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Gesamtes Urlaubstagebuch - Baltikum Rundreise - 01.06.2026

Dienstag, 09.06.2026 – Radtour Nida bis Tote Dünen

Berta 0 km, Radtour 53 km

Wetter: tagsüber sonnig, 22 Grad; abends bewölkt, ab 19:30 Uhr Regen

Heute machten wir eine wunderschöne Radtour auf der Kurischen Nehrung bei herrlichstem Wetter. Die Sonne schien, es war nicht schwül und bis 22 Grad warm – einfach perfekt zum Radeln. Erst am Abend, als wir schon eine Weile zurück waren, kam Regen.

Um 10 Uhr waren wir startklar und begannen unsere Runde damit, dass wir kurz hoch zur Parnidis-Düne radelten. Udo wollte sich dort kurz umschauen, bevor wir unsere geplante Tour machten.

Zuerst ging es nach Nida. Das Vorhaben, den Leuchtturm oder Aussichtsturm anzufahren, gaben wir auf – zu viel Sand auf dem Pfad.

So fuhren wir direkt ins Städtchen und machten zuerst einen Abstecher zum Mizgiris Bernsteinmuseum. Es hatte geöffnet, ist aber eine private Sammlung und mehr Verkaufsschau und Abzocke als seriöses Museum. So hatte Xenia es im Vorfeld gelesen und dieser Eindruck bestätigte sich.

Wir fuhren weiter an den Hafen, drehten dort eine Runde und kamen an der Uferpromenade an schönen traditionellen bunten Holzhäusern und Masten mit Kurenwimpeln vorbei.

Die charakteristischen, oft kunstvoll ausgeschnitzten Wimpel wurden früher von Fischern am Masttopp angebracht. Sie dienten als Erkennungszeichen für den Heimathafen am Kurischen Haff und als Windfahne. Die Symbole (wie Elche, Netze oder Vögel) verrieten die Herkunft und den Wohlstand der Fischerfamilie.

Unser nächstes Ziel war das Thomas-Mann-Haus, die einstige Sommerresidenz des Schriftstellers. Von 1930 bis 1932 verbrachte Thomas Mann hier Zeit mit seiner Familie, dann war er gezwungen, Deutschland zu verlassen. Er kehrte nie wieder nach Nida zurück. Heute ist das Haus ein Museum, das wir uns aber nur von außen anschauten und den schönen Ausblick bewunderten, den man von hier aus aufs Haff hat.

Nun ging es weiter in Richtung Norden auf dem gut ausgebauten Fahrradweg, der sich über die ganze Nehrung erstreckt. Wir hatten den Eindruck, dass der Fahrradweg in deutlich besserem Zustand war als die Fahrstraße.

In Preila verließen wir den Radweg, fuhren vor ans Haff und ein Stück die Uferpromenade entlang. Auf einer Bank nach einem Uferrestaurant verzehrten wir unsere Wecken und genossen dabei die Sonne und den Ausblick aufs Haff.

Weiter ging es nach Pervalka. Wieder fuhren wir vor ans Haff, aber es war nicht möglich, weiter bis zum Kap zu kommen. Der Weg dorthin war nur ein kleiner sandiger Wanderweg und für uns nicht befahrbar.

Gemäß der geplanten Tour wäre es jetzt dran gewesen, wieder umzukehren und nach Nida zurückzuradeln. Aber da das Wetter so herrlich war und wir hatten noch Zeit hatten, beschlossen wir zu versuchen, auf die andere Seite der Nerung und an die Ostsee zu gelangen. Udo dachte eigentlich, einen Weg dorthin gefunden zu haben, aber er hatte sich getäuscht. Wir kamen nicht an die Ostsee, sondern wieder ans Haff kurz vor den Toten Dünen. Der Irrtum erwies sich aber als Glücksfall. Wir hatten am Ende der Straße einen schönen Blick auf die Toten Dünen und Xenia konnte auf einer Sandbank ein gutes Stück ins Haff hineinwaten. Der Sand war gut zu begehen und das Süßwasser war gar nicht kalt. Wir wären wahrscheinlich noch etwas länger an diesem Plätzchen geblieben, wenn es nicht voller Ameisen gewesen wäre und ein Hinsitzen daher nicht möglich war.

Da waren wir gestern oben. Bei der Zoom-Aufnahme sieht man die Brücke, auf der wir standen.

So fuhren wir den Schotterweg wieder zurück und anschließend den Radweg ein Stück weiter. Am Parkplatz von den Toten Dünen drehten wir um. Noch weiterzufahren wäre dann doch etwas viel geworden. Dafür kamen wir dann doch noch an die Ostsee, indem wir ein Stück eine Fahrstraße entlang radelten, die vor zum Strand führte. Wir fanden einen Zugang zum Strand, der für Rollstühle geeignet war, so konnten wir bis ganz nach vorne auf die Düne fahren. Und fanden mal wieder endlos, weißen Sandstrand vor. Hätten bis nach Russland dem Strand entlang wandern können ;-)

Nun traten wir endgültig den Rückweg an. In Preila legten wir noch eine Kaffeepause in dem Uferlokal ein, an dem wir vormittags vorbeigeradelt waren. Wir aßen Apfelkuchen mit Vanilleeis und tranken einen Kaffee dazu.

Frisch gestärkt und etwas ausgeruht nahmen wir dann das letzte Stück bis zum Campingplatz in Angriff. Um 16 Uhr waren wir wieder an der Berta und der Himmel machte sich zunehmend zu. Wir saßen noch etwas vor der Berta, dann duschten wir und machten Abendessen. Inzwischen war der Himmel schwarz geworden und um 19:30 Uhr fing es zu regnen an – zuerst noch leicht, dann immer heftiger bis es schüttete wie aus Kübeln. Wie gut, jetzt wohlbehalten im Trockenen zu sitzen!


Mittwoch, 10.06.2026 – Parnidis Düne, Litauisches Meeresmuseum

Von Nida bis Klaipeda – 67 km. Dünenwanderung 5 km

Wetter: heiter, 17 Grad

Es schüttete bis weit in die Nacht hinein, doch am Morgen war der Spuk vorbei und die Sonne schien wieder. Aufgrund des Sandbodens trocknete alles sehr schnell ab, sodass außer dem Wasser auf dem Dach nichts mehr vom starken Regen zu bemerken war.

Heute wollten wir den Vormittag, an dem wir die Berta noch auf dem Campingplatz parken konnten, für eine Wanderung zur und durch die Parnidis-Düne nutzen. Sie ist eine der höchsten Wanderdünen Europas und die Hauptattraktion Nidas.

Um 9:15 Uhr gingen wir los. Zuerst umrundeten wir den Campingplatz durch den Wald und wurden dabei von Schnaken umschwärmt und verfolgt. Erstaunlicherweise wurden wir aber nicht gestochen.

Unser Weg führte an einer Gedenkstätte für die ehemalige Segelfliegerschule Nida vorbei. Zwischen 1933 und 1939 befand sich hier eine der modernsten Segelflugschulen Europas. Dank der bis zu 60 Meter hohen Düne und den konstanten Winden wurden hier zahlreiche Weltrekorde aufgestellt.

Wir verließen den Wald und kamen durch das “Tal des Todes” am unteren Ende der Düne vor an den Strand. Wieder erwartete uns feinster Sand, diesmal mit ein paar Tierspuren. Außer uns war keiner da. Wir gingen ein Stück am Wasser entlang, dann bogen wir ab und gingen einen Weg durch die Düne den Berg hinauf. Oben konnten wir Menschen an der Aussichtsplattform erkennen und vereinzelt kamen uns jetzt auch Leute entgegen.

Oben angekommen waren wir zurück in der Zivilisation. Der Parkplatz für Reisebusse war nur ein paar Meter entfernt und immer wieder wurden Reisegruppen durchgeschleust, die die besondere Sonnenuhr anschauen sollten, die sich hier oben auf der Düne befindet. In der Mitte steht ein Obelisk, dessen Schatten den Uhrzeiger bildet. Darum liegen Granitplatten, die die Uhrzeit markieren. Auf beiden Seiten des Obelisken ist ein Runenkalender eingemeißelt, der auf dem Holzkalender aus dem 17. Jh. basiert. Außerhalb des Rundganges stehen die vier Kalender-Statuen für die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche sowie die Sommer- und Wintersonnenwende.

Die Landzunge am Horizont ist schon Russland, weiter als hier zu gehen, ist nicht ratsam!

So ganz kamen wir mit dieser Sonnenuhr nicht klar, denn die Zeit, die sie anzeigte, passte nicht zu unserer Uhrzeit (auch nicht unter Berücksichtigung der Sommerzeit). Dafür war der Blick von der Aussichtsplattform über die Düne bis nach Russland phantastisch.

Nur ein paar Meter weiter befindet sich die Bronzestatue „Prieš vėją“ (Gegen den Wind). Sie wurde 2018 vom Bildhauer Klaudijus Pūdymas errichtet und erinnert an den Besuch des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre aus dem Jahr 1965, der damals durch die Dünen wanderte und gegen den Wind ankämpfen musste. Die Szene basiert auf historischen Fotografien von Antanas Sutkus, der Sartre damals begleitete.

Vorbei an einigen Souvenirständen führte unser Weg wieder den Berg hinunter zum Campingplatz.

Es war jetzt 11:45 Uhr. Wir machten uns ein kleines Vesper, die Berta bekam einen kompletten Camperservice und dann verabschiedeten wir uns von Nida und fuhren wieder zurück in Richtung Klaipeda. Unterwegs kamen wir wieder an der Bernsteinbucht vorbei und diesmal gab es hier etwas zu sehen. Eine Schilfskulptur war inzwischen fertiggestellt und auf dem Wasser, zwei weitere waren noch in Bearbeitung. Wir parkten die Berta in einem Bootszufahrtsweg und schauten uns das Ganze aus der Nähe an.

Anschließend ging die Fahrt weiter bis an den nördlichsten Zipfel der Nehrung, zum Litauischen Meeresmuseum bei Smiltynes (gegenüber von Klaipeda). Um 14 Uhr waren wir dort und bekamen Karten fürs Museum und die Delphinshow um 15 Uhr.

Zuerst durchstreiften wir das Museum, das ähnlich wie Sea-Life ist: in der Mitte ein großes Becken mit einem Glastunnel darin, durch den man gehen und die Fische von allen Seiten sehen kann. Darum herum viele kleinere Aquarien und Ausstellungsbecken mit Fischen, Meerestieren und anderen Exponaten aus der Ost- und Nordsee.

In extra Zellen im Gelände befinden sich kleinere Ausstellungen zur Schifffahrt. Das war für uns weniger interessant, weil wir die Texte nicht lesen konnten.

Um 14:45 Uhr gingen wir ins Delfinarium. Die Karten waren Platzkarten. Wir hatten Glück und sehr gute Plätze in der Mitte der 4. Reihe bekommen. Die ersten zwei Reihen wurden bei einigen Sprungvorführungen der Delphine und Seehunde ziemlich nass. Die Show dauerte eine gute halbe Stunde und hat uns gut gefallen.

Danach hätten wir noch einmal zurück ins Museum gehen können, aber wir hatten genug.

Die Fähre brachte uns zurück aufs Festland nach Klaipeda. Da wir unsere Brotvorräte komplett aufgefuttert hatten, fuhren wir noch einmal zu einem Lidl, bevor wir uns wieder auf den Skulpturenparkplatz stellten, an dem wir vor 2 Tagen schon einmal waren. Xenia hatte inzwischen herausgefunden, dass er doch kostenpflichtig ist, aber nur 60 Ct in der Stunde und nur wochentags zwischen 8 und 18 Uhr. Da hatten wir am Sonntag Glück gehabt und die eine Stunde am Montag, die wir hätten bezahlen müssen, hat hoffentlich nichts ausgemacht.

Wir verzehrten einen Teil unserer Lidl-Köstlichkeiten und richteten uns ein für die Nacht. Der Wetterbericht sagte Regen für den nächsten Tag an. Mal sehen, was kommt ... Wir waren auf jeden Fall sehr dankbar für die schöne Zeit und das super Wetter, das wir auf der Kurischen Nehrung hatten!


Donnerstag, 11.06.2026 – Regentag: Baumärkte in Klaipeda, Bernsteinmuseum in Palanga, Fahrt zum Plateliai-See (Zemaitija-Nationalpark)

Von Klaipeda bis zum Plateliai-See, 108 km

Wetter: Regen, 13 Grad

Es kam wie vorhergesagt: Regen den ganzen Tag. Um 8 Uhr fing es an, ab 10 Uhr regnete es heftig und dann kam nachmittags auch noch Wind dazu. Dazu war es ziemlich kalt geworden. Kurz gesagt: ein ungemütlicher Tag.

Gestern Abend bekamen wir noch eine kleine Berta-Baustelle dazu: immer, wenn wir irgendwo Wasser herausließen, begann unser Wasserdesinfizierer zu piepsen. Dieses Problem kannten wir schon von Tschechien und die Lösung war damals Entkalken. Nun hatten wir die Berta ja schon vor unserer Abreise komplett entkalkt, aber Udo wollte es trotzdem noch einmal direkt nur beim Desinfizierer versuchen.

Dafür besorgten wir in der Stadt bei einem Maxxima Zitronensäure und Kaffeemaschinenentkalker. Bei der Gelegenheit kauften wir auch noch Lachs, den wir zum Abendessen anbraten wollten. Weiter fuhren wir zu einem Depot-Baumarkt, um dort zwei Schlauchstücke zu erwerben. Auf dem Parkplatz vor dem Depot bastelte Udo in strömendem Regen die Schlauchstücke so an den Desinfizierer, dass die Zitronensäurelösung durchlaufen konnte, ohne dass wir das ganze Wasser ablassen mussten. Das hat auch geklappt, allerdings mussten wir später feststellen, dass es trotzdem noch gepiepst hat.

Wir vesperten auf dem Depot-Parkplatz eine Kleinigkeit und fuhren dann weiter bzw. zurück nach Palanga. Heute hatte das Bernsteinmuseum geöffnet und bei dem Regenwetter war das eine gute Option.

Wir kamen um 14:30 Uhr an dort an, wo wir am Samstag übernachtet hatten, und fanden heute problemlos einen kostenlosen Parkplatz etwas näher am Museum.

Nach einer kleinen Schläfle-Pause für Udo machten wir uns ausgerüstet mit Regenjacke und Regenschirm auf den Weg in den Botanischen Garten und zum Bernstein-Museum.

Obwohl das Museum damit wirbt, Europas größtes Bernsteinmuseum zu sein, war es doch recht überschaubar. Wir bekamen jeder ein Tablet mit einem Audioguide auf Deutsch, was sehr hilfreich für uns war. So bekamen wir ein paar Erklärungen zur Entstehung des Bernsteins und zu den verschiedenen Exponaten und Schmuckstücken, die hier ausgestellt waren. Leider war gerade auch eine Schulklasse im Museum, die ziemlich Unruhe in die vier Ausstellungsräume brachte. Nach dem Museumsbereich kommt man noch durch ein paar Räume des Palais Tiškevičius und einen Bernstein-Shop.

Der größte Bernstein hier - schöner Schmuck - Guckkästen mit Lupen

Vergrößerungen zeigen Einschlüsse von Insekten - Draußen tobt das Unwetter.

Um 16:30 Uhr waren wir wieder an der Berta und entschlossen uns, unseren nächsten Besichtigungspunkt anzufahren: den Plateliai-See im Zemaitija-Nationalpark. Park4night wusste einen Übernachtungsparkplatz direkt am See beim Ort Plateliai, diesen fuhren wir an. Bevor wir die Küstenregion verließen und ins Inland fuhren, tankten wir noch in Palanga. Was man hat, das hat man!

Nach einer guten Stunde Fahrt auf teilweise kilometerlangen geraden Straßen kamen wir um 18 Uhr am Plateliai-See an. Unterwegs hatte es zum Teil heftig gestürmt und es regnete immer noch. Der unbefestigte Parkplatz war voller Pfützen, trotzdem waren schon 2 Wohnmobile und ein Auto mit Wohnwagen da. Wir stellten uns dazu und machten erst einmal Abendessen: Bratkartoffeln mit Lachs und Salat. Es hat uns gut geschmeckt! Um 20 Uhr ließ der Regen nach und hörte schließlich auf.

Jetzt hofften wir halt, dass es am nächsten Tag besser (trockener und wärmer) wird und wir eine Radtour um den See machen können.


Freitag, 12.06.2026 – Radtour um den Plateliai-See mit Museum des Kalten Krieges, Freilichtmuseum in Telsiai

Von Plateliai bis zum See bei Pakumulsiai - 79 km, Radtour 30 km

Wetter: bewölkt, 16 Grad

Als wir morgens aufwachten, war er Regen vorbei und die Sonne schien wieder. Bereits während des Frühstücks bewölkte es sich aber und so sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Ein paarmal fielen ein paar Regentropfen, aber es begann nie richtig zu regnen.

Während dem Frühstück konnten wir unsere holländischen Nachbarn dabei beobachten, wie sie zum Schwimmen in den See gingen. Das war uns zu kalt, aber einen Blick auf den See wollten wir nach dem Frühstück schon auchnoch werfen. Er war wirklich ganz klar und sauber.

Auf dem heutigen Programm stand eine Radtour um den See. Ein Blick in den Himmel ließ allerdings Zweifel aufkommen, ob das eine gute Idee war: immer mehr dunkle Wolken zogen auf. Doch wie heißt es so schön: Nur wer wagt, gewinnt! So wollten wir es wagen und Udo holte die Räder aus der Berta. Das war gar kein so leichtes Unterfangen, denn wir standen nach dem vielen Regen ziemlich im Schlamm.

Nach den Erfahrungen der letzten Tage starteten wir in kurzen Hosen und fuhren zuerst in den Ort zum Besucherzentrum. Xenia ging hinein und holte ein paar Prospekte, Udo wartete draußen. Die paar Kilometer bis zum Besucherzentrum hatten genügt, um uns fühlen zu lassen, dass wir zu leicht angezogen waren. 16 Grad waren einfach zu kalt für kurze Hosen und leichte Jacken! So fuhren wir noch einmal zurück zur Berta, zogen uns wärmer an und starteten den zweiten Versuch einer Seeumrundung, diesmal in die andere Richtung.

Der Radweg um den See ist prima ausgebaut. Zuerst fuhren auf einem unbefestigten Rad- und Wanderweg in Ufernähe, später dann auf geteerten Radwegen. Oft war der Radweg deutlich besser als die Autofahrstraße. Vor allem auf dem Stück vor dem Museum des Kalten Krieges war die Straße unbefestigt und holprig, der Radweg daneben hingegen frisch asphaltiert.

Auch mit wärmerer Bekleidung war es recht frisch und wir waren froh, als wir um 11:30 Uhr das Museum des Kalten Krieges trocken erreichten. Wir kauften Karten, konnten aber leider keine Audioguides bekommen, da sich um 12 Uhr eine große Gruppe angemeldet hatte, die alle Geräte benötigte. Bis 13 Uhr wollten wir nicht warten und so gingen wir ohne deutsche Erklärungen in die Bunkeranlage. Es handelt sich hier um eine der ersten sowjetischen Raketenbasen für Interkontinentalraketen. In den Jahren 1963 – 1978 waren hier vier russische Atomraketen mit den Ziel Deutschland unterirdisch stationiert. Die Abschussrampen waren gut getarnt. Heute kann man die Betonkuppeln von außen sehen und mehrere unterirdische Räume mit Infos, Ausstellungsstücken und kurzen Filmen besichtigen.

Interessant war auch die Propaganda. Im linken Bild heißt der Text: "Wir bieten Handel und Wettbewerb" oder rechts wird dargestellt, wie die USA die NATO-Staaten um ihr Geld bringen.

Links steht: "Die Völker der Welt wollen keine Wiederholung der Kriegskatastrophe. (Nordatlantikpakt)" - Rechts: "Die Kräfte des Friedens sind unbesiegbar."

Wir kamen gerade wieder heraus, als die angemeldete Gruppe vor dem Eingang stand und eine Einführung bekam. Es begann leicht zu tropfen, aber zum Glück kam nicht mehr. Wir aßen einen Riegel und ein paar Nüssle, dann durchradelten wir noch kurz das ehemalige Soldatendorf und setzten dann die Seeumrundung fort.

Auf der Westseite angelangt machten wir einen kleinen Abstecher zum Siberija Aussichtsturm und hatten von oben eine schöne Aussicht auf die Nationalparklandschaft: viel Grün, hügelig und der See im Hintergrund.

Kurz vor Plateliai kamen wir am Herrenhaus Plateliai vorbei und durchradelten den dazugehörigen Herrenhauspark. Dort waren einige Störche, die hinter dem Rasenmäher her spazierten, um Essbares zu finden. Auch im Ort selbst haben wir immer wieder Störche gesehen, entweder in ihren Nestern oder im Tiefflug. Ihre Nester sind teilweise direkt über der Hauptstraße des Dorfes - scheint sie nicht zu stören.

Wir schauten noch kurz in die Peter-und-Paul-Kirche, eine kleinere Holzkirche, und waren überrascht über ihren prunkvollen Innenraum. Ob Xenia wohl auch mal ein Portrait von sich neben der Kanzel bekommt?

Altar - Weihwasserstein - Glockenturm

Jetzt war es nicht mehr weit bis zur Berta. Im Informationszentrum waren wir ja schon gewesen und konnten jetzt daran vorbeiradeln.

An der Berta angekommen entschieden wir uns, doch noch schwimmen zu gehen und danach in der Berta zu duschen. Udo räumte die Räder weg, Xenia bereitete alles fürs Baden und Duschen vor.

Mit unseren Wasserschuhen gingen wir vor ans Wasser und so schön der See auch aussah – er war doch sehr kalt! Aber da wir nun schon mal in Badebekleidung waren, gingen wir auch rein, Udo nur kurz, Xenia ein bisschen länger. Dafür hatte Udo noch kaltes Duschwasser, bei Xenia war es dann warm.

Jetzt hatten wir ziemlich Hunger - kein Wunder, es war schon 15:00 Uhr und wir hatten außer dem Riegel und den Nüssen seit dem Frühstück nichts gegessen. Es gab Spinat-Tortellini mit Tomatensoße, Parmesan und Salat. Während des Essens überlegten wir, wie unsere Reise weitergehen soll, und entschieden uns, noch nach Telsiai zu fahren und das dortige Freilichtmuseum am See zu besuchen.

Um 17 Uhr kamen wir an und hatten noch eine Stunde bis zur Schließung, um die dortigen zemaitischen Bauernhäuser vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts anzuschauen. Wir waren die einzigen Besucher und es hat uns sehr gut gefallen. Die Anlage ist liebevoll und detailgetreu hergerichtet, mit gepflegten Gärten und Tieren (Pferde, Schafe, Hühner) um die Häuser. Auch die alte Windmühle hat uns sehr gefallen und Udo beim Durchkriechen ein paar schmutzige Jeans beschert.

Nun wollten wir eigentlich auf einem Parkplatz in Telsiai die Nacht verbringen und morgen noch ein bisschen durch die Stadt und um den See herum laufen oder radeln. Aber am See war eine Veranstaltung, es war einiges los und alle Parkplätze waren belegt. So fuhren wir weiter in Richtung Siauliai und übernachteten auf der Strecke an einem See bei Pakumulsiai in Autobahnnähe. Auf dem nahegelegenen Sport- und Spielplatz waren noch Jugendliche, aber sie haben uns nicht gestört. Auch die Autobahn haben wir kaum gehört.

Wir machten uns noch ein Vesperbrot und zum Nachtisch einen warmen Vanillepudding mit Pfläumlesmus von zuhause. Mit einem kleinen Spaziergang zum See beendeten wir den Tag.


Samstag, 13.06.2026 – Siauliai

Von Pakumulsiai bis Siauliai - 31 km; Stadtspaziergang 5 km

Wetter: bis 15 Uhr sonnig, dann zunehmend bewölkt, ab 19:45 Uhr Regen

Wir hatten uns keinen Wecker gestellt und haben dadurch tatsächlich bis 8:30 Uhr geschlafen. Heute begrüßte uns die Sonne wieder und blieb uns bis zum späten Nachmittag treu.

Wir hatten für heute Siauliai auf dem Programm. Um 10:30 Uhr waren wir auf dem von Xenia ausgesuchten Wunschparkplatz in der Nähe des Sonnenuhrplatzes und haben dort tatsächlich ein Plätzchen für die Berta bekommen. Unter der Woche ist dieser zentrale und trotzdem relativ ruhige Parkplatz kostenpflichtig, aber am Wochenende frei (wie fast alle öffentlichen Parkplätze in Litauen). Von dort aus konnten wir die Innenstadt und den See gut zu Fuß erreichen.

Wir marschierten zuerst durch die Fußgängerzone und stellten fest, dass die Stadt voller Skulpturen und Wandgemälde ist.

Über den Siauliai Sviecia Platz kamen wir zur Peter-und-Paul Kathedrale. Sie hat in Innern zwei große Kronleuchter. Bei einem wurden gerade defekte Birnen ausgetauscht.

Weiter ging es zum Sonnenuhrplatz. In dessen Mitte steht Litauens höchster Sonnenuhr-Obelisk mit einem goldenen Bogenschützen auf der Spitze. Der Platz war heute mit einer Freiluftbühne belegt, sodass wir leider nicht bis zum Obelisken gehen konnten. Dafür fanden wir heraus, dass hier ab 17 Uhr das kostenlose Big-Band-Festival 2026 stattfindet.

Weiter ging es zum “Eisernen Fuchs” am Ufer des Talksa-Sees. Er wiegt 7 Tonnen, ist ca. 15 Meter lang und 6,6 Meter hoch. Das macht ihn zur größten Tierskulptur des Landes, was auch im litauischen Guinness-Buch der Rekorde festgehalten ist. Noch eine Besonderheit: In der Brust des Fuchses befindet sich ein Stahlherz, das eine Zeitkapsel mit Botschaften für kommende Generationen birgt. Was da wohl drin steht??

Direkt daneben befindet sich ein aus Steinen gebautes energetisches Labyrinth. Es besteht aus 7 Kreisen und soll im Zentrum ein guter Ort zum Meditieren sein. Im Reiseführer steht: “Wenn man durch dieses Labyrinth geht, arbeiten ganz intensiv die beiden Gehirnhälften, deswegen werden die Wahrnehmung, die Gefühle und das Bewusstsein besser. Hier findet man Antworten auf die Fragen, Probleme werden gelöst und man kommt zur Ruhe. Der angenehme Spaziergang kann Körper und Seele geben, was der Verstand noch nicht begreifen kann.” Xenia lief das Labyrinth einmal ab. Ob sich an ihrem Gemütszustand etwas verbessert hat, lässt sich noch nicht genau sagen ...

Nun bummelten wir am Seeufer entlang, kauften uns ein Softeis und sahen auf einer Bank ein paar Wakeboardern bei ihren Surfkünsten zu. Hier gab es auch Schwäne, sogar mit Jungen.

Auf den zuerst angedachten Talska-Ökopfad verzichteten wir, er führte fast nur durch den Wald. Dafür gingen wir noch einmal zurück in die Fußgängerzone und aßen im BOHO sehr gut zu Mittag: Glasierte Entenkeule mit jungen Kartoffeln und einem Rote-Beete-Mischgemüse. Es war ziemlich süß, schmeckte aber sehr gut!

Aus der gegenüberliegenden Konditorei holten wir uns noch ein paar Köstlichkeiten für einen späteren Kaffee.

Um 14:45 Uhr waren wir wieder an der Berta und beschlossen, es uns bis 16:30 Uhr gemütlich zu machen und dann noch einmal zum Sonnenuhrplatz zum Jazz-Festival zu gehen. Auf direktem Weg konnten wir den Platz in nur 5 Gehminuten erreichen.

So gönnten wir uns beide einen Mittagschlaf, machten uns anschließend einen Kaffee und gingen dann zum Sonnenuhrenplatz. Es waren noch kaum Leute da und wir konnten uns einen schönen Sitzplatz aussuchen. Auch als um 17 Uhr die erste Gruppe auftrat, waren noch viele Plätze frei, die sich dann aber zunehmend füllten.

Das Konzert war sehr beeindruckend und hat sich wirklich gelohnt. Die erste Gruppe nannte sich “Mirage Jazz Orchestra”. Die Musiker waren schon etwas älter und echte Profis. Sie spielten eine Stunde. Danach gab es eine kurze Umbaupause und anschließend waren junge Musiker dran. Wenn wir es richtig verstanden haben, handelte es sich bei ihnen um eine Jazz-Band eines Musikgymnasiums, die unter der Leitung ihres Musiklehrers auftrat. Auch sie waren sehr gut! Vielleicht nicht ganz so virtuos wie die ersten, aber mit einem sehr schönen Repertoire und jugendlichem Charme. Wir haben es genossen!

Ihr Auftritt war um 19:30 Uhr beendet. Danach ging Xenia zur Berta, um sich wärmer anzuziehen. Es war inzwischen doch deutlich kühler geworden und Xenia fror ziemlich. Für Udo brachte sie auch noch eine zusätzliche Jacke mit, blieb aber dann nicht mehr lange, weil ihr die dritte Gruppe mit afrikanischen Sängern nicht mehr so gut gefallen hat. Außerdem war es so laut, dass sie Kopfschmerzen bekam. So machte sie sich wieder auf den Rückweg zur Berta. Udo kam 45 Minuten später nach. Jetzt hatte es auch zu regnen angefangen und wir waren froh, auf dem Parkplatz über Nacht stehen bleiben zu können.

Um 21:30 Uhr wurde der Springbrunnen neben unserem Parkplatz bunt, um 22 Uhr begann er dann sogar zu verschiedenen Musikstücken zu tanzen. Leider war es noch nicht ganz dunkel, sonst hätte das Schauspiel bestimmt noch spektakulärer ausgesehen.


Sonntag, 14.06.2026 – Kreuzhügel, Birzai mit Regionalpark

Von Siauliai über Birzai bis Bauska – 176 km

Wetter: morgens bewölkt mit Schauern, mittags zunehmend aufgelockert mit Schauern und Gewittern. 13 – 19 Grad

Heute waren wir buchstäblich “unter dem Schirm des Höchsten” unterwegs. Der Wetterbericht hatte Regen für den ganzen Tag angesagt, aber uns erwischte er nur, wenn wir in der Berta waren. Wir fuhren trotz schlechtem Wetterbericht nach Birzai, machten aber nicht die ursprünglich geplante Radtour, sondern fuhren ein paar Highlights an und erkundeten von dort aus zu Fuß die Umgebung mit kleineren Wanderungen und Spaziergängen.

Unser erster Anlaufpunkt war noch in der Region Siauliai: der Berg der Kreuze (Kreuzhügel), 10 km nördlich der Stadt. Es handelt sich dabei um einen katholischen Wallfahrtsort, ein Symbol des Leidens und des nationalen Widerstands im Norden Litauens. Auf einem rund 9 Meter hohen Hügel stehen schätzungsweise 200.000 Kreuze, Kruzifixe und Rosenkränze, dicht aneinandergedrängt, in allen Größen und Formen. Im Jahr 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. den Ort, hielt eine Messe vor 100.000 Gläubigen und machte so den Hügel weltweit bekannt. Er schenkte der Stätte ein großes Kruzifix, das bis heute am Fuß des Hügels steht. Für uns war es ein ziemlich skurriler Ort, den wir nach einer halben Stunde wieder verließen. Kaum waren wir in der Berta, setzte Regen ein.

Auf der Strecke bis Birzai fuhren wir durch einige Schauer, die aber nach ein paar Kilometern wieder vorbei waren.

Um 11:30 Uhr kamen wir in Birzai an und fuhren zuerst zur Širvėna-See-Brücke. Sie gilt mit einer Länge von 525 Metern als die längste Holzfußgängerbrücke Litauens. Kurz vor Birzai schüttete es noch einmal kräftig, aber als wir am Parkplatz vor der Brücke ankamen, hatte dort der Regen schon aufgehört und es kam sogar die Sonne heraus. Allerdings war dieser Zustand nicht von langer Dauer. Schon nach wenigen Minuten wurde der Himmel schwarz und es kam der nächste Schauer. Ihn überstanden wir prima in der Berta mit Mittag essen. Es gab Currywurst mit geröstetem Brot. Bis wir gekocht, gegessen und gespült hatten, war auch die Sonne wieder da und verließ uns bis abends nicht mehr. Der Himmel wurde im Gegenteil immer aufgelockerter, allerdings konnten wir erkennen, dass um uns herum noch einige Schauer und Gewitter niedergingen.

Wir packten einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien und Regenschirmen und machten uns auf den Weg über die Brücke zum gegenüberliegenden Tiškevičius-Palast. Er ist umgeben von einem sehr schönen und gepflegten Park im englischen Stil mit Teichen und alten Bäumen. Durch ihn schlenderten wir, bevor wir uns am See auf eine Bank setzten und die Sonne genossen. Dann ging es wieder über die Brücke zurück zur Berta.

Wir fuhren 2 Kilometer weiter und parkten in der Nähe der großen evangelischen Backsteinkirche von Birzai. Von dort aus machten wir einen schönen Spaziergang am See entlang, durchs Burggelände und vorbei an der weißen Johannes-der Täufer-Kirche. Wieder zurück auf dem Parkplatz nutzten wir das dortige WC zur Entleerung unserer Campingtoilette und den Trinkwasserspender, um mit unserer Gießkanne 20 Liter gutes Wasser in unseren Frischwassertank nachzufüllen. Danach war dieser wieder halb voll und wir waren gerüstet für die nächsten Tage.

Der nächste Anlaufpunkt war der Kirkilai Aussichtsturm. Seine besondere Form, die an ein sinkendes Boot oder Kanu erinnert, macht ihn zu einem architektonischen Highlight im Regionalpark. Aus 30 Metern Höhe hat man einen wunderschönen Ausblick über die grüne Landschaft mit 30 kleine Karstseen. Natürlich stiegen wir zuerst auf die Aussichtsplattform, bevor wir die Gegend zu Fuß erkundeten. Direkt am Turm startet ein 800 Meter langer Rundweg durch das Seengebiet, der über mehrere Pontonbrücken führt. Es war ein sehr schöner Spaziergang!

Inzwischen war es 16:45 Uhr geworden und wir entschieden uns, heute noch bis Bauska zu fahren, um zeitig am nächsten Morgen die Kreuzritterburg besichtigen zu können. Auf dem Weg machten wir noch einen kleinen Abstecher zur “Kuhhöhle”, einer Karstdoline. Die Landschaft ist hier ganz hügelig, voller kleinerer und größerer Einbrüche. So wie die Seen beim Turm, die ebenfalls mit Wasser vollgelaufene Dolinen sind.

Weiter ging es über die lettisch-litauische Landesgrenze bis Bauska. Von der Grenze merkt man außer ein paar Schildern, Fahnen und einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h nichts.

Um 18 Uhr kamen wir in Bauska an und wählten einen Parkplatz in Sportplatznähe zum Übernachten. Es gab noch ein paar Spaghetti mit Paprika-Schinken-Pesto zum Abendessen, dann richteten wir uns so langsam für die Nacht ein. Dass noch einmal ein Schauer über uns hinweg zog, machte uns nichts mehr aus.


Montag, 15.06.2026 – Bauska Kreuzritterburg, Schloss Rundale, Jelgava

Von Bauska bis Jelgava – 65 km

Wetter: regnerisch mit sonnigen Abschnitten

Heute hatten wir einige Besichtigungen auf dem Programm – genau das Richtige für das regnerische Wetter.

Um kurz nach 9 Uhr waren wir auf dem Parkplatz der Deutschordensburg Bauska und es schüttete kräftig. Diesen Schauer warteten wir noch ab und machten uns dann auf zur Burg. Wir waren die ersten und anfangs auch einzigen Gäste. Es kam dann noch ein weiterer Besucher dazu und als wir die Burg wieder verließen, stand eine weitere Familie an der Kasse. So hatten wir die Burg ziemlich für uns allein und durchstreiften die verschiedenen Räume. Einen Audioguide gab es nicht, aber Udo ließ Google Lens ein paar Tafeln übersetzen.

Das Personal hatte historische Trachten an, was der Burg noch ein besonderes Flair verlieh. Sie besteht aus einem neueren, in den letzten Jahrzehnten renovierten Renaissance-Schloss und Resten der alten Ordensburg aus dem 15. Jahrhundert. Im neuen Teil ist das Burgmuseum untergebracht. Dort muss man sich Plastiktüten über die Schuhe ziehen, um die Böden nicht zu beschädigen.

Zu sehen gibt es historische Ausstellungen, Interieur aus der Herzogszeit und die größte Sammlung gusseiserner Kanonen aus dem 17. Jahrhundert in Lettland. Im älteren Teil ist eigentlich nur der Turm interessant, den man besteigen kann und von oben eine schöne Aussicht hat. Die Anlage liegt auf einer Landzunge, wo die Flüsse Mūsa und Mēmele zusammenfließen und die Lielupe bilden.

Weiter ging es zum nur wenige Kilometer entfernten Schloss Rundale, einem touristischen Hotspot. Schloss Rundale ist das bedeutendste Barockschloss in Lettland und wird oft als das "Versailles des Baltikums" bezeichnet. Es wurde vom berühmten italienisch-russischen Architekten Francesco Bartolomeo Rastrelli entworfen, der auch die Eremitage in St. Petersburg gestaltete.

Schon unterwegs und auch als wir ankamen, hat es wieder geregnet. Diesmal zogen wir Regenjacken an und gingen zum Schloss, das wirklich sehr schön und beeindruckend aussieht. Hier waren mehr Leute und auch ein paar Reisegruppen da, aber nicht so viele, wie der Reiseführer hatte erwarten lassen. Man kann sich eine App in mehreren Sprachen auf sein Handy herunterladen und so Erklärungen zu den vielen Räumen des Palastes bekommen.

Wir kamen durch eine stattliche Anzahl von Alltags- und Prunkräumen der Herzöge mit beeindruckenden Deckenmalereien, Stuckaturen, Bildern (v.a. Portraitmalereien, aber auch Stil- und Landschaftsbilder) und Einrichtungen. Es war sehr schön, aber auch sehr viel, so dass wir die zwei Ausstellungen zu Blumen und Alltagsgegenständen nur noch oberflächlich durchstreiften. Hier hätte man noch viel mehr Zeit verbringen können, aber unsere Köpfe waren voll und die Füße müde. Außerdem hatten wir Hunger, es war schließlich schon 14 Uhr!

Zunächst die Küche, im Erdgeschoss. Hier wurden auf 4 Brennstellen täglich über 100 Personen versorgt. Im rechten Bild sieht man einen Spießdrehautomaten.

Schlafzimmer des Herzogs. Sein Zubettgehen war wohl ein größeres Ereignis. Und sein Badezimmer.

Der Festsaal und das Schlafgemach der Herzogin

Und jede Menge sonstiger Stücke, aus der Sonderausstellung.

In der Blumenausstellung gab es noch die Möglichkeit ein besonderes Bild zu machen

So gingen wir nach 2,5 Stunden Schlossbesichtigung zurück zur Berta und machten uns ein spätes Mittagessen: Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und Speck. Anschließend gönnten wir uns ein Mittagschläfle, das aber durch einen Gartenarbeiter und den Regen, der aufs Dach prasselte, gestört wurde.

Wir genehmigten uns noch eine Tasse Kaffee – und siehe da, der Himmel machte sich auf und es schien vorübergehend einmal die Sonne. Das nutzte Udo für ein paar Drohnenaufnahmen vom Schloss und dem barocken Französischen Garten. Letzterem statten wir noch einen Besuch ab, bevor wir weiterfuhren.

Unser Ziel für heute war Jelgava. Dort wollten wir auf einem Parkplatz am Fluss die Nacht verbringen. Um 17:45 Uhr kamen wir dort an und da es gerade nicht regnete, entschlossen wir uns zu einem Abendspaziergang auf die andere Flussseite auf die Pasta Insel.

Von unserem Parkplatz aus konnten wir dort schon den Sandskulpturenpark erkennen. Er hatte noch bis 20 Uhr geöffnet und war nicht groß, also noch gut am Abend zu schaffen. Jedes Jahr werden hier von verschiedenen Künstlern neue Sandskulpturen zu einem Jahresmotto erschaffen und prämiert. In diesem Jahr lautete das Thema „Mesozoikum / Juras-Zeitalter“ und wir konnten verschiedene Dinosaurier und prähistorische Kreaturen aus Sand bestaunen.

Gerade hatten wir ein Selfie gemacht, als Udos Handy klingelte und Marina anrief. Wie schön, mit ihr und dem kleinen Lars zu telefonieren! Unsere Familie fehlt uns schon ...

Nun ging es wieder zurück zur Berta. Von der Brücke aus sahen wir den Palast von Jelgava, das größte Barockschloss im Baltikum. Es beherbergt heute die Lettische Universität für Biowissenschaften und Technologie. Inzwischen waren wieder schwarze Wolken aufgezogen und es fing zu tröpfeln an. Zum Glück kam aber diesmal nicht mehr, dieser Schauer hat uns nur gestreift.

In der Berta gab es noch ein paar Reste zum Abendessen. Es war wieder Zeit, die Vorräte und den Kühlschrank aufzufüllen - ein Programmpunkt für den morgigen Tag.


Dienstag, 16.06.2026 – Kuldiga Sandhöhlen, Ventspils

Von Jelgava bis Ventspils – 205 km

Wetter: viel Regen, abends an der Küste trocken

Wir begannen unseren Tag mit Tanken und einem Lidl-Einkauf in Jelgava. Heute wollten wir eine größere Strecke zurück an die Ostseeküste nach Ventspils fahren mit einem längeren Zwischenstopp in der Weltkulturerbe-Stadt Kuldiga.

Kurz nach Jelgava begann es zu regnen, aber noch dachten wir uns nicht viel dabei. Schließlich hatten wir noch fast 2 Stunden Fahrt bis Kuldiga vor uns. Während der Fahrt las Xenia aus dem Reiseführer die Seiten über Kuldiga und die sich in der Nachbarschaft befindenden Riežuper Sandhöhlen vor. Da die Straße meist wieder geradeaus ging, war das möglich, ohne dass es ihr schlecht dabei wurde. Auch heute fuhren wir wieder an mehreren Störchen vorbei, die teilweise ganz nah an die Straße herankamen.

In Kuldiga angekommen regnete es immer noch. So fuhren wir 10 Kilometer weiter in nördliche Richtung zu den Sandhöhlen. Als wir dort ankamen, standen ein Reisebus und ein PKW auf dem Parkplatz. Ausgerüstet mit Schirmen und Regenjacken machten wir uns auf den Weg durch den Wald zur 400 Meter entfernten Höhle. Unterwegs kamen uns die Leute aus dem Reisebus entgegen – wie schön! Auf dem Weg zu den Sandhöhlen gab es rechts und links einige, wohl selbstgebaute, Spielgeräte.

An der Höhle waren wir dann tatsächlich die einzigen Besucher und bekamen eine Privatführer auf Englisch von einem jungen Höhlenführer.

Die Riežuper Sandhöhlen sind ein ehemaliges Bergwerk und das längste unterirdische Höhlenlabyrinth Lettlands. Das künstlich von Menschenhand geschaffene Höhlensystem erstreckt sich über eine Gesamtlänge von rund zwei Kilometern, wovon ein Teilabschnitt von 450 Metern für Besucher im Rahmen von Führungen zugänglich ist. Vor über 100 Jahren gruben Menschen über drei Generationen hinweg dieses Labyrinth. Der gewonnene weiße Sand wurde in ein nahegelegenes Dorf gebracht und von dort aus über die Venta nach Riga transportiert. Der Sand ist so rein und fein, dass er zur Herstellung von Glas verwendet wurde. Heute wird hier nichts mehr abgebaut. Mit den Führungen für Touristen ist wahrscheinlich mehr und leichter Geld verdient.

Im Licht unserer Taschenlampen gingen wir durch das stockdunkle Höhlenlabyrinth und waren froh um unseren Führer und seine Begleitung, ein vielleicht 6 Jahre altes Mädchen. Teilweise waren die Gänge niedrig und sehr eng, aber mit Bücken kam man überall durch.

Wieder über Tage hatte es aufgehört zu regnen, doch dieser Zustand sollte leider nicht lange anhalten. Wir fuhren zurück nach Kuldiga und parkten am Ortseingang in der Nähe des Aussichtsturmes. Er ist 25 Meter hoch und schief. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf die Altstadt von Kuldīga, den Venta-Wasserfall und die historische Backsteinbrücke. Oben angekommen, sahen wir auch schon die nächste Regenfront auf uns zukommen.

Es dauerte keine 5 Minuten, da fing es zu regnen an. Wir flüchteten in die Berta und machten Mittagessen mit einem Salat und Brezeln vom Lidl. Da es danach immer noch regnete, parkten wir die Berta etwas mehr ins Zentrum und entschlossen uns, den Regen für einen Mittagsschlaf zu nutzen. Nur leider hörte er nicht mehr auf. Immer, wenn wir dachten, jetzt wird es besser, kam wieder ein neuer Schütter. Bis 16:30 Uhr bleiben wir in der Berta und machten ein paar Reiseplanungen. Dann wagten wir es mit Schirm und Regenjacke nach draußen. Wir kamen aber nicht weit. Zum Regen war jetzt auch noch Wind aufgekommen und dieser war auf der alten Backsteinbrücke über die Venta so stark, dass es uns die Schirme umdrehte. Das hatte so wirklich keinen Sinn. Wir kehrten um und gaben die Stadtbesichtigung von Kuldiga auf. Dabei hatten wir uns schon so auf das “Venedig Lettlands” mit seinen historischen Holzhäusern und Gassen, den Alekšupīte-Wasserfall und vor allem den Venta Wasserfall (Ventas Rumba) gefreut. Letzterer ist zwar nur knapp zwei Meter hoch, aber mit einer Breite von bis zu 249 Metern ein imposanter Anblick und der breiteste Wasserfall Europas. Wenigstens einen kurzen Blick im Regen konnten wir auf ihn werfen, bevor wir wieder umdrehten.

Wir hatten nun endgültig genug vom Regen, verließen Kuldiga und fuhren nach Ventspils an die Ostsee. Hier war das Wetter besser. Der Regen war durchgezogen und wir fanden am Kanal einen Nachtplatz für die Berta. Nach dem Abendessen (Hähnchengeschnetzeltes mit Reis) drehten wir noch eine kleine Runde entlang des Kanals und durchs Ortszentrum. Was wir gesehen haben, hat uns nicht wirklich begeistert. Mal sehen, ob wir morgen hier noch irgendwo Wasser tanken können, bevor wir bei hoffentlich besserem Wetter zum Kap Kolka weiter fahren.


Mittwoch, 17.06.2026 – Kap Kolka, Weiße Düne, Engures See (Naturreservat), Pfannenkuchenrestaurant

Von Ventspils bis Engure – 186 km

Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags sonnig, sehr windig – 18 Grad

Der Tag startete mit einer dichten Bewölkung, aber es war zumindest trocken. Im Tagesverlauf lockerte es immer mehr auf und nachmittags hatten wir viel Sonne. Es wehte den ganzen Tag eine steife Brise.

Wir begannen den Tag mit einer überfälligen Dusche. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die Suche nach Trinkwasser. Wir fuhren verschiedene Wasserstellen an und füllten schließlich unser Wasser an einem Trinkbrunnen auf, den wir gestern schon gefunden hatten. Der Wasserdruck war hier richtig gut und so dauerte es nicht lange, bis wir 5 Gießkannen frisches Wasser (50 Liter) im Tank hatten.

So waren wir gut gerüstet für die Fahrt zum Kap Kolka. Diese gestaltete sich recht eintönig: rechts Wald, links Wald und dazwischen eine schnurgerade Straße. Und das über 80 Kilometer! Die wenigen Kurven hätte man sicher an den Fingern abzählen können.

Um 11 Uhr waren wir auf dem gebührenfreien Parkplatz beim Aussichtsturm angekommen. Wir machten uns einen schnellen Kaffee und marschierten dann zum Turm und vor ans Meer. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück bis vor ans Kap. Dieses umrundeten wir, machten einen Abstecher zum kostenpflichtigen Parkplatz mit Infobude und anschließend zu ein paar aufgestellten Fässern am Strand, in denen man übernachten kann. Die Ausstattung bestand aus einem schmales Doppelbett, 2 Kleiderhaken und zwei kleinen Ankleidebänken davor. Mehr gab es nicht. Dafür war aber die Wand in Richtung Meer aus Spiegelglas, so dass man von innen nach außen abe rnicht hinein sehen konnte. Die Aussicht auf´s Meer war schon klasse.

Nun kämpften wir uns gegen den Wind zurück zur Berta und fuhren auf der anderen Seite der Landzunge weiter in Richtung Riga. Nach einer halben Stunde Fahrt machten wir Halt, um die Weiße Düne bei Purciems zu erkunden. Wir staunten nicht schlecht, was uns hier erwartete: ein wunderschöner Bohlenrundweg. Wir erweiterten die Runde noch mit einem Abstecher durch den Wald bis zum Meer. Udo hatte die Drohne dabei, aber bei dem Wind wurde es nur ein kurzer Flug.

Weiter ging die Fahrt auf der Küstenstraße in Richtung Riga. Kurz vor Berzciems machten wir einen Abstecher ins Inland zum Endures See, einem Naturparkgebiet. Die Straße war offiziell ausgeschildert, war aber eine üble waschbrettartige ausgewaschene Schotterstraße. Obwohl Udo nur ganz langsam fuhr, rumpelte es ordentlich. Die Straße endete an einem Waldparkplatz und wir waren nicht die Einzigen dort.

Ein schöner Wanderpfad führte zwei Kilometer durch den Wald und am See entlang bis zu einem Aussichtsturm. Unterwegs kamen wir an einem Spielplatz mit einem Kaffeeautomaten vorbei. Dort ließen wir uns einen Cappuccino heraus und tranken diesen genüsslich beim Weitergehen. In diesem Gebiet leben auch Pferde und Kühe, an denen wir ziemlich dicht vorbeikamen. Im Führer stand, dass dies wilde Tiere seien, aber zwischen ihnen und dem Wanderpfad war ein Zaun.

Wir bestiegen den Aussichtsturm und mussten oben aufpassen, nicht weggeblasen zu werden. Im Dach des Turmes befanden sich mehrere Schwalbennester und die kleinen Vögel flogen hier ein und aus.

Um 16:30 Uhr waren wir wieder an der Berta und machten uns auf den Weg zum letzten Ziel für heute: “Rideli Dzirnavas Cope”, einem sehr netten Lokal an einem kleinen See, das berühmt ist für seine Pfannenkuchen. Da wir nichts zu Mittag gegessen hatten, waren wir jetzt hungrig genug für gleich zwei Pfannenkuchen: einen mit gezupftem Rindfleisch und honigglasierten Zwiebeln, einen mit Banane, Nutella, ein paar Erdbeeren und Vanilleeis. Beide Pfannenkuchen haben uns sehr gut geschmeckt, wobei der süße fast noch besser war als der salzige.

Nun war noch die Frage offen, wo wir die Nacht verbringen wollten. Wir entschieden uns für die nähere Variante auf einem nur 10 Minuten entfernten kleinen Parkplatz vor Engure ganz in Meeresnähe. Das war eine gute Wahl!

Wir spazierten noch einmal vor ans Meer und Udo setzte sich anschließend noch ein bisschen vor die Berta, bevor wir die Luken dicht machten.


Donnerstag, 18.06.2026 – Kemeri Nationalpark, Fahrt nach Riga

Von Engure bis Riga – 94 km. Wanderung 5 km

Wetter: bis nachmittags sonnig, dann bewölkt und etwas Nieselregen, 20 Grad

Nach einer ruhigen Nacht starteten wir im Sonnenschein zum Kemeri Nationapark, um den Kemeri Bog Trail (ein Bohlenrundweg durchs Moor) zu laufen.

Um 10 Uhr waren wir auf dem dazugehörigen Parkplatz. Udo leerte unsere Campingtoilette in einen dafür bereitgestellten Behälter, Xenia lud eine ParkApp auf ihr Handy, um die Parkgebühr bezahlen zu können. Dann starteten wir zur Wanderung und teilten uns das Moor mit einem weiteren Spaziergänger und einem Ehepaar.

Xenia liebt Bohlenwege und kam heute so richtig auf ihre Kosten! Wir hatten eigentlich mehr Leben im Moor erwartet, aber wahrscheinlich ist es das schwefelhaltige Wasser, das den Wasservögeln nicht so gefällt. Auch Insekten gab es nur wenige, gesehen haben wir lediglich ein paar Libellen. Im Sonnenschein war der Weg sehr schön zu gehen und als wir auf einer Bank eine Pause einlegten, durfte auch die Susi einen kleinen “Ausflug” machen.

Um 12:30 Uhr waren wir zurück an der Berta, machten uns ein Mittagsvesper und fuhren weiter in den Ort Kemeri zur “Kemeru Annina (Ännchen von Kemeri)”. Die 3,5 Meter große Skulptur ist der legendären Heldin eines bekannten lettischen Schützenliedes gewidmet und aus vielschichtigen, lasergeschnittenen Aluminiumplatten hergestellt. Diese geschichtete Struktur lässt die Silhouette je nach Blickwinkel unterschiedlich erscheinen.

Jetzt wäre eigentlich Jurmela, der Stadtstrand vor Riga, auf dem Programm gestanden, aber wir mussten feststellen, dass das Parken dort sehr schwierig ist und für das Gebiet eine City-Maut bezahlt werden muss. Strand hatten wir ja schon viel gesehen, daher fuhren wir weiter nach Riga mit der Absicht, uns auf dem privaten Stellplatz einer Kirche in einem grünen Innenhof in Zentrumsnähe einzumieten. Als wir um 15:30 Uhr dort ankamen, gab es noch einige freie Plätze, die sich aber bis abends zunehmend füllten.

Wir konnten noch einen Kaffee vor der Berta trinken, uns mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt beschäftigen und Karten für eine Führung durchs KGB-Gebäude (KGB-Museum der lettischen Besetzung) für den nächsten Tag buchen, bevor sich der Himmel zuzog und es zu nieseln begann.

So zogen wir uns ins Auto zurück, luden unsere Fahrrad-Akkus und Xenia kochte noch ein Abendessen (Gefüllte Gnocchi mit 2 restlichen roten Würsten, Soße und Salat). Zeit hatten wir ja genug dafür.


Freitag, 19.06.2026 – Radtour durch Riga und zum Jurmala Strand, Führung durchs KGB-Gebäude

Berta 0 km, Radtour 55 km

Wetter: sonnig, nachmittags kurz bewölkt mit ein paar Regentropfen, 22 Grad

Wir hatten uns gestern noch Karten für eine englische Führung “In den Kellern des KGB” um 10 Uhr durchs KGB-Museum der lettischen Besetzung besorgt. Somit war klar, dass das unser erster Programmpunkt für heute sein würde.

Um 9:30 Uhr starteten wir mit den Rädern und waren um 9:45 Uhr am KGB-Gebäude, das während der sowjetischen Besatzung als Zentrum der Repression diente. Hier wurden Regimegegner verhört und inhaftiert. Die Führung war insgesamt schon sehr bedrückend, auch wenn der Führer versuchte, das schwere Thema unterhaltsam zu gestalten.

Wir sahen schmale, unterirdische Arrestzellen, in denen Inhaftierte unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Außerdem zeigte man uns einen Transportaufzug für Verhaftete und eines der Verhörzimmer, in denen Gefangene vom KGB psychisch und physisch gefoltert und verhört wurden. Wir kamen in einen kleinen Innenhof für den Freigang der Häftlinge, in die Küche und zum Abschluss in einen Exekutionsraum. Insgesamt dauerte die Führung 75 Minuten und hat bei uns schon ein sehr beklemmendes Gefühl hinterlassen. Wir waren froh, wieder in die Sonne und Wärme hinausgehen zu dürfen.

Das Haus sieht von außen ganz normal aus, der Empfang wirkt noch recht unverdächtig

Das Aufnahmezimmer - hier wird man all seine persönliche Habe los und im Verhörzimmer soll man all seine Geheimnisse los werden. Unterm Tisch ist ein normaler Nagel, der zur Unterstützung der Erinnerung z.B. unter die Fingernägel gedrückt wird.

Zu Beginn ging es dann für 3 Tage in einen kleinen Raum (kleiner, wie eine Telefonzelle), ohne Essen, Trinken, ohne Licht - gemeinsam mit 7 weiteren Personen.

Dann kam man in den Zellentrackt. In der rechten standen 4 Betten und ein Eimer. Diese war mit bis zu 35 Personen belegt.

Es gab Zellen mit und ohne Licht. Essen wurde geliefert.

In der Küche wurde für die Häftlinge gekocht. Das Geschirr hatte Besonderheiten: z.B. Tassen oder Teller mit einem Loch, welches man zuhalten musste, solange man isst oder trinkt. Dies ist besonders toll, wenn man sehr heiße Speißen bekommt.

Einmal pro Woche hatte man Freigang, für 30 Minuten. Die Bewacher standen oben mit ihren Kalaschnikows.

Zum Schluss wurden wir noch in eine schalldicht gemachte Garage geführt. Hier fanden die Executionen statt, die stets um Mitternacht durchgeführt wurden. Man sieht die Einschusslöcher, die zur Analyse mit Klebern markiert wurden.

Wir setzten die Radtour fort und fuhren zuerst durch das Jugendstilviertel. Die Straßen sind hier ziemlich eng, so dass viele der schönen Jugendstilfassaden gar nicht voll zur Geltung kommen können.

Weiter ging es in die Altstadt. Wir hatten nicht damit gerechnet, wie voll es hier sein würde. Auf vielen Plätzen war Markt oder es wurden Bühnen aufgebaut fürs Mittsommerfest. Der Livu-Platz hat uns sehr gut gefallen mit den kleineren bunten Häusern, den Cafés, Restaurants und Blumenrabatten. Wir überlegten, dort mittagzuessen, aber es war noch etwas früh (12 Uhr) und die Speisekarten haben uns nicht wirklich zugesagt.

So fuhren wir weiter auf kleinen Kopfsteinpflasterstraßen zur Kleinen und Großen Gilde, kamen am Katzenhaus vorbei und damm zum Rigaer Dom und Domplatz. Natürlich durfte auch das Schwarzhäupterhaus auf unserer Tour nicht fehlen. An der Petri-Kirche sind wir nur vorbeigeradelt und nicht auf den Turm gestiegen – es waren einfach zu viele Menschen hier. Die Innenstadt sollte man wirklich nur zu Fuß und nicht mit Rädern besichtigen.

Am Zentralmarkt ketteten wir die Räder an und bummelten über den Markt und durch eine der Markthallen. Dort haben wir auch etwas zu Mittag gegessen, allerdings hat es uns nicht besonders geschmeckt. Xenia nahm noch ein halbes Bauernbrot an einem Stand mit, dann verließen wir die Hallen wieder und radelten 20 Kilometer zum Jurmala-Strand, an dem wir gestern vorbeigefahren waren. Von Riga führt ein schöner Radweg nach Jurmala.

In Jurmala kamen wir zu einem Schwimbad mit wirklich vielen Rutschen und “Jurmalas Tarzans”, einem Kletterpark. Dort befindet sich auch ein frei zugänglicher Aussichtsturm, auf den wir hochstiegen und über die Bäume bis zum Meer schauen konnten.

Leider zogen jetzt ein paar dunkle Wolken auf, aber den Strand wollten wir doch unbedingt noch sehen! So radelten wir vor, setzten uns eine Weile auf eine Bank am Strand und ergötzten uns an der lettischen Bademode.

(Hat Xenia aufgenommen!)

Als wir uns auf den Rückweg machten, spürten wir die ersten Regentropfen. Zum Glück waren wir schneller als der Schauer, so dass wir nur einen ganz leichten Nieselregen abbekamen. Wir zogen nicht einmal Regenjacken an. In Riga schien wieder die Sonne und als wir zurück bei der Berta auf dem Kirchenstellplatz waren, konnten wir nach einer Dusche im Freien vespern.

Morgen wollen wir noch einmal ohne Räder in die Stadt gehen, um etwas mehr von den Sehenswürdigkeiten Rigas entdecken zu können. Für heute haben wir genug.


Samstag, 20.06.2026 – Riga Altstadt und Mittsommerfest im Victory-Park

Berta 0 km, Stadtrunde 5 km, 25 km zu Fuß und mit Bussen

Wetter: Sonne pur, 26 Grad

Heute gingen wir zu Fuß durch die Altstadt. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir den Öffentlichen Nahverkehr. Ein Tagesticket kostete 5 Euro, da kann man nicht meckern.

Um 10 Uhr kamen wir los und nahmen den Bus bis zum Brivibas Platz, wo die große Freiheitsstatue steht. Gestern hatten wir ja schon gesehen, wie hier eine Tribüne und mehrere Bühnen aufgebaut wurden. Als wir heute dort ankamen, waren verschiedene Gruppen am Üben – fürs morgige große Festival, wie man uns erklärte.

Wir gingen weiter in die Altstadt, vorbei an der Lama-Uhr und über den Livu-Platz zur Petri-Kirche. Heute gingen wir hinein, schauten uns das Kirchenschiff an und fuhren mit einem Aufzug hinauf auf den Turm. Von oben hatten wir einen tollen Blick auf Riga und entdeckten einiges wieder, an dem wir gestern vorbeigeradelt waren.

Als Nächstes kamen wir zum Mentzendorff-Haus. Das historische Wohn- und Geschäftshaus aus dem 17. Jahrhundert gehörte einst einem reichen Rigaer Bürger. Es wurde so hergerichtet, wie das wohlhabende Rigaer Bürgertum damals gelebt hat. Decken, Wände und Böden sowie das Mobiliar und einige Alltagsgegenstände sollten an diese Zeit erinnern. Wir waren die einzigen Besucher und konnten uns die Räume ungestört anschauen.

Nun gingen wir weiter auf den Rathausplatz und zum Schwarzhäupterhaus. Auch dieses prächtige Gebäude besichtigten wir von innen, diesmal mit deutschem Audio-Guide. Es diente über Jahrhunderte als zentraler Versammlungsort für Kaufleute und das gesellschaftliche Leben der Hansestadt. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde, erstrahlt es seit seiner Rekonstruktion im Jahr 1999 wieder im alten Glanz auf dem Rathausplatz.

Zunächst besichtigten wir den mittelalterlichen Keller, der als einziger Teil des Hauses die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden hat. Im Erdgeschoss können neben den schönen Räumen eine bedeutende Silbersammlung bewundert werden, die zu den größten und wertvollsten des Baltikums zählt. Im Obergeschoss erwartete uns der Prunksaal mit seinen beeindruckenden Deckenmalereien, Kristallleuchtern und Herrscherporträts. Hier wurden einst rauschende Feste gefeiert und viele berühmte Persönlichkeiten waren zu Gast: Könige, Staatsmänner und Komponisten wie Liszt oder Schumann.

Wir bummelten noch etwas über den Rathausplatz und machten uns dann auf die Suche nach einem guten Restaurant für das Mittagessen. Diesmal überließen wir nichts dem Zufall, sondern Udo suchte nach den Google-Bewertungen in Maps etwas für uns heraus. Unsere erste Wahl hatte leider geschlossen, aber in der Nähe war ein schnuckliges kleines Lokal, in dem wir den „Fisch des Tages“, Lachs mit gegrilltem Gemüse und einer fruchtigen Soße, aßen. Es war wirklich sehr gut!

Nachdem wir uns gestärkt und etwas ausgeruht hatten, gingen wir noch einmal zum Rathausplatz zurück, da sich dort die Touristeninformation befindet und wir uns über das heutige Programm zur Mittsommerfeier erkundigen wollten. Wir bekamen ein Infoblatt, aus dem wir erfuhren, dass bis 16 Uhr im Vermanes Park und den ganzen Nachmittag und Abend auf der anderen Flussseite auf dem Victory-Platz ein Markt und verschiedene Veranstaltungen stattfinden.

Wir spazierten noch eine Runde über den Domplatz, vorbei am Katzenhaus und der Kleinen Gilde, und begaben uns dann auf den Weg zum Verkanes Park. Dort spielten auf einer Bühne verschiedene Musikgruppen der umliegenden Universitäten. Zwei davon konnten wir noch hören, wobei die zweite und letzte des Nachmittagsprogramms richtig gut war. Wir suchten uns einen schattigen Platz, sodass wir das Konzert genießen konnten. In der prallen Sonne wäre es wirklich zu heiß gewesen.

Nun wollten wir zur Berta zurück, um uns dort noch etwas auszuruhen, bevor wir abends noch einmal loszogen, um das Mittsommerfest auf der anderen Flussseite mitzufeiern. Jetzt den richtigen Bus zu erwischen, gestaltete sich schwieriger als gedacht – trotz Maps. Es gibt nämlich jede Menge Haltestellen nacheinander an einem Platz oder einer Straße, und die Busse halten nur an einer von ihnen. Aber schließlich hatten wir es geschafft und waren um 16:45 Uhr wieder an der Berta.

Um 18 Uhr brachen wir erneut auf und erreichten den Victory-Park um 18:45 Uhr. Dort war einiges los, aber trotz des schönen Wetters war es nicht zu voll. Der Skater-Parcours war gut frequentiert, einige Kinder drehten auf Scootern ihre Runden über verschiedene Hindernisse hinweg. Wir gingen zum Markt, schlenderten hindurch und aßen an einer Bude gegrilltes Fleisch (Udo) sowie herzhafte, dunkle lettische Würste (Xenia) mit Sauerkraut, Bratkartoffeln und Pilzen. Dazu gab es eine Knoblauchsoße. Wir wählten den Stand mit dem größten Ansturm, und das Essen war auch recht gut.

Bevor das Abendprogramm losging, schauten wir noch einigen traditionellen Handwerkern und Handwerkerinnen bei ihrer Arbeit zu. Es gab viel zu bestaunen: Weben, Flechten, Klöppeln, Korbflechten, Schnitzen, das Herstellen kleiner Tiere aus Ton, Lederarbeiten ... An manchen Tischen konnten die Besucher auch selbst Hand anlegen.

Das Abendprogramm startete um 19:30 Uhr. Zunächst trat eine Gruppe von fünf Sängerinnen auf, die für unsere Ohren eine ziemlich schrille und schräge Vorstellung mit traditionellen nordischen Volksliedern gaben. Schade, dass wir nichts verstehen konnten, denn zu den Liedern gab es immer eine Erklärung. Danach kam eine etwas größere Folkloregruppe mit Instrumenten und Gesang auf die Bühne. Zunächst präsentierten sie Lieder im ähnlichen Stil wie die Gruppe zuvor. Dann spielten sie Volkstanzmusik und ermutigten die Zuschauer zum Mittanzen. Wenn wir unsere Rucksäcke mit den wichtigsten Utensilien, auf die wir gut aufpassen mussten, nicht dabei gehabt hätten, hätten wir auch mitgemacht. So blieb es beim Zuhören und Zuschauen.

Um 21 Uhr waren diese Darbietungen beendet und das Programm ging auf einer anderen Bühne weiter, wo eine Musikgruppe spielte. Wir gingen noch einmal zum Markt und kauften uns ein sehr gutes Eis. Anschließend hörten wir der Musikgruppe zu, aber ihre Musik gefiel uns nicht so gut.

Es waren verschiedene Feuerkörbe und ein großes Pagodenfeuer vorbereitet. Wann diese entzündet werden würden, wussten wir jedoch nicht. Die Veranstaltung sollte bis 2 Uhr dauern. Um 22 Uhr beschlossen wir, dass wir genug vom Mittsommerfest gesehen hatten, und machten uns auf den Heimweg.

Zuhause gab es noch eine Dusche, dann beendeten wir den Tag.


Sonntag, 21.06.2026 – Versorgungsvormittag in Riga, Sigulda Gutmannshöhle, Mittsommerfest auf Burg Turaida, Schloss Sigulda mit alten Burgruinen

Von Riga bis Sigulda – 54 km, Radrunde 15 km

Wetter: vormittags bewölkt und Regen, dann sonnig, abends gewittrig. Sehr schwül bei 23 Grad.

Heute verabschiedeten wir uns von Riga. Zuerst war es noch nur bewölkt und wir nutzten den Platz für ein paar Putzaktionen (Kühltasche, Kühlschrank, Bad und Boden). Ein Rohr unserer Warmwasserheizung hatte sich auf einer Seite gelöst; Udo kroch unter die Berta und machte es wieder fest, bevor mehr passieren konnte.

Natürlich bekam die Berta auch noch einen Rundum-Versorgungsservice (Wasser, Abwasser, Toilette). Leider war das Wasser in Riga ziemlich eisenhaltig, was erneut zu Problemen mit dem Piepser des Desinfizierers führte. Aber wir benötigten Wasser und wissen ja jetzt, was die Ursache des Piepsens ist. Es verschwindet hoffentlich wieder, wenn wir klareres Wasser nachtanken können.

Um 10:30 Uhr begann es zu regnen, gerade als wir fertig waren und starten wollten. Da Dienstag und Mittwoch hier Mittsommer-Feiertage sind, haben wir uns bei einem Lidl noch einmal mit allem eingedeckt, was wir in den nächsten Tagen benötigen. Sonntags hat hier alles ganz normal geöffnet. Nur an besonderen Feiertagen ist alles geschlossen, auch Museen und andere Sehenswürdigkeiten, für die man ein Eintrittsticket benötigt.

Dann ging es weiter nach Sigulda im Gauja-Nationalpark. Wir bekamen problemlos einen Parkplatz an der Seilbahn über die Gauja, wo wir auch über Nacht stehen bleiben können. Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel. Nur sehr schwül war es, so dass uns die 23 Grad richtig heiß vorkamen.

Für den späten Nachmittag waren vereinzelte Gewitter angesagt, doch wir wollten das schöne Wetter nutzen und entschieden uns für eine Radtour zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Region.

Los ging es auf einem Radweg neben der Straße bis zur Gutmanns-Höhle. Sie ist 18,8 Meter lang, 12 Meter breit und bis zu 10 Meter hoch – also sehr überschaubar. Trotzdem ist sie die größte grottenartige Höhle im gesamten Baltikum und gilt als die älteste touristische Sehenswürdigkeit Lettlands. Natürlich musste sie auch von uns besucht werden! Die Wände der Höhle sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Seit dem 17. Jahrhundert ritzen Besucher ihre Namen, Wappen, Initialen und Jahreszahlen in den weichen roten Sandstein. Diese historischen Inschriften stehen heute unter strengem Denkmalschutz.

Die Höhle ist zudem der Schauplatz einer der berühmtesten und tragischsten Liebesgeschichten Lettlands, der Legende über die “Rose von Turaida”: Im Jahr 1620 wurde das wunderschöne Mädchen Maija (bekannt als die „Rose von Turaida“) von einem abgewiesenen Soldaten mit einem gefälschten Brief ihres Liebsten in die Höhle gelockt. Um ihre Ehre zu verteidigen, täuschte sie vor, ein Zauberhalstuch zu besitzen, das unverwundbar macht. Sie forderte den Soldaten auf, es mit dem Schwert zu testen – und starb bei dem Hieb. So rettete sie mit ihrem Tod ihre Ehe und blieb ihrem Verlobten treu. Ihr Grab befindet sich nahe der Burg Turaida. Es ist bis heute Brauch, dass lettische Hochzeitspaare an ihrem Hochzeitstag dort Blumen niederlegen.

Wir schafften gerade eine kleine Runde durch die Höhle, dann kam eine Reisegruppe an und alles war voller Menschen. Wir stiegen noch zur Viktorhöhle hinauf, die sich direkt neben der Gutmannshöhle befindet und nicht mehr als eine kleine Aushöhlung ist.

Nur wenige Kilometer weiter, die wir wieder auf dem Radweg neben der Straße zurücklegen konnten, befindet sich der Parkplatz zur Burg Turaida. Die markante Festung aus rotem Backstein thront auf einem bewaldeten Hügel hoch über dem Tal des Flusses Gauja und ist eine der bekanntesten und beliebtesten mittelalterlichen Burgen Lettlands. Ihr Bau wurde im Jahr 1214 im Auftrag von Bischof Albert von Riga begonnen. Sie wurde genau an der Stelle errichtet, an der zuvor die hölzerne Festung des Liven-Königs Kaupo gestanden hatte. Über Jahrhunderte diente die Anlage als wichtiger wirtschaftlicher Stützpunkt und als Bischofsresidenz der Rigaer Erzbischöfe. Im Jahr 1776 zerstörte ein verheerender Großbrand fast die gesamte Anlage, woraufhin sie nicht wieder aufgebaut wurde und über die Jahrhunderte verfiel. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Burg durch umfassende archäologische Ausgrabungen und historische Rekonstruktionen wieder zum Leben erweckt.

Heute herrschte im Burgpark reges Treiben – Mittsommerfest! Es gab einen Markt, auf dem verschiedene Handwerker ihre Waren feilboten. Irgendwelchen chinesischen Krimskrams gab es hier nicht. Außerdem konnte man an verschiedenen Stellen Blumen-, Gras- und Laubkränze flechten. Viele Menschen liefen in historischen Gewändern und mit solchen Kränzen geschmückt herum. Auf einer Bühne wurde gesungen und gespielt, davor getanzt. Es gab teilweise Tanzdarbietungen, aber mehr noch Mitmachtänze für jedermann. Xenia hat einmal mitgetanzt, was bei dem schwülen Sommerwetter jedoch sehr anstrengend und schweißtreibend war.

Viele Menschen in Tracht und gemeinsames binden von Midsommerkränzen. Man setzte siche einfach dazu.

Die Familen saßen zusammen und warteten auf den nächsten Auftritt.

Zu kaufen gab es Handgemachtes, wie gewebte Kleider, gestickte Tücher, Holz- und Metallarbeiten, Gebackenes, Käse, Honig und Marmeladen. (Kein einziges Platik-Chinaramsch-Teil)

Die Tänze und Trachten erinnerten uns sehr an unsere Zeit bei den Volkstänzern.

Natürlich besuchten wir auch die Burg, stiegen auf den Burgturm und durchstreiften einige Museumsräume. Vom Museum haben wir nicht allzu viel verstanden, aber die Aussicht vom Turm war klasse.

Auf dem Rückweg verbrachten wir nochmals ein paar Minuten vor der Bühne. Dann stiegen wir wieder auf die Räder und fuhren zum Herrenhaus Krimulda. Inzwischen war der Himmel an manchen Stellen schwarz geworden, und wir schätzten uns glücklich, dass wir an den Schauern und Gewittern vorbeikamen, ohne vom Regen überrascht zu werden. Unweit vom Herrenhaus befindet sich die unserem Parkplatz gegenüberliegende Seilbahnstation der Seilbahn über die Gauja. Wir dachten zuerst, das sei ein Aussichtsturm, aber dann konnten wir das Seil und auch die Bahn erkennen.

Nun ging es wieder in Serpentinen hinunter bis zur Gauja und auf der anderen Flussseite hinauf nach Sigulda. Hier erlebten wir mal mit dem Rad die unendlich geraden Straßen.

Dort machten wir noch einen letzten Abstecher zum Schloss und zur alten Burgruine dahinter. Inzwischen hatte alles geschlossen, was für uns bedeutete, dass wir die Ruine ohne Eintritt durchstreifen konnten. Von dort aus hatten wir einen schönen Ausblick, insbesondere auf die rote Burg Turaida.

Nun war es nur noch ein kurzes Stück zurück zur Berta. Kaum hatte Udo die Räder aufgeräumt und die Tür geschlossen, begann es zu regnen. Nicht viel, aber ziemlich überraschend. Uns machte es nichts mehr aus. Wir duschten uns den Schweiß vom Leib und verbrachten den Abend im Trockenen, während draußen Gewittergrollen zu hören war und immer wieder ein paar Tropfen fielen.


Montag, 22.06.2026 – Archäologischer Park Āraiši, Höhle Liela Ellite, Licu-Langu Felswand, Fahrt zurück ans Meer

Von Sigulda über Liepa bis Tuja – 141 km, Wanderung 6,5 km

Wetter: sonnig, 24 Grad

Schon am gestrigen Nachmittag hatte Xenia Probleme mit dem Magen bekommen. Immer wieder stach es, aber da es auch gleich wieder vorbei war, beachtete sie es wenig. Abends nahmen die Beschwerden aber leider zu und die Magenkrämpfe hielten Xenia bis 3 Uhr wach. Morgens war es etwas besser, aber noch nicht gut. So war für Xenia heute Diät angesagt.

Da wir direkt auf dem Parkplatz der Seilbahn standen, die die beiden Seiten des Gauja-Tales verbindet, schauten wir uns noch die Seilbahnstation von der Nähe an und waren dabei als gerade die Gondel ihren Weg auf die andere Seite startete. Der Imbis hatte so nette Sitzplätze, die sollte man direkt nachbauen.

Bei schönstem Wetter fuhren wir zum Archäologischen Park Āraiši, einem der wenigen Orte, die montags geöffnet haben. Als wir dort ankamen, waren wir die Einzigen und das Kassenhäuschen war nicht besetzt. Die Tore waren aber alle offen, sodass wir das Gelände durchstreifen konnten.

In der Mitte des Freilichtmuseums befindet sich ein See mit Rekonstruktionen einer befestigten Inselsiedlung aus dem 9./10. Jahrhundert. Daneben, am Seeufer, stehen noch ein paar Überreste einer Burg aus der Zeit des 14. bis 17. Jahrhunderts.

Als wir wieder zurück an der Berta waren, waren noch ein paar weitere Autos auf dem Parkplatz angekommen, aber immer noch war die Kasse unbesetzt. So bekamen sie heute kein Geld von uns.

Unser nächstes Ziel war Liepa mit der Höhle Liela Ellite (Teufelsofen) und den Langu-Licu Felswänden. An Cesis fuhren wir nur vorbei, da die Burg montags geschlossen hat. Ansonsten hat Cesis wohl nicht viel zu bieten. Da wollten wir das herrliche Wetter doch lieber für eine Wanderung in der Natur nutzen.

Zuerst fuhren wir direkt zur Liela Ellite. Bei der Höhle gibt es einen Parkplatz, und so konnten wir uns ein paar Kilometer Wanderung einsparen.

Die Sandsteinhöhle ist eine historische Kultstätte und ein beliebtes Ausflugsziel. An den Wänden befinden sich eingekratzte Inschriften, von denen die ältesten aus dem Jahr 1500 stammen. Aus dem Inneren der Höhle entspringt eine ganzjährig fließende Quelle, die als heilig galt. Vor der Höhle befindet sich Lettlands einzige natürliche Sandstein-Arkade: eine dreifache Bogenstruktur, die durch unterirdische Quellen ausgewaschen wurde.

Nachdem wir die Höhle ausgiebig erkundet hatten, fuhren wir 2 Kilometer zurück an den Start des Langu-Licu-Trails. Es handelt sich hierbei um eine 6-km-Rundwanderung, die vorbei an den Langu-Licu Felswänden bis zur Gauja führt. Über einen Kilometer führt der Weg an der bis zu 30 Metern hohen steilen Sandsteinwand vorbei. Am Fuß der Felswände entspringen rund 20 natürliche Quellen. Durch deren Auswaschungen sind mehrere Höhlen und Nischen entstanden. Der Weg war schön, aber nicht mit den Felsenlabyrinthen in Tschechien oder Luxemburg vergleichbar. Da sind wir inzwischen wohl schon etwas verwöhnt.

Xenias Magen machte noch ziemlich Zicken, als wir loswanderten, beruhigte sich dann aber mehr und mehr. Die 2 Stunden Laufen waren trotzdem Anstrengung genug und als wir um 16:45 Uhr wieder an der Berta waren, gab es eine Stunde Schlafen und eine Dusche. Danach waren wir wieder fit und Xenia ging es viel besser.

Nach einigem Überlegen entschieden wir, wieder an die Küste zu fahren. Einen Eindruck vom Gauja Nationalpark hatten wir gewonnen und wir vermuteten, dass bei noch mehr Wanderungen nicht allzuviel Neues dazukäme.

So fuhren wir am Abend noch nach Tuja und übernachteten auf einem kleinen Parkplatz für Strandbesucher.

Nach einem Vesper für Udo und Nudelsuppe für Xenia machten wir einen kleinen Abendspaziergang an den Strand und zum Meer. Inzwischen hatte es deutlich abgekühlt und es wehte ein frisches Lüftchen. Es wurde uns schnell kalt, daher gingen wir schon nach wenigen Minuten wieder zurück zur Berta.


Dienstag, 23.06.2026 – Veczemju Klippen, Pärnu

Von Tuja über Pärnu bis Tori - 193 km, Stadtspaziergang 5 km

Wetter: sonnig, 20 Grad

Nachdem alle Strandbesucher abgefahren waren, war es total ruhig auf unserem Platz und wir schliefen bis 8:45 Uhr – eine Stunde länger als üblich.

Wir entschieden uns, heute nach Pärnu zu fahren und dort zu schauen, ob wir noch einmal an einer Mittsommerfeier teilnehmen können. Google-Recherchen hatten ergeben, dass in Valgeranna, gleich neben Pärnu, ein großes Festival stattfindet.

So machten wir uns um 10 Uhr auf gen Norden. Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp bei den Veczemju Klippen ein. Überrascht waren wir, als wir vorne am Meer am Parkplatz ankamen. Hier gab es einen Waldcampingplatz, auf dem eine Menge los war. Eine große Anzahl an Zelten war im Wald aufgebaut. Auf dem Parkplatz durfte man nur bis 19 Uhr parken, danach war hier Fest.

Wir gingen vor an den Strand, drehten aber nochmals um, um uns eine Jacke zu holen. Nur im T-Shirt war es zu frisch. Außerdem hatten wir keine Klippen gesehen. Wir fragten eine Frau, die mit ihren Freundinnen beim Parkplatz saß und gut Deutsch konnte, nach dem Weg. Sie schickte uns 200 Meter weiter und da wurden wir dann auch fündig.

Die Wellen der Ostsee haben hier ein bis zu 6 Meter hohes Steilufer geformt, an dem auf einer Länge von mehreren hundert Metern rote Sandsteinfelsen freiliegen. Die Klippen sind durchzogen von Nischen, Grotten und anderen Auswaschungen. Xenia hatte tolle Bilder im Internet gesehen, in der Realität war es nicht ganz so spektakulär und leider lagen die Klippen auch im Schatten.

So waren wir recht schnell mit unserer Besichtigungsrunde fertig und fuhren weiter über die Grenze nach Estland. An Pärnu, Estlands Sommerhauptstadt, fuhren wir erst einmal vorbei, um nach Valgeralla, westlich der Stadt, zu gelangen. Eigentlich wollten wir hier nur auf einen Parkplatz, aber Udo hatte aus Versehen einen Campingplatz ins Navi eingegeben. Als wir den Irrtum vor Ort bemerkten, machte Udo aus der Not eine Tugend, ging zur Rezeption und fragte ein nettes junges Mädel, wo denn die Mittsommerveranstaltung sei. Sie antwortete, dass es hier in Valgeralla ein Rock- und Popfestival geben wird. Das war jetzt nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Sie zeigte Udo aber auf der Karte einen Platz in Paikuse, einem Vorort genau auf der anderen Seite von Pärnu, wo eine traditionelles Folkloreveranstaltung stattfinden sollte.

Also fuhren wir zurück, wieder um Pärnu herum, und fanden den Platz auch. Allerdings hatte das Fest schon gestern stattgefunden, heute stieg nur noch etwas Rauch aus der Feuerstelle. Wir erkundigten uns wieder bei einer Frau, die neben uns einparkte, und sie fand für uns heraus, dass im Weiterbildungszentrum Nooruse Maja in Pärnu ab 19 Uhr ein Mittsommer-Brauchtumsabend stattfinde.

Wir fanden in Park4night einen Parkplatz bei einer Brücke über den Pärnu-Kanal, von dem aus das Zentrum zu Fuß erreichbar ist. Dorthin fuhren wir – wieder die A4 zurück. Inzwischen kannten wir uns ganz gut aus auf dieser Strecke. An der Brücke angekommen, war es 14:30 Uhr und Xenia machte erst einmal etwas zum Essen. Udo führte in dieser Zeit eine kleine Reparatur am Router durch, der wohl einen Wackelkontakt hatte und immer wieder ausfiel.

Um 15:30 Uhr brachen wir auf zu einem Stadtspaziergang durch Pärnu, zuerst vor an den Strand und dann durch die Altstadt zurück. Immer wieder begegneten wir Elefanten. Sie sind die Maskottchen von Pärnu und man findet sie zuhauf in der Stadt. Der Legende nach soll der berühmte Heilschlamm der Region durch Elefanten entstanden sein, die über Jahrzehnte im Meer gestampft haben.

Um 17 Uhr waren wir wieder an der Berta und machten uns einen Kaffee. Anschließend gab es eine Erholungspause bis kurz vor 19 Uhr – Zeit für den Mittsommerabend.

Im Innenhof des Kulturzentrums war eine Bühne aufgebaut. Als wir ankamen waren schon viele Besucher da, aber wir bekamen sogar noch einen Platz in der ersten Reihe. Wenn wir schon nichts verstehen konnten, dann wollten wir doch wenigstens etwas sehen! Von den einführenden Worten haben wir natürlich nichts verstanden, aber dann trat eine Volkstanzgruppe auf, die etwa das Niveau von den Sontheimer Volkstänzern hatte. Sie tanzten zu nationalen und internationalen Hits in zwei Blöcken mit unterschiedlichen Trachten. Nach einer Stunde waren sie fertig. Jetzt kamen 2 Gitarristen auf die Bühne, die mit Playback-Unterstützung zum Tanz aufspielten. Schnell füllte sich die Tanzfläche und es deutete alles darauf hin, dass das bis zum Ende des Abends so weitergehen würde. Wir schauten noch eine halbe Stunde zu, dann verließen wir die Veranstaltung und gingen zurück zur Berta.

Der Platz an der Brücke war vor allem Xenia zu laut zum Übernachten, deshalb fuhren wir noch eine halbe Stunde in Richtung Soomaa-Nationalpark und übernachteten auf einem Friedhofsparkplatz in Tori. In Tori gab es auch ein öffentliches WC-Haus mit Wasserspülung, das wir zur Toilettenentleerung nutzen konnten. Das war nämlich auch dringend wieder nötig.

Xenias Bauch hatte den ganzen Tag Ruhe gegeben, aber jetzt am Abend kamen die Krämpfe wieder. Hoffentlich geht das nicht wieder die halbe Nacht so weiter ...


Mittwoch, 24.06.2026 – Tori Pörgu, Soomaa Nationalpark, Fähre nach Muhu, Üügu Klippen

Von Tori in den Soomaa Nationalpark, weiter bis zu den Üügu Klippen - 164 km, Wanderung Ingatsi Trail 4 km

Wetter: vormittags Regen, nachmittags bewölkt, abends sonnig

Xenia hatte leider bis 2:30 Uhr Magenkrämpfe, aber dann konnte sie schlafen. Am Morgen war es vorbei und es blieb auch den ganzen Tag über gut.

Der Regen war nicht zu überhören, der beim Aufwachen aufs Bertadach trommelte. Nun ja, so war es angesagt gewesen.

Als der Regen nach dem Frühstück etwas nachließ, zogen wir Regenjacken an, schnappten unsere Regenschirme und machten uns auf in die “Tori-Hölle” (Tori Pörgu). Direkt hinter unserem Parkplatz führten Stufen hinunter ans Flussufer.

Tori Põrgu (deutsch: die „Tori-Hölle“) ist eine bekannte Höhle und Sandsteinklippe in der Gemeinde Tori am linken Ufer des Flusses Pärnu. Man kann auf aufgestellten Tafeln mancherlei Sagen, Mythen, Geschichten und Gedichte über einen schelmischen, guten Teufel lesen, der hier gelebt und Menschen und Tieren geholfen haben soll. Seine Höhle ist heute aber eingestürzt und kann nur noch von außen besichtigt werden, zusammen mit den Sandsteinklippen am Flussufer. Diese liefen wir unten am Flussufer einmal ab und kehrten oben wieder zur Berta zurück.

Im Regen fuhren wir in den Soomaa Nationalpark zum Startparkplatz für den Ingatsi-Trail. Die letzten drei Kilometer mussten wir auf einer unbefestigten Straße fahren, die heute matschig und voller Regenlöcher war. Außerdem war die Straße so eng, dass wir einmal ein Stück rückwärts zurück fahren mussten, als ein Auto entgegenkam.

Um 11:30 Uhr waren wir am Ziel und es regnete immer noch. Wir hofften, dass der Wetterbericht stimmte und es ab 13 Uhr wieder trocken war. Xenia kochte Nudelsuppe mit Karotten, danach gab es eine Lese- und Ruhepause.

Tatsächlich, um 12:30 wurde der Regen weniger und hörte kurze Zeit später auf. Auch wenn kein weiterer Regen mehr angesagt war, trauten wir dem Wetter nicht so ganz und nahmen Regenschirme auf die kleine Wanderung mit. Wir haben sie nicht gebraucht.

Der Ingatsi-Trail führte uns durch einen richtigen Urwald zu einem Moor. Alles war satt grün und die Nässe und die klare, kühle Luft hatten durchaus auch ihren Reiz. Die Vögel zwitscherten schon wieder und auf dem kleinen Waldwegchen zu gehen, das ab und zu über eine kleine Brücke oder einen Damm im Wald führte, war sehr schön.

Dann bog der Weg ab in ein Moor und wurde zu einem Bohlenweg. Am Anfang des Moorgebiets befand sich ein Aussichtsturm, den wir natürlich besteigen mussten. Außer dem Bohlenweg war nur unberührte Natur um uns herum.

Ein Stück kann man ins Moor hineingehen bis zu ein paar Mooraugen, in denen man auch baden darf. Heute war es mit 15 Grad aber etwas zu frisch dafür, auch wenn das Moorwasser gar nicht kalt, sondern angenehm temperiert war.

Nun hieß es wieder umkehren und die Runde im Wald zurück zur Berta fortzusetzen. Wie schön, dass wir diese Wanderung noch unternehmen konnten und so den Soomaa Nationalpark mit seiner üppigen Natur ein bisschen kennenlernen durften.

Wir entschlossen uns zur Weiterfahrt auf die Inseln vor der Westküste Estlands. Die Wege zu den anderen Trails im Nationalpark waren auch schlammig und Xenia wollte sich heute nicht zu viel zumuten. So fuhren wir um 15 Uhr wieder zurück nach Pärnu und weiter an die Westküste Estlands nach Virtsu. Von dort setzten wir mit der Fähre über nach Kuivastu auf der Insel Muhu. Wir hatten Pech: die Fähre fuhr uns direkt vor der Nase davon. Das Auto vor uns erwischte die Fähre noch, wir wurden nicht mehr durchgelassen. So mussten wir 30 Minuten auf die nächste Fähre warten, was im Wohnmobil auch nicht schlimm war. Xenia aß noch einen Rest Nudelsuppe von Mittag. Sie hatte da nur eine kleine Portion zu sich genommen, da sie nicht sicher war, wie ihr Magen aufs Essen reagiert. Aber es war alles gut gegangen und jetzt hatte sie Hunger.

Um 17:30 Uhr waren wir auf Muhu und fuhren in den Norden der kleinen Insel zu den Üügu Klippen. Diese Steilküste ist ein Kalkstein- und Dolomitkliff. Da das Meer über Jahrtausende direkt an das Gestein schlug, hat die Brandung den weichen Stein unterhöhlt und teils höhlenartige Nischen geformt. Wir gingen zuerst einen schmalen Pfad auf dem Kliff entlang mit Blick über die Ostsee. Zurück wählten wir einen Pfad am Fuß des Kliffs und konnten so die Höhlungen aus der Nähe begutachten.

Als Übernachtungsplatz hatten wir uns den nördlichsten Zipfel von Muhu ausgesucht, wo wir die Berta mit Meerblick abstellen konnten. Ein Hamburger Wohnmobil war schon dort, als wir ankamen, aber sie haben den schönsten Platz uns überlassen.

Nach einem kleinen Gang zum Meer gab es Abendessen mit Meerblick – allerdings in der Berta. Draußen sitzen war trotz Sonnenschein wegen dem kalten Wind, der hier wehte, nicht angesagt.

Der Himmel blaute immer mehr aus und unser Stellplatz war der ideale Sonnenuntergangsplatz. Wie schön!


Donnerstag, 25.06.2026 – Muhu: Liiva Bäckerei, Freilichtmuseum; Saaremaa: Koigi Hochmoor Bog Trail, Kaali Krater

Von Üügu bis Kuressare - 102 km, Bog Trail 6 km

Wetter: heiter bis wolkig, nachmittags ein kurzer Schauer, 23 Grad

Wir erwachten mit herrlichem Ausblick aufs Meer, Vogelgezwitscher und Sonnenschein. Wir hatten uns wirklich einen wunderschönen Platz zum Übernachten ausgesucht und genossen die Aussicht und die Ruhe um uns herum zum Frühstück.

Unser erster Anlaufpunkt war die in allen Reiseführern aufgelistete Bäckerei Pagarid in der zentralen Stadt Liiva. Hier wollten wir das berühmte Schwarzbrot von Muhu kaufen, das direkt aus dem Ofen kommt und noch warm in einer Papiertüte verkauft wird. Wir nahmen auch noch ein Bananebrot mit und freuten uns schon aufs Probieren. Das musste allerdings noch etwas warten, da wir gerade erst gefrühstückt hatten.

Nachdem wir uns noch ein bisschen auf dem Platz umgeschaut hatten, fuhren wir weiter zum Muhu Museum, einem sehr schönen Freilichtmuseum mit Häusern, wie sie früher auf den estnischen Inseln gebaut und bewohnt wurden. Das Museum öffnete um 10 Uhr. Fünf Minuten vorher waren wir auf dem Parkplatz und die ersten und vorerst einzigen Besucher. Die strohgedeckten Häuser waren schnucklig anzusehen, aber wenn man sich vorstellt, darin leben zu müssen, dann ist man doch wieder froh ums eigene Heim. Die Räume waren schon sehr klein und niedrig. Auch eine Schule wurde von Saaremaa hierher transportiert und wieder aufgebaut. Neben dem Inventar waren noch originale Schulbücher zu sehen. Eines für den Deutschunterricht fanden wir besonders spannend, ebenso wie die originalen handgeschriebenen Schülerhefte. In einem weiteren Gebäude waren Kleider und Trachten ausgestellt und man konnte sehen, wie sie sich in den letzten 150 Jahren bis heute entwickelt haben. Es war wirklich ein sehr schönes Freilichtmuseum! Als wir es verließen, kam gerade ein Bus auf dem Parkplatz an und spuckte eine größere Reisegruppe aus. Wie gut, dass wir vor ihnen da gewesen waren!

Jetzt verließen wir Muhu und fuhren über einen Steg auf die größere Nachbarinsel Saameraa. Das Wetter war ideal zum Wandern und so fuhren wir zum Koigi Hochmoor, um dort durchs Moor und um einen kleinen See herum zu laufen. Am Parkplatz angekommen, testeten wir das Bananenbrot mit einer Tasse Kaffee. Sehr lecker! Es hat uns etwas an unseren “Hermann”-Kuchen erinnert.

Inzwischen hatte sich der Himmel bewölkt, was aber zum Wandern sehr angenehm war. Der Weg führte zuerst durch einen Wald, dann hinaus aufs Moor. Wir hatten wohl Hüte dabei, aber der himmlische Sonnenschirm war trotzdem willkommen. Die Temperatur war mit 23 Grad ideal, aber es war etwas schwül. Wieder ging es auf einem Bohlenweg durchs Moor und um den See herum. Udo hatte die Susi dabei und übte, sie hinter uns herfliegen zu lassen. Auf dem letzten Stück zurück durch den Wald wurden wir von Mücken regelrecht umschwärmt. Zum Glück hatten wir uns mit Mückenschutz eingesprüht, sonst wären wir übel zugerichtet worden. Auf dem Hinweg war uns das gar nicht so aufgefallen, aber da waren wir auch noch nicht so verschwitzt wie auf dem Rückweg.

Auf dem Parkplatz retteten wir uns in die Berta und machten, dass wir davon kamen. Es war erst kurz nach 15 Uhr, so fuhren wir noch nach Kaali, wo es einen Meteoritenkrater und ein dazugehöriges Meteoritenmuseum gibt. Um 15:45 Uhr kamen wir dort an. Heute war es Xenia, die sich gerne noch ein bisschen ausruhen wollte, bevor wir zum Krater gingen. Udo hatte nichts dagegen und so legten wir uns eine halbe Stunde in unsere Betten.

Das Meteoritenmuseum war ein Witz. Wir waren gerade mal 10 Minuten drin, hatten aber auch nur 1,50 € Eintritt bezahlen müssen. Zum Krater waren es nur 200 Meter. Wir waren noch am Weg suchen, als ein Reisebus ankam und die Reisegruppe regelrecht zum Krater stürmte. Sie hatten wohl nur 10 Minuten Zeit und waren schnell wieder verschwunden. Als wir am Krater waren, fing es leicht zu tröpfeln an. Wir umrundeten den Kratersee ohne große Eile und aßen ein Eis dabei.

Nun hatten wir genug für heute und entschieden uns, auf einen privaten Wohnmobilplatz in Kuressaare, der Hauptstadt von Saaremaa, zu fahren. Seit Riga hatten wir kein frisches Wasser mehr getankt und alles wieder aufzutanken und frisch zu machen, bot sich an vor der Weiterfahrt in Gegenden ohne Infrastruktur.

Wir waren keine fünf Minuten gefahren, da kamen wir durch einen Regenguss. In Kuressaare schien wieder die Sonne. Wir tankten Sprit und AdBlue und fuhren weiter zu einer Station, wo man Gas nachfüllen kann (eine Gasflasche war leer). Leider hatte diese schon geschlossen. Sie war aber nur 500 Meter vom Wohnmobilstellplatz entfernt, da können wir morgen nochmals vorbeifahren.

Der Stellplatz war in einem privaten Garten und von den zehn zur Verfügung stehenden Plätzen waren nur zwei belegt. So konnten wir uns ein schönes Plätzchen aussuchen, Tisch und Stühle rausstellen und gemütlich zu Abend essen. Jetzt probierten wir das Brot aus Muhu und fanden auch dieses sehr lecker. Es war sehr saftig und leicht süß – wir vermuteten Feigen oder Ähnliches darin, denn wir bissen auf kleine Kernchen, die im Mund krachten.

Zum Tagesabschluss nutzten wir die Dusche des Platzes und wuschen ein paar T-Shirts und etwas Unterwäsche.


Freitag, 26.06.2026 – Kuressaare, Sörve Leuchtturm, Steinmännchenstrand bei Ohessaare

Von Kuressaare bis Ohessaare Steinmännchenstrand – 66 km

Wetter: sonnig, 25 Grad

Heute hatten wir den ganzen Tag Sonne pur. Vormittags benötigten wir einige Zeit, um unsere Versorgung zu machen. Zuerst auf dem Stellplatz: Wasser ablassen und neu tanken, Klo leeren und die gewaschene Wäsche in der Berta aufhängen. Sie war leider am Morgen gefühlt noch genauso nass wie am Vorabend, als Xenia sie aufgehängt hatte. So kamen Udos T-Shirts in die Dusche und die Unterwäsche wurde am Wäschetrockner an der Türe aufgehängt.

Wir verließen unseren Platz und fuhren zuerst zum Gastanken. Das hat prima funktioniert und wir verließen den Händler mit zwei vollen Gasflaschen. Dann kamen die Lebensmittel dran: Beim Lidl kauften wir Milchprodukte, Obst, Gemüse und ein paar Backwaren.

Jetzt waren wir bestens für die nächsten Tage ausgerüstet und fuhren in die Stadt. Ganz in der Nähe des Schlosses, kurz vor der Suur Tõll und Piret Skulptur, gibt es einen Parkplatz mit ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen. Wir bekamen tatsächlich noch einen und starteten von dort aus unsere Runde.

Zunächst schauten wir uns die beeindruckende Skulptur von Suur Tõll und Piret aus der Nähe an. Sie zeigt den mythologischen, gutmütigen Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In der estnischen Mythologie war Suur Tõll der Herrscher und Schutzpatron von Saaremaa. Er verteidigte die Insel gegen Feinde, liebte Kohl und besaß enorme Kräfte. Seine Frau Piret unterstützte ihn stets tatkräftig bei seiner Arbeit. In der Skulptur tragen die beiden ein Boot voller Fische, was den traditionellen Fischfang und den Zusammenhalt der Inselbewohner symbolisiert.

Nach einem kurzen Abstecher zum Stadtstrand von Kuressaare gingen wir aufs Schlossgelände. Man kann auf den Wällen ums Schloss herumgehen. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Windmühle, der wir einen kurzen Besuch abstatteten.

Dann gingen wir ins Schloss, in dem sich heute das Saaremaa-Museum befindet. Schloss Kuressaare, auch als Bischofsburg Arensburg bekannt, ist die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im Baltikum. Das imposante Bauwerk stammt aus dem 14. Jahrhundert und diente einst als Residenz für die Bischöfe von Ösel-Wiek. Der Kern der Anlage besteht aus einem quadratischen Konventshaus im spätgotischen Stil, flankiert von massiven Wehrtürmen.

Das Saaremaa-Museum im Inneren des Konventshaus ist eines der ältesten und größten Museen Estlands. Es zeigt Ausstellungen zur Regionalgeschichte von der Urzeit bis zur jüngeren sowjetischen Vergangenheit der Insel. Ein ziemliches Armutszeugnis ist es, dass es kostenpflichtige Audioguides zu dieser großen Ausstellung nur auf Englisch, Estländisch und Russisch gibt.

Wir liehen uns trotzdem zwei Geräte auf Englisch, was aber ziemlich mühsam und frustrierend auf der Besichtigungstour war. Wir haben vieles nicht verstanden. Dazu kam, dass das Museum heute gut besucht war. Neben einer stattlichen Anzahl von “normalen” Besuchern durchstreiften auch viele Jugendliche in Gruppen die Räume. Keine Ahnung, wer diese Gruppen waren – gerade sind doch Sommerferien in Estland. Die Burgräume waren schon imposant, aber Xenia hat dieser Museumsbesuch gar nicht gefallen und sie war froh, als wir wieder draußen waren.

Die Stimmung war eher mies, trotz dem herrlichen Sommerwetter. Wir machten noch einen Abstecher in die Innenstadt und kauften auf einem kleinen Markt ein Kilo Erdbeeren aus Saarema. In der Berta wurden diese gleich eingezuckert, dann fuhren wir weiter, wieder in die Natur und ans Meer. Wir sind halt doch nicht die Stadtmenschen ...

Unser Ziel war jetzt die südlichste Spitze der Insel. An der Ostküste fuhren wir auf einer asphaltierten Straße die langgezogene südliche Landzunge von Saaremaa hinunter bis zu einem Parkplatz beim Leuchtturm Sörve. Dort waren wir nicht die Einzigen, aber der Besucheransturm hielt sich in Grenzen.

Der Leuchtturm hat eine Höhe von 52 Metern. Um die Aussichtsplattform zu erreichen, müssen 248 Stufen erklommen werden, was uns ganz schön zum Schnaufen gebracht hat. Aber der Rundumblick von oben war die Anstrengung wert.

Wieder unten angekommen machten wir einen Abstecher bis ganz nach vorne zum Kap. Dort konnten wir kleineren Vögeln zusehen, wie sie sich kopfüber wie ein Stein ins Wasser fallen ließen und, wenn sie dabei erfolgreich gewesen waren, mit einem kleinen Fisch im Schnabel wieder auftauchten und davonflogen. Meistens brauchte es aber mehrere Versuche, bis ein Fischfang klappte.

Nach der Rückkehr zur Berta machten wir uns eine Pizzaschnitte in der Pfanne warm und aßen die Erdbeeren mit Joghurt als Nachtisch.

Nun musste wieder die tägliche Frage beantwortet werden: Wo wollen wir die Nacht verbringen? Sollen wir auf dem Leuchtturmparkplatz bleiben oder noch ein Stück weiterfahren? Wir entschieden uns fürs Weiterfahren, aber nur noch ein kurzes Stück. Vor der Ohesaare-Küste gab es neben der Straße einen Platz, wo Leute mit den Steinen, die es dort am Strand gibt, ein Meer von Steinmännchen gebaut haben. Dort stellten wir uns hin. Ein Tübinger Ehepaar war schon hier, aber sie störten uns nicht. Wir unterhielten uns noch ganz nett mit ihnen, dann quartierten wir uns in einer kleinen Nische ein.

Es war inzwischen 18 Uhr geworden, die Sonne war nicht mehr so heiß und es war so schön, im Liegestuhl zu sitzen, aufs Meer zu schauen oder einfach nur mit geschlossenen Augen die Sonne im Gesicht zu genießen. Es wehte ein leichtes Lüftchen, wodurch es nicht zu heiß wurde.

Um 19 Uhr aßen wir noch eine Kleinigkeit, dann wurde es kühl und wir zogen uns in die Berta zurück. Der Himmel war den ganzen Tag über strahlend blau gewesen, aber jetzt zogen am Horizont ein paar Wolken auf, und das ausgerechnet am Sonnenuntergangshimmel! Echt schade! So fiel der grandiose Untergang der Sonne ins Meer, auf den wir uns schon gefreut hatten, heute leider aus. Udo machte trotzdem ein paar Drohnenaufnahmen, es bot sich bei dem Platz einfach an.


Samstag, 27.06.2026 –

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Sonntag, 28.06.2026 –

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Montag, 29.06.2026 –

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Dienstag, 30.06.2026 –

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Mittwoch, 01.07.2026 –

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Donnerstag, 02.07.2026 –

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Freitag, 03.07.2026 –

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Samstag, 04.07.2026 –

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Sonntag, 05.07.2026 –

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Montag, 06.07.2026 –

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Dienstag, 07.07.2026 –

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Mittwoch, 08.07.2026 –

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Donnerstag, 09.07.2026 –

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Freitag, 10.07.2026 –

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Sonntag, 12.07.2026 –

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Montag, 13.07.2026 –

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Donnerstag, 16.07.2026 –

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