsten daran vorbei.

Jetzt ging es wieder hinunter in die belebtere Stadt. Es war 12:30 Uhr geworden, Zeit zum Mittagessen. In der Fußgängerzone kauften wir uns einen Kebab und Udo noch ein Eis.

Unsere Stadtbesichtigungsrunde war beendet und wir gingen zurück zur Berta. Udo parkte sie um auf einen Schattenplatz unter einem Kastanienbaum. Dort machten wir eine halbe Stunde Pause, aßen die zweite Hälfte unserer Wassermelone und fuhren anschließend zum 3,5 Kilometer entfernten Estnischen Nationalmuseum.

Das größte Museum Estlands beeindruckte uns schon von außen. Es ist 350 Meter lang, wurde direkt auf der Startbahn eines ehemaligen sowjetischen Militärflughafens im Stadtteil Raadi errichtet und symbolisiert das Abheben des Landes in die Zukunft.

Auf rund 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche beherbergt das Museum zwei preisgekrönte, interaktive Hauptausstellungen: eine zur Geschichte der Esten und eine über finnisch-ugrische Völker. Beim Einlass erhielten wir jeder ein interaktives „Smart Ticket“, mit dem durch Scannen des Barcodes auf dem Ticket die Sprache auf den digitalen Erklärtafeln in die gewünschte Muttersprache (bei uns natürlich Deutsch) geändert werden konnte.

Wir besuchten zuerst die Esten-Ausstellung mit dem Titel “Begegnungen”. Gezeigt wird hier der Alltag der estnischen Bevölkerung von der Eiszeit bis in die heutige digitale Ära. Für Xenia war das Smart-Ticket sehr praktisch. Udo hatte leider Probleme beim Lesen. Seine Brille passte nicht gut für die Schriftgröße. So ließ er sich einige Texte von Google-Lens übersetzen. Ein toller Service ist außerdem, dass man sich die Geschichten der Tafeln aufs Smart Ticket laden und später seinen persönlichen, auf diese Weise erstellten Museumsführer noch einmal auf einer speziellen Internetseite nachlesen kann. Wir sahen neben viel Geschichte traditionelle Trachten, historisches Handwerk sowie Exponate aus der sowjetischen Besatzungszeit.

Am 23. August 1989 bildeten rund zwei Millionen Menschen in Estland, Lettland und Litauen eine über 600 Kilometer lange Menschenkette, um für ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. Gelbe T-Shirts wurden im Frühjahr 1987 zu einem Symbol der estnischen Umwelt- und Unabhängigkeitsbewegung. Anlass waren sowjetische Pläne für einen massiven Phosphorit-Tagebau in Nordestland, der schwere Umweltschäden verursacht hätte.
Aber auch traditionelle Trachten aus verschiedenen Regionen wurden gezeigt.
Tolle Präsentation der Werkzeuge aus verschiedenen Gewerken. Tablets zeigten in Filmen, wie die Werkzeuge eingesetzt wurden.

Nach 1,5 Stunden waren wir grob durch. Der Kopf war voll, die Füße waren müde. So gingen wir zurück zur Berta und machten uns einen kalten Milchkaffee mit zwei süßen Stückle.

Frisch gestärkt und etwas ausgeruht konnten wir nun die zweite Ausstellung mit dem Titel „Echo des Urals“ in Angriff nehmen. Hier wurden wir auf eine ethnologische Reise in die Kultur und Lebenswelt der finno-ugrischen Völker und samojedischen Minderheiten mitgenommen. Leider gab es keine digitalen Tafeln, die Texte waren neben Estnisch und Russisch nur noch auf Englisch. Aber es gab hier viel weniger zu lesen als in der ersten Ausstellung, dafür mehr zu erleben. Der Weg führte durch nachgestellte Szenen, nachgebaute Hütten und vorbei an Figuren in historischen Gewändern und ihren Alltagsgegenständen. Die Szenen wurden immer wieder untermalt durch einheimische Klänge. Das Ganze war wirklich schön gemacht!

Kleidung und Trachten der inidgenen Nordvölker von Finnland bis zum Ural
Blick ins Blockhaus und Jurte.

Um 17:40 Uhr, 20 Minuten vor Schließung des Museums, hatten wir auch diese Ausstellung beendet und gingen zum Ausgang.

Gegenüber des Estnischen Museums befindet sich ein Haus auf dem Kopf (Tagurpidi Maja), das aber ebenfalls um 18 Uhr schließt. So konnten wir nur kurz daran vorbeigehen und mussten den Besuch auf den nächsten Tag verschieben.

Da man auf dem Museumsparkplatz nicht übernachten darf, fuhren wir auf einen nahegelegenen Parkplatz, wo dies möglich ist. Dort gab es Abendessen: Brokkoli in heller Soße mit Süßkartoffeln und marinierten Hähnchenflügeln. Leider war das Hähnchen so scharf, dass Xenia es nicht essen konnte. Außerdem hatte Xenia beim Einkauf gedacht, es handle sich um Filet-Stücke ohne Knochen. So musste Udo abnagen und Xenia verzichtete ganz aufs Fleisch. Es ist halt manchmal schon blöd, wenn man nicht versteht, was auf der Packung steht ...


Donnerstag, 16.07.2026 – Tartu: Haus auf dem Kopf, Uku-Höhle, Meenikunno Moorwanderung und Moorseebaden, Fahrt nach Piusa

Von Tartu bis Piusa – 106 km, Moorwanderung 7 km

Wetter: sonnig, 24 Grad

Es erwartete uns ein herrlicher Sommertag mit 24 Grad, einer leichten Brise und null Regenwahrscheinlichkeit – optimal!

Am Vormittag hatten wir es sehr entspannt, da wir nur zwei Minuten vom “Haus auf dem Kopf” Tagurpidi Maja geparkt hatten und das Haus erst um 10 Uhr öffnete. So blieb uns Zeit zum Reden, Planen, Aufräumen und Putzen.

5 Minuten nach 10 Uhr waren wir am Haus und heute nicht die Ersten! Es kam schon eine Familie wieder heraus. Das Haus selbst und alles, was sich drinnen befindet, steht auf dem Kopf – was zu lustigen und kuriosen Bildern führt, wenn man sie umdreht. Wir versuchten uns an verschiedenen Arrangements und hatten Spaß dabei.

Nun mussten wir Tartu wieder verlassen und fuhren von der Stadt in die Pampa ins Naturreservat Süvahavva. Unser Ziel war die Uku-Höhle (Uku koobas), eine Sandsteinhöhle am Fluss Võhandu im Süden Estlands. Direkt neben ihr befindet sich die größere, aber eingestürzte Sõjatare-Höhle, von der nur noch ein Kerbtal erhalten geblieben ist. Aus der Uku-Höhle fließt eine Quelle, die Höhle ist wohl durch Auswaschungen im rissigen und weichen Sandsteinfelsen entstanden.

Auf dem Weg zur Höhle wurden die Straßen immer kleiner, bis wir die letzten 7 Kilometer auf Schotter fahren mussten. Dort, wo ein kleiner Pfad zur Höhle von der Straße abgeht, stand bereits ein PKW. Einen weiteren Parkplatz gab es nicht, so stellten wir uns dahinter und machten erst einmal ein Mittagsvesper. Als wir beim Abspülen waren, kam der Fahrer des Wagens aus dem Wald zurück mit einem großen Korb voller Pfifferlingen in der Hand. Er war wohl nicht an der Höhle, sondern beim Pilzesammeln gewesen.

Als er weggefahren war, konnten wir die Berta ein bisschen besser hinstellen und machten uns dann auf den Weg zur Höhle. Das war ganz schön abenteuerlich! Eigentlich hätten zwei Leitern die Sandsteinböschung zur Höhle hinunter führen sollen. Die erste gab es zwar noch, aber sie war ziemlich marode. Die zweite war abgebaut. Auf einem Schild stand, dass beide Treppenleitern ersetzt werden sollen und wenn das geschehen ist, würde ein Schild darauf hinweisen. Na toll!

Wir stiegen zuerst die marode Treppenleiter und dann den Abhang ohne Leiter vorsichtig hinunter und kamen wohlbehalten unten am Flussufer an. Bis zur orangefarbenen Höhle waren es nur noch wenige Meter. Udo bedauerte, die Wasserschuhe und eine Taschenlampe in der Berta gelassen zu haben. Durch die Höhle floss ein Quellbach, der den Boden ein paar Zentimeter unter Wasser setzte. Wie es hinten weitergeht, konnten wir von vorne nicht erkennen. Wir setzten uns ein paar Minuten auf zwei kleine Bänkchen und stiegen dann wieder den Hang zur Berta hinauf. Rauf geht es ja meistens einfacher als runter, so war es auch hier.

In Anbetracht des herrlichen Wetters entschieden wir uns, auf einen Spaziergang den Fluss entlang im Wald zu verzichten und dafür zum Meenikunno-Moor zu fahren. Xenia wollte so gerne einmal in einem Moorsee baden und heute gab es die Gelegenheit dafür.

Die Anfahrt zum Moorparkplatz verlief die letzten sieben Kilometern auf einer Schotterstraße. Wir waren ganz allein, bis wir zum Parkplatz für die Moor-Runde kamen. Dort standen schon sechs Autos und einige Leute waren unterwegs, auch mit Hunden und Kinderwagen.

Wir packten trotzdem Badesachen in den Rucksack und machten uns auf den Weg. Bevor wir zum Moor kamen, mussten wir ein Stück durch den Wald gehen, der auch hier voller Heidelbeeren war. Diese waren inzwischen reif und süß und wir sahen einige Leute, die mit Bechern im Wald unterwegs waren. Ob sie Pilze oder Heidelbeeren sammelten, konnten wir aus der Entfernung nicht erkennen, aber wir vermuteten Heidelbeeren.

Am Beginn des Moores, kurz bevor der Bohlenweg startete, befand sich ein RMK-Platz und ein Aussichtsturm. Wir stiegen hinauf, aber die Aussicht war nicht toll.

Auf dem Moorweg kamen wir an drei Seen vorbei: zuerst einem größeren, dann einem mittelgroßen und zum Schluss noch an einem kleinen. Im ersten und dritten See konnte man schwimmen.

Am ersten See angekommen, war gerade eine Gruppe von vier Damen am Gehen. Sie sagten uns, dass das Wasser herrlich zum Schwimmen sei. Xenia ging zuerst in den See, Udo kam nach wenigen Minuten nach. Es war wirklich klasse! Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur und war total sauber. Durch den moorigen Untergrund erschienen einem die Hände und Füße im Wasser orange-braun. Leider blieben wir nicht allein, es kamen noch zwei andere Paare, die ebenfalls ihre Kleider auszogen und zum Schwimmen kamen. Der See ist so tief, dass man nicht stehen kann und über eine Leiter vom Steg ins Wasser steigen muss. Kommt man in Ufernähe auf den Boden, ist dieser morastisch weich, aber es sind auch Äste darin. Besser, man hält sich davon fern, um sich nicht zu verletzen.

Als wir genug gebadet hatten, zogen wir uns wieder um und marschierten am mittleren See vorbei bis zum kleinen See am anderen Moorende. Auch dort gab es einen Steg zum Einsteigen in den See, allerdings ohne Leiter. Beim Hineinrutschen tauchte Xenia komplett unter. Das hatte sie eigentlich nicht gewollt, aber die Sonne trocknete auch die Haare wieder. An diesem See waren wir ganz allein. Er war allerdings zu einem Teil zugewachsen und daher nicht ganz so schön wie der erste See.

Die Wanderroute hätte nun durch den Wald zurück zum Parkplatz geführt. Wir entschieden uns, diesen Weg nicht zu nehmen und stattdessen den Bohlenweg durchs Moor zurückzugehen. Als wir wieder an den ersten See kamen, herrschte dort Hochbetrieb. Da hatten wir es doch gut erwischt!

Wieder zurück an der Berta entschieden wir uns, heute noch bis Piusa weiterzufahren, um dort zu übernachten und am nächsten Tag die Sandhöhlen zu besichtigen. Der Waldparkplatz, auf dem wir standen, war voller Mücken. Daher wollten wir dort nicht bleiben.

Die Strecke bis Piusa war nicht weit, aber die ersten 15 Kilometer waren Schotterstraße. Zum Glück war die Piste weder ausgewaschen noch voller Schlaglöcher, so dass das ganz gut ging.

Kurz vor Piusa parkten wir auf einer Stellfläche neben der wenig befahrenen Straße mit Blick auf die große Sanddüne beim Museum.

Zum Abendessen gab es ein Kinderessen: Debrezinerwürstchen, Nudeln mit Bratensoße und Salat.


Freitag, 17.07.2026 – Piusa Sanddüne und Sandhöhlen, Rouge

Von Piusa bis Rouge – 53 km

Wetter: sonnig, 24 Grad

Heute war wieder ein herrlicher Sommertag mit strahlend blauem Himmel. Unsere Führerin in den Piusa-Höhlen meinte, wir sollen das schöne Wetter genießen – es sei nicht immer so! Was ja unserer bisherigen Estland-Erfahrung durchaus entsprach.

Unser Übernachtungsplatz war nur ein Katzensprung von den Sandhöhlen entfernt. Diese sind ein riesiges, von Menschenhand geschaffenes Stollensystem. Entstanden zwischen 1922 und 1966 durch den Abbau von Glassand, beherbergen die bis zu 20 Kilometer langen Gänge heute die größte Fledermaus-Winterkolonie Osteuropas. Aufgrund von Einsturzgefahr sind die Höhlen für freie Entdecker gesperrt, das Besucherzentrum veranstaltet aber Führungen in verschiedenen Sprachen über die Entstehung der Höhlen und die Nutzung des Sandes. Dabei gibt es auch einen Einblick ins Höhlensystem.

Wie wir bereits am Vorabend festgestellt hatten, öffnete das Besucherzentrum leider erst um 11 Uhr. Gut, dass wir das heute wussten und uns darauf einstellen konnten. So blieben wir etwas länger auf unserem Parkplatz. Udo erledigte ein paar Höhlen-Geschäfte, Xenia ging zum Heidelbeeren Sammeln in den Wald. Die Ausbeute war aber sehr gering und das Unterfangen mühsam. Auf dem sandigen Boden gab es nur wenige und sehr kleine Beeren. So war Xenia schnell zurück und machte stattdessen eine kleine Erkundungstour rund um die Berta. Es war schon erstaunlich: mitten in Estland riesige Sanddünen. Besagte Höhlenführerin sprach vom “größten Sandkasten Estlands”.

Kurz nach 10 Uhr fuhren wir um die Ecke zum Besucherzentrum, schauten uns dort ein bisschen um, machten eine Runde durchs Gelände und tranken einen Kaffee im kleinen Restaurant. So ging die Zeit bis 11 Uhr schnell vorbei.

Es wurde uns gesagt, dass um 11:15 Uhr eine englische Tour startet. Die Führung um 11 Uhr war auf Russisch. Es waren einige Menschen da, aber wir waren tatsächlich die Einzigen, die Englisch gewählt hatten . Die Führung begann mit einem 15-minütigen Film über Fledermäuse, Insekten und andere Tiere, die in den von Menschen geschaffenen Sandhöhlen eine Heimat gefunden haben. Fledermäuse sind DAS Thema hier: Sogar das Gebäude wurde in Form einer Fledermaus erbaut. Wir konnten das aber erst erkennen, als wir nach der Tour auf dem Dach desselben standen und die ausgebreiteten Flügel, den Kopf und den Schwanz sehen konnten.

Nach dem Film ging es eine Runde durchs kleine Museum. Die junge Führerin zeigte uns verschiedene Bilder, Tierexponate und Glaswaren. Den Abschluss der Tour bildete ein Besuch der Höhlen, allerdings nur des Eingangsbereiches in das Stollensystem. An einem Modell konnten wir das gesamte Ausmaß der Anlage sehen. Das Ganze war ein riesiges Labyrinth mit Stollen von imponierender Höhe. Weil es in der Höhle nur 10 Grad hatte, gab es Decken für die Besucher. Xenia war dankbar für eine.

Um 12:15 Uhr fuhren wir weiter. Das nächste Ziel war Rouge, genauer gesagt das Dorf Tindi, wo wir um 13:30 Uhr ankamen. Die Fahrt dauerte länger als gedacht, weil Udo viele Kilometer auf einer kleinen, frisch geteerten und gesplitteten Straße fahren musste. Da konnte er nicht schneller als 40 Km/h fahren. Aber schließlich war auch das geschafft und wir erreichten den Parkplatz des Pesapuu-Aussichtsturmes.

Nach einem Mittagsvesper starteten wir zu einer Runde durchs Gelände. Der 30 Meter hohe Pesapuu-Turm sieht aus wie ein Baum mit zwei Vogelnestern und einem „goldenen Ei“ an der Spitze. Die Nester sind Aussichtsplattformen, die man besteigen kann. Udo nahm die Susi mit und ließ sie von oben fliegen.

Was für eine schöne Landschaft! Hier ist es leicht hügelig mit Seen, Flüssen, Wäldern, Feldern und kleinen Ortschaften dazwischen. Das herrliche Sommerwetter trug sicherlich auch dazu bei, dass es uns hier so gut gefiel.

Wir besuchten das Nachtigallental und kamen zu zwei lustigen Hydraulik-Quellen, den “Hydraulischen Widdern von Tindioru”. Dabei handelt es sich nicht um klassische Quellen, sondern um wasserbetriebene Pumpen, die völlig ohne Strom, Treibstoff oder Motoren arbeiten. Sie nutzen ausschließlich die kinetische Energie des herabfließenden Quellwassers, um einen Teil dieses Wassers über ein Ventilsystem Dutzende Meter in die Höhe zu befördern. Im Tindioru-Tal befinden sich zwei dieser seltenen und faszinierenden Apparate: Der erste Widder (1939) wurde vom damaligen Hofbesitzer Friedrich Johanson erbaut. Er wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass diese Technik bereits im Jahr 1796 in Frankreich patentiert worden war. Diese Pumpe arbeitet bis heute zuverlässig und befördert täglich etwa 3 Kubikmeter Wasser rund 30 Meter nach oben. Der zweite Widder (2002), ein moderneres Modell mit zwei Schlagventilen, wurde von seinem Sohn konstruiert, um das technische Erbe des Vaters fortzuführen. Wir fanden sie beide sehr lustig und faszinierend.

Wir gingen ein Stück zurück und dann weiter bis zur Ööbikuorg Hängebrücke. Durch den Gitterrost-Boden der Seilhängebrücke kann man direkt nach unten in die bewaldete Schlucht und auf den Tindi-Bach blicken.

Auf dem Rückweg zur Berta kamen wir an vier historischen Blockbauten und einem traditionellen Tipi-ähnlichen Zelt vorbei. Es handelte sich um das wikingerzeitliche Gehöft Rõuge, das das Leben in Estland vor rund 2000 Jahren veranschaulichen soll. Die Häuser wurden ab 2010 basierend auf echten Ausgrabungsfunden der nahegelegenen Burgberg-Siedlung von Rõuge rekonstruiert.

Auch wenn die Runde eigentlich nicht besonders anstrengend war, waren wir doch froh um eine kleine Pause in der Berta.

Anschließend fuhren wir nach Rouge an den Badestrand des Suurjäv-Sees. Die Abkühlung im See war sehr schön und tat uns richtig gut!

Erfrischt und vom Schweiß befreit fuhren wir weiter zum Parkplatz der Hinni-Schlucht. Die Schlucht ist ganz nett, aber in wenigen Minuten durchquert. Anschließend kann man noch 10 Kilometer einen RMK-Weg am Rouge Jögi entlang wandern. Wir gingen nur vor bis zum Fluss und drehten dann wieder um.

Für heute hatten wir genug und beschlossen, auf dem Hinni-Schlucht-Parkplatz zu übernachten. Zum Abendessen gab es ein paar Schinkennudeln mit Ei und Käse, dazu einen Salat.


Samstag, 18.07.2026 – Karula Nationalpark Aussichtsturm Mäekonnu und Radtour

Von der Hinni-Schlucht bis zum Besucherzentrum des Karula Nationalparks – 36 km, Radtour 30 km

Wetter: sonnig und windig, 28 Grad

Heute erkundeten wir bei herrlichem Sommerwetter den Karula Nationalpark. Er ist mit 123 km² der kleinste Nationalpark Estlands und wir hatten den Eindruck, hier ist die Welt noch in Ordnung! Nicht mehr ganz so große Felder, grüne Wiesen, Wälder, 38 Seen, Schotterstraßen und kleine Gehöfte mit wunderschön hergerichteten Gärten machen das Landschaftsbild dieser durch die letzte Eiszeit geformte Kuppellandschaft aus. Wären nicht die Mücken und Bremsen, wäre die Idylle perfekt.

Am Morgen standen wir ganz allein auf dem Hinni-Schlucht-Parkplatz. Udo holte eine Flasche Quellwasser von unten. Es schmeckte prima, aber die Berta damit zu betanken war uns doch zu mühsam. Außerdem war der Frischwassertank noch halb voll. Während Xenia spülte, die Läufer ausklopfte und den Boden kehrte, ging Udo nochmals in die Schlucht, um einen Geocache zu suchen und sogar zu finden!

Um 9:30 Uhr kamen wir los und fuhren zum Besucherzentrum des Karula Nationalparks am Ähijärv-See. Dieser ist mit Abstand der größte See im Nationalpark.

Im Park gibt es keine Teerstraßen und wir mussten die letzten 11 Kilometer auf Schotter fahren. Das ging aber erstaunlich gut, die Straße war nur an wenigen Stellen waschbrettartig holprig.

Immer wieder kamen wir an herrlichen Anwesen vorbei: perfekt gemähter Rasen, Blumen- und Gemüsebeete, verschiedene Baumgruppen, ein Teich und ein renoviertes Haus, vor dem oft ein teures Auto stand - aber mitten im Nirgendwo, teilweise ohne Stromanschluss, an Kanalisation nicht zu denken.

Bevor wir zum Besucherzentrum kamen, machten wir einen kleinen Abstecher zum Mäekonnu Aussichtsturm. Die Straße dorthin war auch nicht schlechter als die Schotterstraße zum Besucherzentrum, der Umweg betrug nur 2 Kilometer und wir wurden dadurch ein Auto los, das ziemlich langsam vor uns herfuhr und dennoch eine große Staubwolke hinter sich herzog.

Der Aussichtsturm ist aus Holz gebaut und ziemlich neu. Von oben kann man über die Baumwipfel weit ins Land blicken.

Wieder unten und bei der Berta angekommen, nahmen wir das letzte Stück zum Besucherzentrum in Angriff und kamen um 11:15 Uhr dort an. Es befindet sich nur 50 Meter vom See entfernt und es gibt einen RMK-Platz auf einem Hügel direkt daneben.

Wir bekamen problemlos einen Parkplatz und starteten zu einer kleinen Erkundungstour an den See und durch den RMK-Platz. Es gibt dort auch einen schönen Spielplatz. Xenia hat ganz besonders eine Holzschaukel gefallen. Hier wären wir doch gerne mit unseren Enkelkindern gewesen!

Am See entdeckten wir eine kleine Badestelle mit einem Steg, die aber um 11:30 Uhr schon von einer Familie mit Kindern belegt war.

Wir gingen ins Informationszentrum und schauten uns dort die kleine Ausstellung an. Xenia fragte die Dame an der Information, wo wir unseren Camper hinstellen und die Nacht verbringen könnten. Sie sprach nur sehr schlecht Englisch, aber eine andere Estin half beim Übersetzen. Als Antwort bekam Xenia eine ausladende Handbewegung mit dem Wort: “anywhere”. Hier sieht man alles nicht so eng und Platz gibt es genug. Für einen sonnigen Samstag in der Ferienzeit war wieder einmal erstaunlich wenig los.

So blieben wir stehen, wo wir waren, machten uns ein Mittagsvesper und starteten anschließend zu einer Radtour um den See und durch den Nationalpark. Xenia hatte eine Route ausgesucht, die die Hauptstraßen möglichst mied. Das bedeutete aber im Gegenzug teils abenteuerliche Wege.

Was wir gefahren sind, lässt sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: die Wege, die Xenia gefielen und Udo langweilig fand, und andere Wege, die Udo gefielen und von Xenia einiges an Mut erforderten. Vor allem auf dem zweiten Teil der Tour (dem Rückweg von der gegenüberliegenden Seeseite zum Besucherzentrum) war Kategorie zwei angesagt. Hier fuhren wir teilweise auf Wanderwegen oder Sandstraßen. Gut, dass es in den letzten Tagen nicht geregnet hatte, sonst wären auch noch Matschwege dabei gewesen.

Alles in allem war es eine sehr schöne Tour, auf der wir die Landschaft der “Karula Highlands” entdecken und genießen konnten. Immerhin befanden wir uns auf 300 Metern Höhe und durch das viele Hügel hinauf- und hinabfahren kamen bis zum Ende der Tour 200 Höhenmeter zusammen. Nachdem wir in den letzten Tagen die Räder nicht benutzt hatten, war das heutige Programm eine schöne Abwechslung.

Eine Pause legten wir auf der anderen Seeseite ein. Dort, am Ende der Straße (und am Ende der Welt) trafen wir – auf einen kleinen RMK-Platz mit Feuerstelle, einer überdachten Sitzgruppe, einem Häuschen mit Feuerholz, einer Trockentoilette und einem Mülleimer. Die Standardausrüstung eines RMK-Platzes gab es sogar hier. Außerdem führte ein kleiner Steg in den See.

Wir hatten Badesachen dabei, beließen es aber dabei, auf dem Steg zu sitzen. Wir streckten unsere Füße ins warme, moorbraune Wasser und genossen den schönen Ausflug. Hier konnte man wirklich abschalten und einfach nur “sein”.

Nun kam das schwierigste Stück auf manchmal sehr unwegsamen oder sandigen Pfaden. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert hatten, kamen wir um 16:30 Uhr wieder am Besucherzentrum und bei der Berta an. Trotz ziemlich starkem Wind und Mückengefahr holte Udo die Stühle heraus, Xenia besorgte ein Eis vom Besucherzentrum und wir ließen es uns im Schatten der Berta gut gehen. Udo inspizierte noch einmal den Badeplatz, aber dieser war immer noch sehr voll. So verzichteten wir heute aufs Seebaden und nahmen stattdessen eine Dusche in der Berta.

Unsere Lebensmittelvorräte waren inzwischen ziemlich aufgebraucht, aber für Bratkartoffeln mit Bratwürsten und Salat hat es noch gereicht. Wir werden wieder einkaufen müssen!

Am Abend zogen Wolken herein. Die schöne regenfreie Zeit neigte sich wohl leider ihrem Ende entgegen.


Sonntag, 19.07.2026 – Aluksne (Marienburg), Schloss Stomersee

Wir haben Estland verlassen. Insbesondere der Süd-Osten hat uns sehr gut gefallen. Viel Natur, wenig Menschen, keine touristischen Hotspots.

Vom Besucherzentrum Karula bis Schloss Stomersee – 100 km; Stadtrunde Aluksne 6 km

Wetter: Am Vormittag Schauer, ab Mittag trocken, nachmittags etwas Sonne – 21 Grad

In der Nacht hatte es ziemlich viel geregnet und auch am Vormittag zogen immer wieder Schauer durch, die wir aber in der Berta auf dem Übernachtungsplatz und während der Fahrt gut überstanden.

Bevor wir losfuhren, tankte Udo an einer Wasserstelle beim Besucherzentrum Frischwasser nach. Xenia hatte schon am Vortag die Dame an der Info gefragt, ob das Trinkwasser sei und wir damit unseren Camper füllen dürfen. Sie hatte beides bejaht. Klasse für uns, denn unser Frischwasservorrat betrug nur noch 25%.

Heute mussten wir schweren Herzens Estland verlassen. Vor der Grenze fuhren wir noch zu einem kleinen Coop in Moniste, der laut KI einen Pfandrückgabeautomat haben sollte. Und tatsächlich, so war es, und wir konnten die leeren estnischen Pfandflaschen dort abgeben. Lettland und Litauen haben eigene Pfandsysteme und nehmen nur die Flaschen aus dem eigenen Land zurück.

Die Grenze erkannten wir nur an einem Schild in Lettland. Auf estnischer Seite war nicht einmal das aufgestellt. Doch wir bemerkten die Grenze an anderer Stelle: die Straße wurde besser, die Häuser wesentlich bauanfälliger als in Estland.

Um 11:30 Uhr kamen wir in Aluksne (Marienburg) an und besuchten als erstes einen Maxima-Supermarkt. Einen Lidl gab es hier leider nicht, aber wir bekamen auch im Maxima, was wir benötigten. Nach dem Einkauf nutzten wir den Parkplatz gleich für eine Mittagessenspause. Wir hatten dafür an der Backwarentheke Pizzaschnitten und ähnliches eingekauft. An einem kleinen Stand hatte Udo noch ein Kilo Erdbeeren erworben, die wir vor der Weiterfahrt einzuckerten.

Unser nächster Halt war nur 4 Minuten entfernt: ein für Wohnmobile erlaubter Parkplatz bei der schönen evangelisch-lutherischen Kirche von Aluksne.

Draußen war es ziemlich frisch, so zogen wir lange Hosen an, nahmen eine Jacke mit und machten uns auf den Weg zu einer Stadtrunde am Aluksne-See.

Durch den Schlosspark kamen wir zum Neuen Schloss. Es wurde von 1859 bis 1863 auf Veranlassung des Barons Alexander von Vietinghoff im neugotischen Stil errichtet und beherbergt heute das Stadtmuseum mit Ausstellungen zum kulturhistorischen Erbe, einer historischen Schau von der Urzeit bis zur Gegenwart sowie einem Gedenkraum für die Opfer des Totalitarismus (Zeit der russischen Besetzung von 1941 bis 1990, insbsondere die Deportationen nach Sibirien).

Die Besichtigung startete mit einer 10-minütigen Multimedia-Projektion im restaurierten Musiksalon. Vorgeführt wurde ein Lied, in dem die letzte Erbin des Gutes, Baronesse Helene, ihre Geschichte und die ihrer Familie von Vietinghoff besingt. Zu hören waren Gesang, Klavier, Cello und Saxophon, begleitet von illusorische Wandmalereien und Lichtinstallationen. Eine besondere Rolle spielte dabei ein roter Fuchs, der sich auch im Familienwappen wiederfindet. Wir waren die einzigen Museumsbesucher und hatten somit den Musiksalon für uns allein.

Danach besichtigten wir die historische Ausstellung im oberen Stock. Hier gab es auch eine schöne Sammlung von Puppen in traditionellen lettischen Volkstrachten. Jede Puppe trägt eine historisch präzise, handgearbeitete Volkstracht aus den verschiedenen kulturhistorischen Regionen Lettlands (Vidzeme, Latgale, Kurzeme, Zemgale und Sēlija).

Bedrückend war der Gedenkraum für die Deportierten im Untergeschoss. Dokumentiert wird hier das Leben und Leiden der Einwohner der Gemeinde Alūksne, die während der sowjetischen Besatzungszeit nach Sibirien und in den Fernen Osten deportiert wurden. Wir sahen persönliche Briefe, Tagebücher, historische Fotografien und Alltagsgegenstände, die den deportierten Familien in der Verbannung gehörten oder dort heimlich gefertigt wurden. Die sowjetische Besatzung war für die baltischen Länder ein großes Übel und die Menschen hier lassen keine Gelegenheit aus, dies zu bezeugen und zum Ausdruck zu geben, wie froh und dankbar sie über ihre neue Freiheit und die Anbindung an die EU sind.

Google-Übersetzter hilft weiter.

Als wir das Schloss verließen, kam auch die Sonne ein bisschen hervor und es wurde gleich wärmer. Unser Weg führte uns weiter auf die Schlossinsel, von der aus wir einen schönen Blick auf den See hatten.

Über eine zweite Brücke erreichten wir den Tempelberg. Dort spazierten wir ein Stück am Ufer entlang und gingen dann den Berg hinauf zum Aussichtsturm Aluksne. Dieses mächtige Holzbauwerk ist 37,8 Meter hoch und gehört zu den höchsten Holztürmen Lettlands. Wir mussten 153 Stufen bis zur Aussichtsplattform hinaufsteigen, wurden dafür aber mit einem schönen Ausblick belohnt.

Vorbei ging es noch an der Rotunde, dann folgten der Abstieg und der Rückweg zur Berta.

Dort gab es einen Kaffee mit den gezuckerten Erdbeeren, Sahne und griechischem Joghurt. Xenia aß noch ein süßes Stückle dazu. Die Stadtrunde hatte uns doch mehr geschlaucht, als wir das erwartet hatten, und wir waren froh um die Pause und die Stärkung.

Es war nun 17 Uhr und wir überlegten, was wir noch mit dem restlichen Tag anfangen wollten. Wir kamen zum Entschluss, noch ein Stück weiterzufahren bis zum Schloss Stomersee und dort die Nacht zu verbringen. Wir wussten, dass das Schloss bereits geschlossen hat und erst wieder am Dienstag öffnet, aber der Außenbereich ist frei zugängig und das Gebäude gilt als “architektonische Perle der Region Vidzeme”. Außerdem hatten wir gelesen, dass nach Einbruch der Dunkelheit an die nördlichen Außenwand eine multimediale Lichtshow über die Liebes- und Familiengeschichte der von Wolffs projiziert werden soll. Das wollten wir uns gerne anschauen.

So starteten wir noch einmal und kamen um 18 Uhr am Schloss an. Viel war nicht mehr los auf den Schlossparkplatz, so dass wir die Berta problemlos hier abstellen konnten. Wir machten einen Spaziergang ums Schloss und Udo ließ die Susi fliegen.

Die verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang verbrachten wir in der Berta.

Um 22.30 Uhr gingen wir noch einmal zum Schloss und kamen genau richtig zu einem Durchgang der Multimedia-Show. Diese fanden wir ziemlich konfus. Es ging um die Familie von Volf, verschiedene Hochzeiten, die Zerstörung des Schlosses während der Russischen Revolution von 1905 sowie den anschließenden Wiederaufbau im Jugendstil.

Um 23 Uhr waren wir wieder in der Berta und verbrachten die Nacht auf dem Schlossparkplatz.


Fortsetzung mit 2. Teil


Urlaub.GroupFooter self=0 basepage=Urlaub.Berta-Baltikum26-Gesamt

Page last modified on 04.08.2026, at 11:46 PM CEST
Powered by PmWiki